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Hans Sterr: Vom Fußball an den Fels

Foto: Hans Sterr
30 lange Jahre hat es gedauert, bis Hans Sterr nicht nur dem Leder hinterher, sondern auch die Berge hinauf gelaufen ist. Inzwischen ist der 52-Jährige Sektionsleiter beim DAV und ein gefragter Alpinfotograf.

Hans, deine Bilder zeigen Motive aus den Alpen, aus Madeira, aus La Palma, Kreta und sogar aus dem Himalaja. Reist du hauptberuflich durch die Weltgeschichte?

Nein, auch wenn ich zugebe, dass es manchmal so aussieht. Aber ich reise sehr gerne. Ich nutze viele meiner freien Tage dafür und die Wochenenden sowieso. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich aber hauptsächlich als Angestellter einer Non-Profit-Organisation.

Trotzdem haben deine Fotos mit »Hobbyknipserei« wenig zu tun — wie lang hat es gedauert, bis du die jetzige Qualität erreicht hast?

Bildaufbau par excellence: vielen Dank an die Natur. | Foto: Hans Sterr

Schon eine ganze Weile. Wie bei den meisten waren die ersten Fotos nicht mehr als eine Erinnerungshilfe. Schaue ich mir heute die Bilder aus den Anfängen an, treibt es mir schon manchmal das Wasser in die Augen, auch weil so viele verpasste Chancen dabei sind: Was hätten das für schöne Fotos werden können! Andererseits hat mich die Unzufriedenheit mit den fotografischen Ergebnissen eben auch dazu angespornt, besser zu werden — und dieser Prozess hält immer noch an. Denn ausgelernt hat man nie.

Reicht die Natur als Bildkomponist oder steckt viel Nachbearbeitung in deinen Bildern?

Beides! Denn die Natur kannst du nicht verbessern — aber wenn du ein Foto einer tollen Szenerie gemacht hast, dann bist du es der Landschaft und dir selber schuldig, das Bestmögliche aus den Bildern herauszuholen. Ich fotografiere ausschließlich im RAW-Format und entwickle dann die Bilder am PC, weil sich so das Optimum erreichen lässt. Aber: Nichts hinzufügen, wegretuschieren, verfälschen — darauf lege ich großen Wert.

 

Bildergalerie: Alpinbilder von Hans Sterr

 

Als Bergfotograf brauchst du nicht nur einen ruhigen Fotofinger, sondern auch fundiertes Alpinwissen. Was war zuerst da?

In Workshops gibt Hans Sterr sein Wissen um Bildaufbau, Goldenen Schnitt und Co. gerne weiter. | Foto: Hans Sterr

In dem Fall das Alpinwissen, denn ich habe erst im Laufe meiner bergsteigerischen Aktivitäten mit dem Fotografieren angefangen; ich wollte eben die vielen schönen Momente dabei festhalten. Aber beides verlief nach demselben Muster: Mit dem Essen kommt der Geschmack und so habe ich mich in beiden Metiers laufend verbessert. Ein Spitzenbergsteiger werde ich allerdings nicht mehr werden, dazu habe ich einfach zu spät angefangen.

 

Gehst du überhaupt noch ohne digitales Gedächtnis in die Berge?

Nein, Bergtouren oder Urlaube sind für mich ohne Kamera überhaupt nicht mehr vorstellbar. Allein schon weil ich die Fotografie mittlerweile so sehr liebe. Dazu kommt noch, dass ich über die Reisen Vorträge halte und am Ende, wenn möglich, auch ein paar Fotos verkaufen möchte.

Bergwandern und auch kombinierte Touren in Fels und Eis werden immer beliebter. Was rätst du Anfängern?

Neulinge sind am besten aufgehoben, wenn sie sich den Touren einer Alpenvereinssektion anschließen und dort erst einmal lernen. Die Sektion Erding kann ich da übrigens wärmstens empfehlen. Dazu gehört dann auch das Absolvieren von Kursen. Grundsätzlich gilt: Nicht gleich mit der Hammertour anfangen, sondern langsam herantasten und die eigenen Grenzen kennen lernen — und sie dann immer weiter hinausschieben. 
Die Tourenleiter des DAV (ich gehöre auch dazu) sind aufwendig ausgebildet und absolvieren laufend Fortbildungen, damit sie immer auf dem neuesten Stand sind — beste Voraussetzungen, um sich ihnen anzuvertrauen.

Auf www.alpinbilder.de kann man deine Fotokunst inzwischen auch kaufen. Weshalb beschränkst du dich in deiner Arbeit auf die Bergwelt?

Bei Hans Sterr stehen nicht nur die imposanten Berge im Mittelpunkt, sondern die alpine Welt im Ganzen. | Foto: Hans Sterr

In den Bergen fühle ich mich zu Hause und auch fotografisch am wohlsten. Allerdings fotografiere ich für Auftragsarbeiten auch ganz anderes, zum Beispiel Hochzeiten. Da steht übrigens noch ein Projekt an, auf das ich mich schon freue: Hochzeit und Bergsteigen in einem ... mehr kann ich aber jetzt noch nicht verraten.

Im Münchner Globetrotter-Dunstkreis bist du nicht ganz unbekannt — welche Berührungspunkte gab und gibt es?

Beim Bergsteigen habe ich die Eventmanagerin der Münchner Filiale kennengelernt. Irgendwann haben wir über das Veranstaltungsprogramm geredet und dabei ist mir eine Lücke im Fotobereich aufgefallen. So kam es dazu, dass ich Fotokurse bei Globetrotter München angeboten habe. Und jetzt sind im September und Oktober die Schaufenster mit meinen Fotos gestaltet — das freut mich natürlich sehr!

Würdest du dein Wissen auch so freizügig teilen, wenn du mit der Fotografie deinen Lebensunterhalt bestreiten würdest?

Ja klar, ich bin nicht brotneidig. Außerdem bin ich ja nicht der einzige, bei dem die Leute das Fotografieren lernen können. Wenn ich es nicht mache, macht es eben ein anderer ;-) Also freue ich mich lieber, wenn Leute, die bei mir in einem Fotokurs waren, danach schöne Fotos produzieren — das ist ja der beste Beweis, dass sie bei mir wirklich etwas gelernt haben.

Apropos Lebensunterhalt, was sagt eigentlich dein Arbeitgeber zu deinen langen Reisen?

Dank langfristiger Urlaubsplanung sind für den Pressesprecher auch ausgedehnte Himalaja-Trekkings möglich. | Foto: Hans Sterr
Alles eine Frage des Timings: Die Touren sollten natürlich nicht mit den wichtigsten Terminen kollidieren, aber ich kann da gut langfristig planen. Und mein Arbeitgeber weiß ja von meinem Nebenberuf und unterstützt mich sogar: Für drei Monate hing zum Beispiel meine Ausstellung »Sherpa« bei uns im Haus, mit der ich über 1000 Euro Spenden für ein Hilfsprojekt in Nepal sammeln konnte. Ansonsten nutze ich meine freien Tage geschickt, um möglichst lange unterwegs sein zu können — sei es daheim in den Alpen oder auf Reisen.

 

Wo sind die weißen Flecken auf deiner persönlichen Weltkarte?

Amerika habe ich mit Ausnahme von Costa Rica noch gar nicht bereist, speziell Südamerika und die Besteigung eines Sechstausenders reizen mich sehr. Und von einer Dhaulagiri-Runde in Nepal träume ich auch noch. Die nächsten Projekte liegen aber näher: In der zweiten Oktoberhälfte fahre ich auf die Lofoten — es soll zu dieser Zeit dort besonders wild sein. Ende Oktober steht dann noch ein Fotokurs »Herbstfarben« im Rosengarten (noch Plätze frei) in den Dolomiten auf dem Programm. Und vielleicht kommen mir ja auch noch ein paar Auftragsarbeiten dazwischen ...

 
4-Seasons Info
 

Hans Sterr ...

... ist Jahrgang 1960 und stammt aus Fürstenstein im Landkreis Passau. 1988 zog der Diplom-Pädagoge wegen der Arbeit nach Erding, wo er bis heute wohnt. Nach vielen Jahren in der Jugendarbeit ist Hans seit 2002 Pressesprecher von ver.di Bayern.
In Sachen Alpinismus ist er ein Spätberufener: Erst nach dem »Karriereende« als Fußballer mit 30 Jahren zog es ihn vermehrt in die Berge. Inzwischen ist Hans Tourenführer und 1. Vorsitzender der DAV-Sektion Erding. Mit dem Bergsteigen kam auch das Interesse an der Fotografie, die inzwischen meist den Schwerpunkt seiner Touren bildet. So müssen auch Hans' Begleiter immer damit rechnen, als Bergmodels »missbraucht« zu werden.

Kontakt
Web: www.alpinbilder.de, www.facebook.com/Alpinbilder
Mail: info@alpinbilder.de
Telefon: +49 170 229 486 2

 

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