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Das »globile« Leben: Sechs Monate Sri Lanka mit Familie

Sieht wie dickes Gras aus, ist aber eine (ungiftige) Nasen-Peitschnatter. | Foto: Malte Calvin
Ein halbes Jahr auf Reise? Nicht ohne die Familie. Papa und Fotograf Malte Calvin ist mit Frau und Kindern nach Sri Lanka gefahren, um dort einen neuen Lebensstil auszuprobieren: global und mobil zu sein - »globil« eben. Hier verrät er zahlreiche Tipps für (fern-)reiselustige Familien.

Blonde Locken, wackelige Beinchen und ein aufgeregtes »Daaaaa« – zum ersten Mal in ihrem Leben sieht unsere 16 Monate alte Tochter Smilla das Meer. Zwölf Stunden Nachtflug, eine Stunde im Auto und ein paar Hundert Meter Floßfahrt liegen hinter Smilla, Amelie (10), Annette (40) und mir. Und ein halbes Jahr Sri Lanka liegt vor uns. Eine Zeit, die vieles verändern wird.

Hell und dunkel - einmal mit vertauschten Rollen. | Foto: Malte Calvin

Nach einer Eingewöhnungswoche mit Halbpension legen wir den Traveller-Modus ein. Alle paar Tage mieten wir einen Van mit Fahrer und ziehen so gemächlich an der Küste entlang. Eines Tages besuchen wir die Schlangenfarm von Mister Wijayapala nahe Mirissa. Das Serum, das er gewinnt, dient als Gegengift bei Schlangenbissen. Er wirft uns eine giftige Schlange nach der anderen vor die Füße. Ungiftige Exemplare hängt er uns ungefragt um den Hals. Smilla hat keine Angst und wirbelt die Reptilien umher wie Luftschlangen. Amelie ist skeptischer. Plötzlich drückt ihr der Schlangenmeister ein Exemplar in die Hand. Ein Schock! Doch rasch lässt Amelie die Schlange behutsam durch ihre Finger gleiten. Sie findet schließlich sogar Gefallen daran und lächelt mutig. Wieder ist sie ein Stückchen über sich hinausgewachsen.

Auf dem Weg nach Kandy machen wir Halt bei den Ureinwohnern Sri Lankas, den Veddas. Einige Hundert leben noch als Jäger, Sammler und Viehzüchter. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Der Häuptling empfängt uns; er erlaubt, dass wir uns im Vedda-Gebiet umsehen dürfen. Ich frage die Veddas nach Barack Obama, George W. Bush und dem 11. September 2001, nach Mahatma Gandhi und Adolf Hitler. Nur von Bush haben sie gehört. Kein Vedda hat je das Meer gesehen, niemand fragt uns etwas. Veddas interessieren sich für nichts außerhalb ihres Habitats. Es ist nicht wichtig für sie. Sie haben wenig, aber alles, was sie zum Leben brauchen. Seit Jahrtausenden.

 

Nach drei Monaten spüren wir, dass die Begeisterung für das Neue schwindet. Hinter uns liegen zahllose Streicheleinheiten der kinderbegeisterten Sri Lanker, traurige Begegnungen mit Tsunami-Opfern, schweißtreibende Wanderungen mit Smilla in der Kindertrage, unzählige »Ooohs« und »Aaahs«. Wir kommen zwischen den Reisetagen nicht mehr zur Ruhe. Heimweh haben wir nicht, doch vermissen wir etwas. Wir wollen sesshaft werden. Und sind uns schnell einig wo: an unserem persönlichen Traumstrand im Süden. Da springen wir jeden Morgen ins Meer, lassen uns von der Sonne trocknen, verbringen den Tag am Strand mit Buddeln, Spielen, Lesen, Baden, Dösen, Essen. Wir vergessen unsere Schuhe, laufen nur noch barfuß. Immer mehr Zivilisationsanhängsel fallen von uns ab, wir werden »Veddas«. Bald habe ich nur noch Badeshorts am Leib, schließlich lasse ich sogar meine Kamera weg. Eine Idee reift in mir heran, wird stärker, jeden Tag.

Leben im Lauf der Sonne. | Foto: Malte Calvin
Annette und ich erkennen: Das Schönste und Wichtigste, der wahre Reichtum in unserem Leben ist es, zusammen mit unseren Kindern die Welt zu entdecken. Das sind Einzahlungen auf unser seelisches Bankkonto. Wir tragen diesen Reichtum immer bei uns, niemand kann ihn uns nehmen. Am Ende der Reise haben wir zwar weniger Geld, aber wir sind trotzdem viel vermögender. Wir fühlen Sicherheit, Gelassenheit und Mut wie nie zuvor.

Unsere Vision ist ein völlig neuer Lebensstil: Ein »globiles« Leben – global und mobil –, in dem wir Job und Schule an jedem Ort der Welt erledigen können: ein paar Monate auf Reisen, den Rest zu Hause. Wir nennen es das »Sechs-Monats-Wochenende«. Gleich nach der Rückkehr verlängere ich mein Sabbatical bis zum Ende des Jahres, um die ersten Schritte 
unserer Vision umzusetzen. Anfang 2012 fahren wir wieder los.

 

Warum Sri Lanka?

Traumstrände, herrliche Bergwelten, Kultur, überall eine atemberaubende Flora und Fauna – das ist Sri Lanka. Und trotz dieser Vielseitigkeit sind die Entfernungen mit Kindern gut zu bewältigen; Sri Lanka ist gerade mal so groß wie Bayern. Außerdem verfügt das Land über gute medizinische Versorgung, das Essen ist fantastisch und es lässt sich in allen Preiskategorien reisen. Und um das wichtigste nicht zu vergessen: Die Srilanker sind unglaubliche nette, hilfsbereite und extrem kinderliebe Menschen.

Bildergalerie: Elternzeit in Sri Lanka

Einreise:

  • Ein Aufenthalt von bis zu 30 Tagen ist für deutsche Touristen visumfrei.

  • Kinder benötigen einen eigenen Reisepass.

  • Es ist ratsam sich bereits in Deutschland ein 3-Monats-Visum ausstellen zu lassen. Die Kosten belaufen sich derzeit auf 33 €. Antragsformulare findet man im Netz z.B. unter www.visumexpress.de/laenderinfos/sri-lanka.htm.

  • Eine Verlängerung des Visums um max. weitere 3 Monate ist dann nur in Colombo möglich.

 

Kleiner als meine Hand! | Foto: Malte Calvin
Reisezeit:

Sri Lanka bietet ein besonderes Klima, das durch 2 Monsune (den Süd-West-Monsun und den Nord-Ost-Monsun) bestimmt wird. Der Norden der Insel ist, abgesehen von November und Dezember, bei Temperaturen um die 30 Grad gut zu bereisen. In besagten Monaten ist mit mäßigen Regenfällen zu rechnen.

Die Zeit von November bis April bietet sich an, um die Süd-West-Küste zu bereisen. Von Mai bis Oktober ist täglich mit starken Monsun-Regenfällen zu rechnen. Diese dauern meist vom Spätnachmittag bis in den Abend hinein. So ist das Bereisen der Ostküste besonders in dieser Zeit – also von April/Mai bis September – günstig. Dann beginnt der Nordost-Monsun, der langsam südostwärts zieht und bis in den April hinein ausharrt.

 

 

Impfungen:

Sri Lanka zählt zu den Entwicklungsländern in denen tropische Krankheiten wie Typhus, Denguefieber, Hepatitis A und B, Japanische Encephalitis und Malaria auftreten können. Am besten schon rechtzeitig vor Reiseantritt das Tropeninstitut oder einen Tropenmediziner aufsuchen und auch den Kinderarzt zum Thema befragen.

  • Empfohlene Impfungen sind: Tetanus, Diphterie, Polio und Hepatitis A, bei Aufenthalten über 3 Monate auch Hepatitis B.

 

Gesundheit:

  • Grundsätzlich gilt in allen Entwicklungsländern: Durch vernünftiges präventives Handeln die Risiken einer Infektionsgefahr minimieren.
  • Der Spruch »Cook it, boil it, peel it or forget it« ist auch in Sri Lanka konsequent einzuhalten. Wasser sollte nur aus verschlossen Flaschen getrunken und auch zum Zähneputzen verwendet werden. Wasseraufbereitungstabletten sind in der Regel nicht nötig. Wasserflaschen sind überall erhältlich.
  • Zum Schutz vor Mücken ist vor allem in der Dämmerung bedeckende Kleidung, Mückenschutzmittel und in der Nacht ein Moskitonetz zu verwenden. Auf heller Kleidung lassen sich Mücken schneller ausmachen.
  • Bei Kindern ist außerdem für einen ausreichenden Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung und Cremes zu sorgen und darauf zu achten, dass sie genügend trinken.
  • Eine gut bestückte Reiseapotheke für die Kinder und natürlich auch Medikamente für die Erwachsenen ist unerlässlich.

 

Hygiene:

  • Windeln für Kinder bis 18 kg sind in problemlos in den Supermärkten der größeren Städte erhältlich. Feuchttücher sind nur in Ausnahmefällen zu bekommen.
  • Babycremes, Shampoos etc. gibt es in großer Fülle – allerdings alles sehr parfümiert.
  • Fast alle Gästehäuser, Pensionen und Hotels bieten einen günstigen Wäscheservice an.

 

Essen:

Die srilankische Küche ist sehr vielseitig, lecker und gesund. Das Besondere für Kinder: Es darf mit den Fingern gegessen werden – zumindest rice and curry-Gerichte. Bei Bestellung unbedingt darauf hinweisen, dass der Koch sparsam mit den Gewürzen hantieren möge. Die srilankische Küche gilt als schärfste der Welt!

Babynahrung (Milchpulver und Gläschen) und Windeln sind in den Supermärkten der größeren Städte erhältlich. Wer Wert auf zuckerfreie Biokost legt, sollte sich Zuhause ausreichend eindecken.

 

Transport:

  • Fortbewegen kann man sich in großen Teilen des Landes mit der Eisenbahn. Tickets sind gut erhältlich. Die Züge sind meist in 2 Klassen aufgeteilt. Einige sehr eindrucksvolle Strecken, z.B. von Colombo nach Kandy oder von Kandy nach Nuwara Eliya haben einen sogenannten »Panorama«-Waggon angehängt, der eigens von Touristen gebucht werden kann. Großer Komfort kann aber auch hier nicht erwartet werden.
  • Busse verkehren auf der ganzen Insel. Man kann sie direkt an der Straße anhalten. Sie sind sehr günstig, sehr voll und rasen mit meist völlig überhöhten Geschwindigkeiten durch die Lande. Es ist bekannt, dass viele der Fahrer unter ernsthaften Drogenproblemen leiden. Daher passieren leider viele Unfälle, bei denen auch öfter Touristen zu Schaden kommen.
  • Wer es bequemer haben möchte, mietet sich ein eigenes Fahrzeug (Viertürer, Kombi, Minivan) mit Fahrer. Entweder für einen bestimmten Zeitraum oder von Stadt zu Stadt. Am besten ist es, sich vor Ort drei Angebote einzuholen, sich Fahrer und Fahrzeug anzuschauen und dann zu entscheiden.
  • Wer viel von der Insel sehen möchte und mit Kleinkind reist, sollte mit einer Babyschale reisen. So ist das Kind sicher »verstaut« und kann die Fahrt über schlafend verbringen.
  • Für die kurzen Strecken eignen sich hervorragend die überall in Asien bekannten TukTuks. Ranwinken, Preis aushandeln, losfahren und den Fahrtwind genießen.
  • Und für den Transport der lieben Kleinen empfehlen wir eine Babytrage. Kinderwägen und Buggys sind weder praktisch noch geeignet. Es gibt einfach zu wenig gut befestigte Gehsteige.

 

Unterkünfte:

Fast überall ist die Auswahl an unterschiedlichsten Übernachtungskategorien groß. Jeder findet etwas Passendes für seine Bedürfnisse und seinen Geldbeutel. Vorbuchen muss man in den seltensten Fällen. Oft gibt es auch in den einfachsten Gästehäusern Family- oder Triple-Rooms.

 

Kommunikation vor Ort:

Tipp: Packt ein Handy älteren Semesters ein, ggf. sogar mehr (für alle Familienmitglieder, die schon sprechen können) und kauft euch vor Ort eine günstige PrePaid-Card. Die Netzabdeckung in Ballungsgebieten ist sehr gut und so kann man nahezu überall störungsfrei telefonieren. Nicht nur für Inlandgespräche eignet sich diese PrePaid-Card. Auch das Telefonieren ins deutsche Festnetz ist sehr günstig (wir zahlten für eine halbe Stunde Gespräch ca. 5 €).

Internetcafès gibt es in allen touristischen Stätten. Wer sein eigenes Notebook mit sich führt, hat die Möglichkeit sich ein so genanntes »Dongle« zu kaufen. Ein »Dongle« ist so etwas Ähnliches wie ein Internet-Surf-Stick. Dieser wird dann mit einer Daten SIM-Karte betückt und in den USB.Port gesteckt. Die Software installiert sich automatisch. Damit kann man nahezu überall und jederzeit online gehen. In den Telekommunikationszentren der größeren Städte sind diese Sticks problemlos erhältlich.

 

Ausrüstungsextras:

  • Nicht speziell für eine Sri Lanka Reise, wohl aber für alle Reisen mit Kleinkindern die noch eine Milchflasche bekommen, ist für uns der Reisewasserkocher unverzichtbar geworden. Ansonsten ist dieser auch sehr hilfreich um Schnuller oder Sauger zu sterilisieren. Und ganz am Rande lässt sich so, unabhängig von den Restaurantzeiten, fix einen Tee oder Kaffee zubereiten.
  • Wasserdichte Boxen zur Aufbewahrung von z.B. Keksen für unterwegs, und auch für die Kleinutensilien wie Sauger, Verschlusskappen, Messlöffel und Schnuller.
  • Unbedingt mitnehmen: Schnullerketten (im Plural)!
  • Regenschirm. Der kleinste, leichteste Knirps reicht aus. Nicht nur für die Reise nach Großbritannien, sondern auch für die Tropen. Auch als Sonnenschirm verwendbar - mit etwas kreativem Einsatz auch an der Rückentrage oder am Buggy anzubringen.
  • Wäscheklammern sind ein unentbehrlicher Allround-Befestiger.

 

»Globil«: Familie Calvin auf Sri Lanka | Foto: Archiv Fam. Calvin
4-Seasons Info

Malte Clavin (43)

Reportage, Reise und Portrait sind die Arbeitsschwerpunkte des freien Fotografen und Fotojournalisten aus Berlin.

Es sind vor allem langfristige Projekte, die Malte Clavin mit der Kamera verfolgt. Zu seinen Arbeiten gehören ein Länderportrait über Myanmar (»Burma – Lost and Found«) und Reportagen über verschwindende Ethnien wie die Veddas auf Sri Lanka.