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Roadtrip Chile — Dennis Okon im Interview

Manchmal hilft auch der Zufall: Schiffswracks an der Magellanstraße  | Foto: Den
Manchmal hilft auch der Zufall: Schiffswracks an der Magellanstraße | Foto: Dennis Okon
»Vier Wochen Auszeit jedes Jahr, um ein Land zu bereisen«, Dennis Okon nimmt sich diese Freiheit. 2012 war Chile an der Reihe und mit dabei seine Kamera, ein »Plan« der besten Fotostandpunkte und seine Freundin. Die besten Bilder gibt es ab sofort in der Globetrotter-App und hier auf 4-Seasons.de.

Dennis, du beschreibst dich selbst als »Hobbyfotograf«, deine Fotos sprechen eine andere Sprache. Was machst du neben dem Fotografieren im normalen Leben?

Beruflich bin ich Online-Sales-Manager bei einem großen Onlineportal für Computer und Home Entertainment und dort für die Vermarktung der Seite zuständig — Ich stricke Onlinewerbekonzepte für unsere Key Accounts und berate sie, wie man bei uns auf der Seite werben kann. Das nimmt schon mal die meiste Zeit vom normalen Leben ein — was aber auch okay ist, weil es unheimlich viel Spaß macht, sich in dem dynamischen Onlinemarkt zu bewegen. Und meine absolute Leidenschaft zu Technik, seien es jetzt Kameras, Computer oder einfach, alles was einen Ein-/Ausknopf hat, lässt sich gut mit meinem Job verbinden. Wenn ich könnte, würde ich mir jede Woche etwas Neues anschaffen.

Bildergalerie: Roadtrip Chile — Dennis Okon im Interview

Das heißt auch bei deiner Kamera bist du auf dem neusten Stand der Technik? 

Tja, das leider nicht wirklich. Ich habe mir erst 2010 meine erste DSLR gekauft — eine Canon EOS 500d. Vorher habe ich auch überhaupt nichts mit Fotografie am Hut gehabt. Klar, im Urlaub mal das eine oder andere Foto mit einer kleinen Knipse oder unterwegs mit meinem Handy. Aber das war's auch schon. Damals wusste ich nicht, wie sich das mit mir und der Fotografie verhalten wird. Deshalb habe ich mir das Einsteigermodell mit Kit-Objektiven gekauft, um erstmal die Basics zu lernen. Ich wusste zum Beispiel nicht mal, für was die Belichtungszeit gut ist. Irgendwann habe ich dann weiter in Equipment (z.B. Filter) und Objektive investiert. Heute reicht mir die 500d nicht mehr aus.  Ich liebäugel sehr mit der 5d Mark III — aber für mich, der damit nicht sein Geld verdient, ist das ein sehr großes Investment.

Wie viel Zeit verbringst du mit der Nachbearbeitung?

Wer nur weit genug das Rißtal hinauffährt, findet den Großenahornboden. | Foto: Dennis Okon
Das ist wirklich komplett unterschiedlich. Es gibt Fotos, da brauche ich zehn Minuten und ich bin zufrieden. Es gab aber auch schon Fotos, da saß ich mehrere Stunden dran, habe die nach einer Woche nochmal angefasst und am Ende doch wieder alles verworfen, und von vorne begonnen bis ich am Ende mit dem Ergebnis glücklich war. Ich bearbeite wirklich jedes Bild einzeln, ohne Stapelverarbeitung oder Presets in Aperture. Es gibt zwar einen bestimmten Workflow, aber ich versuche, jedes Bild individuell zu bearbeiten, um die Besonderheiten des jeweiligen Motivs hervorzuheben. Dadurch entwickle ich zwar keinen einheitlichen Stil mit Wiedererkennungswert, aber das ist mir nicht so wichtig. Das einzelne Foto steht für mich im Vordergrund. 

Wenn du nicht mit Technik spielst, bist du draußen unterwegs, sonst hättest du uns ja nicht diese tollen Fotos senden können.

Am Wochenende gehe ich gerne mit meiner Freundin in den Biergarten oder am liebsten in die Berge zum Wandern. Dafür liebe ich München so sehr — in einer knappen Stunde Autofahrt kann man schon die Berge erklimmen. Und auch sonst ist München meine absolute Traumstadt. Mit Ausnahme auf den Fußball, denn da bin ich enthusiastischer Anhänger von Borussia Dortmund. 

Da bleibt dann nicht mehr viel Zeit zum Fotografieren, um ehrlich zu sein. Deshalb sage ich von mir selbst, dass ich nur ein Hobbyfotograf bin. Ich versuche, trotzdem regelmäßig mit meiner Kamera auf Tour zu gehen.

Das scheinst du ja zu meistern. Du warst in diesem Frühjahr vier Wochen in Chile unterwegs. Die meisten Fotos für die Globetrotter-App sind von dieser Reise. Warum Chile?

Die Torres del Paine - Fotomotiv der Extraklasse. | Foto: Dennis Okon
Meine Freundin und ich machen jedes Jahr einen »großen« Urlaub. Dann versuchen, wir mindestens vier Wochen am Stück ein Land zu bereisen. Nach Thailand, Kanada, Südafrika, Costa Rica und der Westküste der USA haben wir uns für Chile entschieden. Südamerika war schon lange eins unser Traumziele. Vor allem weil wir beide gerne wandern gehen und Chile dafür mehr als geeignet ist. Hinzu kommt, dass ich mir das Land in das wir reisen schon mehr oder weniger nach dem Potenzial für meine Fotos aussuche. Auf der Liste stand auch noch Indien ganz weit oben. Nach einer kurzen Bildersuche bei Google, die für Indien nahezu nur Menschen und Städte ausspukte und für Chile nur Natur und Landschaften, war für mich sofort klar: als Landschaftsfotograf muss ich dort hin!

So ist ein Leben ohne Google also kaum noch vorstellbar. Die Motive auf deinen Bildern liegen nicht am Wegesrand. Oft sind kilometerlange Wanderungen erforderlich.

Ja, selbst bei Zehn-Stunden-Wanderungen nehme ich mein komplettes Equipment (Kamera, drei Objektive, Filter, Zusatzakkus und Stativ) in einem Fotorucksack mit. Meine Freundin ist dann die »Leidtragende« bei unseren Reisen. Sie darf nämlich meine restliche Ausrüstung tragen. Für Softshell, Trinken und Essen habe ich dann leider keinen Platz mehr. Aber das macht sie wirklich hervorragend. Sie ist auch sonst eine geduldige Reisegefährtin, sonst könnte ich mein Hobby gar nicht ausleben. Das ein oder andere Foto braucht  nämlich schon mal ein bis zwei Stunden, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Oft spielt auch nicht gleich das Wetter mit. Dann wartete ich eben, bis die Wolken gut stehen oder andere Touristen verschwunden sind. Ich sage mir immer: »An diesen Ort bin ich so schnell oder sogar nie wieder«. Deshalb gehört Warten einfach dazu. Aber gleichzeitig ist das Warten auch genießen und die Landschaft auf sich wirken lassen. Das liebe ich an der Landschaftsfotografie. Man betrachtet die Orte viel intensiver und mit ganz anderen Augen.

Vier Wochen — der ganze Jahresurlaub aufgebraucht?

Fast, ja. Große Sprünge kann man mit dem Resturlaub nicht mehr machen. Da bleiben ein paar Tage für einen Städtetrip und ein bis zwei Tage für das Oktoberfest. Aber das ist okay so. Ich zehre immer noch von den Eindrücken und Erlebnissen in Chile. Ich brauche diese langen und intensiven Urlaube, um so richtig den Alltag zu vergessen und abzuschalten. Danach heißt es allerdings warten auf das nächste große Ziel im nächsten Jahr. Und das steht auch schon fest: im Dezember geht es für vier Wochen nach Neuseeland.

Von Patagonien in die Atacama — ein echter Roadtrip. Wie muss man sich das logistisch vorstellen? 

Erkaltete Lavaströme, blauer Himmel, grüne Vegetation: Was willst du mehr Fotografenherz? | Foto: Dennis Okon
Das Land zu bereisen ist grundsätzlich sehr einfach. Die Infrastruktur ist nahezu europäisch: Die Straßen sind fantastisch und auf die öffentlichen Verkehrsmittel ist Verlass. Chile hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von knapp 4300 Kilometern, das kann man alles gar nicht fahren. Wir haben vier Inlandsflüge buchen müssen, um unsere Reise so durchzuführen, wie wir das wollten. Gestartet sind wir in Santiago und sind dann direkt runter nach Patagonien nach Punta Arenas geflogen. Nach sieben Tagen in Patagonien der zweite Flug zur Seen- und Vulkanlandschaft nach Puerto Montt für weitere zehn Tage. Der dritte Flug ging von Temuco weiter in die Atacama Wüste nach Calama und Umgebung. Der letzte Flug war praktisch nur noch der Zubringer nach Santiago, um von dort aus zurück nach München zu fliegen. Wenn wir nicht in der Luft waren, haben wir uns mit Mietwagen fortbewegt, was wirklich überhaupt kein Problem und sehr komfortabel war. Trotz der vier Flüge sind wir knapp 4.500 Kilometern gefahren! Das lässt sich einfach nicht in weniger als vier Wochen meistern. Wir waren so schon jeden Tag an einem anderen Ort, um den Zeitplan mehr oder weniger einzuhalten.

Es gab also einen festen Plan, an welchem Tag du welches Motiv schießen wolltest?

Nicht unbedingt einen festen Plan, aber ich wusste schon von Anfang an, welche Hauptmotive ich fotografieren wollte. Dafür ist zwar etwas Recherche notwendig, aber ohne die geht es nicht. Oft sind aber auch die nicht geplanten Fotos die besseren und spannenderen. Zum Beispiel die beiden Schiffswracks, die an der Küste der Magellanstraße lagen. Die habe ich wirklich nur per Zufall gefunden. Wir haben dort mit dem Auto gehalten, weil ich mal austreten musste :) Und dann auf einmal hinter einer kleinen Dünen sehe ich diese Wracks. Dann gehen noch ganz kurz die Wolken an einer Stelle auf, die Sonne bricht für 30 Sekunden durch — perfekt! Ein Bild, das für Patagonien steht. Solche Fotos kann man zum Glück nicht planen. Da kann man noch soviel recherchieren — selbst Google hilft da nicht weiter.

Was macht für dich als Fotograf Chile so interessant?

Ich habe mal in einem Reiseführer folgenden Satz gelesen: “Als Gott die Welt schuf, hatte er am siebten Tag noch Landschaft über. Und weil er nicht wusste, wohin damit, warf er einfach alles über die Anden.” Und genau das macht Chile aus: Es gibt Seen, Berge, rauchende Vulkane, schneebedeckte Berge, Städte, Wüsten, Flüsse und einen der absolut schönsten Sternenhimmel auf dieser Erde. So was gibt es einfach in keinem anderen Land. Deshalb ist Chile einfach so traumhaft schön und für Outdoor Fans und Fotografen ein absolutes Muss. Ich habe mit meinen Fotos versucht, die Landschaften so festzuhalten, wie ich sie erlebt habe. Das ist gar nicht so einfach, wenn man nach einer anstrengenden Elf-Stunden-Wanderung mit zwölf Kilogramm Equipment im Torres del Paine Nationalpark sprachlos vor den drei Türmen steht, weil man diese unglaubliche Schönheit dieser gewaltigen Szenerie kaum fassen kann. Und diese Momente gab es nicht nur einmal in Chile. Das macht dann auch die ein oder andere Blase oder den Muskelkater am nächsten Tag wieder wett.

So eine Tour verläuft ja selten genau nach Drehbuch. Was hat euch aus der Bahn gebracht?

»Und am Ende war noch Landschaft über, und er schmiss sie über die Anden.« | Foto: Dennis Okon
Eine Woche vor unserem Abflug nach Chile habe ich durch Zufall bei der Recherche nach guten Fotostandpunkten im Torres del Paine Nationalpark erfahren, dass dort ein Waldbrand ausgebrochen ist. Ein Tourist wollte sein Klopapier verbrennen und hat damit eine Fläche von knapp 13.000 Hektar Wald und Landschaft zerstört. Das sind knapp 7% der Gesamtfläche! Die Feuerwehrleute haben das Feuer durch die starken Winde nicht in Griff bekommen und haben den kompletten Park für Touristen geschlossen. Wir waren total verzweifelt! Wir haben die Reise unter anderem nur gemacht, um dort im Nationalpark wandern zu gehen. Wir waren kurz davor umzubuchen. Am Ende haben wir uns trotz aller Warnungen entschieden, in die Region zu fliegen und wir hatten unglaubliches Glück: Am Tag unserer Ankunft in Punta Arenas hat ein Teil des Parks wieder geöffnet. Der Trail zu den drei Torres, der »Hauptattraktion« des Parks, vielleicht sogar ganz Chiles, war wieder zugänglich. So ein Glück muss man erstmal haben. Und der Aufstieg zu den Zinnen war vielleicht auch deshalb für mich persönlich eines der besten Erlebnisse der Tour. Hinzu kam, dass sich die Torres von ihrer besten Seite präsentiert haben — komplett wolkenfrei im Sonnenschein. Für mich als Fotograf absolutes Glück und Highlight der Reise.

Was würdest du das nächste mal anders machen?

Die Atacama Wüste im Morgenlicht. | Foto: Dennis Okon
Da fällt es mir schwer großartig Tipps zu geben. Ich würde vielleicht beim nächsten mal etwas mehr Zeit in Patagonien und in der Atacamawüste statt in der Seenregion zwischen Puerto Natales und Temuco verbringen. Ein großer Fehler wäre es in meinen Augen, irgendwann nicht nochmal nach Chile zu reisen.

Du hast auf deiner Reise einige der bekanntesten Kletterwände der Welt besucht. Hast du Ambitionen auch mal hinauf zu klettern?

Von Alpintauglichkeit kann hier überhaupt nicht die Rede sein! Die Trails, die wir uns aussuchen, sind zwar teilweise anspruchsvoll und anstrengend, aber durchaus für jeden zu meistern, der regelmäßig wandern geht. Die meisten Nationalparks, nicht nur in Chile, haben dafür gesorgt, dass viele Trails mehr oder weniger gut ausgebaut und damit machbar sind. Für mich persönlich soll es ja auch noch Urlaub sein und kein Hochleistungssport.

 

 

4-Seasons Info

Dennis Okon

... wurde am 14. Juli 1985 in Mannheim geboren und hat in Ravensburg an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Medien- und Kommunikationswirtschaft - Digitale Medien studiert. Heute arbeitet er als Online Sales Manager bei www.chip.de. Durch seine Begeisterung für Technik und Computer kam er sehr spät zur Fotografie und kaufte sich erst 2010 seine Canon DSLR mit der er bis heute seine Fotos schießt. Das Fotografieren wurde sehr schnell zu einem intensiven Hobby und neben dem Reisen und Wandern zur weiteren Leidenschaft. Dabei hat er sich komplett auf die Landschaftsfotografie fokussiert. Der Betrachter seiner Fotos soll ein Gefühl dafür bekommen, wie atemberaubend dieser Ort in Wirklichkeit ist. Er hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr gemeinsam mit seiner Freundin ein Land intensiv zu bereisen. Das nächste Ziel steht bereits fest: Ende Dezember 2012 geht es für 4 Wochen nach Neuseeland.

Sein ganzes Portfolio findet man unter www.fotografierenswert.de. Kontakt kann man gerne per XING aufnehmen xing.to/dennisokon

 
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