präsentiert von:

Feuer und Flamme: Kaufberatung Kocher

Foto: Joachim Stark
Outdoor-Köche haben's gut. Ihre Fetische heißen nicht Bulthaup, Poggenpohl oder Siematic, sondern MSR, Primus oder Trangia und kosten allenfalls ein Hundertstel. Trotzdem will die Auswahl des passenden Kochers überdacht sein. Carsten Bombis, Globekoch aus Berlin, über die Feinheiten der Feldküche.
Heißmacher: Der gebürtige Berliner Carsten Bombis (42) steht seit 1992 bei Globetrotter auf dem Lohnzettel und ist seit diesem Jahr Leiter der Filiale Berlin. Der Fachmann für das Leben draußen hat auch privat eine Affinität zum Thema Kocher, nicht weniger als 30 Modelle befinden sich in seinem Besitz und werden regelmäßig benutzt, zerlegt und gewartet. | Foto: Joachim Stark

In Trekker-Kreisen haben sich um einige Kochermodelle regelrechte Fanclubs gebildet, die ihrem feuerspeienden Gott huldigen und keinen anderen Kocher neben sich dulden. Da gibt es die Whisperlite-Fraktion oder die Trangia-Extremisten, Benzinfans mit rußigen Fingern oder Genussmenschen, die beim Zelten ihren batteriegeschäumten Caffè Latte über einer Gasflamme brauen. Zu welcher Gruppierung gehörst du?

Das Trangia-System ist für mich immer wieder genial: Es kann praktisch nichts kaputtgehen, man kann nichts falsch machen, es funktioniert immer, und Packmaß und Gewicht sind akzeptabel. Spiritus ist in Europa einfach zu bekommen, Wartung ist nicht notwendig. Na ja, er rußt, braucht länger zum Kochen – aber ich kann mich darauf verlassen, dass er funktioniert. Und er versaut mir nicht meine Stimmung durch lautes Getöse ...

 

Schon kommst du ins Schwärmen. Also was macht das Thema Kocher zu etwas ganz Besonderem?

Ein Kocher soll ein Grundbedürfnis stillen. Er entscheidet darüber: Krieg ich auf der Tour was Gescheites zu essen oder nicht? Das beeinflusst erheblich das Wohlbefinden und den Ablauf einer Tour. Klar kann ich auch mal kalt essen. Aber bei manchen Touren ist es überlebenswichtig, dass der Kocher funktioniert, zum Beispiel wenn man darauf angewiesen ist, Schnee zu schmelzen. Insofern hat man zu seinem – funktionierenden – Kocher ein sehr enges Verhältnis. Und wenn es einmal läuft: Never change a winning team!

 

Und Trangia ist für dich das einzig Wahre?

Nun ja: Wie gesagt, das Trangia-System hat eine Menge Vorteile. Aber auch Grenzen. Es gibt ganz klar Touren, bei denen auch ich sage: Trangia darf nicht mit. Es kommt halt auf den Einsatzbereich an. Und der einzig Wahre ist er schon gar nicht: Ich habe über 30 Kocher zu Hause, teilweise Dinger, die nicht in Serie produziert wurden. Das macht einem dann auch klar, was man bei der Entwicklung von einem scheinbar technisch simplen Teil alles falsch machen kann.

 

Was vor allem?

Zu viel Technik, zu viele Fehlerquellen, zu komplizierte Anwendung.

 

Von Philosophien also einmal abgesehen: Wovon sollte man sich beim Kauf leiten lassen?

Am Anfang einer Beratung werden von uns ganz viele Fragen gestellt. Was hat der Kunde damit vor? Wo fährt er hin? In welcher Höhe hält er sich auf? Wie sind Wetter und Wind? Für wie viele Personen muss gekocht werden? Und: Fliegt man oder fährt man?

 

Ist das nicht egal?

Nicht, wenn ich einen Kocher samt Zubehör dabeihabe. Für einen benutzten Coleman Feather beispielsweise endet die Reise bereits am Flughafen. Und wenn ich einen Gaskocher dabeihabe, muss ich absolut sicher sein, dass ich im Zielland die passenden Kartuschen bekomme. Manche meinen, mit Campinggaz hat man keine Probleme, da die fast weltweit Vertretungen haben. Aber was nutzt mir das, wenn ich keine Ahnung habe, welcher Marktstand in Kathmandu gerade ein paar Kartuschen unter der Theke hat?

 

Wo erfahre ich das?

Ganz schwierig. Wenn sich das nicht zweifelsfrei klären lässt, dann sollte man auf jeden Fall zu einem Benzin- oder sogar Multifuelkocher greifen. Dann ist man auf der sicheren Seite – wenn man ein paar Dinge beachtet.

 
Wer seinen Kocher mit in den Flieger nehmen will, muss sich vorher genau informieren. | Foto: Lars Schneider

Was zum Beispiel?

Ich hab den Coleman Feather angesprochen: Das ist ein Benzinkocher mit integriertem Tank, d. h. ich kann den Brennstoffbehälter nicht vom Kocher trennen. Außerdem ist er praktisch nicht zu reinigen, da man ihn kaum zerlegen kann. Ebenso der Juwel. Diese Modelle scheiden also für Fernreisen aus. Die optimale Lösung haben MSR, Optimus und Primus mit ein paar Modellen wie XGK oder Omni- und Multifuel am Start: Sie besitzen eine externe Spritflasche und funktionieren mit verschiedenen Brennstoffen, der Omnifuel sogar zusätzlich mit Gas. Das Topmodell von Primus ist damit der einzige Kocher, der wirklich fast alles verdaut: Benzin, Gas, Diesel, Petroleum ...

 

Warum dann nicht gleich diesen kaufen?

Wie alles im Leben hat auch das einige Nachteile: Man muss schon ein kleiner Technikfreak sein und keine Angst vor rußigen oder nach Benzin stinkenden Händen haben. Die Dinger sind relativ wartungsintensiv. Und sie kosten richtig Geld: Unter 100 Euro ist hier nichts zu holen, bei 150 geht die Reise los. Dazu kommen noch die Brennstoffflaschen für 15 Euro. Außerdem sind »Benziner« diejenigen Systeme, die am kompliziertesten zu bedienen sind.

 

Wie entscheidet man sich dann für DEN richtigen Kocher?

Größter Vorteil des Benzinkochers ist der Brennstoffnachschub allerorten. | Foto: Lars Schneider

Wenn die Grundfragen geklärt sind, bleibt manchmal gar nicht viel Auswahl übrig. Gehst du auf Weltreise und bist in abgelegenen Regionen unterwegs, führt kein Weg an einem Benzinkocher mit separater Spritflasche vorbei. Machst du eine Weltreise und bist lediglich in den absolut gängigen Touristengebieten unterwegs, kann auch ein kleiner Gaskocher praktisch sein: Die sind kleiner, leichter, komfortabler, billiger – aber unter Umständen bekommt man keine passenden Kartuschen. Ein Spirituskocher ist unkompliziert und zumindest in Europa ist der Brennstoff überall zu bekommen.

 

Abgesehen vom Brennstoffnachschub: Gibt es Unterschiede, wofür ich einen bestimmten Kocher benutzen kann? Ist Nudelwasser nicht gleich Nudelwasser?

Grundsätzlich schon – sobald ich es zum Kochen gebracht habe. Im Winter ab minus zehn Grad wird mir das mit einem Gaskocher aber nur schwer gelingen. Wenn ich andererseits eine schwierige Bergtour mit leichtem Gepäck unternehme, bin ich um einen leistungsfähigen Mini-Gaser wie den Primus Micron froh. So was wiegt keine 100 Gramm. Tonnenweise Schnee schmelzen geht damit wiederum natürlich gar nicht: Hier brauche ich einen stabilen, zuverlässigen Kocher, der dann aber locker das Fünf- oder Sechsfache wiegt. Es ist wie überall: Es gibt Spezialisten, die in einem Bereich unschlagbar sind, und Allrounder, die vieles können, aber nichts richtig gut.

 

Ich möchte natürlich die eierkochende Milchschnitzelfritteuse. Welcher ist der vielseitigste Kocher?

Sicherlich der Omnifuel von Primus. Weil er fast jeden Brennstoff verträgt. Viele Kunden benötigen aber seine Vorzüge nicht und sind mit anderen Kochern besser bedient, außer-dem ist er relativ schwer, laut und teuer. Was also heißt vielseitig? Ist das ein Kocher, der den meisten Kunden den jeweils besten Dienst erweist?

 

Stimmt, so kann man es auch sehen. Mit welchem Klassiker kann man also nichts falsch machen?

Mag das Wetter auch noch so schlecht sein – mit einer heißen Tasse Tee lässt es sich gut aussitzen. | Foto: Lars Schneider

Wenn man den Schwerpunkt auf Bedienungsfreundlichkeit und Vielseitigkeit legt, ist Trangia eine gute Wahl. Es gibt dafür auch Gas- und Benzineinsätze, die in das System eingebaut werden können. Das kostet natürlich, aber damit ist man dann voll abgedeckt. Aber wie du anfangs schon angedeutet hast: Es grenzt ans Philosophische. Wenn du Benzinfan bist, weil du mit deinem Whisperlite oder Multifuel schon drei Jahre um die Welt getigert bist, braucht dir keiner mehr was erzählen. Denn hier gilt: Vielseitigkeit ist Trumpf. Mit dem Trangia Spiritusbrenner kann ich außerhalb Europas Probleme mit dem Spritnachschub bekommen, Benzin gibt‘s hingegen überall, wo Autos fahren. Und die Heizleistung von Spiritus ist eher moderat, um es diplomatisch auszudrücken.

 

Bis ich damit genug Schnee für meinen Tee geschmolzen habe, ist bereits die Antarktis von selbst weggetaut ...

Es stimmt schon: Die Heizleistung von Spiritus ist verglichen mit Benzin oder Gaskochern schlecht. Aber abgesehen von solchen Spezialaufgaben wie Schneeschmelzen: Wann kommt es beim Campen schon auf fünf Minuten mehr oder weniger an?

 
4-Seasons Info
 

Ein Kocher geht in die Luft

 

Oder eben auch nicht. Denn die Bestimmungen zur Beförderung von brennbaren Materialien im Flugverkehr sind strikt wie nie ...

 

Alfred Köhler von der Sicherheitsgesellschaft München klärt auf: »Gaskartuschen und Gegenstände mit Benzinrückständen werden als »dangerous goods« eingestuft und dürfen nicht an Bord mitgeführt werden. Wenn beim Durchleuchten – ob im Handgepäck oder im aufgegebenen Gepäck – ein solcher Gegenstand gefunden wird, wird er rigoros entfernt. Die Lufthansa bietet als einzige einen Aufbewahrungsservice dafür an. Kocher und Flaschen dürfen keine potenziell brennbaren Dämpfe absondern. Deshalb: Gründlich reinigen und lüften. Und um sicherzugehen, sollte man den Kocher ins Handgepäck nehmen, damit das Sicherheitspersonal ihn in Augenschein nehmen kann. Sollte es dennoch ein Problem geben, bieten wir dem Reisenden gegen eine Gebühr an, den Gegenstand für ihn zurückzuschicken.«

Weitere Infos: www.sgm-muc.de und www.lba.de.
 

 

Welchen Vorteil bietet Gas?

Gas ist der problemloseste Brennstoff. Viele kennen das von daheim: aufdrehen, anzünden, regeln, fertig. Kann jedes Kind. Als Brennstoff selbst hat Gas eigentlich keine Nachteile: Es besitzt eine sehr hohe Heizleistung, verbrennt relativ sauber, ist effizient, wartungsarm, rußt nicht, lässt sich super regeln, ist sehr gut für große Höhen geeignet. Einziger Nachteil beim Betrieb: Bei großer Kälte bleibt Gas flüssig, d.h. man muss die Kartuschen anwärmen. Die generellen Nachteile eines Gaskochers bestehen im Brennstoffnachschub und -transport: Wenn ich die richtige Kartusche nicht bekomme, habe ich verloren. Und die guten Schraubkartuschen von guten Kochern sind nicht gerade billig. Wenn ich den Kocher sehr oft benutze, geht das ziemlich ins Geld.

 
Die Konstruktion vieler Benzinkocher ist nahezu identisch, doch die Feinheiten liegen im Detail. | Foto: Joachim Stark

Was ist das Tolle beim Benzin?

Der große Vorteil: Man bekommt es praktisch weltweit im hintersten Winkel. Benzin hat ebenfalls einen sehr hohen Energiegehalt, die Kocher haben viel Power. Dafür kann man die Flamme schlecht regeln und man muss die Kocher gut pflegen und oft reinigen. Vor einer Sauerei darf man keine Angst haben. Wie gesagt: Man muss ein Faible für rustikale Technik mitbringen. Es sind viel mehr Verschleißteile dran, die kaputtgehen können. Das Problem dabei auf Tour: Wenn man eine Pumpe oder den Generator zerlegt und es fällt ein kleines Teil wie die Düse oder die kleine Kugel aus der Pumpe ins Gras, dann ist Trauer im Lager angesagt. Tipp daher: Bei längeren Reisen oder wenn man definitiv auf den Kocher angewiesen ist, ausreichend Ersatzteile mitnehmen! Leute, die richtige Expeditionen unternehmen, benutzen daher gerne robuste Kocher, bei denen möglichst wenig kaputtgehen kann und verzichten dafür auf Komfort. Zwei Vertreter dafür sind z.B. der Multifuel EX von Primus und der XGK EX von MSR. Bei beiden steht EX für Expedition und viele Nutzer pflegen eine Hassliebe zu diesen Modellen. Denn sie liefern entweder volle Power oder nichts – kein Komfort, aber Funktion. Diese ist allerdings stark abhängig von der Qualität des Benzins. Das Beste ist gereinigtes Kocherbenzin, auch »white gas« oder »Coleman fuel« genannt. Das verbrennt sehr sauber und hat einen hohen Energiegehalt. Bleifreies Tankstellenbenzin aus Europa ist okay, rußt aber. Drecksprit vom Ende der Welt kann ganz übel sein und senkt die Kocherleistung enorm. Außerdem verdreckt der Kocher schnell. Manche Benzinkocher kommen damit gar nicht klar.

 
Mit einem Toastaufsatz wird auch geschmacksneutrales Weißbrot lecker knusprig. | Foto: Lars Schneider

Wozu taugt Spiritus?

Spiritus hat einen klaren Vorteil innerhalb Europas. Wer die schwache Heizleistung in Kauf nimmt, hat mit seinem Trangia lange Freude und kommt in Europa problemlos an Brennstoff. In den USA sucht man hingegen länger danach. In Dritte-Welt-Ländern kann es problematisch werden. Hier bekommt man reinen Alkohol evtl. in Apotheken. In Russland kommt man wahrscheinlich eher an hochprozentigen Wodka als an Spiritus. Macht aber nix, brennt auch und sorgt für gesellige Abende. Bei einer längeren Radtour ging uns mal der Spiritus aus. Da haben wir dann Muskeltinktur reingekippt. Hat funktioniert. Ein Alkoholbrenner ist sehr simpel. Diese Idee des Einfachen hat Bestand, gerade das macht den Reiz aus.

 

Und Petroleum?

Petroleum ist ein ganz ordentlicher Brennstoff. Das Vorheizen ist etwas schwierig, aber ansonsten eine gute Sache. Früher gab es auch reine Petroleumkocher. Diese sind aber out. Wenn wir heute über Petroleum reden, meinen wir Multifuelkocher. Denn die verbrennen auch Benzin und das ist einfach vielseitiger. Allgemein geht der Trend zu mehr Komfort, das heißt auch: Gas. Und Vorsicht bei der Bezeichnung der Brennstoffe. Petroleum ist nicht gleich Petroleum ist nicht gleich Petroleum. Am besten einen Merkzettel auf Reisen mitnehmen, wo was wie heißt.

 

Ein Werbeargument für Multifuelkocher lautet: Brennt auch mit Diesel. Ist das ölige Zeug wirklich eine Alternative zu anderen Brennstoffen?

Diesel ist eine absolute Notlösung. Brennt schlecht, rußt ohne Ende. Manche Gelände-wagenfahrer argumentieren, es wäre praktisch, weil ihr Auto auch mit Diesel fährt. Aber dort, wo man Diesel bekommt, ist meist auch Benzin zu kriegen. Insofern ist das ziemlich irrational.

 

Welche unterschiedlichen Gaskartuschensysteme gibt es?

Neben den Stechdornkartuschen gibt es hierzulande zwei gängige Ventilkartuschen. Diese Systeme sind sehr unterschiedlich und leicht auseinanderzuhalten. Das Standardgewinde hat ein 10-Millimeter-Außengewinde. Das ist bei den meisten Herstellern verbreitet, da es weltweit nur eine Firma gibt, die dieses Gewinde herstellt. Insofern greifen die meisten Kartuschenhersteller darauf zurück. Campinggaz hat ein eigenes Steckkontersystem. Nennt sich CV und ist vor allem in Frankreich und französisch beeinflussten Ländern sehr verbreitet. Dort bekommt man unter Umständen gar nichts anderes. Eine Lösung dafür hat wie so oft Primus parat: Von denen gibt es mittlerweile Duo-Kocher mit einem Ventilfuß, der sowohl auf herkömmliche wie auch auf CV-Systeme passt. Markill bietet zu diesem Zweck einen Adapter an. Es gibt auch eine Art Klammer mit Schraubgewinde, damit kann man an einen Gewindekocher auch Stechdornkartuschen anschließen. Solche Lösungen sind sehr praktisch und erweitern den Einsatzbereich enorm. Auch Coleman hat mit dem Max mal versucht, ein eigenes System am Markt zu etablieren. Das hat sich aber nicht durchgesetzt.

 

Wenn ich in den USA unterwegs bin, kann ich also meinen Primus auch mit normalen Kartuschen von Coleman betreiben?

Ja. Umgekehrt ist aber Vorsicht geboten, da es in den USA auch ein 20-Millimeter-Gewinde gibt. Da stehen dann Kunden mit dem in Amerika gekauften Kocher bei uns im Laden und wollen eine passende Kartusche. Tut uns dann leid, die werden das in ganz Europa nicht finden.

 

Gibt es noch andere Kochersysteme als die bisher genannten?

Verbreitet als Notkocher, aber sehr ineffizient sind Trockenbrennstoffkocher. Am bekanntesten ist der Esbitkocher, den jeder Bundeswehrsoldat im Gepäck hat. Hier kann man aber nicht von einem echten Kocher sprechen. Es gibt auch Systeme, die mit Holz, Reisig oder Gras auf Touren kommen und den Kamineffekt ausnutzen. So was passt aber nicht zu unseren Ansprüchen »anschalten und loskochen«. Dort, wo es nicht so sehr auf Packmaß und Gewicht ankommt, z.B. bei Rad- oder Kanutouren, haben solche Konstruktionen aber durchaus ihre Berechtigung.

 

Die letzte große Innovation im Kocherbau?

Innovation mit Wirkung: die Wärmeleitbleche an den Töpfen des Eta-Systems von Primus. | Foto: Joachim Stark

So wie Effizienz und Energieverbrauch allgemein eine immer wichtigere Rolle spielen, gilt dies auch für Outdoor-Kocher. Es kamen in letzter Zeit vermehrt integrierte Kochsysteme auf den Markt, also nicht nur schlichte Brenner, sondern aufeinander abgestimmte Einheiten aus Brenner, Windschutz und Töpfen. Der Reactor von MSR beispielsweise, der das Ergebnis eines Auftrags der US-Army war. Der Kocher besitzt keine echte Flamme mehr und hat einen Hitzetauscher am Topf – er ist allerdings nur eingeschränkt zum vernünftigen Kochen verwendbar. Primus entwickelte zeitgleich das Eta-System und hat es geschafft, eine extrem effiziente Hitzeübertragung zu erreichen. Außerdem bietet Primus verschiedene Töpfe zu diesem System an, was die Etas – es gibt sie als reine Gas- und als Multifuel-Version – zu sehr vielseitigen Kochern macht. Die Teile kosten zwar, aber dafür bekommst du sehr, sehr viel. Ein Eta-Topf ist ja bereits mit dabei, und diesen kann man auch mit anderen, konventionellen Kochern verwenden und damit auch noch Sprit sparen. Die Etas sind als System bahnbrechend und für mich eine echte Innovation. Besonders schön, weil es das für verschiedene Brennstoffe gibt.

 

Mit der Anschaffung des Kochers ist es nicht getan, wie steht es mit den Folgekosten?

Wer sehr viel unterwegs ist, fährt schon aufgrund der Brennstoffkosten auf Dauer mit einem Benzinkocher am günstigsten: Ein Liter Benzin kostet rund 1,40 Euro, die gleiche Energiemenge Gas in Schraubkartuschen rund das Dreifache. Töpfe dagegen schafft man sich in der Regel nur einmal im Leben an, insofern tun 10 Euro mehr oder weniger vielleicht an der Ladenkasse weh, aber dann nie wieder. Auch da punkten die Eta-Töpfe von Primus mit der Möglichkeit, Energie und somit Geld zu sparen.

 

Eine Empfehlung für die schmale Geldbörse?

Für Wenignutzer bietet sich ein einfacher Gaser an. Günstig und sehr solide ist der Mimer von Primus. Wer viel unterwegs ist, für den rechnet sich zum Beispiel der Benzinkocher MSR Whisperlite International für rund 100 Euro. Er läuft sehr gut mit Tankstellenbenzin und man hat lange Freude damit.

 

Was ist bei Flugreisen zu beachten?

Entscheidend ist, wie der Kocher riecht. Also: Flasche ordentlich ausspülen und mit Cola nachspülen – des Geruchs wegen. Den Kocher leerbrennen, putzen, lüften. Wenn man nicht hundertprozentig sicher ist, dass man am Zielort eine neue Flasche besorgen kann, sollte man lieber eine fabrikneue Flasche mitnehmen. Diese 15 Euro stehen in keinem Verhältnis zum Gerenne, wenn am Flughafen die Pulle weg ist.

 

Wie beschere ich meinem neuen Kocher ein langes und erfülltes Kocherleben?

Grundsätzlich gilt: Benzinkocher brauchen viel, Gas- und Spirituskocher fast keine Pflege. Bei Benzinern hängt der Pflegebedarf stark von der Güte des Kraftstoffs ab. Bei dreckigem Sprit verschmutzen eigentlich immer drei Teile: Die Zuleitung, die Düse und bei Kochern wie Omnifuel oder Dragonfly die Regulierspindel – und das alles gilt es regelmäßig zu reinigen.

 

Wie pflege ich was?

Die Zuleitung lässt sich einfach reinigen: Den Stahldraht rausziehen und mit gereinigtem Kocherbenzin sauber machen. Wer sich die regelmäßige Sauerei beim Putzen ersparen will, sollte seine mobile Küche von vorneherein nur mit Reinbenzin betreiben. Die Düse kann man oft von außen mit einem dünnen Draht reinigen, bei extremer Verschmutzung oder beim Frühjahrsputz sollte man sie herausschrauben und von innen reinigen. Super beim MRS Whisperlite ist die (fast) selbstreinigende Schütteldüse. Nach Gebrauch ein paar Mal den Kocher schütteln, fertig. Marode Dichtungen können sich zu einem echten Sicherheitsrisiko auswachsen, wenn Benzin in der Nähe der Flamme unkontrolliert austritt. Was man regelmäßig warten muss, sind das Pumpenleder und die Dichtungsringe an der Pumpe. Entsprechendes Fett liefern die Hersteller mit. Und ganz wichtig: Auf Tour Ersatzteile mitnehmen. Wenn beim Zerlegen im Outback so eine kleine Dichtung im Sand verloren geht, ist Feierabend.

 
4-Seasons Info
 

Das große Kocher-Know-how

 

Bedienungsanleitung hin, Bedienungsanleitung her – wer wirklich zum Brutzelkönig im Outback aufsteigen will, beherzigt besser diese zusätzlichen Tipps und Tricks ...

 

1. Kartuschenstandfüße, die direkt auf die Gaskartusche geschraubt werden, sorgen für Standsicherheit bei Brennern.

2. Toastaufsätze nur mit Gaskochern verwenden. Benziner entwickeln giftige Dämpfe.

3. Vorheizpaste oder spezielle Vorheizpads leisten gute Dienste beim Kochen mit Petroleum.

4. Windschutz oder spezielle Wärmeschilde erhöhen die Leistung bei Wind und kalten Temperaturen beträchtlich und sparen enorm viel Brennstoff.

5. Keine Gewalt anwenden: Die Mechanik sollte reibungslos funktionieren.

6. Niemals einen Kocher im Zelt betreiben! Falls in der Apsis gekocht wird, auf gute Belüftung achten (Stichwort Abgase und Kondenswasser).

7. Bei kalten Temperaturen reicht ein »Handauflegen« auf die Kartusche, um die Leistung beträchtlich zu erhöhen.

8. Kartuschen im Winter am besten mit in den Schlafsack nehmen.

9. Immer Windschutz und mitgelieferte Hitzereflektoren benutzen (diese senken den Verbrauch und erhöhen die Leistung).

10. Wenn ein Leck auftritt: Sofort Kocher ausdrehen. Falls das nicht geht, sofort die Flamme ersticken (z. B. mit T-Shirt, Decke oder Sand).

11. Brennstoffbehälter niemals direkter Sonneneinstrahlung aussetzen (z. B. Heckablage im Auto).

12. Benzinflaschen immer nur bis zur angegebenen Füllmarke befüllen.

13. Außereuropäisches Tankstellenbenzin filtern (z. B. mit einem Kaffeefilter).

14. Wenn man den Kocher lange nicht benutzt, Dichtungen pflegen und den Kocher putzen und leicht einölen.

15. Ersatzteile und Werkzeug mitnehmen. Bei anspruchsvollen Unternehmungen Vorkehrung treffen, um auch bei Totalausfall des Kochers gerüstet zu sein (Zweitkocher oder Notkocher, z. B. Esbitkocher).

16. Ruß-Tipps: Nach Ausdrehen des Benzinkochers brennt die Flamme noch eine Weile nach und flackert zum Schluss gelb. Eine gelbe Flamme rußt. Deshalb sofort auspusten. Danach gast der Brenner noch etwas nach und es riecht leicht nach Benzin.
Verdünnt man Spiritus mit einem Zehntel Wasser, verrußen die Töpfe weniger.