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Biken in Davos: Down the hill from the top

Foto: Graubünden.ch
Davos Klosters ist ein Eldorado für Biker. An technischem Geschick, Kondition und Nervenkostüm wird jedoch einiges abverlangt. Dafür sorgen die Abfahrten für Hochgefühle und selbstredend auch die Ausblicke.

Ich muss hellwach sein. Nur ein Metallrahmen und zwei Räder unter mir. Fast ungebremst den abschüssigen Trail hinab. Steiler Fels. Haarnadelkurven. Die kleinste Unaufmerksamkeit und ich küsse den Boden. Doch ich bin hellwach. So hellwach wie nur irgendwie. Der eiskalte Fahrtwind fegt mir jeden unnötigen Gedanken aus dem Hirn. Der Blick wird glasklar: Ich sehe, was ich sonst nicht sehe. Und gleichzeitig bin ich ganz bei mir. Die Welt, die Berge und ich verschmelzen. Ein echtes Flow-Erlebnis.

Endorphine am laufenden Band. | Foto: Davos Klosters
Endorphine am laufenden Band. | Foto: Davos Klosters

Doch erstaunlicherweise hört der Flow auch dann nicht auf, als ich hier unterm Weiß­fluhjoch stehen bleibe. Um mich he­rum erheben sich die gewaltigen Bergriesen. Ein unglaubliches Panorama. Vor allem die mächtige Felspyramide des Tinzenhorns hat es mir angetan. Wegen seiner Form wird es auch Matterhorn Graubündens genannt. Gegenüber, auf dem Scaletta-­Pass, kurbeln sich die Alpenüberquerer ihre Höhenmeter hinauf. Auf der anderen Seite im Tal entdecke ich Klosters, winzig wie eine Zwergenstadt.

Eines der härtesten Mountainbike-Rennen Europas fand dort statt, das ­legendäre Swiss Bike Masters. Dort erkenne ich auch die Gotschna-Freeride-Piste, die ich gestern voller Stolz gemeistert habe. Eine sechs Kilometer lange Freeride-Strecke. Aufregende 600 Höhenmeter geht’s dort schwingend und springend bergab durch 200 Steilkurven. Keine Frage: Auch das ein Flow-Erlebnis erster Güte.

Runter und rauf, ein Erlebnis schöner als das andere. | Foto: Davos Klosters
Runter und rauf, ein Erlebnis schöner als das andere. | Foto: Davos Klosters

Ich hänge meinen Gedanken nach und verliere mich in dem Anblick. Doch ich darf mich nicht verführen lassen. Mein Hüttenwirt hat mich mit ernster Miene gewarnt: nicht zu lange Pausen einlegen! Sonst fährt mir die letzte Bahn davon. Bergbahn wohlgemerkt. Ich habe mir heute nämlich die sogenannte Bahnentour vorgenommen. Fürs ungetrübte Freeride-Feeling greift ­einem die Technik unter die Arme: An einem Tag geht’s kräfteschonend fünf Bergbahnen hinauf – und ganze 10 000 Höhenmeter mit dem Bike wieder hinab. Feinste Strecken, über 90 Prozent davon Singletrails! Eine unwiderstehliche Herausforderung.

Doch auch die Brotzeit in der nächsten Sennwirtschaft ist unwiderstehlich. Schließlich muss ich für mein leibliches Wohl sorgen. Und ja, ich muss keine Rekorde brechen. Zum Glück kann man die Bahnentour auch auf zwei Tage verteilen. Und so liege ich eine Stunde später am Ufer des Davosersees. Ist irgendwie auch flowig. Und man muss nicht hellwach sein. Ich nick­e ganz entspannt ein.

 
Globetrotter Magazin Info

1300 km Biketrails ziehen sich durch die atemberaubende Bergwelt rund um Davos, die höchste Stadt Europas. Vom nervenzerfetzenden Thrill bis zum entspannten Genuss reicht das Spektrum der Radtouren. Bergbahnen und öffentlicher Verkehr befördern Bike und Fahrer – für Übernachtungsgäste von Davos und Klosters gratis. Zudem bietet das Gästeprogramm »Davos Klosters ­Active« über 700 kostenlose Erlebnisse wie z. B. Tierbeobachtungen oder Stand-Up-Paddling. Infos: www.bike-davos.ch

 

 
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