präsentiert von:

App-Fotograf Karsten Rau: Myanmar

Anziehend anders, das ist Bagan in der Morgendämmerung. | Foto: Karsten Rau
Vor den großen Touristen-Massen war unser App-Fotograf Karsten Rau in Myanmar. Seine fotografischen Erinnerungen sind in den kommenden Wochen in der Globetrotter-App zu finden. 4-Seasons zeigt die Bilder und interviewte den Franken.

Karsten, wenn ich mir deine Webseite ansehe, bist du nur auf Reisen. Hast du auch ein normales Leben?

Fotografen-Tipp: Über Nacht am Goldenen Stein bleiben! | Foto: Karsten Rau
Aber klar! Irgendwie müssen meine Reisen schließlich finanziert werden. In meinem »normalen Leben« bin ich Vermessungsingenieur und arbeite in einem Ingenieurbüro in Bayreuth. Bleibt neben dem Beruf und Fotografieren noch Zeit, findet man mich in der Regel beim Klettern in der fränkischen Schweiz – das Eldorado liegt ja quasi vor der Haustür. In der Kletter- oder Boulderhalle, beim Bergwandern und am Klettersteig bin ich häufig anzutreffen. Auch andere Sportarten und Geocaching mache ich gerne – leider hat der Tag aber nur 24 Stunden und ich habe neben dem ganzen Outdoorleben auch noch kulturelles Interesse: Seit über 20 Jahren bin ich als Gitarrist in einer bekannten oberfränkischen Jazz und Swing-Band tätig und man kann mich auf diversen regionalen Veranstaltungen und Festen auch akustisch vernehmen.

Also ein ganz normaler Job, wie du und ich ihn haben, aber da gibt's bestimmt eine spezielle Urlaubsregelung?

Das Fragen die Leute immer, umso erstaunter sind dann aber alle, wenn ich ihnen sage, dass ich nur 25 Tage Jahresurlaub habe. Also sogar weniger als die große Mehrheit. Mit diesen muss ich deshalb auch streng haushalten, insbesondere wenn mal wieder ein längerer Urlaub geplant ist. Und so ist es nicht selten, dass ich nach einem Fünf-Wochen-Trip den Rest des Jahres durcharbeite. Ich habe mich allerdings daran gewöhnt und zehre in der Regel problemlos mehrere Monate von einem meiner großen Trips. Und es gibt ja auch noch die Vorfreude und die ist bekanntlich ja die größte ...

Wie finanzierst du dir die Reise?

Zum Großteil durch mein »normales Leben« als Ingenieur. Die Fotografie trägt nur bedingt zur Finanzierung bei. Der Verkauf meiner Bilder und der Bildrechte bringt zwar immer wieder mal ein paar Euro in die Kasse, allerdings werden diese dann in der Regel gleich wieder in neues Foto- und Reiseequipment und diverse Gadgets investiert. Da besteht auch der Zusammenhang mit meiner Globetrottercard Gold Card, aber man gönnt sich ja sonst nichts!

 

Bildergalerie: App-Fotograf Karsten Rau: Myanmar

Du bist fünf Wochen unterwegs, um ein Land wie Myanmar fotografisch zu erfassen. Bleibt da Zeit für den »Erholungsurlaub«?

Auf jeden Fall! Auch wenn ich in meinen Urlauben intensiv fotografiere, bin ich vorrangig immer noch begeisterter Backpacker, der fremde Länder und Kulturen erkunden und erfahren will. Sicherlich hat auf meinen Reisen der Zeitaufwand für das Fotografieren seit den Anfängen in den Neunzigern kontinuierlich zugenommen, was auf den gewachsenen Qualitätsanspruch zurückzuführen ist, doch steht das eigentliche Reisen und auch Entspannen bei mir nach wie vor im Vordergrund.

Kommen wir zurück zu deinen Motiven, du hast uns Bilder aus Myanmar gesendet. Wann warst du da?

Myanmar besuchte ich im Zuge meiner Myanmar & Borneo-Reise im Frühjahr 2011, also glücklicherweise noch vor Myanmars Öffnung für Direktflüge ausländischer Airlines und dem damit verbundenen starken Anstieg der Besucherzahlen.

Warum fiel deine Wahl auf Myanmar, haben die zu erwartenden Fotomotive eine Rolle gespielt?

Asien aus dem Bilderbuch: die U-Bein Bridge im Morgenrot. | Foto: Karsten Rau
Myanmar stand schon seit einigen Jahren auf meiner Wunschliste ganz oben, vor allem deshalb, weil sich 2011 die negativen Einflüsse des Massentourismus noch nicht in den Maßen auswirkten, wie in so manch anderem Reiseziel Südostasiens. Bei meiner Recherche nach lohnenden Reisezielen durchsuche ich natürlich das Internet, um mir einen ersten Eindruck von Land und Leuten zu verschaffen und lohnende Fotomotive zu erkunden. Finde ich dabei allerdings zu viele hochwertige Fotogalerien, dann ist das – rein aus meiner Sicht als Reisefotograf gesehen – eher ein Minuspunkt für das Reiseziel. Im Zeitalter, in dem auch für Hobby-Fotografen digitale Spiegelreflexkameras erschwinglich sind und das WWW für eine schnelle Verbreitung der Bilder sorgt, ist nicht mehr die Bildqualität das entscheidende Kriterium für verkaufbare Bilder, sondern die Einzigartigkeit des Motivs. Umso unbekannter dieses ist, umso besser.

Überspitzt gesagt: Man kann der beste Fotograf mit der hochwertigsten Ausrüstung sein: Ein Foto von dem bereits Millionen mal abgelichteten Grand Canyon wird heutzutage nicht mehr viel Interesse wecken.

Wie du sagst, inzwischen gibt es Direktflüge und immer mehr Reisegruppen, die nach Myanmar reisen. Wie muss ich mir das Land vorstellen? 

Die Fischer am Inle Lake brauchen neben Geduld auch eine gehörige Dosis Körperberherrschung. | Foto: Karsten Rau
Myanmar ist für mich nach wie vor das schönste und lohnendste Reiseziel in Südostasien. Die Burmesen sind unglaublich freundlich, herzlich und hilfsbereit und vor allem auch wahnsinnig interessiert an uns Touristen als Individuen und nicht nur an unserem Geld. Das liegt wohl daran, dass Myanmar sich erst vor kurzem dem Tourismus geöffnet hat und so in der Bevölkerung großer Nachholbedarf besteht. 

Außerdem fühlte ich mich noch in keinem Land Asiens so sicher, wie in Myanmar. Egal ob tagsüber oder nachts, Stadt oder Land: Nirgends hatte ich als Alleinreisender ein mulmiges Gefühl.

Was sollte man in Myanmar gesehen haben?

Gesehen haben muss man Yangon mit der prachtvollen Shwedagon Paya, natürlich Bagan mit seinen ungezählten Pagoden, den malerischen Inle Lake, sowie die alte Kaiserstadt Mandalay mit der einzigartigen U-Bein Brücke. Auch der Abstecher zum Golden Rock – Kyaiktiyo – ist nicht nur fotografisch gesehen sehr lohnend. Allerdings sollte man dann auch unbedingt oben am Berg übernachten und nicht im Tal, um den spektakulären Sonnenaufgang miterleben zu können.

Myanmar ist knapp doppelt so groß wie Deutschland, wie bereist man das Land?

Am besten man grast die Highlights des Landes mit dem Flugzeug ab. Die Airlines sind sicher und haben einen sehr guten Standard. Einzig über die staatliche Fluglinie hört man nicht nur gutes, weshalb man diese besser meiden sollte. Dies fällt allerdings nicht sonderlich schwer, da auch die privaten Anbieter nicht teurer sind. Vorort kommt man am besten mit dem Taxi oder auch mit dem öffentlichen Bus voran. Beides relativ günstig und sicher.

Was hattest du für Fototechnik mit? 

Meine Fotoausrüstung ist über die Jahre auf das Nötigste gesund geschrumpft, da ich als Solo-Backpacker ja nur begrenzt Platz zur Verfügung habe. Zu einem »Wasserträger« langt es finanziell leider nicht (lacht). Aktuell arbeite ich mit der Canon 5D MKII – einer Vollformat Kamera, sowie zwei Canon L-Objektiven (24-105/4L und 70-300/4-5,6L). Dann habe ich immer mein Manfrotto Carbon Stativ mit dem Novoflex Classicball Kugelkopf dabei, einen programmierbaren Fernauslöser, sowie einen externen Blitz. An Filter nutze ich je einen 1000x Graufilter und einen Polfilter.

Neben den Fotos, was ist von deinem Trip nach Myanmar noch hängen geblieben?

Die Offenherzigkeit, Kontaktfreudigkeit und Fröhlichkeit der Burmesen wird mir als schönstes Erlebnis der Tour in Erinnerung bleiben. Abenteuerlich wurde es bei einer Fahrt mit dem Tuk-Tuk zur U-Bein-Bridge in Mandalay. Dessen Fahrer entpuppte sich als burmesische Antwort auf Sebastian Vettel.

Wohin geht die nächste Reise und was erwartest du fototechnisch von ihr? 

Yangon strahlt vor Pracht, hier der Golden Buddha in der Shwedagon Paya. | Foto: Karsten Rau
Meine nächste größere Reise wird voraussichtlich wieder im kommenden Frühjahr stattfinden, allerdings werde ich - wie in den letzten Jahren - relativ kurzfristig entscheiden, wohin die Reise geht. Reiseziele gibt es noch genug auf meiner Wunschliste, und so werde ich wohl wieder aus dem Bauch heraus entscheiden, das hat sich bewährt.

Nachdem ich die letzten Jahre verstärkt in Südasien, Indien und in den Ländern des persischen Golfs unterwegs war, haben aktuell mal wieder Südamerika oder auch Costa Rica gute Chancen. Da ich Südamerika schon mehrmals und vor allem ausgiebig bereist habe, weiß ich, was mich fotografisch dort erwartet. Insbesondere die Andenländer, aber auch Brasilien, sind wahre Fotoparadiese und so gibt es dort noch eine Menge zu entdecken.

 Zum Schluss ein Tipp für alle die es dir gleich machen wollen. Was kannst du ihnen mit auf den Weg geben, um tolle Fotos aus dem Asien-Urlaub mitzubringen?

Bei Landschafts- und Naturfotografie gilt in Asien, wie auch anderswo: »It's all about light«. Fotosessions im harten Tageslicht sollte man meiden. Was wirklich zählt, sind die »Golden Hours« am frühen Morgen und zum Sonnenuntergang am Abend. Auch der konsequente Einsatz eines Stativs ist für die Landschaftsfotografie essentiell.

Sobald Mensschen ins Spiel kommen gilt: erst fragen, dann knipsen – insbesondere in Klöstern und bei Mönchen. Ein nettes Lächeln, Höflichkeit, Respekt und ein kleiner Small Talk haben noch nie geschadet und öffnen einem in der Regel alle Tore.

 

4-Seasons App-Fotograf

Karsten Rau ...


Jahrgang 1965, ist bereits seit seiner Kindheit von fremden Ländern und Kulturen fasziniert. Nach seinem Studium des Vermessungswesens ging es 1993 zum ersten Mal auf große Weltreise. Seitdem reist er, wann immer es möglich ist, als Backpacker um den Globus. Immer im Rucksack: Seine Spiegelreflexkamera, ein Stativ und eine Hand voll Speicherkarten.

Während er in den neunziger Jahren überwiegend in Nordamerika, Downunder und auf Hawaii anzutreffen war, entdeckte er bald seine Liebe für Lateinamerika, Polynesien und Asien.

Karsten liebt es, abseits der ausgetretenen Touristenpfade auf Entdeckungsreise zu gehen, immer auf der Suche nach den weniger bekannten und vom Massentourismus verschonten Gegenden. Unter www.karsten-rau-photography.com findet man eine Bildauswahl seiner zahlreichen Reisen.

 
weiterführende Artikel: 
29.07.2013ArtikelReise

Myanmar – ein Reisebericht von Roman Heimhuber

Glaubt man Reisekatalogen, so entwickelt sich Myanmar vom Backpacking-Abenteuer zum Trendreiseland. Kaum ein Magazin, das ohne eine Geschichte aus dem früheren Birma auskommt. zum Artikel
18.09.2013ArtikelAktuell

App-Fotograf Carsten Fischer: Brandenburger Wildnis

Brandenburg ist das artenreichste deutsche Bundesland. Unser App-Fotograf Carsten Fischer zeigt die schönsten Seiten und bietet gleich noch die passenden Fototouren durch die »Brandenburger Wildnis« an. zum Artikel