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Die schönsten Rodelbahnen Deutschlands

Foto: Stefan Herbke
Rodeln macht Laune, ist kinderleicht und mittlerweile in fast allen Wintersportorten auf eigens angelegten Pisten möglich. ADAC-Rodelbahntester und Rodelführer-Autor Stefan Herbke verrät uns seine Lieblingsbahnen.

Der Griff des Winters in Deutschland wird fester und die meisten Skiegebiete haben inzwischen den Liftbetrieb aufgenommen. Für viele Wintersportfans heißt es jetzt wieder: Auf den Schlitten, fertig, los! Was es dabei zu beachten gibt, wie man sich als Rodelrookie fühlt und mit welcher Technik man sicher denn Berg hinunter kommt, erklären Judith Prechtl und Maik Mersmann in ihrem informativen Crashkurs Rodeln aus dem letzten Winter.

Ganz aktuell stelt unser Experte Stefan Herbke sechs seiner Lieblingsrodelbahnen vor — vom Thüringer Wald, über den Harz, den Bayerischen Wald bis zu den Alpen. Der 45-jährige Reisejournalist aus dem Altmühltal weiß, wovon er spricht: Herbke ist Autor zweier Rodelführer und testet zudem Bahnen für den ADAC.

Bayerische Alpen

Berchtesgaden: Hirscheckblitz (schwer)

Nicht zu übersehen: Gleich neben der Bergstation befindet sich der Start. | Foto: Stefan Herbke

Der Tote Mann ist ein Paradeaussichtsberg inmitten des Berchtesgadener Talkessels und schon immer ein beliebtes — und sonniges — Ziel für Skifahrer, Winterwanderer und Rodler. Wobei die in den letzten Jahren den Skifahrern längst den Rang abgelaufen haben. Damit das so bleibt, wurde im letzten Winter mit dem Hirscheckblitz eine neue Naturrodelbahn eingeweiht. Der Start befindet sich gleich neben der Bergstation der Sesselbahn und ist mit dem großen, hölzernen »Eingangstor« nicht zu übersehen. Bei der Trassenführung hat Rodellegende Georg Hackl mitgewirkt, entsprechend sportlich sind bereits die ersten Meter. Oder anders gesagt, auf dem kurvenreichen, knapp zweieinhalb Kilometer langen Hirscheckblitz kommt garantiert keine Langeweile auf: Das Gefälle wechselt ständig zwischen 14 und 22 Prozent, die Kehren sind bestens abgesichert, der Auslauf groß genug und das Ziel befindet sich in unmittelbarer Nähe der Hirscheck-Sesselbahn.

Anfahrt: Salzburger Autobahn bis Ausfahrt Bad Reichenhall, über Reichenhall nach Bischofswiesen, am Ortseingang Abzweigung nach Loipl und zur Talstation der Hirscheck-Sesselbahn (1030 m). Öffentlich: Mit dem Zug nach Berchtesgaden, mit dem Bus aufs Schwarzeck.

Info: www.hochschwarzeck.info

 

Rottach-Egern: Wallberg (schwer)

Rodeln mit Seeblick: Das Panorama am Wallberg begeistert immer wieder aufs Neue. | Foto: Stefan Herbke

Seitdem am Wallberg nicht mehr die Pisten, sondern ausschließlich die mit 6,5 Kilometern längste Naturrodelbahn Deutschlands präpariert wird, hat sich der einst legendäre Skiberg in den beliebtesten Rodelberg Bayerns verwandelt. Doch vor dem Rodeln steht der Panoramablick: Die Fernsicht von der Bergstation der Wallbergbahn (1620 m) hinunter auf den Tegernsee und hinüber auf die Gipfel der Bayerischen Alpen bis hin zur Zugspitze ist traumhaft und immer wieder ein Genuss – was auch dem fotogenen Vordergrund mit dem Wallberg-Kircherl zu verdanken ist. Wer sich an der Kulisse satt gesehen hat, der setzt sich auf seinen Schlitten und lässt es laufen. Schon nach wenigen Metern wartet die erste scharfe Linkskurve, dann geht es in rasanter Fahrt auf der hier breit gewalzten Bahn in den Sattel zwischen Wallberg und Setzberg. Nur ein kurzer Abschnitt ist etwas flacher, dann zeigt sich schnell, dass der Auftakt eher in die Kategorie gemütlich einzuordnen ist. Denn ab dem Wallberghaus taucht man ein in den anspruchsvollsten Teil der Rodelbahn: enge Passagen und Kurven verlangen vorausschauendes und rücksichtsvolles Fahren. Ab der Wallbergmoosalm lässt man alle Schwierigkeiten hinter sich und rodelt auf der breiten, nur sanft fallenden Wallbergstraße entspannt ins Ziel.

Anfahrt: Salzburger Autobahn bis Ausfahrt Holzkirchen, über Bad Wiessee nach Rottach-Egern. Weiter Richtung Kreuth, kurz hinter dem Ortsende von Rottach-Egern Abzweigung zur Wallbergbahn (790m). Öffentlich: Von München Hbf mit der BOB (Bayerische Oberlandbahn) nach Tegernsee. Weiter mit RVO-Bussen zur Talstation.

Info: www.wallbergbahn.de

 
Das Video zum 4-Seasons-Chrashkurs Rodeln

 

Oberstaufen: Mittag (mittel)

Der Blick über das Illertal auf die Allgäuer Alpen. | Foto: Stefan Herbke

Durch die vorgeschobene Lage am Rand der Allgäuer Nagelfluhkette bietet der Mittag eine umfassende Rundsicht. Für Schlittenfreunde gibt es eine gut fünf Kilometer lange Rodelbahn, die vom Mittaggipfel (1452 m) zur Mittelstation und durch das Steigbachtal nach Immenstadt führt. Die Strecke ist zwar über weite Abschnitte identisch mit der Skipiste, doch die ist seit diesem Winter den Rodlern vorbehalten. Am Mittag setzt man alles auf die Karte Rodler — die Schlepplifte im Skigebiet stehen zwar noch, sind aber stillgelegt. Und so nehmen die Schlittenfreunde glücklich die breite Piste in Beschlag und rodeln über den aussichtsreichen, breiten Ostrücken des Mittag bergab. Dann heißt es abrupt abbremsen, um die Abzweigung auf die Nordseite nicht zu versäumen. Auf schmalem Skiweg quert man hinüber zur Schwandneralpe, wo man seinen Schlitten wieder laufen lassen kann — und bei schlechter Sicht etwas Orientierungsprobleme hat, so weitläufig sind die Hänge. Ab der Mittelstation ist der Streckenverlauf eindeutig. Die Rodelbahn folgt immer einem breiten Weg, die Kehren sowie der seitliche, steil zum Steigbach abfallende Rand sind bestens abgesichert. Aufpassen muss man dennoch, es geht rechts rasant abwärts und mit Gegenverkehr in Form von aufsteigenden Skitourengehern muss gerechnet werden. Ein letzter Steilhang führt ins Ziel, dann ist endgültig Schluss. Fast, denn einige nutzen auf dem kurzen Fußweg hinüber zur Talstation jedes noch so kurze Gefälle, um die Rodelpartie zu verlängern.

Anfahrt: Lindauer Autobahn bis Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren, über Kaufbeuren und Kempten nach Immenstadt zur Talstation der Sesselbahn (770 m). Gebührenpflichtiger Parkplatz, Gäste der Mittagbahn bekommen die Gebühr erstattet. Öffentlich: Mit dem Zug nach Oberstaufen, zu Fuß in rund 10 Minuten zur Talstation.
Info: www.mittagbahn.de

 

Bayerischer Wald

Bischofsmais: Geißkopf (mittel)

Märchenhaft: Mit Raureif an den Bäumen ist die Rodelpartie am Geißkopf gleich doppelt so schön. | Foto: Stefan Herbke

Kleiner Berg, großes Angebot — der Geißkopf (1097 m) im Bayerischen Wald ist sowohl im Sommer als auch im Winter das perfekte Ausflugsziel. Einer der Anziehungspunkte ist neben den Pisten, dem Snowpark und den Loipen die familienfreundliche Rodelbahn, die sich bestens präpariert durch den verschneiten Bergwald schlängelt. Eine eher gemütliche Bahn mit einem beschaulichen Bergauf: Die nostalgische Einersesselbahn ist ein echtes Nadelöhr. Zusammen mit Skifahrern, denen der parallel verlaufende (und deutlich schnellere) Schlepplift zu anspruchsvoll ist, steht man geduldig in der Schlange der Geißkopfbahn, ehe man in aller Ruhe mit Blick auf das Skigebiet auf die Gipfelkuppe schwebt. Schon nach wenigen Metern steht man am Start der Rodelbahn, die breit gewalzt durch den Wald führt. Insgesamt eine eher leichte Strecke, wobei einige Kurven und kurze, aber problemlos zu fahrende Steilstücke für etwas Nervenkitzel sorgen.

Anfahrt: Über die A3 oder die A92 zum Autobahnkreuz Deggendorf, kurz auf die B11 und im Tunnel Deggendorf Richtung Regen über Rusel, bei Hochbruck links nach Bischofsmais und zum Geißkopf. Großer Parkplatz (835 m). Öffentlich: Mit dem Zug nach Deggendorf, mit dem Bus über Bischofsmais zur Geißkopfbahn.
Info: www.geisskopf.de

 

Thüringer Wald

Oberhof: Naturrodelbahn (leicht)

Gut in Schuss: Die wenigen Gefahrenstellen sind nicht zu übersehen und gut abgesichert. | Foto: Stefan Herbke

Einst war Oberhof auf den Höhen des Thüringer Waldes ein mondäner Höhenluftkurort und das Mekka des Bob- und Rodelsports — bereits 1906 wurde die erste Bobbahn eröffnet —, mittlerweile hat sich der schneesichere Wintersportort am Kamm des Thüringer Waldes zu einem Mekka für Langläufer gewandelt, was natürlich auch an der Popularität des Biathlonsports liegt. Und an dem Bau einer Halle, in der Langläufer ganzjährig auf Schnee ihre Runden ziehen können. Doch seit der Eröffnung der längsten Naturrodelbahn Thüringens am Rennsteiggarten erlebt das Rodeln eine Renaissance. Die rund zwei Kilometer lange Strecke führt in weiten Serpentinen von der Hochfläche mit rund zwölf Prozent Gefälle hinunter in ein Tal und erreicht unweit des Bahnhofes Oberhof die Straße. Zurück geht es in sieben Minuten mit dem halbstündlich verkehrenden Rodelbus. Bis auf zwei Haarnadelkurven ist die Rodelbahn problemlos zu fahren, wobei der oberste Abschnitt mit einem schönen Ausblick punktet, während das Schlussstück wunderschön durch den Wald führt.

Anfahrt: Über die A73 und A71 zur Ausfahrt Oberhof und den Wegweisern nach Oberhof folgen. Kurz vor dem Ort rechts ab zum Parkplatz Rennsteiggarten (830 m, gebührenpflichtig). Navi: 98559 Oberhof, Rennsteiggarten. Öffentlich: Mit dem Zug nach Oberhof, mit dem Bus zum Rennsteiggarten.
Info: www.oberhof.de

 

Harz

Braunlage: Wurmberg

Lange Geraden im dichten Bergwald sind typisch für die Rodelbahn am Wurmberg. | Foto: Robert Vilzmann

Wo anderswo die Skigebiete erst anfangen, da hört in Braunlage das Skivergnügen schon wieder auf. Gerade einmal 971 Meter misst der Wurmberg als höchster Gipfel Niedersachsens — und Braunlage am Fuß des Waldrückens liegt gar nur auf rund 575 Meter. Dennoch kommen sie am Wurmberg noch ohne Schneekanonen aus — im Harz als höchstes Gebirge Norddeutschlands bleiben alle Schneewolken zuverlässig hängen. Für die Skifahrer sind eher die Möglichkeiten in der oberen Etage interessant, Rodler dagegen steigen bei der Mittelstation aus und starten von hier zur eineinhalb Kilometer langen Bahn, auf der schon deutsche Rodelmeisterschaften ausgetragen wurden. Der Start befindet sich beim 100 Meter entfernten Rodelhaus, wo man sich noch einmal stärken kann und gleichzeitig die Rodelbahn im Blick hat. Die führt gemütlich durch den dichten Wald und ist mit ihren langen Geraden recht überschaubar. Unten sollte man rechtzeitig bremsen, um rechts auf dem Wanderweg zurück zur Talstation zu laufen. Ansonsten landet man auf der Piste, auf der die Skifahrer von links mit Schwung aus dem Wald schießen. Ist aber kein großes Problem, genauso wenig wie die Wanderer, die statt langer Wartezeiten an der Gondelbahn lieber zu Fuß zum Start laufen. Die sollten zwar den Trampelpfad links neben der Rodelbahn benutzen, doch daran halten sich nicht alle.

Anfahrt: Über die A7 zur Ausfahrt Göttingen und auf der Bundesstraße 27 nach Braunlage. Parkplatz bei der Talstation (577 m, gebührenpflichtig). Navi: 38700 Braunlage, Am Amtsweg 5. Öffentlich: Mit dem Zug nach Göttingen oder Hannover und mit dem Bus über Bad Harzburg nach Braunlage.
Info: www.wurmberg-seilbahn.de

 

4-Seasons Buchtipp
 

Rodeln — die 50 schönsten Strecken Deutschlands

Insgesamt 50 Rodelbahnen in den Bayerischen Alpen, im Schwarzwald, dem Harz, im Thüringer Wald und dem Erzgebirge, sowie im Bayerischen Wald beschreibt Stefan Herbke in seinem neuen Führer. Wichtige Informationen zu Anfahrt, Länge, Anforderungen und Einkehrmöglichkeiten sowie eine Übersichtskarte ergänzen jeden Rodelbahntipp. Abgerundet wird die Beschreibung mit den Ergebnissen des neuesten ADAC-Test Rodelbahnen, bei dem viele Strecken in Bezug auf die Sicherheit, den Service und die angeschlossene Infrastruktur eingehend unter die Lupe genommen wurden.

Der 112-seitige Rodelführer kann für 12,95 Euro direkt im Globetrotter-Webshop bestellt werden.

 
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