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Am Anfang stand ein »Autsch!« – Die Keen-Story

Foto: Archiv Keen
Weil sie sich ständig die Zehen anstießen, erfanden amerikanische Segler eine Sandale mit Gummipuffer. Das war 2003. Mit der charakteristischen Zehenkappe und einer grünen Firmenphilosophie hat sich Keen längst als coole Outdoor-Marke etabliert.

Hilft seit 2003 gegen schmerzende Zehen: Keens Klassiker, die Sandale »Newport«. | Foto: Archiv Keen
Rhode Island ist der kleinste Bundesstaat der USA und besteht zu großen Teilen aus Wasserflächen und Inseln. Auf einer dieser Inseln, mit Blick auf den Atlantik, liegt das Städtchen Newport, ein Paradies für Paddler und Segler. Hier beginnt die Erfolgsgeschichte der Schuhmarke Keen, und sie beginnt wie viele andere Erfolgsgeschichten in der Outdoor-Branche auch – mit Schmerzen, Flüchen und der Einsicht: »Wenn dafür noch keiner was erfunden hat, machen wir es selbst!«

Die Segler in Newport tragen an Bord gern luftige und griffige Sandalen, bezahlen dafür aber mit schmerzenden Zehen, weil sie sich die bei hektische-n Manövern regelmäßig anstoßen. 2003 präsentiert das kleine Keen-Gründungsteam eine selbst entwickelte Sandale. Die »Newport« bietet gängige Features wie wasserfestes Leder, einen Schnellverschluss und eine griffige Sohle. Aber vorne prangt, wie eine Art Stoßstange, ein Zehenschutz. Offenbar haben sich auch andere Leute die Füße regelmäßig angestoßen – an Bootsdecks, aber auch an Steinen, Zeltheringen oder Kajakfußrasten. Jedenfalls reißen sich Outdoor-Sportler aller Art um die neue »Newport«. Kaum auf dem Markt, erhält die junge Firma Keen vom Fachmagazin »Footwear News« die Auszeichnung für die beste 
Produkteinführung des Jahres.

Auch ohne Puffer

Mal ohne Gummikappe: die la Praz-Sandale | Foto: Archiv Keen

In nur wenigen Jahren wächst Keen vom Ein-Produkt-Hersteller zum fünftgrößten Schuhproduzenten im Outdoor-Bereich. Inzwischen wurde das Sortiment um zahlreiche Modelle erweitert. Bei Globetrotter findet man mehr als 50 unterschiedliche Keen-Schuhe im Programm: vom leichten Wanderstiefeln über Trailrunningschuhe bis zu Fahrradsandalen – eine große Palette für das Leben draußen. Die 
patentierte Zehenkappe ziert viele Exemplare, aber auch Schuhe ohne den 
berühmten Gummipuffer baut man inzwischen.
Aktuell hat Keen die Hybridsandalen »Owyhee« und »McKenzie« neu entwickelt. Mit Zehenkappe, leichtem Netzgewebe und einer Schnellschnürung laufen sie gut im Wasser, dank einer neu entwickelten Sohle funktionieren sie aber auch prima an Land als leichte Trekkingsandalen. Und wenn die Ursprungssandale »Newport« schon ein wenig in die Jahre gekommen ist – sie ist immer noch ein Bestseller und nicht nur historisch gesehen der erste Schuh im Sortiment.

Keen bietet alten Säcken ein neues Leben

Nachdem sich die Produktpalette stetig erweitert – inzwischen gehören auch Taschen und Socken zum Sortiment – soll Nachhaltigkeit nicht nur eine Idee bleiben. Ösen und Reißverschlüsse fertigt Keen inzwischen aus recyceltem Aluminium. In vielen Modellen werden natürliche oder ökologisch gewonnene Rohstoffe wie Leinen, Merino, Kork oder Naturkautschuk verarbeitet.

 
4-Seasons Info

Das Santiago-Projekt: Alte Technik für neue Arbeitsplätze

Die Schuhproduktion von Keen mit restaurierten Vulkanisierpressen in Santiago Kautschuk und Leinen: Keen besinnt sich auf traditionelle Materialien in der Schuhproduktion. Die »Santiago«-Kollektion wird auf alten, wiederaufbereiteten Leisten gefertigt. Gut 200 ausrangierte Vulkanisierpressen aus den 1950er- und 1960er-Jahren hat das Unternehmen zusammen­gekauft, restauriert und nach Santiago de los Caballeros in der Dominikanischen Republik gebracht. Die Produktion ist umweltfreundlich: Der handgenähte Schaft wird direkt in die flüssige Naturkautschukmasse gepresst. Die Heißvulkanisation benötigt ohnehin wenig Energie, ab 2012 will Keen auch den Strom für die Maschinen durch Solarenergie gewinnen. Die Entscheidung, nicht wie üblich in Asien zu produzieren, hat weitere Vorteile: Zum einen schafft man Arbeitsplätze in einem Entwicklungsland, zum anderen verkürzen sich mit der Produktion auf den Antillen die Transportwege in die USA – dem größten Absatzmarkt von Keen. Soziales Engagement lässt sich so mit einer optimierten CO2-Bilanz verbinden.

 
Harvest: früher Reissack, heute Strandtasche | Foto: Archiv Keen

Die Harvest-Kollektion ist eine komplette Recycling-Linie. Taschen und Schuhe werden aus alten Reissäcken sowie Polyester- und Nylonresten gefertigt. Aus alten PET-Flaschen wird eine Polyester/Baumwoll-Mischung gesponnen. Keen strickt daraus verschiedene Sockenmodelle.

Ähnlich wie das Schuhprogramm für Wasser und Land ausgerichtet ist, nennt sich auch die Firmenphilosophie »Hybrid.Life«. Outdoor ist für Keen überall: im eigenen Garten, im Park oder auf dem Weg zur Arbeit. 
Während andere Hersteller sich oft nur auf technische Aspekte ihrer 
Produkte konzentrieren, soll man mit den Keen-Produkten das Leben leichtnehmen, die Erde als Spielplatz verstehen – aber auch Verantwortung für seine Umwelt übernehmen.

Fünf Millionen Dollar für Umwelt- und Hilfsprojekte bei Keen

Zu Wasser und zu Land: Keen funktioniert.

Das aktuelle Motto bei Keen lautet »Playtime is back«. Der Name ist Programm – auch für die knapp 150 Angestellten weltweit. Im Haupt-Firmensitz in Portland, Oregon, schöpfen die Mitarbeiter in einem knapp 300 Quadratmeter großen Aufenthaltsraum mit Beamer und Musik-instrumenten neue Energie für den Arbeitsalltag. In einer immer schnelllebigeren Welt ist das Thema Work-Life-Balance für Keen sehr wichtig. Wenn man Europa-Marketing-Manager Nol Gerritse erreichen will, bekommt man gelegentlich eine E-Mail: »Hi, I’m out having Playtime. I’ll be back in the office tomorrow.« Für diese Arbeitskultur setzte das amerikanische Outside-Magazin Keen auf die Liste der 50 besten Arbeitgeber in den USA.

Zum Konzept des verantwortungsbewussten Umgangs mit der Natur und den Mitmenschen gehört bei Keen auch die Initiative »Hybrid.Care«. Die Idee, einen Teil des Gewinns in Hilfsprojekte zu stecken, entwickelt sich 2004, kurz nach dem Tsunami in Südostasien. Sie wollen gerade Werbung fürs ganze Jahr buchen, als die Keen-Chefs von dem Unglück hören. Noch auf dem Weg zur Agentur entscheiden sie, dass sie mit dem Geld für die Kampagne besser den Tsunami-Opfern helfen.

Bestseller bei Globetrotter: die »Newport H2« für Kinder.

Zwar macht Keen inzwischen wieder Werbung, unterstützt aber auch verschiedene Projekte: Für jedes verkaufte Paar aus der »Santiago«-
Kollektion gehen zum Beispiel fünf US-Dollar an die Mikrofinanz-Organisation Kiva.org. Das Unternehmen aus San Francisco vergibt Kleinkredite an hilfsbedürftige Menschen auf der ganzen Welt, die für ihre Geschäftsideen von einer normalen Bank kein Geld bekommen würden. In Europa fördert Keen unter anderem die Aufräumaktionen von »Respect the Mountains«. Im letzten Jahr sammelten die Teilnehmer über 400 Kilo Müll aus der Natur, darunter Autoreifen und 
sogar Waschmaschinen.

Bislang hat Keen insgesamt über fünf Millionen US-Dollar in Hilfsprojekte und Umweltschutzaktionen auf der ganzen Welt investiert. Keine schlechte Bilanz für eine junge Firma, deren Geschichte vor nicht einmal zehn Jahren mit einem »Autsch« begann.

 

 
4-Seasons Info

Envirotrek: Aufräumen mit Erlebnisfaktor

Bei den Envirotreks wird gemeinsam Müll aus der Natur gesammelt. Alufolie, leere Getränkedosen, Plastikverpackungen – wer hat nicht schon mal am Wegesrand solche »Mitbringsel« gefunden? Aber – Hand aufs Herz – wer nimmt sie dann auch mit? Man hat ja schließlich meist etwas Attraktiveres vor, als den Dreck anderer Leute zu entfernen. Daher gehen Keen und die Umweltschut­z-Organisation »Respect the Mountains« dieses Dilemma mit einem gemeinsamen Projekt an: Die Envirotreks sind Aufräum­aktionen mit Erlebnisfaktor. In stark besuchten Regionen in den Bergen säubern freiwillige Helfer die Natur. Eimer, Tüten und Greifzangen werden von den Veranstaltern gestellt. Als Gegenleistung dafür, dass die Helfer vormittags Wanderwege, Wiesen und Seeufer auf­räumen, werden dann am Nachmittag gemeinsame Outdoor-Touren unternommen. Beim Raften, Klettern oder Mountainbiken kommt der Spaß nicht zu kurz. In diesem Sommer sind drei Envirotreks in Deutschland ge­plant. Termine und Infos dazu werden rechtzeitig auf www.4-Seasons.de veröffentlicht.