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Der letzte Häuptling

Foto: Dirk Rohrbach
Im Dezember 1890 ermordete die US-Kavallerie am Wounded Knee 300 Indianer. Jedes Jahr erinnern die Sioux mit einem zweiwöchigen Gedenkritt an diese Toten. Das Multimedia-Projekt »Der letzte Häuptling« spannt einen Bogen von den Indianerkriegen bis zur heutigen Situation in den Reservaten.

29. Dezember 1890. Sioux-Häuptling Big Foot und 300 Gefolgsleute kauern auf der frostigen Erde am Wounded Knee Creek. Sie sind umstellt von 500 Soldaten der 7. US-Kavallerie. Zwei Wochen lang waren die Indianer auf der Flucht gewesen, sind ausgehungert, unterkühlt und krank. Dann fällt ein einzelner Schuss, den die Soldaten später den Indianern anlasten werden. Er löst ein Massaker aus. Die Armee feuert in die Menge, tötet fast alle Indianer, darunter viele Frauen und Kinder.

Leonard Little Finger mit dem Bild seines Ur-Ur-Großvaters Big Foot, der am Wounded Knee starb. Leonard kämpft für den Erhalt der Sprache und der Kultur seines Stammes. | Foto: Dirk Rohrbach

Der Tod von Häuptling Big Foot und seinen Leuten gilt als offizielles Ende der Indianerkriege. Heute erinnern ihre Nachfahren an die Geschehnisse am Wounded Knee mit einem jährlichen Gedenkritt. Die deutschen Journalisten Dirk Rohrbach und Peter Hinz-Rosin beschäftigen sich seit zehn Jahren intensiv mit den Sioux. Leonard Little Finger, der Ur-Ur-Enkel von Häuptling Big Foot, lud sie ein, ihn auf der abenteuerlichen Reise in die Vergangenheit zu begleiten.

Für die dick vermummten Reiter des »Big Foot Memorial Ride« geht es auch um die Suche nach ihren Wurzeln. Zwei Wochen dauert der Ritt entlang der Fluchtroute von Big Foot, 350 Kilometer durch eisige Prärie, bei Temperaturen bis -50 Grad. »Ja, es ist kalt«, sagt Ron McNeil, Nachfahre von Sitting Bull, »aber wir erinnern uns daran, dass dies ein spiritueller Ritt ist. Wir sagen: Klage nicht. Wenn du klagst, klagt auch die Person neben dir. Dann die Person neben ihm und bald beklagt sich jeder. Wenn wir eine Nation von Jammerlappen sind, passiert gar nichts mehr. Früher haben sie das verstanden. Statt zu klagen – tu etwas dagegen …«

Bildergalerie: Der letzte Häuptling

Bobby White Mountain erzählt, dass auch viele Jugendliche mitreiten, ohne sich zu beklagen. »Das macht mich innerlich stark. Solange wir diese Tapferkeit und Werte in uns haben, wird uns nichts stoppen. Unser Volk muss vergeben, die Vergangenheit hinter sich lassen und weitergehen.«

Heute leben viele Lakota Sioux in kargen Reservaten, die einst große Büffelnation kämpft gegen den Verlust ihrer Sprache und Kultur. Die Hoffnung der Menschen und ihr Stolz aber sind ungebrochen. »Sie mögen unser Volk getötet haben, aber unsere Art zu leben werden sie niemals töten«, sagt Leonard Little Finger.

Dirk Rohrbach und Peter Hinz-Rosin führten viele Gespräche mit den Sioux, hörten ihre Geschichten und nahmen an ihrem Gedenkritt teil. Daraus entstanden der Bildband »Der letzte Häuptling« und ein multimedialer Vortrag mit Fotos, Musik und  Originaltönen. Er will ein Portrait der Indianer zeichnen, das sich von Klischees freihält. Vielmehr geht es den Journalisten »um die Selbstbehauptung von scheinbar Schwachen, die Rolle von Erinnerung und herrschender Wirklichkeit und um Gedenken und Aufbruch.«

Freunde der Sioux: Peter Hinz-Rosin und Dirk Rohrbach. | Foto: Rohrbach

Mit ihrem Verein »Tatanka Oyate« (Büffel-Nation) unterstützen Hinz-Rosin und Rohrbach die Indianer, z. B. mit einem Schulbuch-Projekt, das Leonard Little Finger initiiert hat. An einer Reservats-Schule lehrt er die lange verbotene Stammessprache, denn »ohne seine Sprache kann ein Volk nicht überleben«. Für die Kinder wurde bereits ein Sprachkurs mit Malbuch und Audio-CD entwickelt. Nun soll ein Schulbuch mit Aufbaukurs entstehen, das kostenlos an rund 4000 Schüler verteilt wird. »Tatanka Oyate« übernimmt die Druckkosten. Möglich wird dies durch Spenden, die auch im Rahmen der Vorträge gesammelt werden. Zudem unterstützt Outdoor-Hersteller Tatonka seit langem die Arbeit der beiden Journalisten.

 
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Das Projekt in Bildern

 

Bildband »Der letzte Häuptling«
Das 160 Seiten starke Buch erzählt ausführlich die Geschichte der Sioux und zeigt starke Fotos vom Gedenkritt und dem Leben im Reservat (Weltsichten Verlag, 26,90 €).

Spendenkonto
Tatanka Oyate, Verein zur Unterstützung indigener Völker e.V. (gemeinnützig).
Bankverein Bebra
BLZ 532 612 02, Konto 66460