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Tausche Arabien gegen Brasilien — Thomas Heinze im Interview

Tukan — einer der farbenprächtigsten Vögel überhaupt.
Tukan — einer der farbenprächtigsten Vögel überhaupt. | Foto: Thomas Heinze
Lange war die Reise von Thomas Heinze durch Arabien bereits geplant. Dann kam der »Arabische Frühling« dazwischen, gut für uns, denn nun gibt es für die Globetrotter-App neben Bildern wie aus »Tausenundeiner Nacht« die volle Bandbreite des Brasilianischen Regenwalds.

Eure Reise im letzten Frühjahr war eigentlich als Roadtrip durch die Arabischen Staaten geplant. Dann kam alles ganz anders — der »Arabische Frühling« brach aus.

Auf Kamelrücken Brasilien entgegen. | Foto: Thomas Heinze
Meine Frau Stefanie und ich haben schon mehrere Reisen nach Südamerika unternommen und wollten nun auch mal andere Weltgegenden besuchen. Nach langem Überlegen entschieden wir uns für Arabien. Wir wollten die Wüste und den Zauber aus »Tausendundeiner Nacht« erleben. Laut Planung wollten wir von West nach Ost, also von Marokko über Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon in die Türkei und dann über den Balkan wieder heim.

Die Reisewarnung bestand schon bei eurer Abreise. Ihr seid trotzdem los?

Naja, als wir aufbrachen, war noch nicht abzuschätzen, wie umfassend der »Arabische Frühling« werden würde. In Tunesien schien sich die Lage zwischenzeitlich sogar etwas zu beruhigen, aber in Algerien, Libyen und Ägypten wurde es nach unserem Aufbruch, also während unserer Zeit in Marokko, zunehmend kritischer. Ganz so schnell wollten wir ja auch nicht aufgeben, schließlich hatten wir Zeit, Energie und auch Geld für die Vorbereitung investiert. Das ist beim Reisen eben ein ständiges Problem: Wann ist es richtig, Probleme hartnäckig anzugehen und eine Tour durchzuziehen, und wann sollte man lieber flexibel sein und Alternativen wählen? Da die Situation für uns (und alle anderen auch) aber absolut unvorhersehbar und damit ein Reisen in unserem Sinne unmöglich wurde, brachen wir ab.

Bildergalerie: Tausche Arabien gegen Brasilien — Thomas Heinze im Interview

Habt ihr persönliche Erfahrungen in Marokko gemacht, die euch einlenken ließen?

Nein, wir haben nur irgendwann festgestellt, dass wir mehr im Internetcafé sitzen und Nachrichten verfolgen, als wirklich zu reisen. Da Marokko noch das »stabilste« aller Länder war, konnten wir uns ausmalen, dass es eher schlechter werden würde.

Bilder wie aus »Tausendundeiner Nacht« — trauerst du den vergangenen Möglichkeiten noch nach?

Auf jeden Fall! Es war schon immer mein Traum, durch die Wüste zu reisen und über kurz oder lang werden wir wohl die Reise nachholen.

Brasilien würde bei den Meisten nicht gleich als Ersatz auf dem Plan stehen. Warum bei euch?

Lençóis Maranhenses — die einzige Wüste Brasiliens ist auch weltweit einzigartig. Zur Regenzeit bilden sich hinter jeder Düne kleine Süßwasserlagunen. | Foto: Thomas Heinze
Nun musste ja alles schnell gehen. Wir waren zurück in Deutschland und von unserem halben Jahr waren noch viereinhalb Monate übrig. Da kann man nicht noch lange Visa beantragen oder so. Trotzdem gab es natürlich noch viele mögliche Ziele. Von Brasilien hatten wir auf unseren Südamerikareisen von anderen Reisenden schon viele tolle Dinge gehört, aber waren noch nie dort gewesen. In vielerlei Hinsicht (Sprache, Kultur, Landschaft, Mentalität ...) ist Brasilien auch ganz anders als der Rest Südamerikas. Brasilien war also etwas wirklich Neues. Außerdem gab es zufällig einen sehr kostengünstigen Last-Minute-Flug nach Salvador de Bahia, was unsere Reisekasse entlastete. Wir waren schlussendlich nur eine knappe Woche überhaupt in Deutschland.

Ganz schön spontan — man hätte auch zu Hause auf der Couch bleiben und den schönen Aufnahmen im Nahen Osten hintertrauern können.

Das stand gar nicht zur Debatte. Wir hatten uns ein halbes Jahr »freigeschaufelt«. Meine Frau kündigte ihre Arbeit und ich hatte keine Termine für Lichtbildvorträge angenommen, das kann man ja nicht einfach zurücknehmen und wieder normal in den Alltag eintreten. Außerdem freuten wir uns auf unsere gemeinsame, große Reise. Der bestellte Reiseführer für Brasilien kam erst am Vortag des Fluges mit der Post. Darin gelesen habe ich erstmals im Flieger.

Von der Makroaufnahme bis zum Weitwinkel Landschaftsbild — dein Spektrum ist ziemlich breit, dazu musst du eine Menge Equipment mit dir rumschleppen. Was und wie machst du das?

Watersnowflake — eine äußerst zierliche Wasserpflanze deren Blüte nur ein paar Stunden hält. | Foto: Thomas Heinze
In dieser Hinsicht bin ich noch heute mehr Rucksacktourist und Abenteurer als Fotograf. Ich habe nur eine Kamera (Nikon D90) mit einem einzigen Objektiv (18-200mm) dabei. Aus fotografischer Sicht ist das hochgradig unprofessionell, da man sich in seinen Möglichkeiten ziemlich einschränkt. Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand: Meine Kamera wird dadurch sehr geschont, da ich in staubigen Wüsten, feuchten Regenwäldern, auf schlammigen Wegen und im Hochgebirge nicht ständig zum Objektivwechsel die ganze Kamera »öffnen« muss und somit Feuchtigkeit und Staub hineinlasse. Häufig werden auch die Einheimischen von einer gar zu wuchtigen Ausrüstung eher (v)erschreckt und es fällt schwerer, in Kontakt zu kommen. Zwingend nötig ist eine teure Ausrüstung auch nicht. Man kann mit Geduld, Hartnäckigkeit, Erfahrung, Kreativität, viel Übung und dem nötigen Quäntchen Glück viel ausgleichen.

Hattest du vor der Reise feste Fotoobjekte und Standpunkte im Kopf? Immerhin verdienst du dein Geld mit der Fotografie.

Natürlich wollte ich mal ein Kamel in der Wüste fotografieren oder in Brasilien Palmen am Strand, aber das waren eher vage Vorstellungen. Einen festen Plan habe ich vorher nicht. Wenn ich vor Ort bin, sehe ich meist überall Motive. Ich sehe dann das ideale Foto mit diesem Motiv vor mir und versuche es mit meinen fotografischen Mitteln bestmöglich »einzufangen«. Manchmal gelingt es, oft genug nur unzulänglich oder auch gar nicht.

Deinen alten Beruf in der Waldwirtschaft hast du an den Nagel gehängt, hast du jemals bereut dein Hobby zum Beruf gemacht zu haben?

Wenn ich unterwegs bin definitiv nicht, auch das Berichten von meinen Abenteuerreisen bei Lichtbildvorträgen macht mir sehr viel Freude. Es ist zweifellos ein toller Beruf und ich möchte nicht mehr tauschen. Schattenseiten gibt es natürlich auch: Als Freiberufler hat man eben sehr, sehr lange Arbeitstage und wenn ich am Monatsende auf das Konto schau, freue ich mich immer, wenn durch Lichtbildvorträge, Reiseberichte und DVD- und Kalenderverkauf genügend Geld reingekommen ist.
Am Schönsten finde ich, dass man alles selbst macht: Man plant selbst die Reise, reist selbst, fotografiert selbst, wählt selbst Bilder aus, stellt selbst Vorträge zusammen, organisiert selbst Vortragstermine und hält schlussendlich selbst die Diaschau. Wenn alles klappt, ist das sehr befriedigend, wenn nicht, ist man eben selbst schuld. Man kann das dann nicht auf andere abwälzen.

In deinem Portfolio findet man Bilder aus aller Herren Länder, nur deutsche Motive sucht man vergebens. Hast du als Waldexperte genug vom »Deutschen Wald«?

Definitiv nicht. Ich liebe unseren Wald und halte ihn für einen der schönsten und vielfältigsten überhaupt. Lustigerweise war ich erst vor wenigen Tagen an der Ostsee und habe dort im wunderschönen Wald auf dem Darß ein paar hübsche Bilder gemacht. Vielleicht sollte ich wirklich mal ein paar mehr »heimische« Bilder einstellen.

Ohne nun einen Teil deines Geheimnis zu verraten — was kannst du Hobbyfotografen als einfachen Tipp mit auf den Weg geben, damit sie nach dem Urlaub nicht enttäuscht sind von ihren Bildern.

Ganz nah dran, aber erst mal fragen! | Foto: Thomas Heinze
Wie bei allen Dingen, die man gut beherrschen möchte, heißt es üben, üben, üben! Eine teure Ausrüstung benötigt man für die Hobbyfotografie nicht, aber man sollte seine Technik gut beherrschen. Es gibt im Netz unzählige wirklich gute Seiten die Fototipps (Belichtung, Schärfe, Goldener Schnitt) geben, das brauche ich hier gar nicht erst versuchen. Wenn ich nur einen Rat geben sollte, dann: Nah ran! Häufigster Einsteigerfehler sind Bilder, bei denen am Horizont ein Mensch steht, eine ganze Küche und tatsächlich, irgendwo dazwischen eine Katze oder ein Vogel in der unteren linken Bildecke. Fotos sind (in aller Regel) keine Suchbilder! Man sollte beim ersten Blick sehen, um was es geht. Bei Portraits rate ich, stets mit den Menschen vorher zu reden. Fast alle Leute gestatten dann ein Foto und sind auch viel lockerer, als bei einem »heimlichen Schuss« aus der Ferne.

 

 

4-Seasons Info

Thomas Heinze...Thomas Heinze

... wurde am 28. März 1979 in Thüringen geboren. Schon als Kind bekam das Zelt den Vorzug vor dem Hotel. Mit Eltern und später Kumpels ging es  fast einmal um den Globus. Immer unterwegs mit minimalstem Budget und nicht selten mit Autos weit unter hundert Mark. Die konnte man auch prima irgendwo in den Karpaten, Georgien oder Norwegen stehen lassen, um ein paar Tage querfeldein zelten zu gehen.

Nach dem Studium der Forstwirtschaft in Schwarzburg folgte eine kurze Zeit im Thüringer Nationalpark Hainich. 2004 ging es erstmalig nach Südamerika — eine spontane und abenteuerliche Tour bei der Thomas noch mit einer alten Praktika fotografierte. Diese Dias zeigte er in einem öffentlichen Vortrag. Ein Meilenstein in Thomas Leben war die Erarbeitung des Projekts »Die Grenzen Europas«. Er bereiste für dieses Projekt die gesamte Kontinentalgrenze zwischen Europa und Asien.

Inzwischen hat Thomas mehrere Kalender (vormerken für 2013 — »Brasilien«), ein Buch (»Bis an die Grenzen Europas«) und eine Multimedia-DVD (»Südamerika- Vom Äquator bis nach Feuerland«) herausgegeben. Mit verschiedenen HD-Lichtbildvorträgen ist er deutschlandweit unterwegs.

Sein größter Traum ist es, von seinen Leidenschaften Reisen und Fotografie leben zu können.

Mehr über Thomas gibt es auf seiner Homepage (www.heinze-thomas.de) oder auf Facebook (www.facebook.com/Momente.eines.Abenteuers) .

 
weiterführende Artikel: 
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19.10.2011ArtikelAktuell

Eine für alles: Die neue Globetrotter-App

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