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Dr. Christian Klepp: LichtJahre – Geowissenschaft trifft Fotografie

Foto: Dr. Christian Klepp/www.lichtjahre.eu
Der Geowissenschaftler und Fotograf Christian Klepp kombiniert in seinem Projekt LichtJahre Bilder spektakulärer Landschaften mit den passenden wissenschaftlichen Erklärungen und illustriert so den fortwährenden Wandel unseres Planeten durch die Äonen der Zeit.

Christian, dein Webseitenprojekt heißt lichtjahre.eu. Was verbirgt sich hinter diesem Namen?

Einerseits bedeutet »Photographie« wörtlich genommen »Schreiben mit Licht«. So lassen sich Augenblicke auf dem Zeitstrahl des Planeten festhalten, einem Planeten, der seit seiner Entstehung vor 4,65 Milliarden Jahren ständigem Wandel unterliegt. Andererseits blicken viele meiner Aufnahmen unter dem Sternhimmel in die unendlichen Weiten des Alls, wo der Entfernungsbegriff der Lichtjahre ganz wörtlich zu nehmen ist. Mir gefällt, dass der Begriff suggeriert, eine Zeit darzustellen, in Wirklichkeit aber eine Entfernung angibt. Das Denken in geologischen Raum- und Zeitskalen hilft sehr, zu verstehen, wie ganze Ozeane und Gebirge entstehen und wieder verschwinden.

1993 hast du an Bord des Eisbrechers »Polarstern« an einer zweimonatigen Expedition zum Nordpol teilgenommen. War das der Beginn deiner Leidenschaft für die Fotografie?

Totale Sonnenfinsternis am 29. März 2006 bei Antalya in der Türkei. | Foto: Dr. Christian Klepp/www.lichtjahre.eu

Ja, der Aufenthalt an solch abgelegenen Orten offenbart Momente, die einfach festgehalten werden wollen. Ich steckte damals am Anfang der Photographie — die ich als Huldigung an die Wortherkunft weiterhin mit ph schreibe — und brachte mir zusammen mit meinem Freund alles Wissenswerte durch Versuch und Irrtum selber bei. Dazu gehörte auch der Umbau meiner damaligen Chinon Spiegelreflexkamera auf externe Stromversorgung in der Innentasche der Polarjacke, denn vor -40°C kapitulierte die interne Batterie. Die Eindrücke im ewigen Eis waren für mich als junger Student so überwältigend, dass ich beschloss, zu lernen, wie man mit Licht schreibt. Gleichzeitig verstand ich, weshalb professionelle Photographen nicht bei Tag, sondern in der Dämmerung arbeiten. Während der endenden Polarnacht stand die Sonne immer in Horizontnähe und bescherte so ganz einmalige atmosphärische Töne von Blau, Lila, Gelb und Rot am Himmel, wobei der Kontrast der Szene immer beherrschbar blieb.

Du hast in Hamburg Meteorologie, Geologie und Paläontologie studiert — wolltest du schon immer Wissenschaftler werden?

»Stellar Sunshine« über dem Matterhornmassiv. | Foto: Dr. Christian Klepp/www.lichtjahre.eu

Schon als Kind hat mich die Frage umtrieben, wie unser Planet »funktioniert«. Wenn ich als Jugendlicher in der unberührten Natur unterwegs war, stellten sich mir tausende Fragen, deren Antworten ich zuerst in Büchern suchte, weil meine Lehrer sie nicht beantworten konnten. Später im Studium fand ich dann endlich die Antworten. Mein Beruf als Naturwissenschaftler ist für mich die reine Passion. Die Photographie kam ganz zwangsläufig hinzu. Für mich ist es etwas ganz besonderes, dass ich als Geowissenschaftler und Photograph am Brückenschlag zwischen Hobby und Beruf arbeiten kann. So kann ich die Schönheit der Natur dokumentieren und gleichzeitig helfen, das öffentliche Bewusstsein für das Erdsystem zu erweitern. Denn nur ein besseres Verständnis kann zum nachhaltigen Schutz des Planeten beitragen. Der menschgemachte Klimawandel ist ein ernstes Problem.

Hand aufs Herz: Hat es nicht schon immer enorme Klima-Schwankungen in der Erdgeschichte gegeben?

Das Klima ändert sich seit der Planet existiert. Der Unterschied ist die Geschwindigkeit, mit der wir heute die Erde verändern. Die Menschheit betreibt gerade ein riskantes Experiment mit unserem Planeten, denn der Ausgang ist ungewiss. Die Erde befindet sich normalerweise in einem Gleichgewichtszustand und wenn ein interner (z.B. Treibhausgase) oder externer Einfluss (z.B. die Sonne) dieses Gleichgewicht stört, stellt sich ein neues ein. Passiert dies langsam, können sich die Lebewesen auf der Erde daran anpassen. Geht der Wandel zu schnell, können sie das nicht und sterben aus. Für das Klimasystem sind 1000 Jahre schon rasant, meist liefen die Veränderungen über hunderttausende oder gar Millionen von Jahren ab. Wir hingegen haben es geschafft, in nur 100 Jahren das Gleichgewicht empfindlich zu stören.
In der Tat gab es solche plötzlichen Veränderungen auch schon früher, besser macht es das aber nicht: Meteoriteneinschläge oder Supervulkanausbrüche hatten ein globales Massenaussterben zur Folge. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bereiten wir gerade das nächste vor. Der Planet wird wieder ins Gleichgewicht kommen, sich  dabei aber grundlegend verändert haben, und dies nicht zum Vorteil für uns. So gestaltet sich der menschgemachte Klimawandel wie Karies im Zahn. Man merkt ihn zunächst nicht. Bis zu dem Tag, an dem plötzlich die Schmerzen einsetzen und der Zahnarzt die teure und gefürchtete Diagnose stellt.

Glaubst du, dass sich durch die »Dokumentation der Schönheit der Natur« die Umweltzerstörung tatsächlich aufhalten lässt?

Ich bin nicht naiv genug, dies zu glauben. Aber jedes Puzzleteil hilft, das Gesamtbild deutlicher werden zu lassen. Woran es am allermeisten fehlt, ist die sachliche und für jeden verständliche Wissensvermittlung in der Öffentlichkeit. Wenn man begreift, wie komplex und empfindlich das Erdsystem ist, wie es sich über Jahrmilliarden entwickelt hat, und wie unwahrscheinlich es war, dass wir uns überhaupt auf diesem Planeten entwickelt haben, dann wird man respektvoller handeln. Davon bin ich fest überzeugt. In aller Regel sind die Besucher meiner Webseite im Ansatz bereits naturbegeistert oder photographisch ambitioniert. Vielen sind aber die geowissenschaftlichen Hintergründe unbekannt und ich bekomme sehr viel positives Feedback zu diesen Informationen. Es gibt eine ganze Reihe wirklich guter Naturphotographen. Und es gibt eine Menge guter Naturwissenschaftler. Die Kombination aus beidem aber ist selten. Es ist höchste Zeit für ein rasches Umdenken Richtung Erhalt der verbliebenen Naturräume und nachhaltigem Umgang mit unserem Planeten. Dazu muss aber die breite Öffentlichkeit über den Stand der Dinge verständlich informiert werden. Dabei können Photos helfen, insbesondere dann, wenn sie die Neugier wecken, mehr über die Zusammenhänge der Natur zu verstehen. Wer die Natur versteht, bekommt Respekt vor ihr. Und wer respektvoll denkt und handelt, wird weniger Schaden anrichten.

 

Bildergalerie: Christian Klepp – LichtJahre

 

Mit deinen Fotos hältst du Augenblicke auf dem Zeitstrahl der Erdgeschichte fest. Macht diese Einzigartigkeit des Moments für dich die Faszination aus?

So ist es. Insbesondere Gebirge, Vulkaninseln oder der Blick in den Sternenhimmel haben es mir angetan. Zu verstehen, wie diese Landschaften entstanden sind und weshalb ihr Aufbau eine bestimmte Erscheinungsform hat, macht die Faszination aus. Jeder Stein erzählt seine eigene Geschichte. So zeugt Granit von erstarrtem Magma in der Erdkruste, Basalt von Vulkanausbrüchen, bunte Minerale von Gebirgsbildungen und Sedimente von deren Abtragung. Der Blick in den Sternhimmel offenbart einen Blick in die tiefe Vergangenheit des Universums, denn das Licht der Sterne benötigt Millionen Jahre, um unser Auge zu erreichen. Könnten wir den heutigen Zustand des Universums sehen, würde uns am Nachthimmel nichts mehr bekannt vorkommen. Für den Menschen greifbar wird der Wandel beim Betrachten von Gebirgsgletschern. Das rasche Dahinschmelzen ist  zum Symbol für den Klimawandel geworden.

Was interessiert dich mehr, ein ästhetisch schönes Bild oder die wissenschaftlichen Hintergründe desselben?

Für mich ist beides vollkommen untrennbar. Ich habe mir die romantisch träumerische Betrachtung der Landschaft beibehalten, kann aber nicht vermeiden, sofort Gesteine zu bestimmen und Bildbestandteile geowissenschaftlich zu sehen. Das Photo selbst muss dabei nicht nur das richtige Licht haben, sondern nach allen Regeln der hohen Photoschule komponiert sein. Die Kameratechnik zu beherrschen, ist schnell erlernt. Linienführung und Bildaufbau sind dagegen eine wahre Kunst. Das Wissen um die Zusammenhänge der Natur ist ganz unentbehrlich für das Entstehen meiner Photos. Einerseits suche ich die Regionen nach geologisch interessanten Gesichtspunkten aus, andererseits verwende ich gezielt bestimmte Sternkonstellationen am mondlosen Nachthimmel, um die nächtlichen Landschaften besonders eindrucksvoll abzubilden. Ich versuche, im Gelände grundsätzlich die Motive so auszuwählen, dass der geowissenschaftliche Begleittext zu jedem Photo die Landschaft umfassend beschreibt und der Spannungsbogen vom Vorder- über den Mittelgrund zum Hintergrund des Bildes interessant ist.

Für deine Arbeit nimmst du oft große Strapazen in Kauf. In welches Foto hast du die meiste Arbeit investiert?

Das Bild des Lac Chésery nennt Christian »The Dawn of the Nightglory«. | Foto: Dr. Christian Klepp/www.lichtjahre.eu

Die meisten Photos sind hart erkämpft, doch soll man es ihnen nicht ansehen. Eisige Kälte, durchfrorene Nächte, lange Wanderungen mit viel zu viel Gepäck oder die vielen Fehlversuche verbleiben allein im Gedächtnis des Photographen. So entsteht im Auge des Betrachters ein ganz anderes, meist viel romantischeres Bild der Szenerie. Der Lac de Chésery bei Nacht zum Beipsiel ist einer der eindrucksvollsten Orte der Alpen. Wenn sich das über 4800 m hohe Mt. Blanc Massiv in diesem entlegenen See spiegelt und die Milchstrasse über den Bergen aufsteigt, ist das pure Magie. Aber es hat fünf Jahre gedauert, bis im August 2011 endlich alle Bedingungen perfekt waren: Neumond für einen möglichst dunklen Nachthimmel mit vielen Sternen, Neuschnee auf den Gipfeln, um die Berge in der Nacht leuchten zu lassen, sternenklarer Himmel mit wenigen, mittelhohen Wolken und die fast unmöglich zu bekommende Windstille für die Spiegelung. Die Canon 5D MkII mit dem speziell für Sternphotographie geeigneten Rokinon 14 mm, f/2.8 Objektiv wurde auf der mobilen digitalen Sternnachführung Astro-Trac TT320 montiert. Dann habe ich zweimal dieselbe Aufnahme gemacht, einmal die statische, nicht nachgeführte, und sofort danach die dynamische Aufnahme die die Erdrotation kompensiert und die Sterne punktförmig hält. Beide Aufnahmen wurden je 72 Sekunden bei 1600 ASA belichtet. Am PC werden beide Aufnahmen an der Berghorizontlinie ineinander geblendet. Dieser Aufwand ist nötig, um den visuellen Effekt des Auges im Bild festhalten zu können, da die Kamera das Licht über die Aufnahme hinweg sammelt (und strichförmige Sterne produziert), das Auge aber nur die Momentaufnahme sieht (also punktförmige Sterne sieht). Daher muss die Rotation der Erde während der Belichtung kompensiert werden, was durch die Astro-Track Montierung geschieht, die zwischen dem Stativ und der Kamera für den Erdrotationsausgleich sorgt. Die Nachbearbeitung am PC beschränkt sich lediglich auf das Blenden der zwei Aufnahmen.

»The Subway« im Zion Canyon, Utha, USA. | Foto: Dr. Christian Klepp/www.lichtjahre.eu

Ein anderes hart erarbeitetes Photo entstand in der sogenannten Subway in Utah, USA, im Juni 2005. Tief in den Windungen der Schlucht eines Seitenarms des Zion Canyons verborgen, steht dieser fast unerreichbare Baumstamm. Das indirekte, reflektierte Licht taucht die Szenerie für wenige Minuten des Tages in ein mystisches, fast unwirkliches Licht. Um diese lang geplante Aufnahme zu verwirklichen, begann ein Wettlauf mit der Zeit und meiner Kondition. Im Schein der Stirnlampe begann die elf Kilometer lange, weglose Wanderung durch den Canyon mit zahllosen Durchquerungen des Virgin Rivers. Am Ende angelangt wird der Canyon so eng, dass nur noch der Fluss selbst darin Platz findet. An dieser Stelle gilt es, drei tiefe Wasserlöcher zu durchschwimmen. Danach endet man an einem drei Meter hohen Wasserfall, in dem ein Baumstamm lehnt. Über diesen führt der einzige Weg hinauf. Im Anschluss daran muss man den Canyon erneut queren, indem man über einen nassen Baumstamm kriecht, der quer über der Schlucht liegt. Nach weiteren Windungen erreicht man schließlich diese Szenerie, deren Schönheit mich schlicht sprachlos machte. All die Anstrengungen waren sofort vergessen, aber es galt nicht zu zögern. Nur 15 Minuten später drang das direkte Sonnenlicht in den Canyon und zerstörte das Lichtspiel von indirekten Reflektionen. Das Photo entstand mit der Canon 20D, dem EF-S 10-22mm Objektiv bei F/22 und einer 1/4 Sek bei 100 ASA und, wie alle meine Aufnahmen, auf dem Stativ.

Gibt es ein Lieblingsmotiv?

Den schönsten Ort kann es gar nicht geben. Unser Planet ist so reich an Formen und Farben und so unterschiedlich in seiner Schönheit, dass es nicht gerecht wäre, einen Ort hervorzuheben. Was mich aber immer besonders emotional berührt, ist das Erlebnis der Milchstrasse über der nächtlichen Landschaft fernab von Stadtbeleuchtungen. Außerdem bringen mich totale Sonnenfinsternisse, Kometen und Sternschnuppenströme regelmäßig an den Rand beherrschbarer Emotionen. Solche Himmelsphänomene lassen uns erahnen, wie klein und zerbrechlich unser irdisches Zuhause ist. Sicher hat man als Photograph den Hang dazu, die Bilder besonders zu lieben, die am härtesten erkämpft sind und die folglich eine lange und interessante Geschichte haben. Andererseits kommen durch den Zufall vor Ort Bilder zustande, mit denen man gar nicht gerechnet hätte. Es gibt sie quasi von der Natur als Zugabe, was immer etwas ganz Besonderes ist. Und dann sind da noch die Motive, hinter denen ich schon jahrelang herjage, die ich aber immer noch nicht realisieren konnte. Wenn es dann irgendwann geklappt hat, ist das Photo definitiv ein Lieblingsmotiv.

Zur Landschafts- und Astrofotografie gehört auch die Exposition in der Natur. Wie wichtig ist da eine gute Ausrüstung?

»Moments of Eternity« in der Wüste Nevadas. | Foto: Dr.Christian Klepp/www.lichtjahre.eu

Ich liebe es, die Kameratechnik bis an den Rand des technisch Möglichen auszureizen und am besten sogar darüber hinaus zu führen. Dabei fällt immer wieder auf, wie unzulänglich die Kameratechnik im Vergleich zu unserem Auge ist. So sind sogenannte Exposure-Blend-Verfahren notwendig um den Kontrastumfang des Chips auf die Szenerie zu erweitern, was im Gelände durch den Einsatz von farbneutralen Grauverlauffiltern und der Anfertigung einer Belichtungsreihe geschieht. Wenn ich eins gelernt habe, dann das nur perfekte Kamera-Rohdaten zum perfekten Bild führen. Alles was hinterher am Computer passiert, macht das Photo nicht mehr besser, sondern dient lediglich der Politur. Dies gilt ganz besonders für die Astro-Landschaften. Wenn die Sternnachführung nicht perfekt ist, ist das Bild irreparabel kaputt. Analog habe ich bis 2005 mit Pentax gearbeitet und dabei ständig im Gelände Probleme mit kaputten Kameras und Objektiven gehabt. Daher entschied ich mich 2005 beim Umstieg auf digitale Technik für Canon. Nach der 20D wechselte ich 2009 auf die Canon 5D MkII, die ich nach wie vor für die beste Kamera auf dem Markt halte. Zusammen mit dem L-Linsen 16-35 mm, 24-105 mm und 100-400 mm und der unglaublich guten Astro-Linse Rokinon 14 mm arbeite ich seitdem ohne technische Ausfälle. Die Astro-Nachführung Astro-Trac TT320 ergänzt die Technik zusammen mit einem stabilen und viel zu schweren Manfrotto Stativ mit 3D Schneckentrieb-Neigekopf für Feinstjustierungen. Dies ist notwendig, um die Astro-Nachführung auf dem Himmelspol zu justieren. Das besondere an der Nachführung ist, dass sie aus Flugzeugaluminium besteht und daher sehr leicht aber dennoch extrem stabil ist. Kurzum, eine zuverlässige Ausrüstung höchster Qualität am Limit des technisch machbaren ist unabdingbar. Und ich muss mich auf die Ausrüstung verlassen können, denn wenn vor Ort alle Bedingungen perfekt sind und die Kameraausrüstung streikt, wäre das eine Katastrophe.

Wie stehst du zur digitalen Nachbearbeitung am Rechner?

Vom technischen Standpunkt erklärt nur eine hochwertige RAW-Datei, wie gut ein Photo ist. Photoshop hilft dann, das Resultat zu veredeln und zu polieren und ist dabei natürlich ein wichtiges Werkzeug — aber eben auch nicht mehr. So müssen, wenn der Kontrastumfang der Szene zu groß war, mehrere Ausbelichtungen derselben Aufnahme geblendet werden, wobei ich keine HDR Verfahren verwende, da diese mir zu unnatürlich aussehen. Ich mache all diese Arbeiten von Hand. Bei den Astroaufnahmen wird, wie oben erklärt, die statische und dynamische Aufnahme geblendet. Neben den üblichen Verfahren zum Kontrastabgleich passiert weiter nichts mit dem Bild, schon gar nicht an den Farben. Die Leidenschaft, die das Photo ausstrahlt, ist schon vor Ort in die Daten gelegt worden. Bildkomposition und das tagelange Warten auf das richtige Licht — darin liegt das wahre Geheimnis.

Deine Fotos sind also alle »echt«?

Ja, die Bilder sind alle echt. Ich verwende zwar viel Technik im Gelände, aber am Computer passiert dann nicht mehr viel. Nun gibt es natürlich photographische Puristen, die das Blenden mehrerer Ausbelichtungen ein und derselben Aufnahme als unzulässig ablehnen. Damit müssen sie dann aber auch ihre eigenen Augen als photographisches Werkzeug ablehnen, denn unser Auge produziert ständig solche Bilder durch Öffnen und Schließen der Pupille je nach Helligkeit. Solange Technik konstruktiv hilft, die Landschaft noch besser und realistischer darzustellen, werde ich diese Technik begeistert nutzen.

Dein Buch »LichtJahre — Where Goescience meets Art« verkaufst du zum Selbstkostenpreis von 60 Euro. Willst du bewusst kein Geld damit verdienen?

Das Buch verlege ich selbst in Kleinauflage. Die hohe Papier und Photoqualität des Buches ist in der Herstellung teuer im Vergleich zu großen Auflagen. Wenn ich die wahren Kosten der Kamera-Ausrüstung, Reisen, Arbeitszeit und Produktion des Buches sehe, zahle ich bei jedem verkauften Buch drauf. Würde ich den tatsächlichen Preis für das Buch berechnen, würde es unerschwinglich und das ganze Projekt würde keinen Sinn mehr ergeben. Für mich ist es das größte Kompliment und wertvoller als alles Geld, wenn der Inhalt des Buches wertgeschätzt wird und ich ein entsprechendes Feedback bekomme. Und wer weiß, vielleicht gibt es das Buch ja demnächst in größerer Auflage.

Vielen Dank für das Interview.

 
4-Seasons Info
 

Dr. Christian Klepp

... wuchs in Hamburg auf, entdeckte aber während zahlloser Wanderungen in den Alpen schon früh seine Liebe zum Gebirge und zur Natur. Erste Gehversuche in Sachen Fotografie machte er mit einer Praktika MTL-5. Seit seinem Studium der Meteorologie, Geologie und Paläontologie reist er mit seiner Kamera um die Welt, um seine Faszination für den Planet Erde fotografisch festzuhalten. Sein Webseitenprojekt www.lichtjahre.eu hat zum Ziel, das öffentliche Bewusstsein für das Erdsystem zu erweitern und daraus ein besseres Verständnis für den Planeten zu entwickeln.

 

Wanted: Fotos für die Globetrotter-App

Der News-Feed der iPhone- und iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigt im (meist) zweiwöchigen Wechsel Aufnahmen begeisterter Fotografen und Traveller.

Auch Sie wollen ihre Bilder unters Volk bringen? Oben rechts in der Randspalte gibt's das Teilnahmeformular — wir freuen uns auf tolle Fotos!

 
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