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Alpin-Oscar: Vergabe der »Piolets d' Or«

Goldener Pickel für die Besteigung der Süd-Ostwand des Mt. Logan: Yokoyama und Okada | Quelle: »Piolets d' Or«
Was für die Filmsternchen der Oscar, sind für die extremen Alpinisten die »Piolets d’Or«. Die goldenen Pickel werden seit 1991 für herausragende Leistungen an den Bergen dieser Welt verliehen. Am Fuße des Mont-Blanc traf sich die kletternde Elite in Chamonix und Courmayeur zur 19. Vergabe des Preises.

Für Besteigungen in 2010 verlieh die Jury zwei goldene Pickel. In der Mitte die Grönland-Expedition, rechts daneben die zwei Japaner und ganz rechts außen: Greg Child, Jury-Präsident. | Quelle: »Piolets d' Or«
Aus 53 Expeditionen in 19 Ländern auf 5 Kontinenten, durchgeführt von 138 Bergsteigern aus 22 Nationen, hatte die Jury sechs Besteigungen nominiert. Die Auszeichnungen erhielten schließlich die zwei Japaner Katsukata Yokoyama und Yasushi Okada für ihre neue Route am Mount Logan in Kanada und ein amerikanisch-belgisches Team für ihre Bigwall-Expedition in Grönland per Segeljacht. Der 69-jährige britische Erstbesteiger der Süd-Westwand des Mount Everest Doug Scott erhielt die Auszeichnung für sein Lebenswerk.

 

Letzte große Aufgabe im nordamerikanischen Alpinismus: SO-Wand am Mt. Logan im Yukon Territory. | Quelle: »Piolets d' Or«
Mount Logan

Die Japaner Yokoyama und Okada kletterten vor einem Jahr über eine neue Route durch die Süd-Ostwand des Mount Logan in den kanadischen St. Elias-Bergen. Mehrere amerikanische Seilschaften scheiterten zuvor. Die 2500-Meter hohe Eis- und Felswand des Logan galt bis zur Ersteigung durch die zwei Japaner als eines der letzten großen Projekte in Nordamerika. Yokoyama und Okada biwakierten dreimal in der Wand, ein viertes Mal auf dem Grat, ehe sie weitere 900 Höhenmeter bis zum Ostgipfel (5900 m) aufstiegen.

 

Alle Mann von Bord: Die ausgezeichnete Bigwall-Expedition in Grönland. | Quelle. »Piolets d' Or«
Grönland

Das zweite ausgezeichnete Team hatte im vergangenen Juli und August neun Bigwall-Routen an Klippen und Wänden der westlichen und südlichen Küste Grönlands eröffnet. Einige Routen sogar direkt vom Deck ihrer Segeljacht. Der Amerikaner Ben Ditto sowie die Belgier Sean Villanueva, Nicolas und Olivier Farvesse verzichteten dabei komplett auf Bohrhaken. Herausragend war die Neutour »Devil’s Brew« an der Impossible Wall des Tingmiakulugssuit. Für die 850-Meter-Führe kletterte das Team 10 Tage und erschloss damit eine der schwersten Touren in West-Grönland. Mit zum Team gehört der 75-Jährige Skipper Bob Shepton, der das Team auch bei leichteren Klettereien begleitete.

 

Übernachtete 1975 am Everest knapp unterm Gipfel: englische Bergsteiger-Legende Doug Scott. | Quelle: »Piolets d' Or«
Ehren-Pickel für Scott

Nach Walter Bonatti (2008) und Reinhold Messner (2009) zeichnete die Jury den Briten Doug Scott für sein Lebenswerk aus. Der Himalaja-Veteran gehört zu den Vorreitern des Alpinstils an den großen Bergen. Häufig ohne Hochlagerketten, ohne Sauerstoff und in kleinen Seilschaften erreichte Scott über 40 hohe Gipfel, zum Teil über neue Routen. Zu legendären Leistungen von Scott gehört neben einem Notbiwak am Gipfel des Mount Everest mit dem Schotten Dougal Haston unter anderem ein Abstieg vom Ogre (7285m) im Karakorum mit zwei gebrochenen Sprunggelenken – auf allen Vieren.

Unruhige Vergangenheit

Die Jury, zu der in diesem Jahr auch der deutsche Alpin-Journalist Michael Pause gehörte, führt mit der Wahl der Preisträger ihre neue Linie in der Vergabe der goldenen Pickel fort. Nach einer Absage im Jahr 2008 wurde Konzept der »Piolets d’Or« überarbeitet. Unter anderem Steve House, Preisträger von 2006, hatte damals die Bewertungen der Jury kritisiert. Laut House waren in der Vergangenheit zu oft nur europäische Expeditionen und Besteigungen mit fragwürdigem Stil ausgezeichnet worden. Besteigungen im modernen Alpinstil waren nach Houses Meinung zwar nominiert, die Auszeichnung hatten aber medial und kommerziell unterstützte Großprojekte bekommen.

Besonders die Auszeichnungen 2004 und 2005 hatten Kritik hervorgerufen. 2004 hatte ein russisches Duo den »Piolet d’ Or« erhalten, obwohl sie nach erfolgreicher Besteigung des Nuptse Shar I (7804 m / Himalaja) nicht mehr benötigte Fixseile und Lager am Berg zurückließen. Im Jahr 2005 waren dann zwar fünf der sechs nominierten Expeditionen im sauberen und modernen Alpinstil unterwegs, den Preis erhielt jedoch eine russische Großexpedition, die ihren Anstieg durch die Nordwand des Jannu (7711 m / Himalaja) mit fast fünf Kilometer Fixseilen absicherten. In seinem Buch »Beyond the Mountain« vermutet House, dass die Jury damals aufgrund eines russischen Hauptsponsors unter Druck stand. 2006 wäre der US-Bergsteiger deshalb aus Protest fast nicht zur Verleihung gefahren.

 

4-Season Info

Surftipps...

Der französische Websender TVMountain.com hat einige Videos zum »Piolets d' Or« (teilweise mit englischem Untertitel) zusammengestellt:

 
 
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