präsentiert von:

Bike2Boat: im Wiegetritt zum Wasserfall

Vor der Abfahrt steht die Radfahrt. | Foto: Jens Klatt
Earn your turns! Auf dem Rad und mit dem Wildwasserkajak im Schlepptau zogen drei Paddelfreunde ökologisch korrekt 700 Kilometer durch das Fjordland in Westnorwegen. Mit dabei: 4-Seasons-Redakteur Philip Baues.
Nach 40 Kilometer Anfahrt mit 50 Kilo Gepäck fühlt sich das Wildwasser noch mächtiger an. | Foto Jens Klatt

Wollt ihr euch das wirklich antun?« Diese Frage bekamen Olaf Obsommer, Lukas Wielatt und Philip Baues im Vorfeld ihrer Bike2Boat-Tour durch Norwegen des Öfteren zu hören. Anstat­t wie sonst die Kajaks in den Flieger zu packen, um den Globu­s zu jetten und von einem »Kick« zum nächsten zu hetzen, wollten sich die drei expeditionserfahrenen Paddler dieses Mal die Talfahrten im Wildwasser ehrlich verdienen. Aber wie? Zu Fuß? Da kommt man nicht weit. Mit Mulis? Verlockend, aber auch irgendwie gepfuscht. Also doch das Fahrrad und der Anhänger: Man kann länger­e Strecken bewältigen, reist in einer nachvollziehbaren Geschwindigkei­t, und auf dem Hänger und in den Packtaschen ist genug Platz für 50 Kilo Ausrüstung. Denn nur mit einem freien Geist und frohem Mut ist es auf solch einem Trip nicht getan. Allein das Kajak bringt gute 20 Kilo auf die Waage, dazu kommen Bekleidung, Essen, Zelt, Schlafsack, Isomatte ...

»Wir hatten keine Ahnung, was uns erwarten würde, wie weit wir aus eigener Kraft überhaupt kommen könnten«, gesteht Olaf anfängliche Zweifel an der Durchführbarkeit des Projekts. Immerhin lagen beim Start der dreiwöchigen Tour in Bergen gut 700 Radkilometer bis zum Ziel in Åndalsnes vor der Truppe. Und dabei ging es gar nicht ums Biken: Ziel war das spektakuläre Wildwasser in den Tälern entlang des Weges, das Rad war lediglich Transportmittel zum Zweck. »Uns war klar, wir würden langsam sein. Andererseits gibt uns das genug Zeit, um die Eindrücke zu verarbeiten. Bike2Boat ist ein Plädoyer für die Entdeckung der reduzierten Geschwindigkeit«, so Olaf.

Bildergalerie: Bike2Boat in Norwegen

Doch das ist so eine Sache mit der Entschleunigung. Zu viel davon bedeutet nämlich Stillstand. Weniger auf philosophischer als ­auf physikalischer Ebene wurde das den drei Abenteurern beim Bergauf­radeln klar: Masse zieht nach unten, und des Paddlers ­Kräfte liegen naturgemäß oberhalb der Hüfte. Zum Glück gibt es noch ein zweites Modewort für Stressgeplagte: Downshifting. Doch schon auf den ersten Kilometern stellte Philip fest, dass das Motto der Tour bereit­s ziemlich ausgereizt war: »Viele Gänge zum Runterschalten waren auf meinem Ritzelpaket nicht mehr übrig.«

Wo war noch mal die Mütze? Eiszeit am Bøyabreen. | Foto: Jens Klatt

Am Ende waren es vor allem die kleinen Momente, die das Erlebnis für die Freunde zu etwas ganz Besonderem machten: die simple Freude über einen Teller Nudeln nach einem anstrengenden Tag, ein trockenes Plätzchen für die Nacht, die Anfeuerungsrufe der sonst so wortkargen Nordländer. Vor allem aber das gute Gefühl, ein Ziel aus eigener Kraft erreicht zu haben.

 
4-Seasons Info

Und so geht’s weiter: Bike2Boat 2013

Weder wunde Hintern noch brennende Oberschenkel konnten sie stoppen: Seit dem 5. Mai sind Olaf und Philip wieder mit Bike und Boot unterwegs. Diesmal von Cannes nach Venedig: Durch fünf Länder, einmal den gesamten Alpenbogen entlang – ohne Begleitfahrzeu­g und Dopingarzt. Auch der Wintereinbruch konnte sie nicht stoppen und ließ sie nur in Graubünden pausieren. Fotograf Jens Klatt tritt selbst mit in die Pedale. Wer will, kann die paddelnden Pedalieros im Netz auf bike2boat.com verfolgen, im Herbst wird Olaf Obsommer auf seiner Filmtou­r berichten. Termine und Infos unter abenteuer-kajak.de.

 
weiterführende Artikel: 
12.07.2012ArtikelOutdoorsport

Bike2Boat – Mit Rad und Kajak durch Norwegen

Seit knapp zwei Wochen tourt eine Kajak-Expedition der besonderen Art durch Norwegen. zum Artikel