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Das richtige Outdoor-Messer für jeden Zweck

Foto: Michael Neumann
Die einen wundern sich, die anderen kriegen glänzende Augen – die »Eisenwaren-Abteilung« bei Globetrotter Ausrüstung sorgt in jedem Fall für Emotionen. 4-Seasons war in der Filiale Hamburg der Faszination Messer auf der Spur.

Semih, wie viele Messer hast du zu Hause?

Ein paar... und ein paar im Auto, ein paar in meinem Rucksack und ein paar hier in der Tasche (lässt die Hose klimpern und lacht).

 

Du bist der Messermeister bei Globetrotter Ausrüstung. Braucht es dafür überhaupt einen Experten?

Wenn jemand mehr drüber wissen will und keinen Müll kaufen mag, definitiv. In einem guten Messer steckt weit mehr, als man im ersten Moment sieht, da gibt es viel zu erzählen.

 

Scharfmacher: Semih Serbes, 41 Jahre, ist stellvertretender Leiter der Filiale am Hambur-ger Wiesendamm und steht bei Globetrotter Ausrüstung seit 1989 auf dem Gehaltszettel. Der gebürtige Hamburger mit dem trockenen Humor ist Fachmann für Messer und Rucksäcke und führt die Hobbys Angeln, Wandern, Jagen und Paddeln ins Feld. | Foto: Michael Neumann

Was zeichnet ein gutes Messer aus?

Zuallererst etwas sehr Persönliches: Wie liegt es in der Hand? Wie ist es ausbalanciert? Dann der Stahl: die Qualität der Klinge, die verwendete Stahlsorte und die Schnitthaltigkeit. Außerdem die Verarbeitung und das Finish, beim Klappmesser zusätzlich die Präzision der Mechanik.

 

Auf was sollte man besonders achten?

Dass man vor lauter Begeisterung für das Spielzeug nicht am Einsatzzweck vorbeikauft. Auch wenn man ein noch so gutes Messer begehrt: Was nützt ein Ferrari in der 30er-Zone? Da lenke ich manchen Kunden schon mal wieder zurück auf die Spur. Ansonsten sollte man der eigenen Begeisterung aber unbedingt freien Lauf lassen.

 

Ich möchte ein praktisches Messer für den Trekkingurlaub. Welches soll ich nehmen?

Was willst du damit anstellen? Wenn du kein Messerfreak bist und einfach einen Gebrauchsgegenstand suchst, der alles ein bisschen kann, würde ich dir auf alle Fälle ein Klappmesser empfehlen. Die große philosophische Frage beim Messerkauf lautet: Soll‘s zum Drachentöten der Dolch mit feststehender Klinge sein? Oder was Alltagstaugliches, das nicht so martialisch daherkommt, das ich immer in der Hosentasche habe und auch mal für die Maniküre nehmen kann?

 

Ein Messer spaltet nicht nur Gemüse, sondern auch Gemüter: Haben Männer eine quasi-erotische Beziehung zum Messer?

Mit Erotik hat das wenig zu tun. Ich glaube, die Faszination liegt in einem Ur-Instinkt begründet. Draußen sein, in der Natur, einen Speer schnitzen, die Jagdbeute zerlegen – das ist ein absolut archaisches Gefühl. Jeder Mann weiß doch noch, wie es war, als man als kleiner Junge das erste eigene Messer bekam.

 



Wie ist die Frauenquote beim Messerkauf?


Ich würde schätzen: 1 zu 4.

Kann der Kunde schon im Laden testen, ob ihm ein Messer taugt?
Klar, wir haben alle Messer und ein bisschen was zum Schnippeln hier. Da können die Herren schon mal Crocodile Dundee spielen und von der kanadischen Blockhütte träumen. Aber viele Kunden, zum Beispiel Jäger und Angler, haben schon eine exakte Vorstellung davon, was ein Messer können und wie es sich anfühlen muss, um später seinen Zweck zu erfüllen.



 

Holz spalten? Mit dem richtigen Messer kein Problem. | Foto: Michael Neumann

Anglermesser, Jagdmesser, Fahrtenmesser, Matrosenmesser, Filet-, Tomaten-, Apfel- und Birnenmesser: Wo liegen die Unterschiede?


In der Form der Klinge und deren Flexibilität: Ein Jagdmesser sollte ordentlich Masse haben, eher breiter und steifer sein und eine Drop-Point-Spitze besitzen. Ein Anglermesser ist eher das Gegenteil: Lang, dünn, flexibel, um an der Haut entlang schneiden und sauber filetieren zu können. Ein Gebrauchsmesser, mit dem ich mir eine Stulle schmiere, einen Stock schnitze, ab und zu einen Fisch ausnehme und das oft längere Zeit unbenutzt im Auto rumliegt, sollte ausgewogen und vor allem rostfrei sein.

 



Sind nicht alle guten Messer rostfrei?


Nicht unbedingt. Aber Rost hat nichts mit der Qualität eines Messers zu tun. Die härtesten und schnitthaltigsten Messer sind meist nicht völlig rostfrei: Manche Stahleigenschaften lassen sich einfach nicht optimal kombinieren. In der Perfektion des Kompromisses liegt die Kunst, einen Stahl so zu mischen, dass ich die Eigenschaften bekomme, die ich haben will.



 

Was tun, wenn ein Messer verrostet ist?


Meistens ist das nur Flugrost. Das macht gar nichts. Einfach mit einer Polierpaste abreiben. Damit bügele ich auch richtigen Rostfraß wieder aus. Ich finde, mit so ein paar Unebenheiten in der Klinge sieht das sogar richtig schick aus. Kleinere Roststellen kriegt man mit Zahnpasta gut wieder hin: Draufschmieren, andicken lassen und dann ordentlich reiben.



 

Warum werden manche Messer schneller stumpf als andere?


Die Schnitthaltigkeit hängt vor allem vom Stahl, aber auch von der Machart der Klinge ab. Es gibt weichen Stahl wie den 420, der sehr gut zu schärfen ist, aber schneller stumpf wird. Bekannte Vertreter sind die sogenannten Finnen-Messer: sauscharf, aber das nicht lange. Harte Stähle wie ein 440C oder AUS8 mit Rockwell-Härten von 60 und mehr bleiben lange sehr scharf. Mehrlagige Klingen bieten bei gleicher Schnitthaltigkeit mehr Flexibilität und Stabilität.
 


 

Welche Stahlarten gibt es?


Unendlich viele. Messerstähle zu machen ist eine Wissenschaft. State of the Art ist pulvermetallurgisch hergestellter S30V. Dabei wird der Stahl nicht geschmiedet, sondern aus einem Stahlkugelbrei unter extremem Druck in Form gepresst. Diese Stähle sind sehr hochwertig und teuer. Geschmiedete Qualitäten liegen preislich niedriger, es gibt aber ebenfalls sehr, sehr gute. Legendär ist Damaszener Stahl, der durch »Kill Bill« wieder hipp ist. Hauchdünne Lagen ergeben eine flexible, dünne und sehr widerstandsfähige Klinge. Aber ehrlich, diese Technik ist uralt und aus einer Zeit, als es noch keine anderen Möglichkeiten gab, hochwertige Klingen herzustellen. Sieht hübsch aus und ist handwerklich absolut topp. Mit modernen Produktionsverfahren erreicht man heute aber bessere Qualitäten. Aber auch klassische Stähle wie ein VG10 können superedel sein – zum Beispiel die Klingen, die Fällkniven verbaut.

Bei Globetrotter kann man für ein Messer 20 oder 350 Euro ausgeben.

 

Wie erklärt sich der Preisunterschied?


Wieder mal: Stahl. Gute Stähle kosten gutes Geld. Für eine dicke Klinge, die in den Griff eingegossen ist, braucht es viel Stahl. Auch die Griffmaterialien sind sehr unterschiedlich, das merkt man sofort, wenn man ein Messer in die Hand nimmt. Das Leatherman Titan greift sich doch ganz anders als sein Pendant mit Edelstahlgriff. Oder eines mit Griffen aus Papier-Micarta. Dafür wird ein Papierblock in Phenolharz eingelegt und dann in Form geschnitzt. Das Ergebnis ist superrobust und lässt sich sehr angenehm greifen. Gibt es auch als Leinen-Micarta, das sieht man an der Struktur. Sehr schick und extrem haltbar.



 

Heißt das, teure Messer sind auch besser als preisgünstige Modelle?


Theoretisch schon. Aber ob ich dann in der Praxis den Unterschied von ein paar hundert Euro merke, ist zu bezweifeln. Da spielen einfach auch persönliche Vorlieben mit. Ein Griff aus Titan ist teuer, leicht, robust – aber wem ist schon mal ein Griff bei einem Messer gebrochen? Wenn an dem Griff eine tolle Klinge dran ist, muss jeder selbst entscheiden, ob ihm das 50 Prozent Preisunterschied wert ist. Wer auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schaut, der sollte sich beispielsweise die Modelle unserer Hausmarke Black Bear anschauen. Nicht erste Liga, aber für das Eintrittsgeld sehe ich ein super Spiel.

 

Kritischer Blick: Ist die Mechanik des Klappmessers in der Flucht? | Foto: Michael Neumann



Mein schönes Schweizer Taschenmesser klemmt. Was kann ich tun?


Das ist ein bekanntes Problem, wenn es selten benutzt wird. Wenn du es mit Gewalt noch aufklappen kannst, empfehle ich, es mal ordentlich mit Ballistol oder einem anderen harz- und säurefreien Öl einzuschmieren und die Mechanik oft zu betätigen. Das wird schon wieder. Wenn gar nichts mehr geht, bietet Victorinox einen Instandsetzungsservice an. Man kann das Messer bei uns vorbeibringen und wir leiten es weiter.



 

Stichwort Service: Kann man bei euch sein stumpfes Messer schleifen lassen?


Ich sag’s mal so: Wer ein hochwertiges Messer bei uns kauft, hat gute Chancen. Und anschließend zeigen wir ihm, wie er das ganz einfach selber machen kann, und verkaufen ihm dazu ein Schleifset. Wenn aber einer mit ‘nem Modell aus dem Kaugummiautomaten daherkommt, bin ich als Verkäufer gefragt, ihm sehr freundlich zum Kauf eines neuen Messers zu raten ...

 



Hast du ein paar Schleiftipps parat?


Das ist total easy, wenn man ein paar Tricks kennt. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten: Ein Hartmetall-Schleifer, beispielsweise der Gatco Carbid, ist universell, preisgünstig und gut für unterwegs oder einen Quicky geeignet. Für ein perfektes Ergebnis empfehle ich ganz klar klassische Schleifsteine oder Diamantschleifsteine, am besten in einem Set als Schleifsystem: Mit einer Winkellehre, in die eine Klinge eingespannt wird, kann man den Schleifwinkel exakt anpassen und kontrollieren. Geschliffen wird dann mit unterschiedlich feinen Steinen. Diese gibt es als Wasser- oder Ölsteine. Um erst einmal den richtigen Winkel zu treffen, nehm ich einen dicken Edding und markier die Schneide. Dann schleife ich die Farbe weg und seh so genau, ob der Winkel passt. Hat man nur einen einfachen Schleifstein zur Verfügung, dann am besten mit wenig Druck und kreisenden Bewegungen schleifen.



 

Bildergalerie: Tipps und Tricks zum Thema Messerschliff

Was muss man beachten?


Für das Schärfen eines Outdoor-Messers auf keinen Fall einen Wetzstahl verwenden, wie es der Metzger ums Eck oder Tim Mälzer machen. Durch das Wetzen entsteht ein feiner Grat an der Schneide, der die Klinge sehr scharf macht. Nachteil: Das Schleifen geht zwar superschnell – zwei oder dreimal abziehen reicht –, aber der Grat nutzt sich auch genauso schnell wieder ab. Wir wollen unterwegs ja ein lange schnitthaltiges Messer haben. Dazu brauchen wir einen komplett neuen Schliff. Elektrische Schleifgeräte sind ok, solange sie sich langsam drehen. Aber Vorsicht: Sobald Funken fliegen, wird der Stahl zu heiß und die Klinge glüht aus. Wenn der Stahl sich verfärbt, war‘s das. Deshalb auch beim Grillen nicht die glühenden Kohlen mit dem Messer sortieren.

 



Wie pflegt man ein Messer?


Mit heißem Wasser und Spüli abwischen, ein bisschen Ballistol oder WD40 drauf und fertig. Allgemein eignen sich Waffenöle gut. Aber aufpassen, dass das Messer trocken in die Lederscheide kommt: Öl kann Gerbsäure aus dem Leder ausspülen, die dann zu Korrosion an der Klinge führt.

 

Wer hat's erfunden? Multitools à la Victorinox. | Foto: Michael Neumann



Messer sind bei Globetrotter in einer Rubrik mit den populären Multitools à la Leatherman zu finden. Sind die nicht sinnvoller?


Ein Multitool kann vieles, aber nichts richtig gut. Die Klingen an einem Multitool sind beschränkt, auch wenn es welche mit exzellenter Qualität gibt. Dafür sind sie natürlich unglaublich vielseitig und können bei einigen Funktionen sogar mit Spezialwerkzeug mithalten. Victorinox bietet beispielsweise eine Mini-Ratsche und Bit-Einsätze an, die perfekt funktionieren. Die neuen Leatherman besitzen nun auch arretierbare Klappwerkzeuge und Einhandklingen und holen in der Funktionalität zu reinen Messern immer mehr auf.



 

Jetzt habe ich ein Leatherman, sitze in Italien und kann keinen Wein öffnen: Warum haben Ami-Multitools nie einen Korkenzieher?


Brauchen die Amis nicht, da gibt’s nur Drehverschlüsse. Nee, das machen die einfach aus Platzgründen. Auch hier gibt es von Victorinox eine gute Lösung: Ein separater Korkenzieher wird nicht aufgeklappt, sondern mit einer Arretierung befestigt.


 

Dass ein Messer bei Flugreisen nicht ins Handgepäck darf, ist bekannt. Aber wie verhält es sich generell auf Reisen? Gibt es Vorschriften, die das Mitführen von Messern regeln?


Das ist je nach Land sehr unterschiedlich. In Deutschland gibt es sehr wenig Einschränkungen, nur Butterfly-Messer und ein paar Messer-Abarten wie z. B. Faustmesser sind verboten. Wenn ich in Hamburg mit einem großen Bowiemesser in eine Demo gerate, dann sollte ich aber schon zusehen, dass ich mich dünnmache. In England dagegen ist quasi jedes Messer verboten, da muss man einen sehr guten Grund nachweisen, um ein Messer mitführen zu dürfen. Am besten vor der Reise über die jeweiligen Bestimmungen informieren. Weitere Infos dazu gibt es bei uns in den Filialen und demnächst auch auf www.globetrotter.de.

 



Der letzte Schrei in Sachen Männerspielzeug?


Das Leatherman Chargi TI und das Lone Wolf Harsey T3 Folder sind sehr angesagte Teile im Moment, die ich jedem guten Gewissens empfehlen kann. Wer sich in dieser Richtung weiter schlaumachen möchte, sollte auf www.messerforum.net surfen. Hier findet man jede Menge nützlicher und unnützer Infos.