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Der gern im Zelt schläft: Kollege Klaus Adler

Foto: Manuel Arnu
Klaus Adler wohnt in einem kleinen Haus im Speckgürtel Berlins. Vor zehn Jahren hat der dreifache Vater dort gebaut. Gut für den Weg zur Arbeit, gut für die Kinder. Ein Kompromiss aus Stein, Holz und Ziegel. Seine bevorzugte Wohnstätte aber ist nicht doppelstöckig, sondern doppelwandig und aus silikonisiertem Ripstop-Nylon mit eloxiertem Alu der Güteklasse T10.

Zelte sind Klaus Adlers Leben, privat wie geschäftlich. Klaus ist stellvertretender Filialleiter in der Berliner Globetrotter-Filiale und hat die Bereichsleitung – wie kann es anders sein – des Zeltsortiments inne. »Ich habe die letzten 30 Jahre meines Lebens nur gezeltet«, schwärmt Klaus Adler. Glatte 50 Jahre ist Klaus alt und wenn er eine freie Minute hat, schnappt er sich ein Zelt und zieht zum Campen los. Urlaub im Hotel kommt für ihn nicht infrage, und wenn die Zeit knapp ist, stellt er auch schon mal ein Zelt im Garten auf. »Mit den Kindern, nur so zum Spaß!« Das Zelten sei tief in ihm verwurzelt, diagnostiziert Klaus seine Leidenschaft. Schon als kleiner Junge habe er auf Terrasse und Balkon mit Decken und Stühlen Buden zum Spielen und Verstecken gebaut. Keine geodätischen Konstruktionen, aber immerhin. Später, als Jugendlicher, folgten die ersten Touren mit klapprigen Rädern und windigen Zelten zum heimatlichen Möhnesee.

Und als mit der Volljährigkeit der Motorradführerschein kam, gab es kein Halten mehr. Den Wind im Gesicht, das Zelt auf dem Gepäckträger. »Wir haben die Gegend unsicher gemacht, sind auf Festivals gefahren«, erinnert sich Klaus Adler. Klaus erlebte die »Revolution« der ersten Zelte mit Glasfasergestänge Anfang der 80er-Jahre und sammelte Camping-Erfahrungen wie andere Leute Briefmarken. Aber Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Es passierte auf seiner ersten Motorradtour nach Hvide Sande in Dänemark. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet und es schüttete ohne Unterlass. »Ich hatte nur ein einfaches Zelt dabei, und das war natürlich nach dem zweiten Tag nicht mehr dicht.« Die Idylle des Campens wurde zum Überlebenskampf – zumindest gefühlt. Nasse Klamotten, nasse Isomatte, nasser Schlafsack. Aber Klaus wusste sich zu helfen und machte, was er heute noch Kunden rät, die Probleme mit der Dichtigkeit haben: »Nimm dir noch eine Plane mit zum Drüberschmeißen. Nicht windstabil, aber dicht.«

 

Engagement? Enorm!

Kennt 200 Zelte beim Vornamen: Klaus Adler. | Foto: Manuel Arnu

Klaus Adler ist ein echter Globetrotter-Dinosaurier. Man sieht es ihm nicht sofort an, wenn er in naturfarbenem Shirt, modernen Cargohosen und Outdoorcrocs in der Berliner Filiale steht. Seine Augen leuchten, noch immer glüht die Leidenschaft für das Outdoorleben, das erkennt man auf den ersten Blick. Aber an den graumelierten Haaren seines freilufttauglichen Dreitagebartes und an seiner stoischen Gelassenheit kann man das reifere Alter des Outdoor-Connaisseurs ablesen. Seit 24 Jahren ist der gebürtige Westfale Klaus Adler in Berlin, seit 24 Jahren arbeitet er für Globetrotter beziehungsweise für AFT. »Alles für Tramper« war im geteilten Berlin ein Outdoorgeschäft mit Kultstatus, ehe es Mitte der 1990er-Jahre von Globetrotter übernommen wurde und zum ersten Globetrotter-Megastore in Deutschland mutierte. Klaus Adler begann als Verkäufer für Schlaf- und Rucksäcke, für Schuhe und Zelte. Später spezialisierte sich Klaus Adler auf sein Fachgebiet, die Zelte, und verfing sich immer tiefer im Campingkosmos.

Ein Vierteljahrhundert später ist Klaus Teil der Geschäftsführung und kümmert sich auch um die Personalplanung. In anderen Unternehmen gleicher Größenordnung säße in seiner Position ein studierter BWLer, aber hier bei Globetrotter sitzt Klaus. Seine Ausbildung? Ein nach vier Semestern abgebrochenes BWL-Studium. Sein Engagement? Enorm! »Es ist wie in jedem Unternehmen – wenn von deiner Seite nichts kommt, dann bleibst du auf der Strecke. Wenn man Spaß am Thema Outdoor hat und sich mit dem Thema und dem Unternehmen identifizieren kann, dann geht es auch weiter und macht Laune.« Man wächst mit den Aufgaben, learning by doing. Für die Personalplanung gab es eine Kletttafel, darauf sollten die Namen der Mitarbeiter geheftet werden. Doch es herrschte permanent Chaos, keiner wusste, wer, wann, wo anwesend war. Klaus Adler kümmerte sich um das Problem, installierte eine Planungssoftware – und wurde neben Zeltspezialist auch noch Personalplaner.

 

Vom Gespann- zum Bullifahrer

Fährt auch heute noch gern Dreirad: Klaus Adler mit Tochter. | Foto: Archiv Adler

Mit seinen Kindern war für Klaus die Ära des Motorradfahrens beendet. Drei Kinder samt Eltern passten in kein Gespann mehr, der Beiwagen war spätestens mit dem zweiten Kind ausgereizt. Klaus kaufte einen VW-Bus T3 Syncro mit Hochdach, Baujahr 87. In vier Jahren habe er sich mindestens einmal durch den ganzen Bulli geschraubt, bekennt Klaus. Ein T3 war mehr als eine Frage der Ehre. Der höhergelegte Syncro sei der geländegängigste Bus überhaupt und ein Motor gehöre schließlich nach hinten – wusste ja schon Porsche. Sein neuestes Hobby ist ein direktes Erbe seiner einstigen Motorradliebe. Klaus Adler ist seit vier Jahren Buggy-Kiter. In einem Dänemarkurlaub hat er am Strand die ersten Drachen gesehen, die kleine dreirädrige Buggys hinter sich herzogen. Klaus war sofort fasziniert. »Als alter Gespannfahrer will ich natürlich alles fahren, was drei Räder hat.« Zu seinem 46. Geburtstag schenkte er sich selbst den ersten Buggy. Ein zweiter, »natürlich besser, größer und ausgefeilter«, folgte schnell.

Obwohl er inzwischen einen perfekt ausgebauten Bulli mit fünf Schlafplätzen besitzt, gehört ein Zelt im Urlaub immer dazu. Deshalb lagern in seinem Keller noch ein paar ausgesuchte Prachtstücke. Ein Leichtzelt für zwei Personen ruht neben einem 40-Kilo-Monstrum, ein Familiendom mit Stahlgestänge, das sich Klaus nur einmal aufzubauen traute. Und mittendrin sein derzeitiges Lieblingszelt: ein Shangri-La 4 von GoLite, ein Pyramidenzelt mit nur einer Zeltstange für echte Minimalisten. Ungewöhnlich leicht, knapp 2,5 Kilo schwer, extrem simpel aufzubauen und mit Platz für vier bis fünf Personen. »Das Zelt ist superschön zum Sterneschauen, wenn man das Überzelt weglässt und bei warmem Wetter ein genialer Moskitoschutz. Und bei schlechtem Wetter kommt einfach der Deckel drauf.«

Das Anschnallen vergessen? Klaus mal ohne Buggy. | Foto: Archiv Adler

Als Zelteinkäufer der Berliner Filiale hat Klaus Adler immer die Möglichkeit, dieses oder jenes Zelt einfach mal im Urlaub auszuprobieren. Das ist ein verlockendes Angebot, von dem beide Seiten profitieren. »Ich war schon oft mit interessanten Zelttypen unterwegs, die dann in unserem Sortiment landeten, weil ich gesagt habe: Davon bin ich überzeugt.« Deshalb hat Klaus Adler schon in vielen Zelten gelegen. Ja, in wie vielen denn überhaupt? Klaus schluckt und grübelt lange. »So etwa 200 verschiedene Zelte werden es schon gewesen sein«, vermutet er.

 

Vom Einkäufer zum Entwickler

Dieser Erfahrungsschatz, seine privaten Zeltabenteuer und über 20 Jahre im Verkauf von Zelten haben ihm bei Globetrotter eine besondere Aufgabe beschert: Klaus Adler macht jetzt einfach die Zelte, von denen er träumt. Klaus Adler ist Globetrotters Zeltspezialist in der Euro-Family, einem Verbund verschiedener Outdoorhändler, die ihr kompetentes Wissen bündeln und daraus eigene Produkte kreieren. Klaus Adler arbeitet an der Neuentwicklung von Zelten, seit drei Jahren gibt es die Zelte der Eigenmarken Kaikkialla und Meru. Alle Muster der neuen Zelte landen früher oder später auf seinem Schreibtisch und in seinen Händen. Früher kamen die Zelthersteller auf den Messen zu ihm und fragten, was man noch besser und schöner machen könne. Dann hat Klaus seine Ideen freimütig preisgegeben. Und die Firmen haben es mit Kusshand angenommen. »Heute sage ich: Meine guten Ideen kannste demnächst bei Kaikkialla sehen.«

Statt Teufelsberg: ein (Wahl-) Berliner in der Schweiz. | Foto: Archiv Adler

Wenn es so etwas wie einen wandelnden Zeltkatalog gibt, dann ist es Klaus Adler. Er kennt praktisch alle am Markt befindlichen Zelte, ihre Eigenheiten und Schwächen. In vielen Modellen hat er selbst schon gelegen und die dünnen Stoffwände angestarrt. Sein enormes Wissen hat ihm intern den Beinamen »Zeltpapst« beschert. Klaus hört den Spitznamen nicht so gern, denn eigentlich könne es nur einen Zeltpapst geben und das sei natürlich Bo Hilleberg, der Gründer der gleichnamigen schwedischen Zeltmanufaktur. »Schon 1979 entwarf Bo eine Tunnelkonstruktion mit gekoppeltem Innen- und Außenzelt«, staunt Klaus. Bo und Klaus lernten sich 1996 bei einer Hundeschlittentour im winterlichen Schweden kennen. Es war eine eindrucksvolle Reise mit flirrenden Polarlichtern, eisiger Kälte und rasenden Schlittenhunden. Hillebergs Zelte konnten bei diesen extremen Bedingungen ihre Stärken demonstrieren. »Hilleberg produziert mit die besten Zelte aus den qualitativ besten Materialien. Besser kann man es nicht machen«, sagt Klaus bewundernd. »Teurer allerdings auch nicht. Jeder, der extreme Bedingungen erwartet, wie etwa bei einer Wintertour in Grönland, der nimmt ein Hilleberg. Wenn das nicht funktioniert, welches dann?«

 

Wider das Wurfzelt

Auf den Campingplätzen Europas sind Hillebergzelte eine Ausnahme, rar wie eine seltene Blume, dafür schießen andere Zelte wie Pilze aus dem Boden. Zelte, die man aus dem Auto schmeißt und eins, zwei, drei – recken sie ihre Dächer gen Himmel. Was denkt ein stellvertretender Zeltpapst über solche Wunderzelte? »Die sogenannten Pop-up-Zelte? Oh, da bekomme ich Pickel ...«, lacht Klaus Adler. »Der Nachteil ist ihr großes Packmaß. Hast du schon mal einen Fahrradfahrer gesehen, der so ein Ding auf dem Gepäckträger hatte? Das wirkt wie ein Bremsfallschirm. Man kann lustige Sachen erleben, wenn die Besitzer das Zelt nicht mehr zusammengebaut bekommen. Das schau ich mir gern auf Campingplätzen an, wenn jemand verzweifelt das Gestänge mit der Zange durchkneift, damit das Ding wieder in den Kofferraum passt. Wir haben mal ein paar davon in den Filialen verkauft, aber viele Kunden hatten Probleme damit. In den Versand wollten wir es nicht nehmen, denn wenn der Kunde zu Hause steht und das Zelt nicht wieder zusammengefaltet bekommt, braucht er einen recht großen Karton zum Zurückschicken.«

Klaus Adlers Traumzelt sieht anders aus. »Wenn ich mir ohne Rücksicht auf Verluste noch ein anderes Zelt kaufen würde, dann wäre es ein Tipi aus feuerfestem Baumwollmischgewebe von der Firma Tentipi. Ziemlich teuer, aber man kann einen zerlegbaren Bollerofen mit reinstellen und im Winter benutzen. Das ist sehr angenehm, wenn draußen Schietwetter ist und du drinnen im T-Shirt sitzen und kochen kannst.«

Was machen ehemalige Endurofahrer mit 50? Logisch ... | Foto: Archiv Adler

30 Jahre Zelten und kein bisschen müde? Klaus verneint. »Zelten bedeutet Frischluft in therapeutischen Mengen, unmittelbare Nähe zur Natur und gesteigerte Sinneswahrnehmung. Im Zelt hört man alles, sieht aber nichts. Du hast immer deinen Haushalt dabei, und wenn dir die Gegend und die Leute nicht mehr gefallen, dann gehst du einfach. Hast du eine Wohnung oder ein Hotelzimmer gebucht, bist du eine Woche oder 14 Tage da, egal ob du willst oder nicht.« Aber ist Zelten denn nicht dreckig, nass und unbequem? Klaus Adler lacht: »Das ist richtig. Zelten ist nass, vielleicht auch dreckig. Es gibt Kondensfeuchtigkeit ohne Ende. Ich muss durch die nassen Apsiden krauchen, über nassen Rasen – man ist eben draußen. Und gegen Schlafbeschwerden helfen entsprechende Isomatten. Früher hatte ich nur eine Alumatte, dann hat man sich langsam hochgearbeitet über die dünnste und leichteste Therm-a-Rest, damals die Ultralite, bis zur Komfortmatte. Und die brauche ich heute auch, sonst tut mir am nächsten Morgen alles weh.«

 

Das Zelt unter den Kanus

Zurück zu Klaus Adlers Haus in Blankenfelde, südlich von Steglitz. Es ist ein Kompromiss. Doch ganz so schlimm hat er es mit seinem Haus gar nicht erwischt: nur 30 Minuten bis nach Berlin-Zentrum und doch mitten im Grünen. »Die Gänse ziehen über das Haus, da rennen Störche über den Acker, im Herbst schreien die Kraniche auf dem Feld.« Es ist wie ein immerwährender Campingurlaub. Und weil Klaus Adler nicht nur gern Zelte auf- und abbaut, sondern auch Kanu fährt, gibt es für ihn kaum schönere Orte. »Wir haben zahlreiche Möglichkeiten zum Paddeln. Richtung Templin oder Motzen, dann der Spreewald. Und im Norden der Müritz-Nationalpark, wo man herrliche Wochenendtouren erleben kann. Alles sehr gut erreichbar von Berlin.« Klaus Adler hatte früher einen festen Kanadier, der längst verkauft ist. Zur nächsten Saison will er sich einen Ally-Faltkanadier kaufen. Der ist leicht, klein verpackbar und absolut familientauglich. Und der Faltkanadier hat etwas, dem der Zeltliebhaber Klaus Adler beim besten Willen nicht widerstehen kann: ein Alugestänge zum Zusammenstecken und zum Drüberspannen ein Stück Stoff.
 

 
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