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Dauerbrenner: Die Primus-Story

Fließbandproduktion ohne Fließband. In den 1930-erJahren beschäftigte Primus 700
Fließbandproduktion ohne Fließband. In den 1930-erJahren beschäftigte Primus 700 Mitarbeiter. | Foto: Archiv Primus
1892 konstruierten zwei schwedische Tüftler einen tragbaren Kocher und tauften ihn Primus. Ob sie ahnten, dass sie damit eine Weltmarke schufen? Und dass ihre Idee selbst 120 Jahre später immer noch weiterentwickelt wird?

Frans W. Lindqvist und Johan Viktor Svenson, das sind die Namen der Herren, die in Stockholm Erfolgsgeschichte schrieben. Dabei wollten sie nichts weiter als einen tragbaren Kocher, der nicht rußte. Die schwarzen Schwaden waren dem Erfinder Lindqvist und dem Geschäftsmann Svenson weniger aus Reinlichkeits­gründen ein Graus als vielmehr wegen der Effizienz, die da in Rauch aufging. Ihr Ziel war eine optimale, sprich vollständige Verbrennung, um den Brennstoff möglichst wirksam auszunutzen. Ein ­ehrgeiziges Ziel, damals wie heute. Denn auch bei modernen Kochern muss die ­zugeführte Sauerstoffmenge je nach Brennstoff richtig dosiert ­werden, um eine bestmögliche Energieausbeute zu erreiche­n.

 

Erste Zielgruppe für Primus: Marktfrauen

Idyllischer kann ein Industriegebiet nicht liegen. Das ehemalige Werk auf einer Stockholmer Insel. | Foto: Archiv Primus

Die ersten Primus-Kocher, die im Jahr 1892 die »J.V. Svenson’s ­Kerosene Stove Factory« verließen, waren nicht für Outdoorer ­bestimmt. Zumindest nicht für Outdoorer nach heutigem Verständni­s: ­Lindqvist und Svenson klapperten auf Stockholmer Märkten die Stände ab. Die Marktfrauen zeigten sich als dankbare Abnehmer, denn mithilfe der tragbaren Kocher konnten sie ­während der ­Arbeit den Hunger stillen und Wasser kochen. Im schwedischen Winter weiß man eine heiße Tasse Tee zu schätzen. Kurz nachdem der Straßenverkauf angelaufen war, kamen die Primus-Väter in Kontakt mit dem finnischen Geschäftsmann B. A. Hjorth, der in Stockholm eine Vertriebsfirma führte. Mithilfe der »B.A. Hjorth & Co.« schaffte­n die Schweden den Schritt über die Grenze: Bereits im ­ersten Jahr exportierten sie Kocher nach Norwegen und bald in die ganze Welt. Davon profitierten sowohl Hjorths Firma als auch Lindqvist und Svenson: 1898 gründeten sie die Aktiengesellschaft Primus AB. Diese agierte 20 Jahre lang eigenständig, bevor sie 1918 in die zum Konzern gewachsene B.A. Hjorth & Co. integriert wurde.

Die Nachfrage kochte immer weiter hoch, Mitte der 1930er-Jahre zählte die Primus AB schon 700 Mitarbeiter. Zum Sortiment ­gehörten zwischenzeitlich auch Toaster, Bügeleisen, Tischöfen und Grills. In jener Zeit löteten und schraubten die Primus-Arbeiter auf Lilla Essingen. So heißt die 25 Hektar kleine Insel mitten in ­Stockholm, auf der das Werk bis Ende der 1940er-Jahre Platz fand. Dann mussten die Firmengebäude einer Stadtautobahn weichen. An die feinindustrielle Vorzeit erinnert noch heute der Name einer schicken Wohnstraße, die um die halbe Insel führt: Primusgatan.

 
 

Mit Hillary zum höchsten Punkt

Zu der Zeit, als die Primaner ihr 60-jähriges Bestehen feierten, zündet­e bei den ­Ingenieuren eine Idee: die Verwendung von ­Flüssiggas als Brennstof­f. 1953 gingen die ersten Gaskocher ­mitsamt Kartuschen in Serienproduktion. Die zwei Firmen­väter hätten ihre helle ­Freude daran gehabt. Denn Flüssiggas ­verbrennt besonders sauber und nahezu rückstandsfrei, auch hier: die richtig­e Mischung mit Sauerstoff vorausgesetzt.

Erster! Roald Amundsen siegte am Südpol auch dank Primus. | Foto: Archiv Primus

Ebenfalls 1953 gab ein alpinistischer Meilenstein der Marke ­Primus weiter Auftrieb: Bei ihrer Erstbesteigung des Mount Everest stärkten sich Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norga­y ­mithilfe von Schwedenkochern. Dies war nicht die erste und nicht die letzte Pionierleistung powered by Primus. So bereitete­n schon 1911 die Südpol-Eroberer rund um den Norweger Roald Amundsen ihre Marschverpflegung auf blaugelben Flammen zu. Ob auch die aufgegessenen Schlittenhunde im Primus-Topf landete­n, geht aus der Firmenchronik nicht hervor. Und hätte der Schwede Salomon August Andrée anno 1897 per Heißluftballon — mit Petroleum­koche­r im Korb — den Nordpol erreicht, dann wäre Primus der Erste auf ­allen drei Polen gewesen; der Everest galt ­lange Zeit als dritter Pol der Erde.

Mancher Abenteurer hat selbst zu bahnbrechenden Neuerungen beigetragen. Eine dieser Zeitenwenden beim Unterwegskochen verbinde­t man mit dem Namen Göran Kropp. Der Schwede plante Mitte der 1990er-Jahre, allein mit dem Fahrrad von Skandinavien in den Himalaja zu fahren und den Everest zu besteigen. Das Ganze ohne fremde Hilfe, ohne Sauerstoff­flasche und nur aus ­Muskelkraft, inklusive der 12.000 Kilometer langen Anfahrt. Für dieses Vor­habe­n benötigte Kropp Ausrüstung, die leicht und besonders ­vielseitig sein sollte. Schließlich transportiert­e er alles mit dem Fahrrad und wollte ein Jahr lang dami­t auskommen. Gut, sagten sich die Ingenieure bei Primus, lasst uns für Göran den Prototyp des ultimativen Expeditionskochers bauen. Heraus kam 1995 ein ­Gerät, das mit Petroleum, ­Benzin und Flüssiggas funktioniert­e. Programmatischer Name: MultiFuel. Obwohl noch im Entwicklungsstadium, verrichtete der Kocher seinen Dienst bereits auf Kropps Fahrrad-Berg-Tour derart tüchtig und verlässlich, dass der MultiFuel im darauffolgenden Jahr in Serie ging.

 

Bildergalerie: Primus im Schnelldurchlauf

 

Der Primus Omni schluckt alles

Funktioniert primus – äh, prima. Selbst bei Eiseskälte. | Foto: Martin Hülle

Der MultiFuel gilt nicht nur als Vorreiter der Vielstoffkocher, er ist auch Wegbereiter für den Bestseller aus dem Hause Primus: den OmniFuel. Der gewährt dem Abenteurer noch größere Freiheit bei der Wahl des Flammenfutters. Als bis dato erster Vielstoffkocher weltweit schluckte er Gas, Benzin, Flugzeugbenzin, Petroleum, Kerosi­n und Diesel, also nahezu alle flüssigen Kraftstoffe, wie schon das »Omni« im Namen vermuten lässt.
Bis heute ist der OmniFuel ein Verkaufsschlager — und ein ­Trophäen-Magnet: Siebenmal in Folge wählten ihn die Leser des »Outdoor«-Magazins zum Produkt des Jahres »Gear of the Year«. Ausgezeichnete Konkurrenz erwächst dem OmniFuel im eigenen Haus: Der 2011 eingeführte OmniLite Ti, dank Titanbauteilen ­besonders leicht, brauchte nur ein einziges Jahr, um die vier ­wichtigsten ­europäischen Branchenpreise einzuheimsen, einschließlic­h des »Industry Gold Award« der Messe ­Outdoor in ­Friedrichshafen. ­Genug Lorbeeren, um sich darauf ­auszuruhen?

 

Der Erfindergeist von Primus lodert weiter

Was Göran Kropp am Everest testete, ging bald in Serie. | Foto: Archiv Primus

»Nej, nej«, entgegnen die Schweden. »Wir tüfteln immer weiter. Das sind wir schon unserem Markennamen schuldig«, versichert ­Andreas Jakabffy, Geschäftsführer von Primus. »Wir haben nicht nur die Verbrennung im Blick. Auch der ganzheitliche Aspekt — die Kombination von Kocher und Zubehör – spielt eine wichtige Rolle.« Ganzheitlich neu ist zuletzt das Konzept EtaPower entstanden: Der griechische Buchstabe Eta steht in der Physik für den Wirkungsgrad. Genau den hat Primus durch zwei eher simple Dinge auf bis zu 80 Prozent gesteigert: durch ein via Windschutzmodul geschlossene­s System und einen Wärmetauscher auf der Topf­unterseite. Das etwas höhere Gewicht des Kochers holt man auf längeren Touren durch eingesparten Brennstoff leicht wieder rein.

Letztlich lebt Primus von fossilen Brennstoffen. In diesem Bewusstsei­n versucht das Unternehmen zum Beispiel, sämtlichen CO2-Ausstoß zu kompensieren, der durch die Herstellung der EtaPower-Koche­r entsteht: Für jede verkaufte Gaskartusche spenden die Schweden an ein Projekt zur Aufforstung des Regenwalds in Costa Rica. Auch am »dritten Pol« möchte Primus keine unnötigen Spuren hinterlassen: Die Firma beteiligt sich an der Aktion »Saving Mount Everest«, die seine Flanken bereits von zehn Tonnen Expeditionsmüll befreit hat. Geschäftsführer Jakabffy formuliert es so: »Wie die Leidenschaft fürs Draußensein brennt bei Primus auch der Umweltschutz auf großer Flamme.« Und das garantiert rußfrei.­

 
4-Seasons Info
 

Kocher und mehr

Primus ist seiner Geburtsstadt Stockholm treu geblieben und sitzt heute im nordöstlichen Vorort Solna. Jenseits der Ostsee, in Estland, erfolgt die Fertigung. Macht zusammen 43 Mitarbeiter. Kocher sind nach wie vor das Kernprodukt von Primus. Die Feuerspucker gibt es für jede Outdooraktivität, vom Picknick bis zur Expedition. Das ovale Logo tragen aber auch Isolierflaschen, Zelte, Laternen sowie Stirn- und Taschenlampen. Abgerundet wird das Tischlein-deck-dich durch Camping­zubehör wie Geschirr, Kaffeepresse und Pfeffermühle. Primus gehört seit 2002 zur schwedischen Unternehmens­gruppe Fenix Outdoor, die unter anderen auch die Marken Fjällräven und Hanwag vereint. www.primus.eu.
Die Firmenchronik nun auch bei www.facebook.com/PrimusEquipment.

 
weiterführende Artikel: 
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