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Mit 30 Kilo durch den Sarek: Sven Lamprecht im Interview

Foto: Sven Lamprecht
Schon immer war Sven Lamprecht gerne und oft draußen. Seit fünf Jahren ist die Kamera ständiger Begleiter bei seinen Outdoor-Touren. Einige ausgewählte Fotos sind jetzt in der iPhone- und iPad-App von Globetrotter zu sehen.

Sven, wie, wo und wann sind die Bilder, die jetzt in der Globetrotter iPhone- und iPad-App zu sehen sind, entstanden?

Das sind alles Aufnahmen aus dem letzten Jahr. Während ein Teil auf kurzen Ausflügen vor meiner eigenen Haustür entstanden ist (Ostseeküste, Mecklenburg-Vorpommern), konnte ich die anderen Fotos auf zwei mehrtägigen Trekkingtouren festhalten. Ich war im Frühsommer mit einem guten Freund in den Wicklow Mountains in Irland unterwegs und in gleicher Besetzung im Spätsommer im Sarek Nationalpark und auf dem Kungsleden in Schwedisch Lappland.

Der Rucksack ist das Schneckenhaus des Trekkers — bleibt da überhaupt noch Platz für die Kameraausrüstung?

Wer im Norden unterwegs ist, braucht gute Ausrüstung – Wasser ist hier ständiger Begleiter. Von oben und von unten. | Foto: Sven Lamprecht

Diese fünf bis sechs zusätzlichen Kilos sind für mich »Luxusgepäck«, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Unsere Motivation war es, dort zu fotografieren — komme was wolle. Also haben wir Alles um dieses Ziel herum geplant und uns auf das Mehrgewicht eingestellt. Wir haben viele Abstriche gemacht was den Komfort angeht. So war das Zwei-Mann-Zelt gerade für Regentage unzumutbar, ich hatte nur ein 40 x 40 cm großes Trekkinghandtuch mit und auch das Essen war komplett getrocknet und rationiert. Und ohne das viele Joggen in Deutschland hätte ich die immerhin 30 Kilo auch nicht 14 Tage durch das Gelände wuchten können.

Du sagst, du fotografierst nur zum Spaß. Wieso tut man sich diese Schufterei an?

Es ist nicht nur das bloße Fotografieren, was mich antreibt, sondern vielmehr das Komplettpaket. Ich erlebe meine Motive nicht nur durch die Kamera, sondern befinde mich live in der Szene. In der Natur zu sein, ist immer wieder faszinierend. Tiere aus nächster Nähe zu beobachten oder sich zum Sonnenaufgang in einer unglaublich märchenhaften Landschaft bewegen. Diese Erfahrungen alleine sind es schon wert, raus zu gehen. Wenn man die Stimmung dann noch durch seine Bilder transportieren und mit anderen teilen kann, spornt mich das noch mehr an.

 

Bildergalerie: Sven Lamprechts Fotojahr 2011

 

Die obligatorische Skandinavienfrage: Wie war das Wetter?

Das letzte Jahr war recht kühl und vor allem verregnet. Durch den permanenten Regen und die oft schlechte Sicht sind uns nicht nur viele Motive verborgen geblieben, man hat sich auch kaum getraut, die Kamera rauszuholen. Abends waren wir oft nur noch froh im warmen Schlafsack zu liegen, die Füße zu trocknen und etwas Warmes zu essen. Aber wir haben das Beste daraus gemacht und uns immer gegenseitig aufgemuntert. An den Schlüsselpunkten unserer Reise hatten wir dann auch Sonnenschein.

Wann hast du gemerkt, dass du einen »Fotofinger« hast?

Was gibt es Schöneres als die Nächte im Millionen-Sterne-Hotel zu verbringen? | Foto: Sven Lamprecht

Ich denke gar nicht, dass ich außerordentlich talentiert bin. Ich habe während einer Trekkingtour vor fünf Jahren auf Mallorca mit Muttis kleiner Kompakten herumgespielt und hatte Spaß daran. Ein paar Bilder fesselten mich irgendwie, und ich begann auch zuhause die kleine Kamera mitzunehmen. Wenig später war die erste eigene Kamera zusammengespart. Seitdem beschäftige ich mich mehr und mehr mit der Fotografie und stelle immer höhere Ansprüche an meine Bilder.

 

Liebäugelst du mit der Option, später dein Geld mit der Fotografie zu verdienen?

Wer möchte nicht gerne mit seinem Hobby Geld verdienen? Aber nur von der (Natur-)Fotografie zu leben ist ein sehr hartes Brot, das ich mir nur schwer hauptberuflich vorstellen kann. Zumal das Hobby dann zu einem Muss wird, sich Erfolgsdruck einstellt und man sicherlich Bilder machen muss, hinter denen man nicht hundertprozentig steht. Allerdings wäre es toll, für eine gewisse Zeit aus dem Arbeitsalltag auszusteigen, um ein Projekt zu fotografieren. Wenn sich damit alle Unkosten tragen ließen, wäre das großartig. Reich wird man sicherlich auf anderen Wegen leichter.

Auf deiner Homepage sind einige Zitate zu lesen, unter anderem dieses: »Der Gebrauch einer Kamera ist ähnlich dem eines Messers: Man kann damit Kartoffeln schälen, aber auch eine Flöte schnitzen.« Welchen Stellenwert hat dabei der Computer zur Nachbearbeitung?

Viele Leute glauben, dass man mit der elektronischen Bildverarbeitung aus einem schlechten Foto ein ganz tolles machen kann. Und jetzt stelle man sich einmal vor, was man aus einem guten Foto rausholen kann! Das Bild muss also so oder so zuerst einmal gut fotografiert sein, dann spart man sich auch ein paar Hausaufgaben am Computer. Die digitale Dunkelkammer ist für mich in jedem Fall ein unverzichtbares Werkzeug, um die Kontrolle über das Bild zu behalten und Schwächen des Mediums auszugleichen. Trotz, oder gerade wegen der unendlichen Möglichkeiten der Bildmanipulation am Rechner ist mir die Authentizität der Bilder wichtig. Fotomontagen kommen für mich genauso wenig in Frage wie das Verfälschen von Bildstimmungen — meine Bearbeitungsschritte dienen lediglich der Bildoptimierung.

Was kannst du ambitionierten Hobbyfotografen empfehlen, um besser zu werden?

Rentiere sind auf dem Kungsleden ständige Begleiter. | Foto: Sven Lamprecht

Aus eigener Erfahrung: Carpe diem! Geht raus und macht Bilder statt nur daran zu denken, wie ihr Bilder machen wollt. Fotografieren lernt man nur durch Fotografieren, nichts kann diese Erfahrung kompensieren. Vor allem keine teure Kamera. Im Endeffekt ist es nicht die Technik, die einen ausbremst, sondern die eigene Faulheit. Die großen Sterne am Naturfotografenhimmel machen nicht solche genialen Bilder, weil sie teure Technik besitzen, sondern weil sie einfach JEDEN Tag draußen sind.

Wohin geht die nächste Reise?

Die letzten drei Monate diesen Jahres mache ich ein Praktikum in Valencia. In meiner Freizeit werde ich mich sicherlich ausgiebig fotografisch mit der Landschaft und der Tierwelt der spanischen Mittelmeerküste befassen.

Welche Traumziele schwirren dir im Kopf herum?

Bestimmt werde ich noch einmal irgendwann mit dem Rucksack nach Nordskandinavien, die Azoren habe ich schon länger im Auge und auch auf eine Einladung zu einer Trekkingtour durch Island warte ich sehnsüchtig. Wovon ich momentan wirklich nur träumen kann: Mit dem Segelboot zu unbewohnten Inseln zu Segeln und diese zu fotografieren.

 
4-Seasons Info
 

Sven Lamprecht ...

... ist 25 Jahre alt und studiert Biochemie in Greifswald. Als Sprößling einer Segler-Familie aus Wolgast am Peenestrom war Sven schon immer gerne und viel draußen. Auf Wandersegeltouren wurde meist gezeltet, später wurde das Boot auch mal durch Wanderstiefel ersetzt, und schließlich kam auch die Fotografie dazu. Heute vergeht kaum ein Tag, an dem Sven nicht mit der Kamera unterwegs ist. Viele Bekannte erklären ihn regelmäßig für übergeschnappt, wenn er eine Stunde vor Sonnenaufgang aus dem Haus stürmt oder sich die halbe Nacht unter den Sternen um die Ohren schlägt. Zum Jahreswechsel freuen sich dann aber alle über das Kalendergeschenk mit den schönsten Aufnahmen des vergangenen Jahres.

Mehr über Sven und Galerien seiner Arbeiten gibt es auf seiner Homepage www.laemplein.de.

 

Wanted: Fotos für die iPad-App

Der News-Feed der iPhone- und iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigt im (meist) zweiwöchigen Wechsel Aufnahmen begeisterter Fotografen und Traveller.

Auch Sie wollen ihre Bilder unters Volk bringen? Oben rechts in der Randspalte gibt's das Teilnahmeformular — wir freuen uns auf tolle Fotos!

 
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