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Familienreise: Mit Windeln um die halbe Welt

Foto: Thomas Alboth
Anna und Thomas Alboth sind immer gern gereist. Als die zwei Berliner Kinder bekamen, haben sie sich gefragt: Und jetzt? Ihre Antwort: Weiterreisen!

Anna und Thomas, ihr habt mit euren Kindern im ­Säuglingsalter mehrmonatige Abenteuerreisen in nicht ­ungefährliche Gegenden unternommen. Seid ihr ­verantwortungslose Eltern?

Thomas: Ja, das haben uns einige Leute vorgeworfen. Aber mit Babys zu reisen, ist nicht gefährlicher als ein Zuhause mit Bügeleisen, Scheren und Fensterbänken. Was braucht denn ein Kind von acht Monaten? Essen, Schlaf, glückliche Eltern — und wenn wir reisen, sind wir glücklich.

Klingt ein bisschen egoistisch.

Da rauscht's. Am Chilascó-Wasserfall in Guatemala. | Foto: Thomas Alboth

Thomas: Eher wäre es egoistisch, die Kinder nicht mitzunehmen. Andere Väter lassen Mutter und Kind angsterfüllt zu Hause, ­während sie selbst auf den Everest steigen. Ich meine: Reisen, wie wir sie gemacht haben, geben den Babys mehr, als sie ihnen nehmen.

Überfordert die ständige Abwechslung das Kind nicht?

Anna: Der Blick aus dem Autofenster ändert sich, aber der Teddybär bleibt ja derselbe, genau wie die Lieder im Auto oder die ­morgendlichen Spiele mit uns Eltern.

Wie haben eure Eltern auf die Reisepläne reagiert?

Anna: Meine Eltern haben uns sogar das Auto für die Reise zum Kaspischen Meer gegeben. Allerdings waren sie traurig, dass sie Hanna so lange nicht sehen werden. Unseren Reiseblog haben wir nicht zuletzt geführt, damit die Großeltern an den Erlebnissen der Enkel teilhaben können. Und wir haben oft geskypt — für Hanna war meine Mutter die »Laptop-Oma«.
Thomas: Meine Eltern hatten größere Bedenken, vor allem wegen der Sicherheit in Ländern wie Georgien, obwohl der Kaukasuskrieg da schon zwei Jahre vorbei war. Die Reaktion meines Vaters hat mich an die Geschichte des Globetrotter-Gründers Klaus ­Denart erinnert: Als der mit seinen kleinen Töchtern nach Afrika aufbrach, mahnte ihn sein Schwiegervater: »Wenn einem der ­Kinder was passiert, braucht ihr gar nicht wiederzukommen!«

Verständlich, schließlich führten eure Reisen durch ehemalige Krisengebiete wie Nagorny-Karabach und durch Länder mit hoher Kriminalität wie Mexiko!

Anna: Von vergangenen Konflikten spürt man kaum etwas. Wir waren zum Beispiel unsicher, ob wir in Georgien Russisch sprechen sollten. Aber die Georgier haben überhaupt kein Problem mit den Russen.
Thomas: Und den wirklich gefährlichen Norden von Mexiko haben wir ausgelassen. Ebenso Tschetschenien und Dagestan.

Was hat die Kinderärztin zu euren Reiseplänen gesagt?

Das Auto als Schlafraum, die Natur als Kinderzimmer – hier in Belize. | Foto: Thomas Alboth

Anna: Sie ist die Länderliste durchgegangen, ob dort spezifische Gefahren drohen. Aber über die üblichen Impfungen hinaus kann man Babys in dem Alter eh nicht schützen.
Thomas: Wir bekamen ein paar Tipps mit auf den Weg, dass wir zum Beispiel Elektrolyte geben sollen, wenn eines der Kinder kotzt. Aber das war jetzt nicht ganz neu für uns.

 

 

 

Von Auto bis Windeln: Anna und Thomas Alboth verraten die sieben wichtigsten Tipps fürs Reisen mit kleinen Kindern.

Weil ihr auch früher schon viel gereist seid?

Anna: Ja, aber das ging nie über vierwöchige Backpacker-Trips ­hinaus. Vor allem Osteuropa und Vorderasien kannten wir von ­diesen Reisen bereits recht gut.

Habt ihr euch auf einem dieser frühen Backpacker-Trips kennen­gelernt?

Anna: Nein, das war in Brüssel bei einer Konferenz der Euro­pean Youth Press. 2008 bin ich zu Thomas nach Berlin gezogen.

Viele Paare träumen dann von einem sesshaften Leben mit Häuschen im Grünen …

Anna: In einer WG fühle ich mich viel wohler, immer mit Leuten um mich rum.
Thomas: Unser Traum war vielmehr, gemeinsam zu reisen. Anna als Reporterin, ich als Fotograf. Den Ausschlag für die Reisen haben aber letztlich die Kinder gegeben.

Wie können denn Babys einen Familienurlaub anstoßen?

Anna: Beide Mädchen waren Frühgeburten und mussten ­mehrere Monate im Krankenhaus verbringen.
Thomas: Wir hatten zwei Mal eine harte Zeit und fühlten danach, wir müssen irgendwohin. Also haben wir meine Elternzeit genutzt und sind immer der aufgehenden Sonne entgegengefahren.

Seid ihr Hanna zuliebe mit dem Auto gereist?

Picknickplatz am Lago de Atitlán in Guatemala. | Foto: Thomas Alboth

Anna: Wir wussten nicht, ob ihr das Reisen gefällt. Wenn nicht, hätten wir einfach umkehren können. Und mit Auto kannst du dich nach dem Rhythmus des Kindes richten: Du fährst, während es schläft, und hältst an, wenn es aufwacht oder hungrig ist.
Thomas: Den Renault von Annas Vater haben wir vor der Reise in Sachsen zur Inspektion gebracht. Der Monteur meinte, so kämen wir nicht mal mehr zurück nach Berlin. Stattdessen sind wir damit noch fast 20 000 Kilometer über teils schlimme Pisten gefahren.

War der Renault Espace campingtauglich ausgebaut?

Thomas: Wir haben die Gepäckkisten mit Brettern abgedeckt. So dauerte es keine zehn Minuten, um das Nachtlager zu bereiten.

Und bei der Abfahrt den Kofferraum voller Pampers?

Anna (lacht): Ja. Im Nachhinein war das dämlich. Windeln bekommst du in jedem Ort. Auch die Paletten voller Babynahrung hätten wir uns sparen können. Nestlé ist überall.

Habt ihr vorwiegend selbst gekocht?

Anna: Wir waren oft in Lokalen essen. Das ist nicht teuer, meist aber lecker, und man trifft neue Leute.

Wie sah ein typischer Tagesablauf bei euren Reisen aus?

Thomas: Aufwachen, wenn die Sonne aufs Auto brennt oder eines der Mädchen anfängt zu brabbeln, weil eine Kuh durchs Autofenster reinschaut. Gemütlich frühstücken, meist Müsli. Zum ­Waschen an den Bach gehen. Mit den Kindern spielen, während Anna liest. Vielleicht vormittags etwas in der Nähe ­anschauen, zum Beispiel einen Wasserfall. Wenn die Kinder gegen Mittag müde werden, zwei, drei Stunden fahren. Einen schönen Ort suchen, an dem man das Auto zum Übernachten abstellen kann. Spielen, die Gegend erkunden. Bei Einbruch der Dunkelheit ins Bett — in Mittelamerika wurde es gegen 18 Uhr dunkel …

Ist das nicht langweilig, wenn ihr mit den Kindern ins Bett müsst?

Anna: Wir haben oft noch gebloggt, die Fotos sortiert und die Erlebnisse sacken lassen. Ich habe diese blaue Stunde genossen.

Wie reagierten die Menschen, wenn ihr mit euren blonden ­Mädchen aus dem Auto gestiegen seid?

Bist du einen Fee? Hanna erlebt georgische Folklore. | Foto: Thomas Alboth

Anna: Sie haben uns immer geholfen, wenn wir nach einem Platz gefragt haben, wo wir unser Auto für die Nacht hinstellen ­konnten. Oft boten sie uns sogar ihren Garten an. Dabei hat Hanna oft ­genug als Tür- oder Herzensöffner fungiert. Sie geht total ­locker auf Leute zu, hat immer »Hi!« oder »Hola!« gesagt.
Thomas: In Mexiko haben wir mal nach einem Platz zum Übernachten gesucht. Als wir an einer Farm hielten, kam der Mann mit der Machete angelaufen. Als ich dann aber mit Hanna auf dem Arm an den Zaun gegangen bin, hat er sofort das Tor aufgemacht, damit wir reinfahren konnten. Die Frau und die Kinder sind ­herbeigelaufen, unsere Mädchen bekamen ein Stück Melone, und wir wurden zum Essen eingeladen. So lief das fast immer.

Haben die Mädchen auch Schlagbäume geöffnet?

Thomas: Grenzübergänge waren oft kompliziert. Über die ganzen Formalitäten, vor allem wegen der Autos, könnten wir ein Buch schreiben. Wenn gar nichts mehr ging, mussten wir den Baby-Trumpf ziehen. An der Grenze von der Ukraine nach Rumänien sollten wir wegen eines Schichtwechsels unbestimmte Zeit ­warten. Dann ist Anna mit Hanna auf dem Arm noch mal zum Grenzer und hat ihm freundlich erklärt, dass die Kleine müde und hungrig sei. Da hat er einfach das Tor für die Diplomatenautos aufgemacht und uns durchgewinkt.

Welche waren die schönsten Gegenden auf euren Reisen?

Thomas: Das schönste Land der ersten Tour war Georgien. Der Kaukasus, die Flüsse … Und egal, in welches Dorf wir gekommen sind, wir wurden immer eingeladen. Selbst in vermeintlich unsicheren Gegenden, wie an der Grenze zu Tschetschenien, funktionierte das Prinzip, mit dem wir überall gut zurechtgekommen sind: Du musst mit den Leuten reden. »Hallo, wir sind hier; habt ihr ein Problem damit, wenn wir heute Nacht hier schlafen?« Da kamen niemals negative Reaktionen. Im Gegenteil. In Georgien saßen wir keine drei Minuten am Bach, da tauchten Kinder auf und haben uns Nüsse gebracht oder frisch gefangene Fische.

Welche war die denkwürdigste Begegnung auf eurer Ostreise?

Auch dieser russische Polizist fand Hanna zum Knutschen. | Foto: Thomas Alboth

Thomas: Der Gipsy King von Soroca! Wir hatten gehört, dass in dieser Stadt in Moldawien eine Romasippe mit einem König leben soll. Schon von Weitem sah man die riesigen Häuser mit ihren verzierten Fassaden und goldenen Kuppeln. Die Häuser sind dort der ganze Stolz der Roma: kaum Möbel drin, aber draußen prunkvoll bis zum Kitsch. Wieder wurden wir zum Essen eingeladen, als plötzlich alle aufstanden und einen Mann mit langem weißem Bart ­begrüßten: Arthur Cherari, der Romakönig von Moldawien. Er nahm sogleich Hanna auf den Arm und führte uns durch sein Haus. Arthur war besonders stolz auf seine Porzellansammlung — Hanna war eher von den Goldzähnen der Roma fasziniert.

Was war der Tiefpunkt der ersten Reise?

Anna: Als wir an der russisch-georgischen Grenze ­erfuhren, dass wir sie als EU-Bürger nicht überqueren dürfen. Das hieß: 2000 Kilometer wieder zurückfahren, mit einer Fähre das Schwarze Meer überqueren und von der Türkei nach Georgien einreisen.

Und als ihr dann euer Ziel, das Kaspische Meer, erreicht habt — war das ein erhebender Moment?

Anna: Wir haben uns eher auf die Rückfahrt gefreut, dank der Rundtour stand ja noch einiges bevor.
Thomas: Allerdings hatten wir für die komplette Rückfahrt nur drei Wochen Zeit, sind quer durch die Türkei gedüst. Dann Bulgarien und Serbien, wo das Auto kaputtging.

Auto kaputt? Was war passiert?

Thomas: Der Wagen lief ständig heiß. Alle paar Kilometer mussten wir anhalten und warten, bis das Wasser wieder abgekühlt war. Am letzten Berg vor Belgrad wurde es mir zu blöd, wir sind einfach weitergefahren und mit rauchendem Motor über die Stadtgrenze gerollt. Danach ist er nie mehr angesprungen.

Wie seid ihr nach Hause gekommen?

Foto: Thomas Alboth

Thomas: Unser Auto wurde abgeschleppt, sie haben uns in ein Hotel gebracht, und schon am nächsten Tag ging der Flieger in die ­Heimat — dem Rückholservice des ADAC sei Dank.

Stichwort Versicherungen: Welche hattet ihr abgeschlossen?

Thomas: Zwei Dinge sind unverzichtbar: ADAC-Mitgliedschaft — hilft aber nur in Europa — und eine Auslandskrankenversicherung.

Wie war es dann für Hanna, wieder nach Hause zu kommen?

Anna: Aufregend. Sie hatte in Belgrad ihre ersten Schritte gemacht — als unser Auto nicht mehr lief, begann Hanna zu laufen. Nun startete für sie ein neues Abenteuer: Berlin auf zwei Beinen.

Und wann hat euch das Fernweh wieder gepackt?

Anna: Zunächst einmal war ich ja seit der ersten Reise wieder schwanger. Die ersten ­Ultraschallbilder von Mila tragen georgische, armenische und ­türkische Beschriftung.

Promis benennen ihre Kinder gern nach den Orten, an denen sie gezeugt wurden. Wie würden eure Kinder demnach heißen?

Anna (lacht): Mila würde wohl Balaklawa heißen. Eine wunderschöne Bucht auf der Krim.
Thomas: Und Hanna könnte Austria heißen — vom Skiurlaub …

Wie fiel dann die Wahl auf Mittelamerika?

Thomas: Auf dem Osttrip haben wir Geschmack daran ­gefunden, mit relativ kurzen Wegen durch möglichst viele Länder zu ­reisen, weil das viele Kulturen und verschiedene Menschen ­bedeutet. Das funktioniert auch in Mittelamerika, und zwar ganz ohne Visa. ­Unser Ziel war, grob gesagt, von Mexiko über Belize, Guatemala, ­Honduras, Nicaragua und Costa Rica nach Panama zu fahren.

Wie seid ihr in Mexiko an ein Auto gekommen?

Thomas: Gran problema! Wir haben uns zwei Wochen lang in Cancún fast ohne Spanischkenntnisse mit Banken, ­Autoverkäufern und Behörden rumgeplagt. Letztlich haben wir einen Chrysler ­gefunden, konnten ihn aber nicht auf unseren Namen anmelden. Dann wurde Mila krank, ein Hurrikan fegte über uns hinweg …

Ist die »Familie ohne Grenzen« da an ihre Grenzen gestoßen?

Anna: Ja, da habe ich gezweifelt, ob es richtig ist, was wir hier machen. Richtig angefangen hat für mich die Reise erst mit der Fahrt in ein Maya-Dorf im mexikanischen Dschungel.

Wie haben sich die beiden Reisen unterschieden?

Die Mädchen fanden ständig neue Freunde. Manche waren groß und haarig. | Foto: Thomas Alboth

Thomas: Die erste Reise war vom Gefühl her die totale Freiheit. Da sind wir ­einfach drauflosgefahren und stehen geblieben, wo es uns gerade gefiel.
Anna: Dagegen haben wir vor allem in Guatemala gezielt nach ­Familien Ausschau gehalten und sie gefragt, ob wir uns bei ihnen hinstellen können. Denn in ­Guatemala trägt fast jeder Mann ein Gewehr. Eines Abends liefen Männer mit Pumpguns vor unserem Hostel rum und ­telefonierten hektisch. Da hatte ich echt Angst. Letztlich sind wir raus und haben sie direkt gefragt: »Seid ihr ­gefährlich?« Sie ­antworteten: »Nicht für euch und nicht hier.« Umso faszinierender war für mich in Mittelamerika die Begegnung mit ­Mennoniten. Die leben in Belize völlig abgeschieden, streng evangelisch, ohne Strom, fast wie vor 100 Jahren!
Thomas: Wir sind mitten in ihr Dorf gefahren, wo ich einen alten Mann ansprach, ob wir über Nacht vor ihrem Gemeindehaus stehen bleiben dürfen. Es war so nett zu beobachten, wie vor allem die Frauen und Kinder zwischen Schüchternheit und Neugierde hin- und hergerissen waren. So tauchten am Abend mehrmals Kerzen auf, weil sie ganz zufällig etwas zum Briefkasten am ­Gemeindehaus bringen mussten … So kamen wir ins Gespräch.
Anna: Sie waren ziemlich schockiert, als sie erfuhren, dass wir bei Hannas Geburt noch nicht verheiratet waren.

Wie hat Hanna ihre zweite Reise erlebt?

Anna: Sie konnte noch mehr auf Leute zugehen. Aber sie hat ihre Kindergartenfreunde vermisst. Das hatten wir unterschätzt.

Und verlief die Entwicklung bei Mila ähnlich?

Anna: Nein, ganz anders. Mila ist total schüchtern und hat immer geweint, wenn sie jemand auf den Arm nehmen wollte.

Ihr wart ja auch Weihnachten unterwegs. Wie habt ihr gefeiert?

Es ist ein langer steiniger Weg bis ans Kaspische Meer. | Foto: Thomas Alboth

Thomas: Ein Fiasko. Wir wollten am 24. auf eine Insel vor der ­Küste von Belize. Morgens, bei der Fahrt in die Hafenstadt, versagten die Bremsen. Komplett! Zum Glück war es eine einsame, gerade Straße, und ich konnte den Wagen ausrollen lassen. Im nächsten Dorf haben wir den Schlauch wieder angeschraubt. So kamen wir nachmittags in Belize-Stadt an, haben auf die Schnelle in einem Ramschladen ein paar Plastikgeschenke für die Kinder gekauft. Danach mit der letzten Fähre auf die Insel.
Anna: Unser gebuchtes Hostelzimmer war besetzt. Im nächsten Hostel: Bettwanzen. Dann endlich ein Zimmer gefunden. Ins Internetcafé, um mit meinen Eltern zu skypen. Jede Verbindung brach nach wenigen Sekunden ab. In ein anderes Internetcafé ­gegangen, dort erfahren, dass die Telekommunikations-Gesellschaft Skype blockiert, damit die Leute mehr telefonieren. Dann waren die Kinder hungrig und müde — schöne Bescherung …

Gab es für euch in Mittelamerika wenigstens ein Happy End?

Anna: Im Gegenteil. Wir waren gerade in Honduras angekommen, als ich eine E-Mail erhielt, dass mein Vater gestorben ist. Die ­einzige Möglichkeit bestand darin, zurück nach Cancún zu fahren. Teilweise waren wir Tag und Nacht unterwegs, mit zig Problemen an den Grenz­übergängen. Der mexikanische Händler, auf den das Auto zu­gelassen war, hat es uns zum Glück für 4000 Euro abgekauft und uns ­sogleich zum Flughafen gefahren.
Tom: Nach Panama hätten wir es eh nicht geschafft. Statt der acht Länder haben wir vier gesehen, das war eindrucksvoll genug.

Globetrotter hat eure Mittelamerika-Reise mit Ausrüstung unterstützt. Konntet ihr die Sachen gut gebrauchen?

Da nimmt man auch mal eine einheimische Familie mit. | Foto: Thomas Alboth

Thomas: Oh ja! Das Hilfreichste war die Kinderkraxe von Deuter. Ich kann jedem, der mit Babys die Welt erkundet, nur zu einer hochwertigen Kraxe raten. Dadurch ist man wunderbar beweglich.

Ein bisschen Luxus darf also sein — kommt eine mehrmonatige ­Familienreise nicht eh ganz schön teuer?

Thomas: Die Versicherungen und eventuell die Flüge, das geht
ins Geld. Aber wenn du wie wir im Auto oder in günstigen Hostels übernachtest, ist das Leben vor Ort billiger als in Deutschland. Und wir hatten ja auch Einnahmen, nämlich die Untermiete für unsere Zimmer in Berlin, Kindergeld und Elterngeld.

Wann kommt das nächste Kind?

Anna: Eine moldawische Romafrau hat uns 20 Kinder wahr­gesagt. Aber ich habe mit zweien schon beide Hände voll zu tun.

Und wollt ihr nicht mal einen normalen Familienurlaub machen? ­Vielleicht im All-inclusive-Hotel mit Kinderbetreuung?

Anna: Was für eine verrückte Idee

 
4-Seasons Info
 

Die Familie ohne Grenzen

Während andere Familien ins Kinderhotel fahren, haben Anna (28) und Thomas (24) Alboth mit ihren Babys zwei mehrmonatige Roadtrips unternommen: 2010 mit der damals acht Monate alten Hanna von Berlin ans Kaspische Meer und wieder zurück; 2011/12 mit Hanna und der ­neunmonatigen Mila durch Mittelamerika. Anna stammt aus Warschau, Thomas aus Sachsen. Sie arbeitet als Journalistin und hat einen Master in Scientific Information. Er ist Fotograf und Partner der Webdesign-Agentur undkonsorten. Die Familie wohnt in einer WG in Berlin Pankow. Ihre Website www.thefamilywithoutborders.com wurde von »National Geographic« Polen als »Best Traveler Blog Of The Year 2011« ausgezeichnet.

Fotoschau bei Globetrotter Berlin
Im März 2013 werden die Alboths in der Berliner Globetrotter-Filiale Fotos ihrer Reisen ausstellen und am 26. März einen Vortrag halten.
Infos: www.globetrotter-events.de.

Ganz praktische Informationen zum Thema Reisen mit Kindern geben Thomas und Anna: Von Auto bis Windeln: Tipps fürs Reisen mit Kindern.

 
weiterführende Artikel: 
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Kommentare

Ich finde es wirklich schade und peinlich, dass ausgerechnet das Bild als Titelbild für den Artikel gewählt wird (und überhaupt gezeigt wird), auf dem man das Kind in einer Trage sehen kann, vor der Ärzte und Hebammen warnen, da der Steg viel zu schmal ist, der Rücken schlecht gestützt wird und die Blickrichtung nach vorn Hüft- und Rückenschäden hervorrufen kann.

Immerhin findet man diese Art Trage nicht im Sortiment von Globetrotter.

Aber ich finde die Bildungslücke der Eltern in diesem Bereich reicht schon. Man sollte nicht auch noch auf diese Art und Weise damit Werbung machen.

Das mögen harte Worte sein, aber die sollten bei dem Spiel mit der Gesundheit von Kindern auch angebracht sein!

Hallo Ahrens,
vielen Dank für deine Anmerkung. Ob die gezeigte Trage tatsächlich gesundheitsschädigend ist, kann ich nicht beurteilen, jedoch kann ich den Eltern (denen aus unserer Story und allen anderen auch) die Verantwortung zusprechen, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Kinder transportieren. Ich bin sicher, dass für Thomas und Anna Alboth auf der Reise immer das Wohl ihrer Kinder im Mittelpunkt stand. Und der Aufmacher unserer Geschichte dient keineswegs dazu, Werbung für Produkte zu machen.

Viele Grüße aus der Redaktion
Philip