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Flagge zeigen: World Aids Awarness Expedition zu den höchsten Gipfeln

Foto: World Aids Awareness Expedition
Mit der »World Aids Awareness Expedition« will der Abenteurer Joachim Franz Zeichen setzen. Auf den höchsten Gipfeln aller Länder sollen Flaggen mit der jeweiligen Dunkelziffer der Aids-Opfer wehen. Jüngstes Ziel war der Bobotov Kuk in Montenegro. Mit am Berg: die sechs Gewinner einer Kundenaktion von VW Nutzfahrzeuge und Globetrotter Ausrüstung.

Schon seit Stunden regnet es, dichter Nebel verhüllt die Spitzen der nahen Berggipfel, der Weg über den glitschigen Karst wird immer beschwerlicher. Schließlich gibt Joachim Franz auf – nur für heute natürlich. Wir schlagen unser Nachtlager an einem Eisfeld auf, so ziemlich die einzige ebene Fläche in dieser Karstlandschaft, auf der mehr als drei Zelte gemeinsam Platz haben. Knapp vierhundert Höhenmeter sind es noch bis zum Gipfel des Bobotov Kuk.

Joachim Franz hat die Expedition nach Montenegro begleitet, um wieder einmal selbst auf einem Gipfel eine Landesflagge mit der Dunkelziffer der an Aids erkrankten Menschen zu hissen. Etwa 1000 Menschen sind es in Montenegro. Die Tour ist Teil seiner »World Aids Awareness Expedition«, deren Ziel es ist, bis Ende 2010 in jedem Land der Erde auf dessen höchstem Gipfel so eine Flagge zu hissen. Ein großes Projekt, doch es lebt vom Mitmachen. Jeder, der es unterstützen will, kann sich für einen Gipfel anmelden und bekommt die Landesflagge zugeschickt.

Trocken ist es nur im Zelt. | Foto: WAAE

Schnell sind die Zelte aufgebaut, Isomatten und Schlafsäcke ausgerollt und alle verkriechen sich darin, es regnet nicht nur, es ist auch noch kalt – und das Ende Juni. Keine guten Vorzeichen, um am nächsten Tag den Gipfel zu bezwingen, meint Franz. Bis hierher wären wir dann also gekommen, sind den verregneten Tag im Durmitor-Nationalpark über scharfkantigen Kalkstein und abschüssige Schneefelder aufgestiegen. Am Parkeingang noch postsozialistischer Zerfall als scharfer Kontrast zur unberührten Natur: Hier stand einst das Lieblingshotel von Tito, jetzt blättert der Putz von den Wänden, blinde eingeschlagene Fenster starren ins Leere. 2000 Kilometer sind wir hierher gefahren, haben Österreich, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina durchquert. Ein nächtliches Zagreb gesehen, tags darauf Minarette, Einschusslöcher in Hauswänden, ein vom Bürgerkrieg immer noch gezeichnetes Sarajevo und überall Betonskelette, von denen niemand sagen kann, ob sie jemals zu fertigen Häusern werden. Männer in Trainingsanzügen, rauchend am Straßenrand, mit verlorenen Blicken.

Der Gipfel ist greifbar

Aufsteigen oder zurück? Das Wetter am Bobotov Kuk zeigt sein launisches Gesicht. | Foto: World Aids Awareness Expedition

So kurz vor dem Ziel aufgeben will jetzt keiner mehr, alle wollen auch das letzte Stück hoch auf den Gipfel. Doch Joachim bremst die Vorfreude, aus dem Zelt heraus lässt er verlauten: Falls es morgen nicht klappe, mache das nichts, das Team habe alles probiert, der Weg sei ja das Ziel. Zumal wir bereits erreicht haben, was er mit der Aktion erreichen will: Aufmerksamkeit. Am Vorabend in Zabljak waren die montenegrinischen Medien zu Besuch im Hotel, um über die Expedition zu berichten. Nur zwei Journalisten, aber mehr Zeitungen gibt es in dem Land mit seinen 600.000 Einwohnern nicht – einer der Kollegen ist immer noch bei uns.

Der Zelteingang von Joachim ist offen und als er sich die nassen Sachen auszieht, sind auf seinem Oberschenkel zwei große tätowierte Masken zu sehen. Was die zu bedeuten haben, fragt Stefan aus dem Zelt gegenüber. »Die habe ich mir nach der Cape-to-Cape-Aids-Expedition im vergangenen Jahr tätowieren lassen, das eine Maskenmotiv stammt aus der Schweiz, das andere aus Afrika. Beide Masken dienen dazu, böse Geister zu vertreiben.« Joachim Franz ist ein von seiner Überzeugung Gezeichneter, aber nicht nur das, er ist auch ein Getriebener. Paris–Dakar mit dem Fahrrad, die Panamericana in 35 Tagen, ebenfalls mit dem Fahrrad, solche Sachen. Letztlich habe ihm aber das Getriebensein die Augen für das geöffnet, was er heute tut, erzählt er.

Auf den Philippinen hat er eine Dschungeltour unternommen, deren Auswirkung sein Leben veränderte: Er bekam Fieber im Dschungel, verlor in drei Wochen 18 Kilo Gewicht, schaffte es aber noch nach Wolfsburg zurück. Zu Hause brach er zusammen und verlor das Bewusstsein. Zehn Tage lag er im Koma, dann wachte er wider Erwarten auf. Seine Frau erzählte ihm später, dass die Ärzte im Krankenhaus bereits jede Hoffnung aufgegeben hatten, da sie die Ursache der Krankheit nicht fanden. In den Wochen seiner Genesung habe er über sein Leben nachgedacht und den Entschluss gefasst, seine abenteuerlichen Unternehmungen in den Dienst der Aids-Bekämpfung zu stellen. Zumal auch ein guter Freund von ihm einige Jahre zuvor an der Krankheit gestorben war.

Vier für alle: die WAAE-Flagge auf dem Gipfel des Bobotov Kuk. | Foto: WAAE

Eine Nacht ohne Schlaf, bei der ersten gemeinsamen Tasse Kaffee fällt Joachim die Entscheidung. Er führt den Großteil der Gruppe zurück nach unten, nur vier Mann, Matti, Ralf, ein montenegrinischer Bergführer und der Journalist dürfen aufsteigen, um die Flagge zu hissen. Zwar regnet es nicht mehr, aber der Nebel ist noch dichter als gestern und der Gipfelgrat soll nicht ganz ungefährlich sein. Enttäuschung herrscht, doch Joachim muntert die Gruppe auf: »Wir sind ein Team, das Team wird es schaffen.« Zwei Stunden später, während des Abstiegs, klingelt Joachims Handy. Ein kurzes Gespräch, er lächelt und verkündet, dass die anderen die Flagge auf den Gipfel gebracht haben. Mission erfüllt.

Die Mission geht weiter

Der Guide übersetzt für Joachim. | Foto: WAAE

Am nächsten Tag geht es mit den Panamericana-Bussen durch einsames montenegrinisches Hochland, wir sind vor der Rückfahrt mit einer der letzten Familien verabredet, die hier noch Schafe züchtet. Auch das ist ein Teil der Mission, es geht Franz darum, die Aufmerksamkeit für Aids möglichst weit ins Land hineinzutragen. Nach stundenlanger Fahrt durch eine Landschaft, die in ihren Grüntönen Irland in nichts nachsteht, erreichen wir die kleine Farm. Die Familie hat uns bereits erwartet und ihre Gastfreundschaft ist um ein vieles größer als unsere Mägen. Erst muss jedoch der obligatorische Sliwowitz getrunken werden, dann gibt es frisches Brot, Kajmak-Käse, Kartoffelsuppe, gebratenes Rindfleisch und Joghurt zum Nachtisch. Die Sprachbarriere ist groß, die Neugier auch, der montenegrinische Führer übersetzt fleißig. Schließlich kramt die Hausherrin die Tageszeitung hervor, unser Ruf eile uns voraus, erklärt sie lächelnd. In der Zeitung ein Gruppenfoto von uns auf dem Berg, daneben ein Artikel über die Expedition. »Mission sehr erfolgreich erfüllt«, sagt Joachim Franz.

 

4-Seasons Info
 

Freiwillige vor!

 

Viele der noch freien Gipfel der »World Aids Awareness Expedition« sind auch für nicht-professionelle Bergsteiger machbar.
 

Joachim Franz unternimmt seit vielen Jahren Expeditionen, die mit dem Thema Aids verknüpft sind. Die »World Aids Awareness Expedition« ist sein bisher größtes Projekt. Für sein Engagement wurde er vor Kurzem zum »Europäer des Jahres« gewählt. Unterstützt wird der ehemalige VW-Mitarbeiter seit Langem von seinem alten Arbeitgeber. Im Laufe der Zeit sind weitere Partner dazugekommen, Globetrotter Ausrüstung ist seit 2008 Partner des Projekts. Unter www.waae.de kann man sich für die freien Gipfel anmelden und bekommt eine Flagge zugeschickt.

Wer neben dem Willen, Zeichen zu setzen, noch etwas Abenteuerlust mitbringt, wird vielleicht doppelt von so einer Gipfelbesteigung profitieren: Manuela und Stefan (Foto) etwa, die Gewinner des Globetrotter-Kundenkarten-Gewinnspiels, lebten bereits einige Jahre im Kongo und wollen auch wieder ins südliche Afrika zurück. Obwohl sie dort schon viele Buschwanderungen unternommen haben, waren sie sich am Ende dieser Expedition einig: »Der Bobotov Kuk war eine außergewöhnliche Erfahrung, vor allem auch, weil es für einen guten Zweck war.«