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Einmal um die ganze Welt

Foto: Nadine Querfurth
Nadine Querfurth und Thorsten Rieck haben es getan: Job gekündigt, Wohnung aufgelöst und den Gummibaum zur Adoption freigegeben. Anschließend ging es per Round-the-world-Ticket um den Globus – ein Jahr lang, immer Sommer, Sonne und der Laune nach.

 

Schon mal mit Neckermann Urlaub gemacht?

Nadine: Die haben für uns ja gar nichts im Programm.
Thorsten: Vorgefertigt und durchorganisiert ist nicht unser Ding. Wir lieben es, unterwegs spontan und flexibel zu sein und sagen zu können »Hey, hier ist es schön, hier bleiben wir«. Wir sind gerne zu zweit unterwegs, nicht in einer Reisegruppe. Wenn zwei Millionen Fledermäuse in einem gigantischen Spektakel aus einer Höhle im Gunung-Mulu-Nationalpark auf Borneo fliegen, schauen wir uns das nicht ein Mal, sondern gleich mehrere Tage an. Ist man recht still, hört man sogar ihre Flügel schlagen. Wenn dann aber die Reisegruppen den Moment beklatschen, wenn die Fledermäuse aus der Höhle fliegen, ist Schluss mit der beeindruckenden Symphonie.

 

Von welchen Ländern habt ihr jetzt einen Stempel im Pass?

Am Ende des Langtang-Treks in Nepal. | Foto: Thorsten Rieck

Nadine: Mexiko, Belize, Guatemala, Peru, Bolivien, Argentinien, Chile, Neuseeland, Australien, Laos, Thailand, Kambodscha, Nepal, Malaysia, Brunei, Birma. Und von vorangegangenen Reisen: Island, Südafrika, Botswana, Zimbabwe, Sambia und Madagaskar.

 

Wo müsst ihr unbedingt nochmal hin?

Nadine: Uns sind die Menschen in Nepal und Birma besonders ans Herz gewachsen. Und auf der Insel Amantani im Titicaca-See haben wir einige Tage bei einer Bauern-Familie gewohnt und geholfen, ihren Kartoffelacker zu bestellen. Sie haben uns eingeladen, zur Kartoffelernte wiederzukommen und die Früchte unserer Arbeit zu probieren.

 

Wie sähe die Route der nächsten Weltreise aus?

Nadine: Wir sind mit zwei Freunden im April 2009 in Tasmanien verabredet, um gemeinsam den Overland-Trek zu laufen. Und wenn wir dann schon mal in der Gegend sind, würde ich gerne noch mal nach Laos, Kambodscha und Nepal: Des Weiteren interessieren uns Indien, Tibet, die Mongolei – und ein kleiner Traum sind immer noch die Extreme: Arktis und Antarktis. Wir wollen aber auch seit längerem schon nach Kanada, Costa Rica, Französisch-Guayana und auf die beiden Inseln Tobago und Trinidad.

 

Warum lag Afrika nicht auf eurer Reiseroute?

Nadine: Wir haben einfach Prioritäten gesetzt. Das Wichtigste war für uns, unterwegs Zeit zu haben. Vier bis sechs Wochen waren eigentlich das Minimum pro Land. Da muss man sich entscheiden. Zudem kennen wir das südliche Afrika ganz gut. Während des Studiums habe ich in Botswana als Übersetzerin und Assistentin für ein Safari-Unternehmen gearbeitet und bin so durch viele Nationalparks getingelt. Thorsten war als Koch auf Safari angestellt. Nach unserem Studium waren wir dann für drei Monate auf Madagaskar. Diesmal haben wir uns klar für Südamerika und Südostasien entschieden, weil beides für uns neu war.

 

Was hat euch die Reise gekostet?

Nadine: Wir hatten 10.000 Euro pro Nase für Flüge, Transport, Unterkunft und alles Drumherum. Damit kamen wir gut hin und haben sogar noch ein bisschen was mit zurückgebracht. Im Endeffekt lebten wir ja unterwegs oftmals sehr viel günstiger als zu Hause in Berlin.
Thorsten: Nadine ist beruflich selbstständig und war daher relativ flexibel, aber mich hat die Reise genau genommen auch einen guten Job gekostet. Für unseren Traum der Weltreise habe ich einen gut dotierten Job hier in Berlin gekündigt. Doch wir haben uns ganz klar entschieden, unseren Traum zu verwirklichen – mit allen Konsequenzen.

 

Wo liegt eurer Meinung nach das Minimum in Sachen Budget?

Ein bisschen Spaß muss sein – Kathmandu, Nepal. | Foto: Archiv Querfurth

Nadine: Das ist natürlich landesspezifisch, aber letztendlich eine ganz persönliche Frage. Wie viel Komfort braucht man? Wir nicht viel. Wir hatten zum Beispiel unsere Hängematten mit und unser Zelt. Als wir mit dem Schiff auf einer kleinen Insel im Titicaca-See anlegten, liefen alle Touristen in die Gästehäuser. Wir haben uns einen Felsvorsprung gesucht und den tollsten Ausblick auf Insel und Titicacasee genossen – inklusive Lagerfeuer, Popcorn und Schokoladenpudding. In Belize haben wir in der Hängematte unter Palmen campiert. Mit leichter Brise und Meeresrauschen. Das hat man in keinem Hotelzimmer. Meist sind das aber keine finanziellen Entscheidungen, sondern die pure Lust am Schlaf unter freiem Himmel.
Thorsten: Wir essen oft an Straßenständen, auf Märkten oder in ganz kleinen Restaurants. Am besten dort, wo viele Locals sitzen. Da bekommt man für wenig Geld die leckersten Köstlichkeiten. Auch beim Transport kann man das Budget schonen. Klar ist Fliegen meist schneller, aber meist haben wir Bus, Bahn oder Schiff gewählt oder sind auch mal per Anhalter gefahren. Wenn jemand sehr auf sein Budget achten muss, lohnt sich zum Beispiel auch ein Wasserfilter – der zudem noch den Müll reduziert. Wir haben ständig aus Wasserhähnen, Seen und Flüssen gefiltert, ging prima.

 

Dank diverser TV-Köche entdecken mehr und mehr Deutsche die Kulinarik. Wo hat es euch unterwegs am besten geschmeckt?

Thorsten: Wir gucken zwar kein Fernsehen, doch in der Tat sind wir große Hobbyköche und Feinschmecker, so dass unsere Reise auch eine kulinarische war. Ein unvergessliches Highlight war mein Vorweihnachts-Steak in Argentinien, mit Malbec und der würzigen Chimichurri-Sauce. Wir liebten die Enchiladas auf dem Zocalo in Mexiko-City, und wir verbrachten viel Zeit an den unendlich langen Saftständen bolivianischer Märkte. Auf Borneo liebten wir die Rotis, frisch gebratene Teigfladen mit saucenreichen Gerichten. Und auch die Tee- und Kaffeevielfalt hatte es uns angetan. Unsere Favoriten in Nepal waren die vielen Dal-Bhats, Gerichte aus Reis und Linsen mit einem Curry, und Momos, mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Ich erinnere mich gerne an die Suppenkultur in Asien. Das mit der Suppe führen wir übrigens immer noch fort. Die schnell gezauberte Suppe aus etwas Brühe, Thaibasilikum, Reisnudeln und ein paar Gewürzen hat das Marmeladenbrötchen schnell von unserem Berliner Frühstückstisch verdrängt.

 

5 Dinge, die ihr gern dabeigehabt hättet ...

Nadine: Wir haben unterwegs nichts vermisst, weil wir versucht haben, uns voll und ganz auf das jeweilige Land und seine Menschen einzulassen. Ein paar Hörspiele wären vielleicht nett gewesen.

 

5 Dinge, die ihr beim nächsten Mal nicht mehr mitnehmt ...

In Burma wurden die Weltenbummler zu einer Zeremonie geladen, bei der der Sohn der Familie ins Kloster verabschiedet wurde. | Foto: Nadine Querfurth

Thorsten: Manchmal weiß man erst im Nachhinein, dass das ein oder andere Kleidungsstück ruhig hätte zu Hause bleiben können. Auch einige Notfallmedikamente haben wir glücklicherweise  nicht benötigt. Doch beim nächsten Mal würden wir alles genauso wieder mitnehmen.

 

Habt ihr auf die Reise »trainiert«?

Thorsten: Nein, gar nicht. Aber unsere Ausrüstung haben wir getestet. Unser neues Zelt zum Beispiel haben wir im Winter auf dem Berliner Kreuzberg aufgebaut und eine Nacht drin geschlafen.
Nadine: Wenn uns heute jemand anbietet, wir könnten morgen losfliegen, würden wir unsere Rucksäcke packen und wären wenig später bereit für das nächste Abenteuer.

 

Wo habt ihr euch als Deutsche besonders willkommen gefühlt?

Der Bauernfamilie am Titicaca-See halfen die zwei bei der Ernte. | Foto: Archiv Querfurth

Nadine: In Nepal hat man uns einmal gebeten, als gegenseitigen Willkommensgruß für 80 Nepalis zu tanzen. Eine Gruppe aus Männern und Frauen saß um uns herum, hat gesungen und rhythmisch geklatscht. Wir haben getanzt, wie es uns gerade in den Sinn kam oder auch es einfach den Nepalis nachgemacht. Die haben sich sehr gefreut, und wir alle haben viel gelacht.
Thorsten: Auch in Burma haben wir uns sehr willkommen gefühlt. Ein Lächeln öffnet manchmal Türen und die Burmesen entgegneten uns ein noch größeres. Wir haben immer versucht, mit den Menschen in ihrer Sprache zu reden. Auch wenn es nur ein paar Worte waren, die wir vielleicht auch noch falsch ausgesprochen haben. Aber diese Geste hat man immer sehr geschätzt.

 

Was verbindet man im Ausland mit Deutschland?

Thorsten: Wenn klar war, dass wir aus Deutschland kommen, fingen unsere Gesprächspartner an, deutsche Fußballspieler der letzten Weltmeisterschaft aufzuzählen. In touristischen Regionen Nepals sieht man überall Schilder, auf denen mit »German Bakery« geworben wird. Brot und Kuchen sind dort offenbar ein Synonym für Deutschland.

 

Wie informiert sich Willi Weltenbummler über seine Reiseziele?

Nadine: Das TravelBook aus dem Lonely Planet Verlag stellt jedes Land der Erde auf einer Doppelseite vor – mit Bildern und mit kurzem Text. Davon haben wir uns inspirieren lassen. Ich arbeite ja als Hörfunkjournalistin und werde auch durch Reportagen, Dokumentarfilme und Ausstellungen auf ein Thema oder ein Land aufmerksam. Ganz aktuelle Informationen und Entwicklungen bieten Reiseforen, wie zum Beispiel das Forum »Thorntree« auf der Lonely-Planet-Webseite.
Thorsten: Aber man soll es mit der Planung auch nicht übertreiben. Das Großartigste ergibt sich unterwegs. Und wenn man zu starr an Zeitplan und Reiseroute festhält, bleibt kein Raum für spontane Entscheidungen.

 

Nadine, du hast eure Reisekasse durch Hörfunkreportagen aufgebessert. Liefen dir die Themen über den Weg oder hast du bewusst nachgehakt?

Unterwegs entstanden eindrückliche Fotoreportagen, die den Fischern Burmas und den Arbeitern auf den Salzterassen in Maras, Peru gewidmet sind. | Foto: Nadine Querfurth

Nadine: Ich hatte Mikrofon und Aufnahmegerät immer dabei. Doch auf ein Jahr gesehen kann man keine Interviews planen. Ich habe Aufnahmen gemacht, wenn ich interessante Menschen getroffen habe oder mir reizvolle Themen über den Weg gelaufen sind. Und von den besten Geschichten habe ich eigentlich immer zufällig erfahren. Dazu gehören die Aufnahmen, die ich in Bolivien gemacht habe. Dort war ich bei der »Captura de Vicunas« dabei, bei der 250 Dorfbewohner ihre Vicunas, eine Art Andenlama, zum Scheren zusammengetrieben haben. Ein intensives Erlebnis, das nur einmal im Jahr stattfindet; und wir waren dabei. Für ein anderes Thema auf Borneo musste ich den Dorfältesten um Erlaubnis fragen. Da die Menschen aber immer äußerst hilfsbereit waren, habe ich letztendlich zahlreiche Aufnahmen machen können: von einem Orchideenzüchter in Mexiko, einer traditionellen Heilung der Maya, über einen deutschen Architekten in Guatemala, der in Tikal Ruinen restauriert, über neueste Züchtungen in der Kiwifruchtforschung in Neuseeland und von einem Orang-Utan-Waisenzentrum in Borneo und noch vieles mehr.

 

Habt ihr unterwegs anderweitig gejobbt?

Thorsten: Wir haben unser Budget so kalkuliert, dass wir nicht arbeiten mussten, um über die Runden zu kommen. In Peru haben wir aus Lust und Laune entschieden, unentgeltlich im Regenwald für eine Biologin zu arbeiten: Überzeugungsarbeit in Camps illegaler Holzfäller leisten, Wegmarkierungen im Wald ausbessern, Bäume pflanzen und ein Gehege für Vieh zur Selbstversorgung bauen.
Nadine: Wir haben unterwegs Reportagen fotografiert und Hörfunkaufnahmen gemacht, die ich im Nachhinein verwertet habe. Zurück in Berlin hatten wir eine Fotoausstellung mit Diavortrag in der Globetrotter-Filiale. Daraus hat sich eine weitere Ausstellung für Juni 2008 ergeben. Außerdem haben wir mehrere Bildergalerien auf den Webseiten unterschiedlicher Zeitungen veröffentlicht. Und an der Verwertung weiterer Aufnahmen von unterwegs arbeite ich im Moment.

 

Wie lange habt ihr gebraucht, um von der Berliner Alltagshektik auf »Reisegroove« umzuschalten?

Zu Gast in einem buddhistischen Kloster am Inle-See, Birma. | Foto: Archiv Rieck

Nadine: Das ging bei uns sofort. Ich kann sehr schnell alles hinter mir lassen. Ich hatte ja in Berlin arbeitstechnisch mit allem abgeschlossen und mich für ein Jahr bei meinen Radioredaktionen verabschiedet. Losreisen und sich einlassen geht sofort, aber zurückkommen ist sehr viel schwieriger. Wir haben einige Monate gebraucht, um hier wieder zurechtzukommen. Wir haben eben ein Jahr lang ganz anders gelebt. Alles, was wir brauchten, haben wir auf dem Rücken getragen. Das ist eine unglaubliche Freiheit. Und dann hat man hier in Berlin wieder den Alltag und eine Wohnung … Und der ganze Kram, für jeden Handgriff gibt es ein Gerät, das ist furchtbar. Das Zeitgefühl ist unterwegs auch ein ganz anderes. Wir haben unterwegs so viel erlebt und so viele Eindrücke erfasst in wenigen Stunden. Das ist ein großer Gegensatz zum Alltag in Deutschland.

 

Wo tickten die Uhren entschieden zu langsam?

Nadine: Im Endeffekt gewöhnt man sich an alles: Dass Busse drei Stunden später abfahren als angegeben oder der Busfahrer sich nachts in den Gepäckraum schlafen legt, weil der Bus nicht mehr den Berg hochkommt. Aber wir standen ja nicht unter Zeitdruck und haben sowas unter Reiseabenteuer verbucht.

 

Womit stimmt man sich literarisch auf eine Weltreise ein?

Thorsten: In Bolivien besuchten wir das San-Pedro-Gefängnis in La Paz. Eine ziemlich wilde Geschichte. Drei Tage hat es gedauert, bis wir eine offizielle Genehmigung vom Innenministerium abholen konnten, nachdem unsere Bestechungsversuche des Wachpersonals fehlschlugen. Im Vorfeld hatten wir das Buch »Marching Powder« gelesen, geschrieben vom Backpacker Rusty Young. Er beschreibt die Eigenarten dieses wohl seltsamsten Gefängnisses Südamerikas sehr eindrücklich. Und bei unseren Reisen nach Island haben wir immer Krimis von Arnaldur Indridason gelesen und kennen mittlerweile viele seiner Originalschauplätze.

 

Und welche Bücher mussten mit?

Nadine: Ein Buch, das man auf einer Reise unbedingt lesen sollte, ist »Shantaram« von Gregory David Roberts. Er lehrt einen, die Menschen mit ihren individuellen Eigenschaften zu lieben und zu schätzen. Abgesehen davon hatten wir außer ein paar Reiseführern eigentlich nur unser kleines, selbstgemachtes Tagebuch dabei. Das hat Thorsten mir vor der Reise geschenkt. Es trägt ein tolles Titelfoto von schnäbelnden Papageitauchern auf Island, das wir vor zwei Jahren gemacht hatten, und das Zitat »Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt«. Und das ist so wahr …

 

Erfüllt Neuseeland die Erwartungen der Herr-der-Ringe-Fans?

Arbeiter in den Salzterassen von Maras. | Foto: Thorsten Rieck

Thorsten: Kommt darauf an, was man erwartet. Ich bin kurz nach unserer Ankunft in Neuseeland rasch zurück ins Herr-der-Ringe-Fieber gefallen. Und es gab schon Gegenden, die mit ihrem saftigen Grün und der hügeligen Landschaft an das Reich der Hobbits erinnerten. Eine Wandertour durch den Tongariro-Nationalpark, dessen vulkanartige Landschaft als Kulisse für das böse Reich Mordor hergehalten hat, vermittelte uns auch einen guten Eindruck von Mittelerdes dunkler Seite. Da unterwegs kein DVD-Player verfügbar war, kaufte ich mir die englische Ausgabe des Romans. Mittlerweile haben wir unsere DVD-Session mit der Extended-Version und allen Making-of-Specials nachgeholt.
Nadine: ... und die Szenen wiedererkannt, die auf dem Tongariro-Crossing gedreht wurden.

 

Ihr wart als Paar unterwegs, bei dem die Chemie stimmt, oder?

Thorsten: Absolut. Das geht natürlich schon los beim Reisestil. Wir haben beide keine großen Ansprüche an Luxus und Bequemlichkeit, unterwegs interessieren uns vor allem Menschen, Landschaften und die Tierwelt. Wir sind beide ziemlich robust und nehmen auch mal eine Tortur in Kauf, um ans Ziel zu gelangen. Wir haben unterwegs viel gelacht und für gemeinsame Projekte miteinander gearbeitet. Aber wir sind auch Individualisten mit eigenen Interessen und Wegen. Ein Jahr gemeinsam unterwegs zu sein ist etwas Wunderbares, und zusammen einen Traum zu leben, schweißt unheimlich zusammen. Und in Nepal haben wir uns in den Bergen in einem schönen Moment ein Versprechen gegeben …

 

Eure persönlichen sieben Weltwunder?

Brunei: Canopy-Walk im Ulu Temburong mit seinen singenden Gibbons
Peru: Trekkingtour mit Lamas
Patagonien: Landschaft und Weite
Borneo: Die Unterwasserwelt in Sipadan
Weltweit: Lokale Märkte mit unbekannten Köstlichkeiten
Island: Landmannalaugar
Bolivien: Salar de Uyuni
Peru: Maras-Salzterrassen
Nepal: Langtang-Trek mit Heritage-Trail
Upps, das waren ja schon mehr als sieben …

 

Und die Todsünden des Weltenbummlers?

Nadine: Sich in buddhistischen Ländern unangemessen zu kleiden. Ich denke da an Frauen, die nur mit Spagettiträgerhemd oder kurzen Hosen in Tempelanlagen gehen. Das ist respektlos. Oder Leute, die in Restaurants, auf der Straße oder in Bussen mit nacktem Oberkörper rumlaufen. Mit zu hohen Erwartungen in ein Land zu reisen bzw. einfach den Standard von zu Hause erwarten.Sich nicht auf das Land, seine Menschen und seine Kultur einzulassen. Zu glauben, mit Geld sei alles möglich. Zu erwarten, dass überall Englisch gesprochen wird. Immer auf Plan A zu beharren und nicht auch mal auf Plan B ausweichen, obwohl der auch Spannendes birgt.

 

Kommen wir zur Tierwelt. In euren Reisenotizen ist von Chick-Chick zu lesen, dem Arschlochhuhn. Was hat es damit auf sich?

In Borneo konnten die beiden Biologen wilde Orang-Utans studieren und durch unberührten Regenwald wandern. | Foto: Thorsten Rieck

Thorsten (lacht): Wir hatten uns für eine Weile zu freiwilliger Arbeit im peruanischen Regenwald entschieden – im Tausch gegen Kost, Logis und Abenteuer. Wir wohnten bei einer englischen Biologin, ihrem peruanischen Ehemann und ihrem kleinen Sohn. Dazu gesellten sich noch einige weitere Lebewesen. Unter anderem Chick-Chick, das Dschungelhuhn. Es wurde als kleines Küken im Wald gefunden und hochgepeppelt. Chick-Chick ist mittlerweile erwachsen und war bis vor kurzem wohl ein ganz liebes Huhn. Doch dann fing es an mit Machtkämpfen und entwickelte sich zu einem echten »Arschlochhuhn«. Normalerweise saß es oben auf einem Dachbalken und schaute herunter. Manchmal kackte es aber auch gezielt drauflos. Obendrein war Chick-Chick ganz schön aggressiv. In die Füße picken oder ins Gesicht fliegen gehörte zu seinen Spezialitäten. Selbst wenn man schnell etwas zur Verteidigung greifen konnte – einen Eimer, ein Handtuch – Chick-Chick war einfach furchtlos. Leider konnten wir nie richtig zuhauen, immerhin gehörte es ja zur Familie. Mit der Zeit wurde Chick-Chick immer wilder und verfolgte mich sogar knapp 100 Meter durch den Wald und attackierte mich bis zum Geht-nicht-mehr. Da halfen weder eine große Mülltonne zur Verteidigung noch eine Leiter. Erst später entwickelte ich eine Technik, ihn ohne Waffen auf Distanz zu halten: einfach am Hals packen und auf den Boden schleudern. Nach der dritten oder vierten Bruchlandung gab es immer klein bei. Nach diesen Kämpfen quiekte es nur noch leise, wenn man an ihm vorbeiging. Später kam ein US-amerikanisches Pärchen zu Besuch. Wir anderen setzten uns in die Hängematte und schauten genüsslich zu, wie Chick-Chick wieder in Fahrt kam.

 

Sonst irgendwelche Komplikationen mit dem Tierreich?

Nadine: Komplikationen kann man es eigentlich nicht nennen … zumindest nicht für uns. Wir waren einen Tag mit Guide und Jeep im Royal Chitwan Nationalpark in Nepal unterwegs. Wir entdeckten frische Tigerspuren auf einer Sandpiste, die einige Meter vor uns ins hohe Gras führten. Unser Guide schien etwas nervös, stoppte den Wagen und sprang zu uns auf die Ladefläche, um Ausschau zu halten. Da das Gras um uns sehr hoch war, haben wir nichts gesehen, aber ich bilde mir ein, dass ich ihn gehört habe. Ich vermute, dass er wenige Meter vor uns im Gras lag. Unser Guide wollte dann kein Risiko eingehen, sprang zurück ans Steuer und brauste davon. Als wir am nächsten Tag Chitwan verlassen haben, hörten wir von einem tödlichen Zwischenfall – quasi genau an dieser Stelle.

 

Bildergalerie: Einmal um die ganze Welt

Bekommt man eigentlich sämtliche Ausrüstung für eine Weltreise in den Rucksack?

Nadine: Muss man, ja. Unsere beiden Rucksäcke waren zu einem Drittel mit Klamotten gefüllt, der Rest war Ausrüstung: Schlafsäcke, Isomatten, Zelt, Wasserfilter und die mobile Küche inklusive Topf, Pfanne und Benzinkocher. Als wir nach einem halben Jahr Südamerika nach Südostasien reisten, haben wir etwas Ballast abgeworfen und ein Paket mit warmen Sachen nach Hause geschickt.

 

Landestracht statt Gore-Tex hieß oft eure Devise. Seit ihr so als Locals durchgegangen?

Nadine: Als Locals sicherlich nicht, schon alleine wegen Thorstens blonder Locken und meiner roten Haare. Aber in Birma beispielsweise trägt jeder einen Longy, einen Wickelrock. Den haben wir auch getragen. Und als wir zu einer sehr persönlichen Familienzeremonie eingeladen waren, einer Shinpyu, bei der die Familie feiert, dass ihre Söhne als Mönche zeitweise ins Kloster gehen, haben wir sogar einen aus Seide angelegt. Dadurch wollten wir ihnen unseren Respekt erweisen und das hat die Familie sehr geschätzt.

 

Ihr seid beide studierte Biologen. Welche Reiseziele lagen euch daher besonders am Herzen?

Als studierte Biologen konnten Nadine und Thorsten die Bestimmungsbücher daheim lassen. | Foto: Thorsten Rieck

Thorsten: Auf unserer Reise bemerkten wir irgendwann, dass wir zwar unendlich viele Eindrücke gesammelt, nette Menschen kennengelernt und wunderbare Landschaften gesehen hatten, doch die Tierwelt war eindeutig zu kurz gekommen. Deshalb reisten wir kurz entschlossen nach Borneo. Als Biologen hatten wir Zugang zum Danum Valley. Hier konnten wir Forschern über die Schulter schauen, wilde Orang-Utans studieren und durch unberührten Regenwald wandern.
Nadine: Die Unterwasserwelt in Sipadan/Borneo raubte uns förmlich den Atem. Am Tag des geplanten Heimfluges ließen wir diesen verfallen und gingen weiter tauchen. Erst nach rund 20 weiteren Tauchgängen hatten wir vorläufig genug und flogen nach Hause.

 
4-Seasons Info

 

Nadine Querfurth: Die Biologin lebt als freie Journalistin in Berlin. Im Studium faszinierte sie die Welt der Mikroorganismen, nach dem Diplom die Welt der großen Tiere im südlichen Afrika. Dort arbeitete sie für ein Safari-Unternehmen in Botswana, bevor sie am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin beschäftigt war. Da der Laboralltag wenig Raum für Kreativität ließ, entschied sie sich für das Zusatzstudium Wissenschaftsjournalismus. Schon bald erklang im Radio der Gesang von Indri-Lemuren – Nadines erster Hörfunkbeitrag über ein Naturschutzprojekt in Madagaskar. Reisen und dabei O-Töne einfangen, dieses Konzept kommt sowohl Nadines Fernweh als auch ihrer journalistischen Leidenschaft entgegen. Damit auch die Augen auf Reisen gehen können, ist die Fotografie ihr zweites Standbein.

 

Thorsten Rieck: Mit der Pubertät kamen seine dicken blonden Locken. Bis heute haben sie sich gehalten und sind auf Reisen oft eine Attraktion. Für den Friseur in Burma waren sie eine Premiere, in Brunei traute sich der Barbier kaum ran. Thorsten Rieck ist Biologe und Teilnehmer des Studienprogrammes International Health am Berliner Tropeninstitut. Fotografie ist seine Passion, und beim Reisen fühlt er sich zu Hause. Leidenschaftlich kreativ ist er in der Küche beim Zubereiten internationaler Cuisine. Eine besondere Herausforderung war sein Job als Safarikoch im afrikanischen Busch. Inzwischen arbeitet Thorsten wieder in Afrika und ist am Forschungszentrum des Albert-Schweitzer-Hospitals in Lambarene (Gabun) in der Malariaforschung tätig.