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Ausrüstungsberatung: Familienwanderung

Katharina Schedel (30) und ihre Kinder Ruth (8), Fionn (6) und Glen (4). Mit auf dem Bild: Familienvater Daithi (33). | Foto: Globetrotter Ausrüstung/Archiv Katharina Schedel
Wollt ihr auswandern? Nö, nur mal mit den Kids raus! Katharina Schedel* verrät, wie sie bei ihren Tagestouren mit drei Kindern das Gepäckchaos klein und die Laune aufrecht hält.

Katharina, bei Touren allein oder zu zweit ist man schnell in die Wanderschuhe geschlüpft. Wie lange dauert es bei Familie Schedel, bis fünf Paar Füße marschbereit sind?  

Am Morgen brauchen meine Kinder volle Aufmerksamkeit. Da ist zusammenpacken und sofort losziehen nicht drin. Ich suche die Wanderklamotten am Abend zuvor zusamme­n, schmiere die Brote und stelle die Schuhe raus. Das entspannt die Lage. Mittlerweile habe ich sogar eine kleine Packliste, da geht das noch schneller.

 

Hier geht's zu Katharinas kompletter Packliste für den Familientrip.

Aber wer schleppt dann das ganze Zeug?

Unser »Packesel«. Mit dem Joggingset wird aus dem Chariot-Radanhänger im Handumdrehen ein Dreirad-Buggy. Wahlweise fürs Gepäck oder für müde Kinder. Damit sind wir schon über die Klippen in Irland gelaufen und durch das Allgäu gewandert. Beim ersten Kind reicht vielen Eltern eine Kindertrage, aber der Nachwuchs wurde bei uns schwerer und zahlreicher. Da muss das Gepäck irgendwo hin.

Können die Kids nicht auch etwas tragen?

Outdoorkompatibel: Der Fahrradanhänger wird zum Packesel umfunktioniert. | Foto: Michael Neumann

Doch, bei uns hat sogar jeder seinen eigenen Rucksack. So fühlen sich auch die Kids als echte Wanderer und Teil des Teams. Kinder sollten aber nur maximal ein Zehntel ihres Körpergewichts tragen. Bei den Kleinen kann eine Fleecejacke oder ein Apfel und eine Wasserflasche ­verstaut werden. Der Kinderrucksack Junior von Deuter ist toll für Kids ab sechs Jahren – sitzt gut und ist auch für Schulausflüge oder den Kindergarten brauchbar. Für die Kleineren gibt’s die Modelle Schmusebär oder Waldfuchs. Letzterer hat sogar ein kleines Isokissen dabei, so kann man auch mal auf dem Waldboden sitzen.

Welche nützlichen Accessoires gibt es noch für die Nachwuchsentdecker?

Kleine Dosen sind praktisch, um hinein­zutun, was so am Wegesrand aufgelesen wird: Sandsteine, kleine Blätter oder auch mal einen Regenwurm. Wichtig ist, dass die Kinder aktive Parts übernehmen, sonst wird ihnen schnell langweilig. Dabei sind natürlich auch Pinzetten, Lupen und eine Taschenlampe hilfreich.

Eine Taschenlampe für die Tagestour?

Ja, man kann damit zum Beispiel durch Blätter strahlen, dann sieht man die vielen Äderchen. Ein Kinderkompass ist auch im Gepäck, so lernen die Kinder die Geografie gleich hautnah kennen. Toll sind Sachen, die Kinder selbstständig benutzen können. Dann muss man nicht ständig gucken und hinterherrufen: Nicht dahin! Nicht dorthin! Auch die richtige Bekleidung reduziert den Aufsichtsstress – wenn die Kinder klettern oder im Schlamm hüpfen, muss man sie nicht immer zurückpfeifen.

Kinderklamotten sollten also am besten unverwüstlich sein?

Manche sind wirklich ewig haltbar. Die Elk­line Waldmeister-Hose hat eine extra starke Kniepolsterung aus Kevlar. Aus dem Material werden auch kugelsichere Westen hergestellt. Mein Mann hat die Hose in der Erwachsenenversion übrigens auch.

Kinderbekleidung ist also die gleiche wie die für Erwachsene – nur in klein?

Eigentlich schon. Das Zwiebelprinzip gilt bei Kindern wie bei Erwachsenen. Für die Kids packe ich aber immer noch eine extra Lage ein, weil sie doch mal eher in die Pfütze fallen oder sich das Hemd voll­kleckern. Das nasse Zeug hängen wir dann mit Wäscheklammern und einer kleinen Leine zum Trocknen an den Chariot.

Beim Wandern gibt’s oft Temperaturschwankungen. Was packst du ein?

»Die Kinder sollten höchstens ein Zehntel ihres Körpergewichts tragen.«

Viele Merinoteile, die sind angenehm und vielseitig, im Winter wärmend, im Sommer kühlend. Je nach Bedarf zieht man mehrere Schichten übereinander. Das ist das Gute am Zwiebelprinzip: Wenn einem weder zu kalt noch zu warm ist, kann man den Trip viel besser genießen. Das gilt natürlich auch für die Kleinen.

Auf der Packliste steht auch eine Odlo-Strumpfhose aus Polyester. Was ist besser?

Der große Vorteil von Merinowolle: Sie müffelt auch nach mehreren Tagen nicht und hält warm, selbst wenn sie feucht ist. Die Odlo-Leggins ist innen angeraut, etwas dicker und eher für die kalten Tage ­gedacht. Wir nehmen sie auch für den Wintersport. Der Schweiß wird rasch aufgenommen, und man fühlt sich angenehm trocken. Dafür riecht sie etwas schneller.

Funktionsbekleidung ist nicht eben billig, und Kinder wachsen schnell. Was tun?

Auf Zuwachs kaufen! Merinowolle lässt sich gut umkrempeln, da kann das Kind reinwachsen. Bei drei Kindern wird jedes gute Stück weitergegeben. Ich kaufe nicht speziell für Jungs oder Mädels, sondern nehme neutrale Farben. Auch wenn ­Mädchen das oft anders sehen: Zwei Tops ­genügen, um sie zu wechseln oder über einem dünnen Pullover anzuziehen. Schon sieht das Outfit anders aus.

Gibt es auch Sachen, die mitwachsen?

Ja, zum Beispiel die schon erwähnte Waldmeister Pant: Die Hose wächst mit! Beim nächsten Wachstumsschub lassen sich aus der Beinlänge sieben Zentimeter zusätzlic­h herausholen.

Mögen deine Kids die Outdoorklamotten?

Und wie! Fionns Hose muss ich abends wasche­n und am Morgen trocken haben. Er weigert sich, andere Hosen anzuziehen! Auch Details bei der Ausrüstung werden genau beäugt: Bei den Icebreaker-Shirts der Kinder musste ich sogar zur Nähnadel greifen und nachträglich ein Daumenloch einarbeiten – weil Mama und Papa das ja an ihren Shirts auch haben.

Auf deiner Packliste steht auch Duck Tape. Wofür braucht man das?

Eigentlich für fast alles. Man kann kleinere Reparaturen vornehmen, einen Verband improvisieren, unterwegs Schmuck ba­s­tel­n oder es vorn als Schutz auf die Schuhe kleben. Oder man klebt damit die nach inne­n gekrempelten Hosenbeine fest.

Warum nähst du die Hose nicht um?

Das Wichtigste: gute Laune bei Kindern und Eltern.
Wasserdichte Hosen haben eine empfindliche Membran oder Beschichtung, beide vertragen keine Nadelstiche. Daher klebe ich die Überlänge im Hosenbein fest. So bleibt die Hose in Form, und nichts wird nass. Wenn die Kinder größer werden, kommt das Tape einfach wieder weg.

Wichtigste Ausrüstung beim Wandern sind die Schuhe. Welche empfiehlst du?

Für den Sommer sind Keen-Sandalen ­perfekt. In ihnen kann man lange Strecken bequem laufen und sogar Bäche durchqueren. Selbst mit Socken sieht man darin nicht albern aus. Zum Trocknen einfach in die Sonne stellen. Waschmaschinenfest sind die Sandalen übrigens ebenfalls.

Wanderschuhe ersetzen sie aber nicht ...

Auf anspruchsvollen oder längeren Touren kommen natürlich feste Stiefel zum Einsatz. Der hohe Schaft eines guten Wanderschuhs stabilisiert das Sprunggelenk, ein ordentliches Fußbett verhindert eine schnelle Ermüdung, und die griffige Sohle wissen auch Kinder zu schätzen. Wenn wir in den Alpen unterwegs sind, ziehen die Kinder die Wanderstiefel schon von allein an. Sie fühlen sich sicherer und wissen, dass sie damit auch besser auf den Felsen rumspringen können. Kurz: Sie lieben ihre Lowa-Schuhe.

In die Schuhe gehören Socken. Hast du Tipps für die richtige Wahl?

Wichti­g ist, dass die Socken an Fußsohle, Zehen und Fersen kräftig gepolstert sind. Wenn die Schuhe noch etwas zu groß sind, ziehe ich den Kindern zwei Paar Socken an, dann muss man aber besonders auf Druckstellen und Blasen achten. Bei uns haben sich Falke-Socken bewährt, die sind auch nach vielen Wäschen noch in Form. Das Fußklima in ihnen ist einwandfrei. Die Materialmischung aus Baumwolle, Schurwolle und Poly­este­­r ist sehr funktionell und bietet auch Wärmereserven für kühlere Tage. Kalte Füße können einem ja schnell die ganz­e Wanderung vermiesen …

Wären denn reine Wollsocken nicht wärmer und kuscheliger?

Je höher der Wollanteil, desto schneller laufen sich die Socken durch. Reine Kunstfasermodelle aus Polyamid und Elasthan sind robust und langlebig. Allerdings wird Synthetik oft als unangenehm empfunden und müffelt auch schneller. Eine Kombination aus Wolle und Kunst­faser vereint die Vorteile beider Welten.

Was machst du, wenn unterwegs doch mal der Schuh drückt?

Unbedingt sofort eine Pause einlegen und die Schuhe ausziehen, damit die Füße trocknen und sich erholen können. Auf die wunde Stelle Tape kleben, das gibt’s in der Apotheke und hilft richtig gut. Vorsorgen ist aber noch besser: Am Morgen die Füße mit Hirschtalg eincremen, so werden sie geschmeidiger. Und natürlich die Schuhe gut aussuchen und einlaufen.

Ein Erste-Hilfe-Set ist auch dabei?

Klar! Früher haben wir das individuell zusammengestellt, aber inzwischen gibt es sehr gute Fertigsets für verschiedene Anforderungen. Das »First Aid Advanced« von Tatonka ist zum Beispiel für Familien sehr gut geeignet. Zusätzlich nehmen wir Arnica Globuli als Erste Hilfe gegen Prellungen und Schmerzen mit. Außerdem Fenistil für juckende Insektenstiche.

Haben wir noch was vergessen?

»Unser Sohn liebt seine Outdoorhose. Er weigert sich, andere anzuziehen.« | Fotos: Globetrotter Ausrüstung

Wäscheklammern und Leine sind immer gut, selbst für eine Tagestour. Man kann zum Beispiel Sachen dranhängen, die im Bach nass geworden sind. Unsere Kinder finden außerdem alles toll, was so richtig nach Outdoor aussieht – zum Beispiel kleine Karabiner, an die sie ihre Fundstücke oder ihr Taschenmesser klippen können. Sehr nützlich sind auch kleine und große Beutel, um Ordnung zu halten, etwa ein Wäschesack für schmutzige Klamotten –  denn davon gibt es reichlich bei jeder Tour. Kakaopulver und andere Highlights füllen wir in kleine Mehrwegdosen um.

Dann gibt es in der Wanderpause also nicht nur Wasser und Käsebrot?

Für eine Weile ist Wasser schon okay, aber etwas mit Geschmack kommt bei den ­Kindern besser an. Da reicht oft schon eine Multivitamin-Brausetablette. Wir haben Trinkflaschen mit großen Öffnungen, so klappt das Mischen besser. Und natürlich darf auch die eine oder andere Lieblings­nascherei nicht fehlen. Kekse können ­wahre Motivationswunder bewirken.

Ist das nicht ohnehin die größte Aufgabe: die Kinder bei Laune zu halten?

Man muss sich unbedingt dem Tempo der Kinder anpassen. An erster Stelle sollte nicht ein Streckenrekord stehen, sondern das Ziel, den Tag zu einem besonderen ­Erlebnis zu machen. Dann wird eben – trotz Mehrgewicht – auch mal das Lieblingsbuch oder das Plüschtier eingepackt. Zwang und Hast enden nur in Frust. Wir bleiben oft stehen, um Baumstämme umzuwälzen oder Tiere anzuschauen – selbst wenn der angepeilte Rastplatz nur einen Kilometer entfernt ist. Sind die Kinder nach dem Toben dann müde, zaubern wir Isomatte und Schlafsack aus dem Chariot und machen ein gemütliches Nickerchen­. Das fühlt sich fast an wie richtiges Campin­g, und die Kleinen sind glücklich. Denn darum geht es doch, oder?

 
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