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Die Eisbären-Babys im Wapusk Nationalpark

Großer und kleiner Eisbär schauen in den kanadischen Sonnenuntergang. | Foto: Thomas Sbampato
Der Schweizer Fotograf Thomas Sbampato hat in Kanada den Eisbärennachwuchs fotografiert. Allein die Reise mit dem Zug in den hohen Norden ist ein Abenteuer für sich. 4-Seasons.de hat seine Geschichte ...
Der Polarbär Express: im Sommer die einzige Landverbindung in den kanadischen Norden. | Foto: Thomas Sbampato

Um die Mittagszeit verlässt der Polarbär Express, die einzige Landverbindung nach Churchill an der Hudson Bay, den Hauptbahnhof von Winnipeg. Erst 1929 wurde diese Bahnlinie nach Churchill gebaut um den Handel mit Europa zu intensivieren. Heute besitzt Churchill den grössten kanadischen Hafen am Arktischen Ozean, von dem aus vor allem Weizen aus den Prärien Manitobas und Saskatchewans nach Europa verschifft wird.

Für die 1700 Kilometer benötigt der Zug 44 Stunden, das sind nicht einmal 40km/h im Schnitt. Diese Art zu reisen sind wir in Europa nicht mehr gewöhnt, ich komme mir vor wie in einer Zeitmaschine. Die Welt vor dem Fenster dreht sich immer schneller, während im Zug die Zeit einfach stehen zu bleiben scheint.

Schnee, so weit das Auge reicht. | Foto: Thomas Sbampato

Januar bis März sind die ruhigsten Monate im Zug auf der Strecke Winnipeg - Churchill. Jetzt sind die Eisstrassen in die kleinen Indianerkommunen der Cree befestigt. Und die Menschen, die den Rest des Jahres den Zug dicht bevölkern, sind nun mit dem Auto unterwegs und transportieren schwere Gegenstände in ihre entlegenen Dörfer. Neun Monate müssen sie jeweils auf den Bodenfrost warten um die sperrigen Güter zu verfrachten. Neun Monate, in denen die arktische Tundralandschaft zu instabil oder gar ganz aufgetaut ist.

Sechzig Kilometer südlich von Churchill habe ich mein Ziel erreicht. Eine Stunde vor Ankunft in Chesnaye weckt mich der Zugbegleiter in meiner gemütlichen Koje. Ich soll mir die wärmsten Kleider anziehen, die Welt hinter dem Zugfenster sei ungemütlich. Der Zug hält, ich bin da, hieve mein Gepäck durch die Gänge und steige die steile Treppe hinunter, hinaus in den Schnee.

Thomas Sbampato auf den Weg in die arktische Wildnis. | Foto: Thomas Sbampato

Aber verdammt nochmal, wo um alles in der Welt ist Chesnaye? Ich rufe den  Zugbegleiter um Hilfe, er grinst, nickt, hält den Daumen hoch und entfernt sich dabei langsam aus meinem Blickfeld Richtung Churchill. Meine Erwartungen waren gering, was Chesnaye betrifft, aber nun dies. Nichts. Soweit das Auge reicht nichts als die schneebedeckte, arktische Tundralandschaft und die Eisenbahngeleise. Nicht das kleinste Gebäude in Sicht und ich stehe hier alleine mitten im Nichts. Der Wind pfeift, der Schnee wird aufgewirbelt, die Temperatur minus 35°Celsius. Das Quietschen des Zuges weicht dem Windgeräusch, nur um Sekunden später durch ein Quietschen aus einer anderen Richtung übertönt zu werden. Ein Van auf Raupen nähert sich und hält vor mir. Jimmy Moose, ein Cree Indianer, springt heraus. »Are you Thomas?« Ich schau mich um, dann grinse ich ihn an. »Can’t see anybody else here«. Jimmy lacht, er kann sich kaum halten vor Lachen. »Thats a good one«, brüllt er und lacht weiter. Sein Lachen ist ansteckend. Noch immer grinsend schmeissen wir meine Sachen ins Auto, klettern in das hoffnungslos überhitzte Gefährt und ab geht’s durchs Schneegestöber.

Die ganze Geschichte gibt es hier in der Bildergalerie:

Bildergalerie: Die Eisbären-Babys im Wapusk Nationalpark

 

4-Seasons Info

Churchill und die Eisbären

»Hauptstadt der Eisbären« nennen die 1000 Einwohner von Churchill ihren Ort. Denn nirgendwo sonst tummeln sich so viele Eisbären wie hier an der Bucht, an der die riesige Hudson Bay zuzufrieren beginnt. Jedes Jahr im November ziehen rund 1200 Bären aus der umliegenden Tundra herbei und warten sehnsüchtig auf die Eröffnung ihrer Jagdsaison. Sobald die Bay zuzufrieren beginnt, wagen sie sich hinaus aufs Eis und machen sich auf die Suche nach den noch eisfreien Stellen, wo sich die Robben drängen. Dort jagen die Bären ihre Lieblingsnahrung und schlagen sich die Bäuche voll mit fettem Robbenfleisch.

Diese Eisbärenfamilie ist frisch aus der Schneehöhle gekrabbelt. | Foto: Thomas Sbampato

Allerdings leben die Bären mittlerweile auf immer dünnerem Eis. Die Klimaerwärmung lässt den Lebensraum der arktischen Jäger in dramatischen Ausmaß schwinden. Durch den Anstieg der Temperaturen friert die Bay im Herbst später zu und taut im Frühjahr eher wieder auf. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Eisperiode an der Hudson Bay um etwa drei Wochen verkürzt. Kanadische Forscher haben festgestellt, dass die Tiere heute durchschnittlich 50 Kilo weniger wiegen als vor zwanzig Jahren. Außerdem bringen sie weniger Junge zur Welt.

Es ist nicht ungefährlich, wenn die Eisbären ihren Zug durch die Gemeinde antreten. Sie treiben sich auf der Müllkippe herum, strolchen durch die Straßen und lungern zwischen den Häusern, immer auf der Suche nach Essbarem. Dabei brechen sie auch mal Türen auf oder schauen neugierig durch die Küchenfenster. So mancher Einwohner geht dann mit dem Gewehr schlafen.

Mutter und Kind: Eisbärenspuren in Nordkanada. | Foto: Thomas Sbampato

Wenn nun die weißen Pelzträger in Richtung Churchill ziehen, dann schlägt auch die Stunde der Eisbärenpatrouille. Freiwillige Helfer stellen Schilder auf, um Kinder und arglose Touristen vor den unberechenbaren Vierbeinern zu warnen. Die Eisbären sind ein beliebtes Riesenspektakel für die Touristen, die von Anfang Oktober bis Mitte November nach Churchill kommen.

Mit sogenannten Tundra-Buggys lassen sie sich über den Permafrostboden rollen, um den Eisbären möglichst nahe zu kommen. Auf dicken Ballonreifen kriechen die Gefährte mit acht Stundenkilometern durch die Tundra. Churchill, das über keine Straße zur Außenwelt verfügt und in dem Autodiebe nur milde belächelt werden, ist statt dem Goldrausch dem Bärenrausch verfallen. Fremdenverkehr scheint die einzige Möglichkeit für Churchill zu sein, nicht von der Landkarte zu verschwinden. Der Hafen ist nur während der vier Monate im Jahr geöffnet, in denen das Packeis die Hudson Bay freigibt. Schon bestehen Pläne, ihn ganz zu schließen. Damit wäre auch das Schicksal der Eisenbahn besiegelt, die Getreide zum Verladen an die Kais schafft.

 
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