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First Aid: Die Rucksack-Apotheke

Illustration: Franz Scholz
Gesundheit ist ein kostbares Gut – ganz besonders auf Reisen. Eine durchdachte Rucksack-Apotheke hilft bei kleinen Wehwehchen und kann echte Probleme von vornherein verhindern.
 

Gut zu wissen

Beratung: Die folgenden Tipps sind allgemeiner Natur und können keine Beratung z. B. durch einen Arzt ersetzen. Das gilt besonders für die individuelle Verträglichkeit von Medikamenten und spezielle Fälle (Diabetiker, Allergiker etc.). Beratung bieten Hausarzt, Apotheken und Spezialisten wie etwa die Reisepraxis in den Globetrotter-Filialen in Hamburg und Köln oder das Tropeninstitut in der Filiale Berlin.

Klima-Check: Viele Reiseziele erfordern neben besonderen Medikamenten (wie Malaria-Vorsorge) auch die richtige »Darreichungsform« der Standardmittel. Tabletten sind gegen Hitze oft resistent; bei Tropfen oder Salben hingegen können die Wirkstoffe verfliegen, Zäpfchen neigen zum Aufweichen. Vom Apotheker beraten lassen.

Vorsicht bei Schnäppchen: Viele Medikamente sind im Ausland nicht verschreibungspflichtig oder kosten nur einen Bruchteil des deutschen Preises. Aber: Das Berliner Zentrum für Reise- und Tropenmedizin hat bei einer Untersuchung von originalverpackten Malaria-Medikamenten in Laos eine Fälschungsquote von 44 % festgestellt. In Afrika sind bis zu 70 % betroffen. Heißt: Zumindest wichtige Notfallmedikamente (Malaria, Antibiotika) sollte man auf jeden Fall schon zuhause kaufen.

Infos zum Reiseland: Je exotischer das Ziel, desto spezieller die Anforderungen. Mal bedarf es zwingend einer Gelbfieberimpfung, mal sind Malaria-Erreger gegen bestimmte Wirkstoffe resistent. Infos dazu zum Beispiel unter www.bctropen.de, www.reisepraxiskoeln.de und  www.auswaertiges-amt.de (medizinische Hinweise bei den Reise- und Sicherheitsinfos zu jedem Land).

Vorbeugen: Die einfachste und preiswerteste »Medizin« ist immer noch die Vorbeugung. Sie reicht vom Mückenschutz durch lange Kleidung über die aufgefrischte Tetanus-Impfung bis zum routinemäßigen Gebrauch von abgepacktem Trinkwasser in entsprechenden Gebieten. Ebenfalls klug: die Mitnahme der Beipack-Zettel in der Rucksack-Apotheke und ein Erste-Hilfe-Kurs vor der Reise (wie er etwa im Juni in der Kölner Globetrotter-Filiale angeboten wird).

 

Die Minimal-Austattung

Die Reisepraxis Köln empfiehlt folgende Grundausstattung zum »Immer-dabei-haben« (genannt ist immer der Wirkstoff, meist auch ein entsprechendes Marken-Medikament. Bei Unklarheiten weiß Ihr Apotheker Rat).

Medikamente: Paracetamol (bei Fieber, Entzündung, Schmerzen). Insektenschutz (regional angepasst, in Malaria-Gebieten etwa DEET). Antihistaminikasalbe, z. B. Fenistil (Insektenstiche, Sonnenbrand). Elektrolyt-Glukose-Präparate oder Tannacomp (Durchfall). Metoclopramid (MCP), z. B. Vomex (Erbrechen und Übelkeit). Butylscopolamid wie z. B. Buscopan (Bauchkrämpfe).

Verbandsmaterial: Schere, Skalpell, Pinzette, Leukoplast, Hansaplast, Verbandsmull, elastische Binden, Spritzen (2 und 5 ml), Kanülen (für intramuskuläre Injektionen, je 2 Kanülen pro Spritze).

Außerdem: kleine Schere, Sicherheitsnadeln, Desinfektionsmittel (Povidon-Iod-Salbe = Beta-Isodona).

 

Behandlung von Notfällen

In der Regel folgt man dem Beipackzettel. Was man über die Minimal-Ausstattung hinaus mitnimmt, hängt natürlich von Reiseziel, Tourencharakter (wie weit ist der nächste Arzt?) und Rucksackgewicht ab.

Augenentzündung: Tetrazyklin-Augentropfen.
Durchfall: erst mit Fasten, Tee, Cola, Zwieback versuchen, dann Tannacomp oder Loperamid (= Imodium), in schweren Fällen zusätzlich Chinolone (z. B. Ciprofloxazin) oder Cotrimoxazol (nicht bei Sulfonamidallergie).

Bakterielle Hautinfektion: Povidon-Iod-Salbe. Wenn das nicht hilft, evtl. Antibiotika (z. B. Clindamycin, Arzt konsultieren). Zum Arzt auch mit Abszessen und Furunkeln.

Fieber: Paracetamol, Metamizol (zum Beispiel Novalgin).

Husten: Acetylcystein (schleimlösend), Hustensaft (Hustenreiz stillend). Einreiben der Brust, warm halten, viel heiße Getränke; inhalieren, feuchte Brustwickel. Bei hartnäckigem Husten, Fieber, rostrotem Auswurf: Verdacht auf Lungenentzündung, unbedingt Arzt holen! Falls unmöglich: Penicillin oder andere Antibiotika.

Magenschmerzen, Sodbrennen: Antazida (säurebindende Medikamente), Metoclopramid.

Entzündungen von Mundhöhle, Zahnfleisch, Hals: Lösungen zum Desinfizieren von Hals und Rachen. Bettruhe, heiße Getränke. Bei eitriger Mandelentzündung Penicillin.

Ohren-Entzündung: Dexamethason-Ohrentropfen, Nasenspray.

Schmerzen (z. B. Zahnweh): Paracetamol, Metamizol (z. B. Novalgin).

Übelkeit: Metoclopramid (MCP), Vomex (auch gut bei Seekrankheit).

Verletzungen: Desinfektion mit Povidon-Iod-Lösung; Heilungsförderung mit Kamillen-Extrakt und Dexpanthenol-Salbe. Bei Verbrennungen: sterile Gaze, Brandfolien mit Metallbeschichtung.

Verstopfung: Trockenobst, Früchtewürfel, Milchzucker, Leinsamen.

Kinder vertragen Reisen oft sehr gut, zusätzliche Medikamente sind in der Regel unnötig. Allerdings sind manche Mittel nicht für Kinder geeignet, besonders einige Antibiotika, aber auch Loperamid (Durchfallmittel). Vor der Reise Arzt befragen.

 

4-Seasons Lesertipps

Im Online-Forum von www.globetrotter.de haben wir die Kunden um Tipps zum Thema Rucksack-Apotheke gebeten. Hier einige Auszüge – und vielen Dank an dieser Stelle :-)

  • »Unverzichtbar ist ein Spiegel, um Insekten, die in die Augen fliegen, zu entfernen. Passiert mir im Wald ständig. Außerdem Magnesiumtabletten gegen Muskelkrämpfe und Vitamintabletten bei einseitiger Ernährung.« Erik
  • »Rescue-Tropfen (stillen Blutungen; bei Sonnenbrand) und homöopathische Globuli in Miniröhrchen verpackt (ca. 20 Gramm).« Heike
  • »Bei Zahnschmerzen helfen Nelken wirklich! Ein Dreiecktuch aus Baumwolle ersetzt manchen provisorischen Schnellverband und taugt auch als Kopfbedeckung oder Halstuch. Blasenpflaster hatte ich über 15 Jahre dabei, gebraucht haben sie aber immer nur andere.« Elisabeth
  • »Sprühpflaster, Ballistol, Zeckenzange. Toll für den Outdoor-Urlaub ist eine Mini-Nagelbürste!« Christoph
  • »Einmalhandschuhe und Rettungsdecke. Verbandspäckchen sind nützlich, da Mullbinde und (sterile) Wundauflage zusammen sind. Das erleichtert Laien die Erste Hilfe. Bei Anfälligkeit für Blasen: Puder hält die Füße trocken. Und seit ich mal jemandem wegen Unterzuckerung und Dehydrierung helfen musste, habe ich immer Traubenzucker dabei. Etwas Ducktape im Gepäck ersetzt Leukoplast, ein Taschenmesser oder Tool die Schere.« Adrian
  • »Bei Blasenpflaster machte ich best-e Erfahrungen mit »Compeed«, gibt‘s in einer praktischen Plastikbox. Traubenzucker ist hilfreich, besonders in über 2000 Meter Höhe. Schokolade geht auch.« Christoph
  • »Statt der Taschenlampe eine Stirnlampe auf Tour mitnehmen – als Lichtquelle bei der Versorgung von Verletzungen eignen sich Stirnlampen besser.« Markus
  • »Geheimtipp: eine Sigg-Minibottle mit selbst angesetztem Schwedenbitter. Hilft für alles Ungemütliche im Verdauungstrakt. Außerdem habe ich immer die Handynummer meines Hausarztes dabei.« Peter