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Auf Ski durch die Abruzzen: Hessische Norweger in »Piccolo Tibet«

Foto: Stefan Rosenboom
Wie nennt man das, wenn deutsche Schulfreunde sich wie Birkebeiner kleiden, die italienischen Abruzzen durchkreuzen und schottischen Whisky trinken? Multikultitour?

Hardangervidda? Nein, dieses Hochplateau befindet sich in Italien und heißt Campo Imperatore. | Foto: Stefan Rosenboom
Eigentlich sind Stefan Rosenboom und seine Freunde ­Skandinavien-Fans. Vor einigen Jahren haben sie zum ­Beispiel auf Ski ihre Gepäckschlitten über die verschneite Hardangervidda gezogen. Im vergangenen Herbst versprach Stefan seinen Kameraden, die er aus Frankfurter Schulzeiten kennt, ein skandinavisches Vergnügen in Südeuropa: eine ­Ski­durchquerung eines Hochplateaus in den Abruzzen. Der ­Campo Imperatore liegt auf etwa 1600 Metern — und auf der Höhe von Rom. »Fällt dort überhaupt Schnee?«, zweifelten die einen. »Ist das nicht völlig überlaufen?«, argwöhnten die anderen.

»Es lag reichlich Schnee«, berichtet Stefan, »und in den acht ­Tagen ist uns kein einziger Mensch begegnet.« Der Gran-Sasso-Nationalpark ist eine der letzten Wildnissen Südeuropas, sein höchster Gipfel Corno Grande überragt das Mittelmeer um 2912 Meter. Stefan, der nahe Murnau in Oberbayern wohnt, hat die Gegend vor einigen Jahren bei einem Wanderurlaub ­entdeckt. »Ich war fasziniert von dieser Ursprünglichkeit im dicht besie­delten und kultivierten Italien«, erzählt der Fotograf. »Il ­piccolo ­Tibet« nennen die Italiener das rund 80 Quadrat­kilometer weite Hochplateau, das vom Wintertourismus weit­gehend verschont ­geblieben ist.

 

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Stefan, Rainer, Wolli, Volker, Tom und Jonas — alle Mitte 40 — ­blieben äußerlich ihrem geliebten Skandinavien treu und ­statteten sich mit nostalgischer Funktionsbekleidung des ­norwegischen Ausrüsters Bergans aus. Dessen Markenzeichen sind die Birkebeiner, mittelalterliche Krieger auf Ski. »Als wir mit ­unseren Knickerbockern und Pelzkragen-Anoraks im hintersten Bergdorf Castel del Monte auftauchten, da feierten die ­Einheimischen gerade Karneval in der Turnhalle. Wir haben prompt den ersten Platz beim Kostümwettbewerb gewonnen!«

Herrenrunde im Gruppenzelt. | Foto: Stefan Rosenboom

Die Freunde gingen auf dem eher flachen ­Gelände ­teilweise auf Tourenski mit Rucksäcken, teilweise auf Back­country-Ski mit ­Pulkas. Sportliche Höchstleistungen ­standen nicht im Vordergrund, sondern das gemeinsame Draußensein. Abends gab es ­Expeditionsfutter aus der Tüte und Johnnie Walker aus der ­Flasche. In ihrem Lavvo, einem Gruppenzelt nach samischem ­Vorbild, sangen die hessischen Birkebeiner ­stundenlang in ihre Kazoo-Tröten. »Toll, was da rauskommt«, amüsiert sich ­Stefan, »ideal, um die Wölfe zu verschrecken.« Mehrmals haben sie ­Spuren des römischen Wappentiers gesehen. Ein einzelner Wolf trottete nur wenige Meter entfernt durch den Schnee.

Die Februarsonne hat in diesen Breiten schon so viel Kraft, dass Stefan & Co. oft nur im T-Shirt gingen. Zwei Tage lang wurden sie jedoch von einem Schneesturm gestoppt und schlugen ihr Zelt in der Talstation eines ehemaligen Skilifts auf. Ganz in der Nähe steht die Bauruine eines Hotels, das heute als riesiger Schafstall verkommt. »Da hat sich die Mafia wohl verspekuliert«, freut sich Stefan über die fast unberührte Natur.

 
 
4-Seasons Info
 

Votrag bei Globetrotter

Einen Film über das Abruzzen-Projekt von Stefan Rosenboom finden Sie auf www.4-seasons.tv/abruzzen. Am 14.11.2012 hält Stefan im CinemaxX neben der Münchner Globetrotter-Filiale einen Vortrag über »Wanderungen für alle Jahres­zeiten in den bayerischen Alpen« und über ein weiteres Fotoprojekt: »Anni und Alois — ein Bauernleben im Bayerischen Wald«. Info: www.globetrotter-events.de.

 
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