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Bayern-Tipps: Goldene Aussichten – der Goldsteig

Im Nationalpark Bayerischer Wald darf der Wald einfach nur Urwald sein.
Im Nationalpark Bayerischer Wald darf der Wald einfach nur Urwald sein. | Foto: Ostbayern Tourismus
Einsam zieht sich der Goldsteig durchs bayerisch-böhmische Grenzland. Sein Herzstück führt durch echten Urwald und aussichtsreich über die höchsten Gipfel des Bayerischen Waldes.

Hou?« »Mou.« Unter den riesenhaften Fichten hatten sich zwei Männer genähert. Sie hatten sich die seltsamen Laute zugeraunt und sind ihrer Wege gegangen. Wir blicken uns fragend an. Der Bayerische Wald ist ein Mysterium. Und so dringen wir tiefer in die rätselhaften Wälder. Steil bergan. Urige Tannen vor dem satten Blau des Himmels. Der Wald öffnet sich zu Brachflächen, die der Orkan Kyrill geschaffen hat, und Schachten, ehemaligen Weideflächen, mit köstlichen Waldbeeren. Zwischen den Zacken eigenartiger Felsgruppen verfängt sich der Wind und säuselt seine Ge­schich­ten­. Immer wieder tun sich fantastische Ausblicke auf, weit über das Waldgebirge, über Blockmeere, Hochmoore und uner­gründliche Seen. Und dann, als am späten Nachmittag der Große Arber, der letzte Gipfel der Acht-Tausender-Etappe, erklommen ist und die Blicke glücklich erschöpft in die Ferne schweifen, taucht die Sonne das Land in ein wundersam goldenes Licht, und ein glühender Schimmer durchzieht den Dunst der Täler. Der Goldsteig hat seinen Namen verdient. Wahrscheinlich ist er aber eher historisch angelehnt: Die Region war früher von bayerisch-böhmischen Salz­handelswegen durch­zogen, und Salz nann­te­­ man damals ­ »wei­ßes­ Gold«.

Fest steht, dass die Route für den leidenschaftlichen Wanderer auf jeden Fall Gold wert ist. Dafür verbürgt sich auch der Deutsche Wan­derverband mit der  Auszeichnung »Qualitätsweg Wanderbares Deutsch­land«. 660 Kilometer läuft der Steig zwischen Markt­redwitz im Ober­pfälzer­ Wald und dem nieder­bayerischen Passau mit einer Nord- und Süd­va­riante und durchquert dabei fünf Natur­parks und einen Natio­nalpark. Die nördliche Route – die wir ­genommen haben – ist die anspruchsvollere und führt über den Hauptkamm des Bayerischen Waldes. Mit der Besteigung des Großen Arber, des »Königs des Bayerischen Waldes«, liegt der erste Teil der größeren Anstrengungen gerade hinter uns. Was folgen­ wird, ist ein mehrtägiges­ Auf und Ab im Kerngebiet des National­parks Bayerischer Wald über die drei Gipfel­ des Falkenstein-, Rachel- und Lusenmassivs. Dazwischen viel, viel Urwald. Ein Raum für weitere spannende Mysterien – seltene­ Tiere wie Luchse und Fischotter sind hier heimisch. 

Als wir an diesem Abend müde in unser Nachtquartier einkehren, klärt uns ein freundlicher Herbergsvater zumindest über das Rätsel­ des heutigen Tages auf. Die Kommunikationsgewohnheiten des Waidlers seien nun mal äußerst effektiv. Aus »hou« und »mou« könne somit durchaus eine vollständige Unterhaltung bestehen­ und soll heißen: »Wie geht’s?« – »Muss geh’n.« Schließlich sei damit oft alles gesagt. Da hat er recht. Inmitten so einer großartigen Natur muss man nicht unbedingt immer viel reden.

 

 

4-Seasons Tipps

Umfassende Informationen zum Goldsteig mit Tourenplaner, Unterkünften, Gepäckservice etc. finden sich auf goldsteig-wandern.de.

 
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