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Elternzeit: Eine Fahrradreise mit Baby durch Asien

Bagan, zwischen den tausend Pagoden und mittendrin Nuala, Dagmar und Lars. | Foto: Dagmar Albers
Windeln, Erziehungsratgeber und Ängste: Die Welt junger Eltern kann eng werden. Nicht für Dagmar und Lars. Sie packten ihre sieben Sachen für fünf Monate Elternzeit und bereisten Asien per Fahrrad. Immer dabei ist ihre fünf Monate alte Tochter Nuala.

Das wahre Elefantenrennen konnten Dagmar und Lars für sich entscheiden. | Foto: Dagmar Albers
Solange sich Dagmar Albers und Lars Krücke kennen, reisen sie. Egal, ob Neuseeland oder Südamerika, die beiden haben schon viel gesehen. Als sich der Nachwuchs ankündigte war ihnen klar: »Wir wollen weiterhin reisen. Nicht weil alles so weiter gehen soll wie zuvor, sondern, um die Welt für uns und unsere Kleine größer und bunter zu machen«. 

So verabschiedete sich die jungen Ärzte von Windeln, Erziehungsratgebern und Elternängsten daheim, um herauszufinden, was machbar ist zu dritt und was man wirklich braucht. Sie nutzten die Zeit ohne berufliche Verpflichtungen nach bestandenem Examen und starteten mit wenig Vorbereitungen ins asiatische Abenteuer. 

»Wir erstanden einen reisetauglichen Fahrradanhänger für Nuala, den Single Trailer von Tout Terrain, einrädrig und voll gefedert, tauften ihn Windelrikscha, schmückten ihn mit Reflektorstreifen und Kuscheltier, reduzierten unser persönliches Gepäck auf ein Minimum, um Platz für Spiel- und Wickelzeug zu haben, besorgten einen Reisepass für Nuala, vergaben unsere Wohnung an Freunde und fühlten uns gewappnet für eine große Reise«, sagt Lars.

 

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Doch es gab auch Bedenken und Ängste. Vor allem über Hygiene und Gesundheit machten sich die beiden Ärzte Gedanken. Sie beruhigten sich und alle anderen mit dem Gedanken, dass sie binnen 48 Stunden von fast jedem Ort per Auto und Flugzeug wieder gen Westen reisen könnten, dass es auch in Südostasien reichlich Kinder gäbe, die dort gesund und fröhlich groß werden und dass Nualas Bedürfnisse vor allem mit Mami und Papi mehr als befriedigt sein sollten.

Schnell wird klar, mit dem Strom schwimmen und schon ist alles ganz einfach, jedenfalls auf den Straßen von Phnom Penh. | Foto: Dagmar Albers
Viereinhalb Monate radelte die Familie durch Thailand, Laos, Kambodscha und Myanmar, einen halben Monat durch Deutschland von Süd nach Nord zurück nach Hause. Knapp 7000 Kilometer legten sie zurück, hatten drei Plattfüße an den Fahrrädern und einen am Anhänger, aber keinen Sturz, keine Schramme, keine große Reparatur und keine brenzlige Situation auf der Strasse zu beklagen. 

Sie radelten durch einsame Landstriche mit mehr Matsch als Weg, über staubige Schotterstrassen und bestens asphaltierte Strassen, teils ohne jeglichen Verkehr mit knatternden, scheppernden, röhrenden LKWs. Auch vor den verkehrstechnisch gefürchteten asiatischen Hauptstädten machten sie nicht halt – Bangkok und Phnom Penh wurden ebenso bereist, wie Yangon und Vientiane.

»Wir waren nie nur dabei, sondern immer mittendrin. Das Reisen mit Nuala machte alles noch intensiver. Nicht wir bestaunten die Landschaft und Leute, sondern wurden selbst zum bestaunten Subjekt. Hielten wir an, versammelte sich binnen weniger Minuten eine Menschenmenge um uns«, erzählt Lars lachend. Nuala gewöhnte sich an einen ganz eigenen Rhythmus aus Radfahren und Pausen. Immer dabei, viele fremde Menschen, die für sie sangen und klatschten. Viele Farben, Geräusche und Gerüche, die für die Eltern fremd, für Nuala aber einfach genauso neu waren wie alles, was sie zu Hause zum ersten Mal kennengelernt hätte.

Sie halten das Reisen mit Kleinkind und Fahrrad in Südostasien für machbar, einfach, spannend und schön: Machbar, weil Südostasien schon seit langem Tourismus kennt. Menschen und Infrastruktur machen das Reisen einfach und mit Baby möglich. Das Reisen ist trotzdem spannend, weil Asien einfach anders tickt als Europa. Asien pulsiert, das Leben in den Städten rennt, alles scheint in Bewegung zu sein, die Menschen, der Verkehr, die Wirtschaft. Es soll vorwärts gehen. 

Pünktlich zur Mönchsweihe im Kloster von Madalay. | Foto: Dagmar Albers
Auf dem Land bleibt das Gefühl, in ein anderes Zeitalter einzutauchen. Egal ob Myanmar, Laos oder Kambodscha, auf dem Land warten die Menschen auf den Regen, damit der Reis wächst, das Leben ist langsam, Kinder spielen, Alte sitzen im Schatten und schauen, Frauen kommen vom Feld, Männer diskutieren über Politik. Und das Reisen ist schön, weil es immer wieder Plätze zu entdecken gibt, die einfach einladen zum Verweilen.

»Wir hoffen, Nuala behält irgendwo im Unterbewusstsein in ihrem Köpfchen ein paar Erinnerungen ... und sei es nur, das ansteckende immer währende Lächeln der vielen Menschen, die sie in diesen Monaten auf dem Arm hatten und sie angeschaut haben«, wünschen sich die Eltern.

»Wir hatten wundervolle gemeinsame fünf Monate, in denen wir Südostasien und seine Menschen kennengelernt und selbst auch ein bisschen mit Kinderaugen gestaunt haben. Mindestens genauso intensiv haben wir uns als Familie kennengelernt. Es war für uns eine einmalige Chance, soviel Zeit miteinander verbringen zu können«, fassen die beiden Eltern ihre Reiseerlebnisse zusammen. 

 
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