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Eine Tüte Schlaf: so finden Sie den richtigen Schlafsack

Foto: Lars Schneider
Je nach Jahreszeit verbringt ein Outdoorer bis zu 12 Stunden täglich in der Horizontalen. Sein bester Freund dabei: ein kuschlig-warmer Schlafsack. Es leuchtet also ein, dass man diesen besten Freund mit besonderer Sorgfalt und der Unterstützung eines kompetenten Fachberaters auswählen sollte.
Jan Mertens, 24 Jahre, hat seine Ausbildung bei Globetrotter Ausrüstung in Bonn gemacht und ist seit der ersten Stunde Mitarbeiter der neuen Filiale Köln. Seit drei Jahren ist er der Bereichsleiter der Schlafsack-Abteilung. Jan schläft im Winter oft im Schlafsack unter freiem Himmel, bevorzugt in der Eifel oder im Westerwald. | Foto: Lars Schneider

Jan, wie viele Schlafsäcke lagern in deinem privaten Ausrüstungslager?

Eigentlich nur zwei, die ich aber sehr schätze. Ein Yeti Pound und ein Cat Light von The North Face. Einer mit Daunenfüllung, einer mit Kunstfaserfüllung. Was aber nicht bedeutet, dass ich nur diese beiden Modelle kenne. Geschlafen habe ich schon in vielen, das bringt die Arbeit hier so mit sich.

 

Daune und Kunstfaser – ein gutes Stichwort. Was empfiehlt der Fachmann?

Ganz so einfach ist das nicht. Beide Füllstoffe haben ihre Vor- und Nachteile. Das Einsatzgebiet, das dort vorherrschende Klima und die Art der Reise bestimmen letztendlich, welcher Schlafsack der richtige ist. Für Touren, für die beide Materialien in Frage kommen, würde ich immer einen Daunensack wählen. Daune hat im Vergleich zur Kunstfaser mehr Vor- als Nachteile.

 
Das A und O eines guten Schlafsacks ist die Konstruktion von Wärmekragen und Kapuze. | Foto: Lars Schneider

Welche Vorteile sind das?

Ganz oben steht das angenehmere, natürlichere und vor allem trockenere Schlafklima. Es folgen geringeres Gewicht und kleineres Packmaß. Daunenschlafsäcke kosten zwar etwas mehr als Kunstfasermodelle, haben aber bei richtiger Pflege eine viel längere Lebensdauer, ohne dabei ihre Isolationsfähigkeiten zu verlieren. Kunstfaserschlafsäcke wärmen bereits nach einigen Jahren weniger stark als im Neuzustand. Bei ihnen auf der Habenseite: die Fähigkeit, auch im nassen Zustand noch zu wärmen. Daune ist bei Nässe ein echter Totalausfall, da hilft auch die Teflonimprägierung bei manchen Modellen nichts.

 

Kann man die Wärmeleistung nicht wieder auffrischen, ähnlich einer Imprägnierung bei Regenjacken?

Bei Kunstfasern geht das leider nicht. Irgendwann sind sie platt. Zusammengesackte Daunenschlafsäcke hingegen kann man durch eine fachmännische Reinigung und Trocknung zumindest weitestgehend wieder zum Leben erwecken.

 

Ist Daune gleich Daune?

Nicht ganz. Es gibt Qualitätsunterschiede, die sich besonders im Bauschverhalten zeigen – angegeben wird das in Fillpower und der Einheit »cubic inches«. Eine Zahl ab 550 aufwärts ist gut, 800 cubic inches sind absolute Spitzenklasse. Außerdem gibt es bei Daunenschlafsäcken unterschiedliche Mischungsverhältnisse von Daunen und Federn, die sich ebenfalls im Preis niederschlagen. Eine Beimischung von Federn in einer Größenordnung von zehn bis maximal 20 Prozent ist nötig, da die Federn für Stabilität in den Kammern sorgen und ihre Kiele durch einen erhöhten Flex das Bauschverhalten positiv beeinflussen. Beim Preis eines Schlafsacks gilt dann allerdings wieder: je weniger Federn, desto höher der Preis.

 

Werden die gerupften Daunen vor dem Einfüllen behandelt?

Denn nur wer einen warmen Kopf hat, kriegt auch warme Füße. Je nach Außentemperatur schließt man zunächst den Wärmekragen und variiert dann die Kapuzenöffnung. | Foto: Lars Schneider

Daunen werden vor ihrer Verarbeitung erst einmal gewaschen, da sie schmutzig sind und unangenehm riechen. Danach werden sie getrocknet und sortiert. Bei der Sortierung werden die Daunen in eine Kammer gegeben, in die von unten Luft einströmt, und über eine Reihe von Behältern gepustet. Die schweren Federn fallen in den ersten, die leichten Daunen verteilen sich bis zum letzten Behälter. Anschließend werden Die Daunen und Federn wieder vermischt, um verschiedene Mischverhältnisse zu bekommen.  

 

Für die meisten Outdoorer ist ja ein klassischer Dreijahreszeiten-Schlafsack bis minus 5 Grad Celsius die beste Wahl. Welche Ausstattung sollte ein durchdachtes 3-Seasons-Modell mitbringen?

Ganz wichtig ist eine gut zuziehbare Kapuze. Außerdem braucht es einen Wärmekragen, der einen Wärmeverlust über den Kapuzenbereich vermindert, eine Abdeckleiste über dem Reißverschluss (RV) und ein ordentlich geschnittenes Fußteil. Ein Klemmschutz am RV ist ebenfalls sinnvoll.

 

Worauf muss ich bei der Größe des Schlafsacks achten?

Die meisten Säcke gibt es in zwei bis drei Längen. Um die richtige Größe zu ermitteln, legt man sich am besten hinein und prüft, ob Länge und Breite stimmen. Füße, Knie oder Schultern sollten nicht eingeengt sein, da an solchen Berührungspunkten Kältebrücken entstehen. Gleichzeitig dürfen die Säcke nicht zu lang und zu weit geschnitten sein, damit der Körper nicht unnötig viel Luft erwärmen muss. Unsere Katalogangaben beziehen sich auf die Körpergröße, nicht auf die Schlafsackmaße

 

Zart gebaute Menschen haben oft das Problem, dass auch die kleineren Ausführungen eines Modells zu weit und lang sind. Gibt es Firmen, die anhand der Körpermaße auch maßgeschneiderte Schlafsäcke anbieten?

Ja, die deutsche Firma Yeti bietet so etwas an, aber auch Western Mountaineering aus den USA. Es gibt aber auch Hersteller wie Macpac oder Marmot, die Schlafsäcke im Sortiment haben, die speziell für schmalere Körper konzipiert wurden. Hier sind dann manchmal auch die Fußteile verstärkt, weil Frauen häufig kalte Füße haben.

 

Die klassische Mumienform ist mir zu eng, ich brauche Platz beim Schlafen. Kann mir geholfen werden?

Einen guten Schlafsack erkennt man nicht nur an Material und Verarbeitung, auch der Lieferumfang ist ein Indiz. So gehören ein robuster Kompressionssack und ein Aufbewahrungssack zum guten Ton. | Foto: Lars Schneider

Na klar. Außer dem engen Mumienschnitt gibt es noch die Deckenform und die Eiform. Die Decke bietet den meisten Platz, weil sie von oben bis unten gerade geschnitten ist. Die Eiform bieten den meisten Platz in Knie und Hüftbereich, damit man (Frau auch) sich ausgiebig bewegen kann. Leider bieten solche Modelle nicht die optimale Isolation, weil einfach zu viel Luft im Schlafsack ist, die man erwärmen muss. Deshalb werden solche Säcke von uns nur im Bereich bis etwa 0 Grad angeboten. Es gibt aber auch Säcke bis etwa minus  20 Grad, die wir bestellen können, wie etwa den Bristlecone von Western Mountaineering.

 
 

Wie viele Schlafsackmodelle hat die Globetrotter-Filiale Köln im Angebot?

Etwa 70. Neben der Katalogware führen wir vor allem im Daunenbereich speziellere Modelle wie die Dryloft-Serie von Western Mountaineering mit einer stark wasserabweisenden, atmungsaktiven und zu 100 % winddichten Außenhaut.

 

Einige Modelle gibt es wahlweise mit Reißverschluss rechts oder links, sie können gekoppelt werden. Ist es zu zweit in einem großen Sack wärmer?

Ja. Denn auch wenn ein wenig mehr Wärme nach oben hin entweicht, weil man einen gekoppelten Schlafsack nicht ganz so eng zuziehen kann, sorgt die doppelte Körperwärme für eine höhere Temperatur insgesamt.

 

Gibt es auch hochwertige Kinderschlafsäcke, die bei Minusgraden warm halten?

Ja, die gibt es. Wir bieten beispielsweise den Ajungilak Little Viking und den Tundra Junior an. Wobei die meisten Eltern es nicht einsehen, so viel Geld für einen Schlafsack auszugeben, der ohnehin in zwei Jahren schon nicht mehr passt. Sie nehmen dann lieber einen langen Schlafsack, den sie im Fußbereich abbinden. Was eine schlechte Alternative ist, da diese Schlafsäcke auch im Schulterbereich viel zu weit sind.

 

Manch einer wundert sich, dass bei bestimmten Schlafsäcken der Reißverschluss nur über die halbe Länge herunterreicht. Was verbirgt sich dahinter?

Bis hierher und nicht weiter. Schlafsäcke, deren Reißverschluss vor dem Fußteil endet, sind entweder besonders warm oder besonders leicht. Der Ventilation ist das allerdings abträglich. | Foto: Lars Schneider
Ein verkürzter Reißverschluss wird aus zwei Gründen eingesetzt: Zum einen kann hier Gewicht gespart werden. Zweitens stellt ein Reißverschluss immer eine Kältebrücke dar und muss durch eine Abdeckleiste geschützt werden. Ist ein Reißverschluss nur halb so lang, besteht die Gefahr des Kälteeinbruchs nur auf der halben Länge. Halbe Reißverschlüsse findet man so vor allem bei extrem leichten oder extrem warmen Schlafsäcken.

 

Wie pflege ich meinen Schlafsack?

Die Pflege sollte bereits unterwegs beginnen und ist extrem wichtig für die Lebensdauer. Das heißt zum Beispiel, dass Schlafsäcke möglichst jeden Morgen ausgeschüttelt, gelüftet und erst komplett trocken verpackt werden sollten. Zuhause ist eine offene Lagerung oder zumindest die Aufbewahrung in einem großen, dafür geeigneten Baumwoll- oder Netzsack wichtig. Den Schlafsack niemals über Wochen oder gar Monate im Kompressionssack lassen. Unterwegs den Sack immer stopfen, nie rollen oder falten, um eine Belastung an den stets gleichen Stellen zu vermeiden.

 

Und wie häufig darf ich meinen Schlafsack waschen? Einmal im Jahr oder nach jeder Tour?

Um eine mechanische Belastung an stets denselben Stellen zu vermeiden, sollte ein Schlafsack beim Packen nciht gerollt oder gefaltet werden. Stopfen geht aber ohnehin schneller. Mittels Kompressionsriemen am Packsack wird das Bündel dann wechselseitig aufs halbe Maß gebracht. | Foto: Lars Schneider

Nein, bloß das nicht. Schlafsäcke sollten so selten wie möglich gewaschen werden. Um zu verhindern, dass das Innenfutter Schweiß und anderen Dreck annimmt, benutzt man ein dünnes Inlet. Das gibt es aus Baumwolle, Seide oder Fleece und kann beliebig oft gewaschen werden. Wer kein Inlet hat, trägt lange Unterwäsche.

 

Und wenn ich eine Wäsche nicht mehr vermeiden kann?

Dann den Schlafsack im Schongang bei 30 Grad und mit einem speziellen Schlafsack-Waschmittel in der Waschmaschine waschen. Kunstfaserschlafsäcke kann man relativ leicht selbst waschen, sie trocknen auch schnell. Daunensäcke sind etwas schwieriger zu handhaben, da die Daunen während des Trocknens ständig aufgeschüttelt werden müssen.

 

Kann ich meinen Schlafsack auch bei Globetrotter reinigen lassen?

Nicht direkt. Kunden können den Schlafsack aber bei uns abgeben, wir leiten ihn an Yeti weiter, die Daunenschlafsäcke professionell waschen können. Kostenpunkt: rund 25 €. Eine solche Wäsche lohnt sich nicht nur hinsichtlich der Hygiene, auch Inletnutzer freuen sich anschließend über eine »reaktivierte« Bauschkraft.

 

Wie schätzt du – korrekte Pflege natürlich vorausgesetzt – die Lebensdauer eines Schlafsacks ein?

Ein guter Daunenschlafsack kann zehn Jahre lang Freude bereiten, bei Kunstfaser sinkt die Wärmeleistung bereits nach wenigen Jahren.

 

Wie viel Geld muss ich für ein ordentliches Standardmodell investieren?

Im Daunenbereich etwa 350 Euro, entsprechende Kunstfasermodelle starten bei 200 Euro.

 

Es gibt zumeist Temperaturangaben auf den Schlafsäcken. Aber darf ich den Herstellerangaben wirklich trauen?

Erst frieren, dann kaufen – oder eben auch nciht. Praxistest in der Klimakammer der Filiale Köln. | Foto: Lars Schneider

Seit 2005 gibt es eine europaweite Norm, die EN 13537 (siehe auch Kasten S. 55). Diese braucht es, will man Schlafsäcke für einen bestimmten Temperaturbereich verkaufen. Überprüft werden die Schlafsäcke von einigen wenigen unabhängigen Instituten wie dem Hohenstein-Institut. Und auch wenn das Kälteempfinden jedes einzelnen variiert, kann man dank dieser Norm zumindest zwei Schlafsäcke miteinander vergleichen. Und wer daran Zweifel hat, für den bietet Globetrotter einen ganz besonderen Service: In den Filialen Hamburg, Berlin und Köln kann man ordentlich bibbern. Nach dreißig Minuten in der Klimakammer bei minus 15 Grad weiß man, was der Schlafsack kann.

 

Was trage ich bestenfalls im Schlafsack, um seine Wärmeleistung optimal nutzen zu können? Meinen Baumwoll-Pyjama?

Funktionswäsche ist erste Wahl, da sie Feuchtigkeit schnell weiterleitet. Ein Pyjama würde den Schweiß, den ein Körper auch nachts absondert, aufnehmen, was zu einem kälteren Schlafgefühl führt.

 

Brauche ich für eine Nacht unter freiem Himmel einen Biwaksack?

Nein, eigentlich nicht. Solange es nicht regnet, ist man gegen die normale Luftfeuchte bestens gewappnet. Wer öfter aufs Zelt verzichtet, sollte aber gleich einen Schlafsack mit wasserabweisendem Außenmaterial wie Gore Dryloft (Western Mountaineering) oder Aquashell (Yeti) wählen.

 

Fehlt nur noch eine Isomatte zum Tiefschlafglück, oder?

Genau. Ohne die richtige Isomatte versagt der wärmste Schlafsack, denn nach unten ist nur wenig Isolierung möglich, da Daunen oder Kunstfaser plattgelegen werden. Doch die Auswahl der richtigen Isomatte ist eine ganz andere Story ...

4-Seasons Info
 

Schlafsacknorm EN 13537

 

Seit 2005 werden Schlafsäcke nach einem einheitlichen Verfahren unter anderem auf ihre Isolierfähigkeit überprüft. Die ermittelten Werte müssen dann gut sichtbar an jedem Schlafsack angebracht werden.

 

So ist es nun möglich, die Angaben der unterschiedlichen Modelle und Hersteller vergleichen zu können, da alle Angaben nach den gleichen Normvorgaben bei unabhängigen Prüfinstituten ermittelt werden müssen. Drei Messwerte finden sich anschließend auf dem Schlafsack wieder ...

Komforttemperatur »T comf«: gilt für eine »Standard-Frau« (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m), die gerade noch nicht friert.

Grenztemperatur »T lim«: gilt für einen »Standard-Mann« (25 Jahre, 70 kg, 1,73 m), der gerade noch nicht friert.

Extremtemperatur »T ext«: gilt für eine »Standard-Frau« (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) unter starker Kältebelastung. Hier besteht bereits ein Risiko der Unterkühlung.

Als Orientierungswert beim Kauf sollte der erste Wert (Komfortwert T comf) dienen. Einen vierten Wert der Norm, den Maximalwert, gibt Globetrotter Ausrüstung im Handbuch nicht an. Er bezieht sich auf den  Temperaturwert, an dem ein Mensch anfangen würde, im Schlafsack zu schwitzen. Globetrotter-Kunden beugen dem aber durch Öffnen des Reißverschlusses vor. Die Temperaturwerte werden in Forschungslaboren mit einer Gliederpuppe ermittelt, die nur mit einem Trainingsanzug und Strümpfen bekleidet im Schlafsack liegt. Gemessen werden die Wärmeverluste in der jeweiligen Umgebungstemperatur. Alle Angaben bei Globetrotter entsprechen der Norm, mit Ausnahme der Kinderschlafsäcke. Hier ist bis heute keine einheitliche Lösung gefunden worden. Daher werden dort weiter die früher üblichen Werte angegeben, ein Mix aus Herstellerangabe und der Einschätzung von Globetrotter-Mitarbeitern.