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Achtung, kalt: Erfrierung und Unterkühlung

Prof. Dr. Tomas Jelinek leitet das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (www.bcrt.de). | Foto: Jens Klatt
Prof. Dr. Tomas Jelinek leitet das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (www.bcrt.de). | Foto: Jens Klatt
Dr. Tomas Jelinek klärt auf, wie man mit Erfrierungen und Unterkühlungen umgeht.

Die Erfrierung:

Eine Erfrierung ist ein örtlich eng ­begrenzter Kälteschaden im Gewebe. Am häufigsten betroffen: Finger, Zehen, Ohren, Nase.

Schweregrad 1: Die Hautstelle sieht blass aus, teilweise ist sie auch grauweiß oder gelbweiß verfärbt. Die Haut ist hart, kalt und ohne Gefühl.

Grad 2: Es bilden sich (zum Teil blutgefüllte) Blasen, die erfrorene Stelle wird rotbläulich.

Grad 3: Blauschwarze Verfärbung der Haut. Auch das darunter liegende Gewebe stirbt ab. Derart geschädigte Stellen heilen nicht mehr, das betroffene Körperteil muss unter Umständen amputiert werden.

Erste Hilfe bei Erfrierungen

Ist der Betroffene ansprechbar, sollte er an einen warmen Ort gebracht werden – etwa in eine Berghütte. Anschließend behutsam nasse Kleidung und Schmuck ausziehen und die erfrorenen Körperteile vorsichtig erwärmen. Am besten in einem Bad mit körperwarmem Wasser. Alternativ kann der Helfer die erfrorenen Finger oder Füße des Opfers in die eigenen Achselhöhlen stecken oder seine warmen Hände auf erfrorene Stellen im Gesicht legen.

Anschließend jeden Finger, jede Zehe einzeln mit einem sterilen Verband locker einwickeln. Tauen Finger oder Zehen auf, kann dies sehr schmerzhaft sein und die Ein­nahme von Schmerzmitteln erfordern.
Muss der Verletzte bis zur Bergung im ­Freien bleiben, erfrorene Stellen lieber nicht erwärmen. Denn: Friert das Gewebe erneut ein, kann es schwer beschädigt werden. Eine wärmende Decke und trockene Kleider empfehlen sich trotzdem. Erfrorene Körperteile niemals mit Schnee einreiben! Und auch nicht massieren, da dies bei schwereren Erfrierungen eher schaden wird.

Die Unterkühlung:

Von einer Unterkühlung spricht man, wenn der ganze Organismus betroffen ist. Besonders schnell kühlt der Körper im Wasser und im Wind aus.

Zunächst versucht der Körper, der Kälte durch Muskel­aktivität zu begegnen – er zittert. Dann reduziert er die Durchblutung der Ex­tremitäten, um die Wärme im Körperzentrum zu konzentrieren. Das ist gut für die lebenswichtigen Organe, aber schlecht für Arme und Beine, weil dort Erfrierungen auftreten können. Verliert der Organismus mehr ­Wärme, als er bilden kann, sinkt die Körpertemperatur und es kommt zur allgemeinen Unterkühlung.

Stadium 1: Muskelzittern, der Betroffene atmet tief und der Puls ist erhöht (Körpertemperatur: 35 bis 32 °C).

Stadium 2: Funktion des Gehirns beeinträchtigt. Die Muskeln sind steif, der Betroffene ist schläfrig, kaum noch ansprechbar (Körpertemperatur: 32 bis 28 °C).

Stadium 3: Patient bewusstlos, kaum Puls. Bei einer Körpertemperatur von unter 24 Grad Celsius kommt es zum Atem- und Kreislaufstillstand. Bei einer schweren Unterkühlung tritt der Hirntod jedoch später ein als in anderen Fällen von Kreislauf­versagen. Manche Betroffene wirken wie tot, können aber noch am Leben sein. Deshalb immer Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen. Dabei Arme und Beine des ­Verletzten nur wenig bewegen!

Erste Hilfe bei Unterkühlung

Leicht Unterkühlten an einen warmen Ort bringen. Nasse Kleidung ausziehen. Betroffenen in Decken hüllen, Mütze aufsetzen. Warme ­gezuckerte Getränke verabreichen. Kann der Verletzte nicht ins Warme gebracht werden, muss er vor Wind und kaltem Untergrund geschützt werden (Rettungsfolie). Ist der ­Betroffene bereits schläfrig oder verwirrt, sollte er möglichst wenig bewegt werden. Zudecken und auf Rettungsdienst warten.

Achtung: Ist der Patient kaum noch bei Bewusstsein und zittert nicht mehr, keinesfalls massieren oder auf andere Weise Wärme zuführen! Sonst droht der Bergungstod: Kaltes Blut aus den Gliedmaßen vermischt sich mit warmem Blut aus dem Körperinneren und führt zum Kreislaufschock. Allerdings ist auch hier eine warme Decke sinnvoll.

Generell sind Kinder und alte Menschen stärker durch Kälte gefährdet. Auch Rauchen, Durchblutungsstörungen, Diabetes, bestimmte Medikamente, Hunger oder Erschöpfung wirken sich negativ aus. Alkohol ruft zunächst ein wärmendes Gefühl hervor. Da er aber auch die Gefäße weitet, verliert der Organismus letztlich noch mehr Wärme. Außerdem nimmt man unter Alkohol­einfluss die Kälte nicht so wahr.

 
GM Info

Reisepraxen in den Globetrotter-Filialen Hamburg, Dresden, Köln, Frankfurt, München, Stuttgart und Berlin*. Öffnungszeiten: Mo – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 12 – 17 Uhr. Die Reisepraxen beraten zu allen reisemedizinischen Themen. Impfungen erfolgen direkt vor Ort. Anmeldung nicht erforderlich.

* Die Impfambulanz bei Globetrotter Berlin (Mo – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr) wird vom Institut für Tropenmedizin der Charité betrieben, die Reisepraxen der anderen Filialen vom BCRT.

 

 
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