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Familienwandern in Sachsen: Mit Yoda durchs Erzgebirge

Foto: Ingo Hübner
»Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis ...« So begann das größte Weltraummärchen aller Zeiten. Und noch heute ist »Star Wars« bei vielen Kids schwer angesagt. Dies nutzte Familie Scholz, um Sohn Noah ein Wandermärchen schmackhaft zu machen: Eines, das sozusagen am Rand der galaktischen Republik spielt – im Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien.
Ungleiches Duell: Gegen den flinken Zwerg hat Tino keine Chance. | Foto: Ingo Hübner

Es war einmal am Vorabend einer Wanderung: »Mami, warum sind denn die Wanderstöcke so kurz?« Noah hat noch keine Erfahrung mit diesen profanen Gegenständen der Erdlinge gemacht, sonst wüsste er, dass sie nur zusammengeschoben sind. »Damit du auf Meister Yodas Art durch den tiefen Wald im Erzgebirge stiefeln kannst!« Spricht’s und ahmt Yodas buckligen Gang mit den Stöcken nach. Noah euphorisch: »Ach so. Und wenn es mir unterwegs langweilig wird, kann ich sie ja auch als Laserschwerter benutzen.« Eines sei vorab verraten: Langweilig ist es ihm nicht geworden, dennoch mussten die Wanderstöcke öfter als Laserschwerter herhalten.

 

Es war einmal am Morgen des Aufbruchs an der Talstation der alten, feuerwehrroten Schwebebahn in Oberwiesenthal, die auf den Gipfel des Fichtelbergs fährt. Von dort aus wollen Lea, Tino und Noah die Grenze der galaktischen Republik erkunden. Genauer gesagt: einen Abschnitt des Kammwegs erwandern. Als Noah die Bahn einschweben sieht, wird er skeptisch und wendet sich an den Kassierer, will ihr Alter und sämtliche geltenden Sicherheitsvorschriften wissen. Geduldig klärt ihn dieser auf, dass kein Grund zur Sorge bestehe, die Bahn sei zwar seit 1924 in Betrieb, aber auf dem neuesten technischen Stand und werde regelmäßig vom TÜV kontrolliert. Noah, nicht wirklich überzeugt: »Mami, ich habe Höhenangst, ich weiß nicht, ob ich da einsteige.« »Red keinen Quatsch, im Hochseilgarten turnst du auch rum, als ob die Schwerkraft nicht existiere.« Und schiebt ihn sanft, aber bestimmt in die Kabine.

 

Nichts verstellt den Blick zum Horizont

Der Kammweg zwischen Oberwiesenthal und Seiffen ist durchgehend gut beschildert. | Foto: Ingo Hübner

Oben ist Noahs Höhenangst vergessen, jetzt genießen die drei erst mal die totale Rundumsicht. Wellig breitet sich das Bergpanorama aus, nichts verstellt den Blick zum Horizont. Ein wenig versteckt abseits des Kammwegs liegt der Amtsfelsen. Hier offenbart sich an diesem Tag alles, was den Reiz des Erzgebirges ausmacht. Ein spröder Felsvorsprung, der einer Predigtkanzel gleich das Land überragt. Wilde stahlgraue Wolken, dazwischen Sonnenstrahlen, die über die endlos scheinende Fläche unterhalb wandern. Ein dramatischer Ort, an dem Mose die Gebotstafeln von Gott erhalten haben könnte. So ergriffen wie sie sind, nehmen sie zunächst keine größere Notiz vom vierten Anwesenden, bis dieser sich in einer kleinen Felsspalte zu schaffen macht. »Was machst du da? Ich bin übrigens der Noah.« »Ich bin der Alex und kontrolliere das Gipfelbuch.« Noahs Interesse ist geweckt. Was ein Gipfelbuch sei? Alex erklärt es ihm und erzählt, dass er im Buch Koordinaten für eine GPS-Schnitzeljagd hinterlegt hat und die Geräte dafür in seinem Waldgasthaus, der Sportbaude Waldeck, verleiht. Noah ist Feuer und Flamme. Man beschließt, sich »Yodas Wunsch« zu beugen und ein Gerät auszuleihen. Ohnehin führt die Schnitzeljagd weiter auf dem Kammweg entlang.

 
 

Noah, aufgedreht wie ein Duracell-Hase

Wandern nach GPS ist für alt und jung eine tolle Alternative. | Foto: Ingo Hübner

Eine Stunde später befinden sich die drei auf dem Fichtelchen-Erlebnispfad, einem für Kinder konzipierten Abschnitt des Kammwegs, der gleich hinter der Baude beginnt. Tino hat Noah in die Geheimnisse des Geräts eingeweiht und die nächste Zielkoordinate, den Kreuzbrückfelsen, eingegeben. Noah verfällt in eine Art Dauerlauf und feuert Lea und Tino ständig an, ihm doch bitte schön im gleichen Tempo zu folgen. Doch langsam, auf dem Erlebnispfad soll Meister Yoda sein Wissen über Wald und Wiesen beweisen. Die Tiere des Erzgebirges sind kein Problem, doch bei den Baumarten hapert es. Das habe er in Heimat- und Sachkunde nicht gelernt. Dafür könne er die Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufzählen, lautet seine Ausrede. Die Eltern lachen. Noah verdreht die großen Kulleraugen und fragt unschuldig wie ein Lamm: »Was ist?«

Die Aussicht vom Kreuzbrückfelsen wird von jungen, aufstrebenden Bäumen behindert. Lea und Tino erinnern sich an die eigene Schulzeit, als der saure Regen ein großes Thema war und Bilder vom entwaldeten Erzgebirge im Erdkundeunterricht die Runde machten. Noah erinnert sich an seine Kletterkünste und turnt erst mal mächtig rum. Bis ihn die Mami zur Räson ruft, weil ihr das Herz ein Stockwerk tiefer gerutscht ist.

Wer hat eigentlich behauptet, dass es im Erzgebirge oft grau und dunkel ist? | Foto: Ingo Hübner

Schnell sind die Koordinaten des Bärenstein eingestellt, die Wanderung geht weiter und die Laserschwertfuchtelei los. Und dann der Regen. Als sie ihre Regenjacken angezogen haben, sagt Lea: »Drei Mann in Blau im Wald. Wir könnten glatt als Schlümpfe durchgehen.« Überhaupt seien im Wald die Farben und das Licht so intensiv, so anders. Das üppige Gras zwischen den lichten Fichten so quietschgrün, philosophiert sie weiter. Die Stunden vergehen, Noah immer voraus, aufgedreht wie ein Duracell-Hase. Acht Kilometer später, kurz vor dem Bärenstein, ist die Batterie leer. »Mir tun die Füße weh, die Schienbeine, die Knie«, sagt er. Warum er das so ausführlich schildere, fragen die Eltern. Weil es ein bisschen dramatischer klingen sollte. Cleverer Yoda …

 

Noahs Höhenangst scheint wie weggeblasen. | Foto: Ingo Hübner
Es war einmal bei der Einfahrt in ein altes Erzbergwerk nahe Annaberg-Buchholz. Noah zieht im Grubenzug ein Gesicht, als ob er in die Geisterbahn müsse. 500 ruckelnde Meter später knüpft Bergwerksführer Mario gleich im ersten Raum an das Geisterszenario an. »Keine Angst, Noah, wir haben hier nur einen Hausgeist, Karfunkel-Klau III., und der ist harmlos.« Noah scheint nicht ganz überzeugt. Mario berichtet weiter, dass die Minenarbeiter mit Temperaturen von 60 Grad Celsius und nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit zu kämpfen hatten. Dann tun sich schlundartig 400 Meter tiefe, fast senkrecht in den Berg hineinführende Erzgänge auf. Noah, Lea und Tino staunen Erzklötze …

Zurück im Licht präsentiert sich die Bergbaugeschichte öfter direkt am Weg. In Schmalzgrube steht ein ziemlich großer, ziemlich historischer Hochofen aus dem 17. Jahrhundert. Eisen für die Olbernhauer Gewehrmanufaktur wurde hier hergestellt. »Und das Eisenerz dafür wurde im Bergwerk abgebaut«, klärt Noah die Eltern auf. Tino sagt zu Lea mit der geheimen Augensprache, wie sie nur Paare beherrschen: »Da hat er im Bergwerk doch besser aufgepasst als gedacht.«

 

Showdown im Tal der Schwarzen Pockau

Für kleine wie große Geologen besonders interessant: der Basaltfächer am Hirtstein. | Foto: Ingo Hübner

Nicht nur, dass sich am Hirtstein wieder ein grenzenloses Panorama öffnet, vor dem die Eltern stundenlang verweilen könnten, auch Noah kann seinem in die Senkrechte gerichteten Bewegungsdrang frönen. Flugs ist er dem Basaltfächer, einer besonderen geologischen Formation unweit des Gipfels, sprichwörtlich aufs Dach geklettert. Lea versucht ihn zu bändigen, indem sie ihm zum Abschluss der Wanderung einen Abstecher ins Felsenland der Sächsischen Schweiz verspricht. Das lässt er sich nicht zweimal sagen und weiter geht’s ins Tal der Schwarzen Pockau. Klingt rau, ist aber sehr, sehr romantisch. Und das Flüsslein, das sich zum Horizont windet, ist auch nicht schwarz, sondern braun. Was natürlich vom vielen Eisen im Wasser kommt. Links des schmalen Pfads führt der Grüne Graben entlang. Noch so eine Hinterlassenschaft des Bergbaus. Der Wassergraben wurde im 17. Jahrhundert angelegt, um die Gruben im acht Kilometer entfernten Pobershau mit Energie zu versorgen. Noah ist im Duracell-Hasen-Modus, fordert Tino immer wieder zum Laserschwertduell heraus. Schließlich kommt es zum Showdown auf der Brücke über den Fluss. Wer gewonnen hat? Meister Yoda natürlich.

 

Mami rutscht das Herz bei der Häntzschel­stiege ein Stockwerk tiefer. | Foto: Ingo Hübner
Es war einmal auf dem Weg zur Oberen Affensteinpromenade, einem der großen Kletterreviere im Nationalpark Sächsische Schweiz. Noah fachsimpelt mit dem Herbergsvater Joachim Gnauck, der sie als Bergführer begleitet, über das Klettern. Wo immer Joachim anhält und über die Schwierigkeiten der Besteigung dieses oder jenes Felsturms berichtet, gibt sich Noah unbeeindruckt wie ein alter Hase. Fragt höchstens nach, ob Joachim die Route gesichert oder ungesichert geklettert ist.

Schon am Vorabend hatte er – zum Leidwesen seiner Mami, die tatsächlich ein wenig unter Höhenangst leidet – mit Joachim beschlossen, heute die Häntzschelstiege zu gehen, einen kurzen Klettersteig, der auf die Affensteine führt. Und plötzlich ist der Steig vor ihnen, in einer schmalen Felsspalte verbirgt sich eine Leiter, die vielleicht zehn Meter an der senkrechten Wand hinauf führt. Oben ist nur ein fingerbreiter Ausschnitt Himmel zu sehen. Immer höher geht, bis Lea plötzlich zu schimpfen beginnt: »Nie wieder gehe ich mit euch wandern! Das ist ja total ausgesetzt und steil hier. Da kriege ich wirklich Angst!« Die Antwort von Noah kommt prompt: »Ach Mami, mach dir keine Sorgen. Das schaffst du. Möge die Macht mit dir sein!«

 
4-Seasons Info
 

Aktiv an der Grenze

 

Sowohl im sächsischen Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien als auch im Nationalpark Sächsische Schweiz lässt sich ein toller Aktivurlaub mit Kindern verbringen.

 

Allgemein
Wandern, Klettern, für Familien konzipierte Erlebnispfade, Besucher­bergwerke, Spielzeugmuseen. Im Erzge­birge und der Sächsischen Schweiz bieten sich die vielfältigsten Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen Familienurlaub. Besonders hervorzuheben sind der Kammweg zwischen Oberwiesenthal und Seiffen sowie Hinterhermsdorf (siehe auch die Karte auf Seite­ 56) in der hintersten Ecke des National­parks Sächsische Schweiz.

Familienfreundliches Übernachten und Aktivitäten
… im Erzgebirge
Oberwiesenthal: Ferienpark Oberwiesenthal, Tel. 037348/126 60, www.ferienpark-oberwiesenthal.de. GPS-gestützte Schnitzeljagd auf dem Kammweg: www.sportbaude­-waldeck.de. Nahe Anna­berg-Buchholz ist das Be­sucher­bergwerk Markus-Röhling-Stolln, www.roehling-stolln.de.
Olbernhau: Hotel Saigerhütte mit Spielzeugland Stockhausen nebenan, Tel.­ 037360/79950, www.saiger­huette.de und www.stockhausen-spielzeugland.de. Außerdem gibt es den Erlebniswanderweg Dörfelbach, www.olbernhau.de. Wandert man die Kammwegetappe von Olbernhau nach Seiffen, ist der Besuch des Spielzeugmuseums Pflicht, www.seiffen.de.
… in der Sächsischen Schweiz
Hinterhermsdorf: Apartmenthaus Zum Wildschütz (mehr Infos über Joachim Gnaucks Programm auf Seite 56), Tel. 035974/505 50, www.wildschuetzhaus.de.

 
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