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Bolivien: Solo durch die Salzwüste

Mateusz Waligóra auf Solotour. | Foto: Mateusz Waligóra
Der Pole Mateusz Waligóra hat den Salar de Uyuni in Bolivien zu Fuß überquert. Ein siebentägiger Alleingang über den größten Salzsee der Welt.

Auch in Zeiten der Selfie-Manie bleiben gute Fotos von Solo­trips eine Rarität. Es ist eben nicht so ­einfach, die perfekte Bildkomposition und maximale Schärfe zu erreichen, wenn der Fotograf nicht hinter, sondern vor der Kamera steht. Umso bemerkenswerter sind die Bilder, die Mateusz Waligóra von seiner siebentägigen Wanderung über den Salar de Uyuni mitgebracht hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass schon in der zweiten Nacht bei minus 14 Grad sein Fernauslöser kaputtging …

Mit 10 500 Quadratkilometern ist der Salar de Uyuni viermal so groß wie das Saarland. Er liegt auf rund 3600 Metern über dem Meeresspiegel.

»Als ich im Dörfchen Llica losmarschierte, standen die Einheimischen auf den Schwellen ihrer Steinhütten und schauten mir verwundert nach«, blickt Mateusz zurück. »Für sie war es unvorstellbar, wie ein Gringo den Salar zu Fuß überqueren konnte, sein ganzes Gepäck auf einer Karre hinter sich herziehend.« ­Mateusz selbst hat sich der Frage nach dem Sinn seiner Tour komplett verweigert. »Ich fragte nicht, ob sich der Aufwand lohnen wird. Mich trieb lediglich die Vision einer endlosen weißen Fläche mit blauem Himmel an.«

 

Bildergalerie: Solo durch die Salar de Uxuni

Die Karre wurde vor allem von 60 Litern ­Wasser belastet. »Es gibt auf dem Salzsee keinerlei Möglichkeit, an Wasser zu gelangen«, so ­Mateusz. Auch ein dicker Daunenschlafsack durfte nicht fehlen. Nachts können die ­Temperaturen im bolivianischen Hochland auf bis zu minus 40 Grad fallen. Mateusz machte die Tour im Winter, weil das Wetter dann meist trocken und stabiler ist. Im Sommer steht nach Regenfällen oft das Wasser auf dem Salar. Ein sturmfestes Zelt ist ebenfalls Pflicht. »Es gibt keine Fluchtmöglichkeit«, erklärt ­Mateusz. »Ein Schneesturm wäre der absolute Killer. Wie 2002, als ein paar Radfahrer tot auf dem Salar gefunden wurden.«

Von einem Ende zum anderen sind es 170 Kilometer, aber nur 41 Zentimeter Höhendifferenz.

Den Wüstenvirus hat sich Mateusz auf den subantarktischen Antipoden-Inseln eingefangen. »Dort erwachte meine Sehnsucht nach ewiger Stille, dem absoluten Frieden. Genau das ist der Salar de Uyuni, wenn nicht gerade der Wind bläst.« Oder wenn nicht gerade Jeeps mit Touristen über den Salzsee brettern. Meist aber war das einzige Geräusch das Knacken des Salzes unter Mateusz’ Füßen.

Die bis zu 30 Meter dicke Salzkruste entstand vor Tausenden Jahren durch das Austrocknen eines Sees.

In der zweiten Nacht brach das Kabel in ­Mateusz’ Fernauslöser. »Wenn man eine ­Kamera-Ausrüstung für 12 000 Euro ­dabeihat, sollte man vielleicht auch 150 Euro in den Originalfernauslöser investieren – und nicht wie ich ein billiges Alternativteil für 25 Euro mitnehmen«, bereut er nun. »Nach dieser Panne musste ich den eingebauten Zehn-Sekunden-Zeitauslöser der ­Kamera ­verwenden. Das machte die Sache schwieriger, hat aber letztlich auch funktioniert.«

 
GM Info

Mateusz Waligóra

… ist 29 Jahre alt und ein Profi-Abenteurer. Berichte von seinen Erlebnissen veröffentlichte der in Breslau lebende Pole unter anderem bei National Geographic Traveler. Auf seiner Tour über den Salar de Uyuni hatte er – neben einem billigen Fernauslöser – folgendes Fotoequipment dabei: Canon 5DmkIII, 15 mm 2.5 Fisheye, 50 mm 1.4, 16 – 35 2.8L, 24 – 70 2.8L, 70 – 200 2.8L.

 

 
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