präsentiert von:

Das erste Mal: Skilanglauf Skating

Wildmoos bei Seefeld mit Edel-Coach Michi Greis. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Wildmoos bei Seefeld mit Edel-Coach Michi Greis. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Skilanglauf ist olympisch, dröge und was für die ältere Generation! Stimmt nicht: Es ist dynamisch, trainiert Ausdauer und Kraft, verbessert die Feinmotorik und Koordination und macht Spaß. Das musste 4-Seasons Redakteur Sebastian Lüke bei seinem Skating-Schnupperwochende in Seefeld in Tirol feststellen – eine Einstiegshilfe.

Klare Luft, knarzender Schnee und der Doppelstockschub durch die Harzer Bergwelt. Skilanglauf war mein Wintersport in der Jugend: die Abfahrten das Salz in der Suppe und die Anstiege kleine sportliche Herausforderungen. Für die Profis im Skatingschritt blieb nur ein müder Blick. Zu selten waren die Verhältnisse so optimal, dass sich ein weiteres Paar Ski im Keller gelohnt hätte. Langlauf in der klassischen Form, mehr gab es nicht.

... und wenn ich dann Groß bin, sieht es so aus. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
... und wenn ich dann Groß bin, sieht es so aus. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Als mich Beruf und Leidenschaft näher an die Alpen führten, gerieten die Langlaufski in Vergessenheit. Zu groß war die Begeisterung, unverspurten alpinen Hängen ihre Jungfräulichkeit zu nehmen und bei einer Skitour die Berge zu besteigen, anstatt sich im Tal die Loipe mit Winter-Spaziergängern zu teilen. 

Hätte es die Einladung zu einem Schnupperwochenende auf den schmalen Latten nicht gegeben, es wäre auch noch lange so geblieben. Niemand geringeres als Biathlon-Olympiasieger Michael Greis wartete auf uns Skating-Novizen, um uns den Spaß an den dünnen Ski zu vermitteln.

Es ist Ende Dezember. 20 Zentimeter Pulverschnee haben sich in der Nacht auf den Bergwald gelegt. Dazu reißt der Himmel immer weiter auf. Es wären beste Verhältnisse, nicht nur um die Loipe zu bevölkern, sondern auch, um den umliegenden Hängen so manchen Höhenmeter abzugewinnen. Kurz kommt Unmut auf, doch als wir in der Wildmoos unweit von Seefeld im wahr gewordenen Winterwunderland stehen, ist dieser schnell vergessen. Ein eingeschneiter Bergwald und weiße Almwiesen locken.

Anders als in meiner Jugend werden wir heute nicht in der klassischen Technik durch den Wald schieben, sondern skaten. Eine Technik, ähnlich dem Eisschnelllauf und in seiner Entwicklung noch »relativ« jung. Es handelt sich um die eher sportliche Variante des Langlaufs und erfordert ein hohes Maß an Arm-Bein-Koordination. Langsam schieben ist nicht, immer muss ein sportliches Tempo gewählt werden, da sonst Stock-Ski-Chaos droht.

Der Schnee muss raus, nur dann rasten die Bindungen richtig ein. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Der Schnee muss raus, nur dann rasten die Bindungen richtig ein. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Eins gefällt mir schon jetzt: wir mussten weder am Lift anstehen, noch ein teures Liftticket ziehen. Einzig für den Parkplatz war ein Nutzungsentgeld fällig, das aber gleichzeitig als Eintrittskarte in den riesigen Loipenpark um Seefeld gilt. Mit dem Trubel auf der Piste hat diese Winterbeschäftigung wenig gemein. In unterschiedlichen Geschwindigkeiten ziehen Läufer durch die tief verschneite Almlandschaft. Wenn man wollte, könnte man in Seefeld den ganzen Tag auf wechselnden Loipen unterwegs sein, ohne eine Ecke zweimal zu sehen. Knapp 280 Kilometer erstreckt sich das Loipennetz zwischen Seefeld, Leutasch und Scharnitz an der Landesgrenze zwischen Oberbayern und Tirol.

Uns reichen erst einmal wenige hundert Meter, um uns einzufahren, im Schnee zu liegen und ziemlich lustig auszusehen. Anders als bei der klassischen Technik ist die Einstiegshürde fürs Skating höher. Die ersten Schritte sind meist schwierig und schnell ermüdend. Körper und Kondition kommen an ihre Grenzen.

Gegen Stockbruch hilft wenig stürzen und richtig wieder aufstehen – das will geübt sein. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Gegen Stockbruch hilft wenig stürzen und richtig wieder aufstehen – das will geübt sein. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Es werden Muskelgruppen gefordert, die sonst eher ein Schattendasein fristen. Doch das soll sich bessern, sagt zumindest unser persönliche Edel-Coach Michi. »Nutzt die Gleitphase«, schallt es immer wieder durch den Wald, doch wir haben erstmal genug damit zu tun, uns auf den nicht einmal vier Zentimeter breiten Brettern zu halten.

Nach einigen Runden auf der Märchenwiese haben wir Blut geleckt, wollen mehr, wollen wissen was diese Sportart so besonders macht und biegen auf die kleine Runde um einen See und kleine Höfe ab. Acht Kilometer zieht sich die Loipe durch die Landschaft. Sie ist frisch gewalzt und folgt dem welligen Terrain der Landschaft. Anders als für die klassische Technik lässt sich mit Skatingski am besten auf einer plan-gewalzten Strecke Geschwindigkeit aufnehmen. Die Bein-Technik lässt sich relativ schnell erlernen. Mehr Zeit erfordert die Koordination von Schlittschuhschritt und Stockeinsatz. Jahre sollen vergehen, bis man das richtige Timing verinnerlicht hat. Aber dann sieht es sehr elegant und einfach aus, kein Vergleich mehr zu meinen Jugendtagen.

Noch hapert es an Arm-Fuß-Koordination, doch es wird ... schneller als man denkt. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Noch hapert es an Arm-Fuß-Koordination, doch es wird ... schneller als man denkt. | Foto: Madshus/Till Gottbrath
Schon auf der Premierenrunde lassen wir die ersten »Klassiker« links liegen. Denn schon die Grundgeschwindigkeit im Skatingschritt ist so schnell, dass es gleich sportlich wird. Langsamer geht aber auch nicht, der konditionelle und körperliche Einsatz ist immer relativ hoch. Sportliche Menschen, die nach einer Ausgleichssportart zum sommerlichen Laufen, Schwimmen oder Radfahren suchen, sind in dieser Winterdisziplin genau richtig. 

Unsere Runde umfasst einige kürzere Anstiege, die uns schon alles abfordern. Für mich reicht es nach rund vier Stunden auf den Ski. Die Adduktoren schmerzen vom ständigen Druck geben nach außen - eine ungewohnte Bewegung. Doch schon auf der kurzen Runde durchs Gelände wird klar, was sportliches Langlaufen ausmacht: Sport an der frischen Luft, bestenfalls bei Sonnenschein, das steigert den Serotonin-Pegel und die Fitness gleichermaßen. Die dünnen Ski werden mich wiedersehen.

 
4-Seasons Material-Tipps

Allgemeines Ski-Know-how

Eine Manschette schützt den Knöchel beim Skatingschuh. | Foto: Till Gottbrath/KGK

Langlaufski sind lang, schmal (je nach Art 4 bis 7 cm breit) und haben üblicherweise keine Stahlkanten. Der Vortrieb entsteht vor allem aus eigener Kraft und nicht durch die Schwerkraft. Abfahrten und insbesondere das Fahren von Kurven sind nur eingeschränkt möglich bzw. sehr anspruchsvoll – insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten.

Die Länge des Skis hängt in erster Linie von dem Körpergewicht und der gewählten Lauftechnik ab – und nur untergeordnet von der Körpergröße.

Komponenten: Langlaufski bestehen je nach Bauweise aus Kern (Core), Lauffläche (Base), Untergurt (liegt zwischen Kern und Lauffläche), Obergurt sowie den Seitenwangen (Sidewall).

Für den Kern verwendet man (schichtverleimtes) Holz oder Schaum. Bei Holz ist das Problem, dass jedes Stück andere Eigenschaften hat. Vorteil Schaum: Reproduzierbarkeit; jeder Schaumkern ist identisch. Wichtig: nur hochwertige, gefräste Schäume haben bei unterschiedlichen Temperaturen dieselben Eigenschaften. Achtung nicht verwechseln: Ski mit Schaumkern (sehr hochwertig!) und „geschäumte Ski“ hier wird so zu sagen die Hülle zuerst gebaut und dann innen mit flüssigem Schaum ausgespritzt, der sich ausdehnt und erhärtet. Das ist die billigste Art Ski herzustellen und führt meist zu minderwertigen Ergebnissen.

Skating-Ski

  • Skating-Ski sind kürzer, steifer und härter als Klassik-Ski (Körpergröße plus 0–15 cm).
  • Die gesamte Lauffläche wird durchgehend mit Gleitwachs präpariert.

Skating-Schuhe

  • Härtere Sohle und seitwärts verwindungssteife Manschette, die über den Knöchel reicht.

Stocklänge Skating

  • ungefähr bis zum Kinn beziehungsweise Nase. Gemessen mit Schuhen und Ski; Faustregel: Körpergröße x 0,90 bis 0,95. Tipp: Am Anfang nicht zuviel Geld für Stöcke ausgeben, weil man doch immer wieder darauf stürzt.

Bindungssysteme

Verwirrungspotenzial gibt es bei den Langlauf-Bindungen. Im Gegensatz zum Alpinski gibt es zwei Bindungssysteme, die nicht kompatibel sind: 

  • NNN (New Nordic Norm) – entwickelt von Rottefella | Systempartner: Alpina, Fischer, Madshus, Rossignol
  • SNS (Salomon Nordic System) | Systempartner: Atomic, Hartjes, Salomon.

Zudem gibt es von allen Standards jeweils eine Version für die klassische und die freie Technik.

Tipp: Erst den am besten passenden Schuh wählen und sich danach für das Bindungssystem entscheiden. Die Unterschiede bei der Passform der Schuhe sind größer als jene bei den Bindungssystemen.

 

 
weiterführende Artikel: 
01.02.2011ArtikelOutdoorsport

Nordisch by Nature: Langlaufkult in Finnisch-Lappland

Lang laufen, das kann man in Finnisch-Lappland ziemlich gut. Hier haben Mensch und (Ren-)Tier Platz genug, um auszumachen, wer am schnellsten durch den Schnee kommt. zum Artikel
05.11.2013ArtikelReise

Auf Langlaufski durch die Dolomiten

Der kleine, ferne Grenzverkehr findet zwischen Osttirol und Südtirol, also zwischen Österreich und Italien statt. Das spannende dabei, es ist eine echte Skilanglauf-Reise. zum Artikel