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Faces of Everest

Foto: Jozef Kubica
Geschafft: den höchsten Gipfel der Erde und den Abstieg ins Tal. Die Jahre des Trainings, die Entbehrungen und Ängste in der Todeszone – alles findet sein glückliches Ende am Fuß des Khumbu-Eisbruchs, wenn das sichere Basislager in Sicht kommt. Der Fotograf Jozef Kubica hat den magischen Moment festgehalten.

 

Jozef Kubica, 29, lebt in Hamburg. 2007 hat er die Kunsthochschule Kiel abgeschlossen. »Faces of Everest« ist seine Diplomarbeit. | Foto: Jozef Kubica

Nur wenigen Fotografen gelingt gleich zu Beginn ihrer Karriere ein Projekt, das sich dem Betrachter förmlich ins Gedächtnis brennt. Der 29-jährige Slowake Jozef Kubica gehört mit »Faces of Everest« ohne Frage dazu.

Es ist immer ein hohes Ziel der Fotokunst gewesen, das Innerste eines Menschen sichtbar zu machen und mit der Kamera einen Blick in die Seele zu werfen. Das alles scheint Jozef mit Leichtigkeit gelungen zu sein – aber bis zu seinen wunderbar intensiven »Faces« war es langer Weg.

Jozef Kubica hat in Prag Fotografie studiert und später drei Jahre als Fotoassistent in Hamburg gearbeitet. Dann entschied er sich für ein ergänzendes Studium an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel: »Ich wollte lernen, mehr in Konzepten zu denken.«

 
»Kann ein Gesicht mehr sagen als Worte? Gesichter von Menschen, die gerade eine Grenzerfahrung erlebt haben, können es. Mir geht es um unverfälschte Gefühle und um die Spuren, die sie hinterlassen.« | Foto: Jozef Kubica

Für seine Diplomarbeit suchte Jozef, selbst aktiver Kletterer, nach einem alpinen Sujet. Vor Jahren hatten ihm slowakische Freunde Knipsbilder von einer wilden Bergtour in Pakistan gezeigt. »Die Kletterfotos waren ganz okay, aber umgehauen hat mich dann die letzte Aufnahme: völlig fertige Gesichter – aber aus den Augen strahlte das pure Glück«, erzählt er. »Dann gibt es natürlich das berühmte Foto vom völlig ausgezehrten Hermann Buhl nach der Erstbesteigung des Nanga Parbat« (zu sehen unter www.hermann-buhl.de, die Red.). Jozef stieß außerdem auf einen Satz von Reinhold Messner: »Ein womöglich beglückenderes Erlebnis als das Erreichen des Gipfels ist für mich immer wieder die Rückkehr in die Welt der Menschen …«

Aus alledem erwächst die Idee zu »Faces of Everest«: Bergsteiger portraitieren, die sich gerade mit dem höchsten Gipfel der Welt ihren Traum erfüllt haben. Die dafür ihr Leben riskiert und unglaublich viel Energie, Zeit und auch Geld geopfert haben. Ich wollte die Bergsteiger genau in dem Moment fotografieren, wenn die objektiven Gefahren hinter ihnen liegen, wenn die Reflexion über das Geschehene beginnt.«

Bildergalerie: Faces of Everest

Der Plan ist einfach, die Umsetzung schwierig. Jozefs Ausrüstung – Mittelformatkamera und Blitzanlage – wiegt über 70 Kilo. Eine Aufenthaltsbewilligung fürs Everest-Basislager ist praktisch nicht zu bekommen, mehrfach droht das Projekt zu scheitern. Erst im letzten Augenblick bekommt er als Gast eines Expeditionsveranstalters das Okay der nepalesischen Behörden. Über Irrwege erreicht er das Camp im Sommer 2007. Mehrere Wochen bleibt Jozef dort, freundet sich mit den Bergsteigern an, gewinnt sie für sein Projekt, bangt im Basislager bei den Besteigungsversuchen mit.

 
Start- und Endpunkt: Das Everest-Basislager. | Foto: Jozef Kubica.

Wann immer jemand zurückerwartet wird, schleppt er die riesige Kameraausrüstung an den Rand des Khumbu-Eisbruchs – jenen Punkt, der beim Abstieg die Rückkehr in die Sicherheit bedeutet – und wartet auf den entscheidenden Moment. Wird das Ganze überhaupt funktionieren?

Es funktioniert: »Diese Gesichter waren unglaublich eindringlich, diese Mimiken, gezeichnet von Sonne und Kälte, dehydriert, ausgehungert – und dennoch erfüllt vor dieser entrückten Glückseligkeit.«

 

 

Der Blog zum Projekt, mehr Bilder und Kontakt: www.jozefkubica.de