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In die Wüste geschickt: Michael Martin im Interview

Foto: Michael Martin
30 Jahre unterwegs, 21 Bücher, über 1000 Vorträge – trotzdem sieht sich Michael Martin gerade mal auf halber Strecke seines Weges. Ein Interview zur aktuellen Jubiläumstournee, illustriert mit persönlichen Lieblingsbildern des Fotografen.

Michael, wie man deinem neuen Buch »30 Jahre Abenteuer« entnehmen kann, musstest du erst in den Himmel schauen, um die Wüste zu entdecken …

Das stimmt. Mit zwölf Jahren war ich ein richtiger Astronomie-Freak und habe selbst ein Teleskop gebaut – zwei Jahre dauerte alleine das Schleifen und Einrichten der Linsen. Nur waren die Bedingungen zum Sternegucken in meiner Heimatstadt Augsburg – wie in allen Städten – schlecht. Also radelten mein Freund Achim und ich oft in die Berge, weil es da weniger Streulicht gibt. Mit der Erfahrung wuchsen auch die Wünsche: Wir wollten unbedingt auch den Südsternhimmel sehen – das Kreuz des Südens, die Magellanschen Wolken, diese tollen Gasnebel in der Milchstraße … das kannten wir alles nur aus Büchern. Also wurde der Plan geschmiedet, in den Schulferien statt in die Berge nach Marokko zu radeln. Dort sah ich zum ersten Mal die Wüste.

 
Wüste kann so kalt sein, dass dei Filme splittern (Bolivien, 2002). | Foto: Michael Martin

Ihr seid wirklich mit euren Teleskopen nach Marokko geradelt?

Nicht ganz. Wegen eines Knieproblems fiel das Radeln flach. Die einzige Alternative für uns 17-Jährige ohne Führerschein waren Mofas. Auch nicht gerade flott – die Kisten machten ständig Probleme und gaben schon am ersten Alpenpass fast den Geist auf. Oft musste der eine den anderen abschleppen. Für An- und Abreise brauchten wir insgesamt fünf Wochen und sechs Tage – es blieb uns also genau ein Tag am Rand der Wüste. Aber das genügte, ab da war ich wüstensüchtig. Die Sterne waren vergessen.

 

Das klingt ja, als seist du dort erleuchtet worden …

Als ich endlich auf der ersten Düne stand und sich dieses Sandmeer vor mir ausbreitete, hat mich das wirklich umgehauen. Mir ging der Gedanke durch den Kopf, dass sich so die Entdecker im 19. Jahrhundert gefühlt haben müssen. Mich packten die Neugierde und die Abenteuerlust, diesen riesigen Sandkasten zu erforschen.

 

Und damit hattest du deine Lebensaufgabe gefunden?

Am 18. Geburtstag holte ich den Führerschein ab, die Prüfung hatte ich schon vorher gemacht, stieg zu meinem Freund Uli in den neu erstandenen, aber fast schrottreifen Opel Kadett – und ab ging‘s in die Sahara. Danach folgten eine Reise in den Kongo und weitere Trips. Das Ganze musste natürlich finanziert werden – so kam ich auf die Idee, Diavorträge zu zeigen. Das Geografie-Studium war auch ein logischer Schritt.

 

Bildergalerie: In die Wüste geschickt: Michael Martins persönliche Lieblingsbilder

Hat man nicht irgendwann genug von der Wüste?

Nie. Je mehr ich über Wüsten erfuhr, desto faszinierender fand ich sie. Wüsten sind unendlich zahlreich und vielfältig – da kommt man nicht so schnell an den Punkt, an dem man sagt, das kenne ich jetzt alles. Man kann sich ja auch steigern: Manche Wüsten hätte ich mir mit 18 nie zugetraut, aber mit 22 bin ich hin. Inzwischen kenne ich wirklich viele Wüsten. Aber ob ich es bis zu meinem Lebensende schaffe, tatsächlich alle Wüsten der Erde zu bereisen und zu dokumentieren, das weiß ich nicht.

 

Hast du nach dem Mofa und dem Opel Kadett noch das ideale Wüstenfahrzeug gefunden?

Ideal ist relativ. Aus Geldgründen kauften wir für die ersten Touren immer Autos ohne TÜV, die dann am Ende der Reise in Afrika wieder verkauft wurden. Wir waren stolz, dass wir Strecken meisterten, die ohne Allrad als unbezwingbar galten – mit den spießigen Geländewagenfahrern konnten wir mithalten. Mit diesen Kisten waren wir sogar in entlegenen Teilen der Sahara, im Tschad oder im Sudan. Größere Probleme machten Sicherheitsaspekte: Anfang der 90er wurde die Sahara gefährlich wegen des heraufziehenden Bürgerkriegs in Algerien und der Touareg-Rebellion in Mali und im Niger. Es hat lang gedauert, bis das Reisen wieder möglich war.

 
»Meine Leidenschaft hat mit Weite und der Lust an großen Räumen zu tun. Da reicht der Radius eines Kamels, selbst wenn es gute Laune hat, nicht aus.« | Foto: Michael Martin

Und Geländewagen kamen nicht in Frage, weil sie »spießig« waren?

Jedenfalls solange wir sie uns nicht leisten konnten. Klar fuhren wir auch mit Geländewagen, aber ich fand das auf Dauer nicht spannend genug. So kam mir die Idee, wieder auf zwei Räder umzusteigen. Ich war schon einigermaßen bekannt, daher stellte mir BMW zwei Motorräder zur Verfügung. Diese Fortbewegungsmethode bietet sehr viele Vorteile: Man sitzt nicht mehr hinter Scheiben wie hinter einer Barriere, sondern spürt das Land, die Windwechsel und die Bodenbeschaffenheit. Ein Motorrad wird in Afrika nicht geklaut, weil Banditen damit nicht fahren können. Stattdessen sprechen die Leute einen an, man bekommt Kontakt. Oft haben Zöllner ausgiebig die Motorräder bewundert und die riesige Kameraausrüstung, die bei einer Einreise per Auto oder Flugzeug wohl konfisziert worden wäre, gar nicht weiter beachtet. Man wird als exotischer Traveller wahrgenommen, nicht als Fotograf oder Journalist. So kamen wir vergleichsweise einfach in Länder wie den Iran oder Afghanistan. 2003 in Tibet hatte Elke bei einem Pilgerfest als Einzige eine Profi-Filmkamera und konnte einmalige Aufnahmen machen.

 
Reisebekanntschaften: Michaels guter Freund Jamil mit Michaels Tochter Gina (Kenia, 1992). | Foto: Michael Martin

Kamele waren für dich nie eine Option?

Nein. Erstens, weil ich ein furchtbar ungeduldiger Mensch bin, der oft unbedingt weiter muss – diese Auffassung teilen Kamele selten. Zweitens hat meine Leidenschaft für die Wüste viel mit Weite und der Lust an großen Räumen zu tun: die Wüsten Afrikas, die Wüsten der Erde. Da reicht der Radius eines Kamels, selbst wenn es gute Laune hat, nicht aus. Der Erfolg meines Buches »Wüsten der Erde« hängt wahrscheinlich auch mit der Bandbreite der Menschen, Kulturen und Landschaften zusammen, die ich in aller Welt fotografiert habe. Und das ist nur motorisiert möglich.

 

Bei den ersten Touren hat dich Achim Mendes begleitet, heute ein bekannter Spezialist für Fotografie aus der Luft. Brauchst du auf deinen Touren einen künstlerischen Austausch?

Ganz ehrlich: nein. Achim war in erster Linie ein guter Freund. Mit Freunden als Begleitern habe ich immer gute Erfahrungen gemacht. Mit Schriftstellern, Filmemachern oder Künstlern nicht so sehr. Der Unterschied ist, dass Freunde meist einen schönen Urlaub machen wollen und keine eigenen Ambitionen haben. Oft waren sie nie zuvor in der Wüste und überließen mir Planung und Entscheidungen. Andere Fachleute oder Künstler konnten meist nicht akzeptieren, dass die Fotografie für mich immer im Mittelpunkt steht, da kam man sich schnell in die Quere. Ideal finde ich mittlerweile das Reisen als Paar – man ist schlank, flexibel und die Einheimischen reagieren darauf positiver als auf größere Gruppen. Bei mehreren Leuten kommt es auch fast automatisch zu den üblichen gruppendynamischen Diskussionen und  zur Grüppchenbildung.

 
Michaels Markenzeichen: Eindringliche Portraits (Mali, 1985). | Foto: Michael Martin

Dein Markenzeichen als Fotograf sind eindrucksvolle Portraits von Wüstenbewohnern. Wie näherst du dich den Menschen?

In entlegenen Gegenden trifft man oft auf Leute, die noch nie mit Ausländern zu tun hatten. Anfangs hatte ich dabei Hemmungen und Vorurteile. Viele Jahre traute ich mich nicht mal, diese Menschen zu fotografieren – und wenn, dann heimlich mit Teleobjektiven oder sogar einem Winkelvorsatz. Die Leute waren dann verärgert, ich hatte Gewissensbisse und die Bilder waren auch Mist. Ich lernte, erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufzubauen: Man trinkt zusammen Tee, ich mache ein paar Polaroids, verschenke diese und zeige auch Bilder von meiner Familie und meinem Zuhause. Erst dann frage ich, ob ich Fotos mit der großen Kamera machen darf. Die meisten Menschen haben damit kein Problem, sondern oft sogar viel Spaß. Andere vergessen die Kamera, dabei entstehen oft die besten Fotos. Diese Begegnungen, vor denen ich anfangs Angst hatte, sind mittlerweile das Schönste und Spannendste an meinen Reisen.

 

Steht in der Wüste die Zeit still? Oder haben sich die Lebensumstände in den letzten 30 Jahren spürbar verändert?

In der Sahelzone gibt es tatsächlich Dörfer, die sehen aus wie vor 20, 30 Jahren. Dort findet man als Fotograf sehr traditionelle Motive, aber leider auch die gleiche Armut wie früher. Über andere Gegenden ist die Modernisierung wie ein Sturm hereingebrochen, etwa über die Oasen in Algerien – die erkennt man nicht wieder. Rohstoff-Länder wie Katar sind praktisch über Nacht reich geworden und bauen Wolkenkratzer in den Sand. In den Beduinenzelten laufen amerikanische Soaps. Ich bedaure oft, dass ich nicht schon in den 50er-Jahren durch die Wüsten reisen konnte, als diese noch ursprünglicher waren. Andererseits habe ich in den 80ern immerhin noch vieles gesehen und erlebt, was es heute nicht mehr gibt. Aber das ist nicht unbedingt ein Problem der Wüsten: Bei uns in Bayern laufen die Leute ja auch nicht alle in Tracht herum, und diese riesigen Möbelhäuser überall sind auch nicht schöner als die Zweckbauten in den Oasen.

 
Geschwister im Tal der Könige (Ägypten, 1994). | Foto: Michael Martin

Du erlebst viele Länder der Dritten Welt hautnah. Verbessert sich die Lage der Menschen dort?

Das war und ist ein trauriges Thema. Nach wie vor finanzieren wir unseren Reichtum im Norden auf Kosten der Armen im Süden. Die Märkte dort sind voller subventionierter Agrarprodukte aus Europa. So nimmt man den Kleinbauern jegliche Einkommensquelle und Motivation. Gleichzeitig schotten wir Europäer unsere Märkte ab. Das müsste man abschaffen und könnte sich die ganze Entwicklungshilfe sparen. Statt den Entwicklungsländern Almosen zu geben, sollten wir lieber aufhören, von ihnen zu stehlen. Als Reisender erhascht man manchen Blick hinter die Kulissen – und was sieht man? Ungerechtigkeit. Alle reden über die Piraten vor Somalia. Wer redet darüber, dass die Industrienationen dort die Fanggründe leerfischen und Giftmüll verklappen?

Zu deinen Bildern – was unterscheidet den Fotografen vom Knipser?

Talent, Begeisterung und Fleiß. Ich kann nur für mich sprechen, aber mein Eifer beim Fotografieren grenzt an Fanatismus. Das begann schon, als Achim und ich die Sternbilder im Teleskop auch fotografieren wollten – und Astrofotografie ist wirklich eine Kunst für sich. Die Erdrotation mussten wir mit Elektromotoren ausgleichen, echte Präzisionsarbeit. Das nächste Problem war der Schwarzschildeffekt – Filme verlieren bei richtig langen Belichtungszeiten ihre Empfindlichkeit. Dagegen half ein Trick: Man erhitzte den Film im Backofen auf 220 Grad, um ihn zu hypersensibilisieren; anschließend wurde er auf minus 80 Grad runtergekühlt. Damit der Film nicht beschlug, bauten wir eine Vakuumhülse. Ein unglaublicher Aufwand! Aber dafür konnten wir eine ganze Stunde lang belichten und so die Sternbilder einfangen. Als ich mit der Naturfotografie begann, war ich es also gewohnt, Zeit und Arbeit in Bilder zu investieren. Ich bin auch froh, dass ich noch auf Diafilm gelernt habe – das erzieht zu extremer Disziplin, weil man nur wenige Aufnahmen hat, das Ergebnis nicht sofort sieht und die Belichtung später nicht mehr verändern kann. Digitalkameras sind toll, verleiten aber zum unbedachten Draufhalten.

 

Trauerst du der Analog-Fotografie noch nach?

Nein. Die Digitalfotografie hat eigentlich nur Vorteile und macht vieles leichter. Damit meine ich aber nicht die digitale Manipulation von Fotos, sondern vor allem die Möglichkeit, Fotos sofort zu beurteilen. Trotzdem ist ein Bild, egal ob analog oder digital, im Grunde genommen immer nur so gut wie der Fotograf.

 
Noch immer hat Michael Martin die Sterne im Blick: die Milchstraße, fotografiert in Namibia 2008. | Foto: Michael Martin

Ketzerische Frage: Hat man die Wüste oder ein sonstiges Thema nach 1000, 2000 Fotos nicht komplett im Kasten?

Nicht mal nach einer Million Fotos! Man kann als Mensch nie alles gesehen haben, es gibt immer neue Motive und neue Lichtverhältnisse. Mit jeder Reise sammelt man neue Erfahrungen und macht bessere Bilder. Anders als Sportler, die ja mit 25 oder 30 Jahren beginnen abzubauen, werden Fotografen mit dem Alter immer besser. Die großen Meister wie Frans Lanting oder Thomas Höpker sind alle im reiferen Alter. Und ich persönlich hoffe auch, dass ich die bessere Hälfte meines beruflichen Werdegangs noch vor mir habe.

 

Welche Rolle spielt Glück in der Fotografie?

Eine große Rolle. Es gibt natürlich so etwas wie das Glück des Tüchtigen, der seine Kamera immer parat hat. Aber manchmal ist es einfach pures Glück. Mir ist das kürzlich in Island passiert: Ich war zum ersten Mal da, also alles andere als ein Experte für die Gegend, und fuhr zu einer  Stelle, die man von vielen Fotos kennt – dort kalbt ein Gletscher und viele kleine Eisberge treiben in der Lagune. Als die Sonne sich senkte und die Luft abkühlte, bildete sich eine Nebelbank, die langsam in das Eisbergfeld zog. Ich bekam meinen Finger schon gar nicht mehr vom Auslöser. Aber dann ging es erst richtig los: Der Nebel schob sich vor die tiefe, rote Sonne und die einzelnen Eisberge begannen, Sonnenstrahlen zu reflektieren – durch den Nebel hindurch. Es entstand eine Art Strahlenkranz, ein unglaubliches Naturschauspiel, das ich im neuen Buch »Lichtoper« genannt habe (siehe Foto oben, Red.). Ich zeigte die Fotos später vielen Leuten, auch Einheimischen und Rangern – niemand hatte so etwas je gesehen. Man sieht also: Für manche Bilder muss man kein großer Künstler sein, sondern einfach Glück haben.

 

Das Geld für deine Reisen verdienst du hauptsächlich mit Vorträgen und Büchern. Ein einträgliches Geschäftsmodell?

Im Prinzip läuft es so, dass die Einnahmen aus Buch und Diatour das jeweils nächste Projekt finanzieren. Das klappt mittlerweile. Der Anfang allerdings war hart. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Vortrag Ende der 70er, da kamen acht zahlende Gäste. Der absolute Tiefpunkt war ein Vortrag beim CVJM in Augsburg: Genau ein Zuschauer war anwesend – und das auch nur, weil er seinen Zug verpasst hatte. Achim und ich hielten den Vortrag trotzdem: zwei Referenten, ein Zuschauer.

 
In 30 Jahren sind auch die Plakate professioneller geworden. | Foto: Archiv Martin

Wo liegt dein Zuschauerrekord?

1989 im Kongresssaal des Deutschen Museums, den es heute leider nicht mehr gibt: Da waren 2400 Zuschauer da. Allerdings sind solche Riesenveranstaltungen gar nicht optimal, weil man nicht von allen Plätzen gut sieht und ich kaum mehr mit den Leuten kommunizieren kann – nicht während des Vortrags und nicht bei einem Schwätzchen danach. Das geht viel besser bei 300 bis 400 Zuschauern. Daher halte ich die Vorträge lieber in einer Stadt mehrfach – in vielen Orten addiert sich das dann auch zu einigen tausend Zuschauern pro Thema.

 

Deine Vorträge gelten als die besten im deutschen Sprachraum. Bitte das Geschäftsgeheimnis in drei Sätzen …

Du brauchst wirklich außergewöhnliche Fotos, eine gute Story und auch Geschäftssinn. Dazu eine Bühnenpersönlichkeit, also eine gute Stimme und rhetorische Fähigkeiten – was du zu erzählen hast, musst du erzählen können. Und ganz wichtig: Du musst fleißig sein.

 
»Lichtoper« am Gletschersee Jökulsarlon (Island, 2009). | Foto: Michael Martin

Was machst du in den kommenden 30 Jahren?

Natürlich wieder in die Wüsten reisen. Die nächsten Ziele sind Eis-, Vulkan-, und edaphische Wüsten. Edaphisch heißt, dass der Boden kein Wasser speichern kann, ganz typisch dafür ist das karge Hochland von Island. Mich interessiert dabei besonders die Beziehung zwischen Mensch und Wüste. Wie prägt der Mensch die Wüste? Das beginnt bei Nomadenvölkern und reicht bis zu Veränderungen der Eiswüsten durch den Klimawandel. Und andersherum: Wie verändert die Wüste den Menschen? Was macht einen Wüstenbewohner aus? Welchen Einfluss hat die Wüste auf Kunst, Kultur und Musik? Warum kommen alle drei großen Offenbarungsreligionen aus der Wüste? Landschaftsfotografie wird auch eine große Rolle spielen.

 

Wie konkret ist die Planung für das kommende Projekt?

In Island war ich eben. Aber jetzt folgt erst einmal die Tournee mit rund 120 Terminen (siehe rechts, Red.). Danach fahre ich nach Grönland, Nordsibirien, Franz-Josef-Land und Spitzbergen, im kommenden Winter in die Sahara und nach Nordamerika. Dann je ein Jahr die Trockenwüsten der Südhalbkugel und die Antarktis. Bis 2014 rechne ich mit 40 Reisen und Kosten von rund 400.000 Euro. Dann wird es wieder ein Buch, einen Film und einen Vortrag geben.

 
Geteiltes Leid: Staub fressen mit Freunden (Algerien, 1985). | Foto: Michael Martin

»30 Jahre Abenteuer« ist soeben erschienen und laut Verlagswerbung dein bisher persönlichstes Buch. Ist es das tatsächlich?

»30 Jahre Abenteuer« ist mein 21. Buch – aber das erste Buch, bei dem ich den Mut gefunden habe, ganz persönliche Geschichten einfließen zu lassen. Bisher standen immer die Fotografie und die Geografie im Vordergrund. Bei »Wüsten der Erde« zum Beispiel war es mein Ziel, ein enzyklopädisches Standardwerk zu verfassen. Das neue Buch beinhaltet neben der collagenhaften Chronologie aller meiner Touren acht Extra-Kapitel, in denen ich Anekdoten erzähle und auch mit privaten Erfahrungen nicht hinterm Berg halte. Es ist eine Reisebiografie in Wort und Bild. Und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

 
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