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App-Fotograf Jan Tschorsnig: Shetland Shooting

Zelten auf Foula kann eindrucksvolle Formen annehmen - der orange Punkt an der Klippe ist das Zelt. | Foto: Jan Tschorsnig
Ponys, Möwen und raue See: Jan Tschorsnig hat für die Globetrotter-App ein Portfolio von seinem Fototrip auf den Shetlandinseln mitgebracht.

Jan, du hast uns ein Portfolio über eine Reise auf die Shetlandinseln geschickt. Shetland ist nicht gerade das Reiseziel Nummer eins. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Wilde Shetlandinseln: Jan und Jannes auf den Klippen von Esha Ness. | Foto: Jan Tschorsnig

Wahrscheinlich genau, weil Shetland nicht das Reiseziel Nummer eins ist. Jannes und ich sind im April 2012 in Schottland herumgereist. Wir sind zwar bis auf die Äußeren Hebriden gekommen, aber unser Urlaub war, wie jeder typische Schottlandurlaub, im Norden der britischen Insel zu Ende. Wir standen damals am Meer und wussten, es geht noch weiter hinaus. Diese Neugierde mussten wir dann stillen.

 

Wann habt ihr es dann übers Meer geschafft?

Wir waren Anfang bis Mitte August 2012 auf den Shetlandinseln. Gerade noch die richtige Zeit, um die unzähligen Seevögeln beim Brüten zu erleben.

Wer war dein Begleiter?

Jannes Meier-Spiering, mein Kommilitone und bester Freund, mit dem zusammen ich bereits mehrere Reisen durchlebt habe. Zusammen mit ihm hab ich auch schon dem finnischen Winter getrotzt.

Was habt ihr auf den Shetlandinseln unternommen?

Nachdem wir in Lerwick mit der Fähre angekommen waren, haben wir erst mal Mainland, die größte Insel der Shetlands, durchquert, um nach Foula überzusetzen. Foula ist eine kleine, extrem abgelegene Insel im Westen, die nur alle zwei bis drei Tage von einer Fähre angefahren wird. Dort haben wir dann drei Tage auf den Klippen gezeltet und am Strand verbracht. In völliger Abgeschiedenheit zwischen Möwen und Papageientauchern. Danach sind wir über Mainland und Yell nach Unst, der nördlichsten Insel, getrampt. Unst haben wir ganz gemütlich zu Fuß von Süd nach Nord, immer entlang der Westküste, durchquert. Die rund 30 Kilometer lange Strecke führt fast ohne Wege durch einsame Moore und entlang einer spektakulären Felsenküste. Erst auf dem letzten Stück, auf dem Weg nach Muckle Flugga, dem nördlichsten Punkt Großbritanniens, wechselt man auf befestigte Wege. Die wurden dort zum Schutz des Moors wegen der »vielen« Touristen angelegt. Dort angekommen fanden wir uns plötzlich in einer riesigen Kolonie von Papageientauchern wieder, die weniger Scheu als Verwunderung über uns zeigten.

Und wie ging es von dort aus weiter?

Campinplätze deluxe: Sogar die Feuerstellen sind schon vorbereitet. | Foto: Jan Tschorsnig

Nach dem wir den nördlichsten Punkt erreicht hatten, sind wir langsam wieder Richtung Süden gewandert und getrampt. Haben dabei Station auf Yell in einem verlassenen Crofterhouse gemacht, wurden auf Fetlar von Shetlandponies geweckt, die neugierig unser Zelt begutachtet hatten und haben in North Marvine einen erloschenen Vulkan bestaunt. Nach einer letzten Nacht auf Muckle Roe ging es zurück nach Lerwick und auf die Fähre Richtung Aberdeen.

 

Wie viele Tage habt ihr auf den Shetlands verbracht?

Insgesamt waren wir 14 Tage auf den Inseln, die wir ohne Probleme mit Programm gefüllt bekommen haben. Wir hätten auch locker noch länger bleiben können. So mussten wir zum Beispiel den kompletten Süden der Inseln auslassen, weil uns die Zeit dazu fehlte.

Habt ihr immer im Zelt geschlafen?

Ja, und das ohne jede Reue. Ich habe bisher keinen Ort auf der Welt gefunden, wo sich so unendlich viele, einzigartige Plätze zum Zelten gefunden haben: mal auf Klippen, im Moor, an Fjorden oder in prähistorischen Festungsanlagen. Weil wir eigentlich mit häufigen und langen Regenphasen gerechnet hatten, hatten wir ein Drei-Personen-Zelt eingepackt. Auch wenn es längst nicht soviel regnete, war doch jeder Quadratzentimeter mehr ein Luxus. Auch Überraschungen gehörten zum Zelten. Auf Fetlar kam uns morgens beim Öffnen des Zelts eine neugierige Ponyschnauze entgegen.

 

Bildergalerie: Shetland Shooting

Ihr hatte recht große Rucksäcke dabei, wo war der Platz für die Kameras?

Genau eben in diesen großen Rucksäcken und dort haben sie auch den meisten Platz eingenommen. Dadurch, dass die Shetlands im Sommer recht moderat sind (10 bis 15 Grad Celsius), überall Wasser zu finden ist und man sich alle paar Tage in den Dörfern gut versorgen kann, waren wir trotz des großen Zelts recht leichtfüßig unterwegs. Ohne Kamera kam jeder auf zehn bis zwölf Kilogramm Gepäck – die sich jedoch durch die rund acht Kilo Kameraausrüstung schnell relativiert haben.

Acht Kilo, was für Equipment hattest du denn mit?

Ich selber hatte meine Nikon D700 mit und Jannes seine Nikon D7000. Dazu kamen vier Objektive (Weitwinkel, Zoomobjektiv mit 24-75mm, Teleobjektiv und 50-mm-Festbrennweite), ein Stativ und viel Kleinkram. Zur Stromversorgung hatten wir jeweils zwei Sätze Lithium-Ionen-Akkus dabei, die wir unterwegs auf den Fähren laden konnten.

Welches ist dein Lieblingsfoto vom Trip?

In Gedanken versunken: das Lieblingsbild vom Shetlandtrip. | Foto: Jan Tschorsnig

Auf meinem Lieblingsfoto ist Jannes zu sehen, wie er nachts am Lagerfeuer vor unserem Zelt sitzt und nachdenklich ins Feuer schaut. Für mich war das einer der Momente für die man verreist: Um Ruhe und zu sich selbst zu finden.

Was war das beeindruckendste Erlebnis?

Es gab viele tolle Momente während dieser Reise, aber unvergesslich ist der Morgen des vierten Reisetags geblieben, als wir auf Foula auf der Klippe, auf der wir gezeltet hatten, saßen und mit einer heißen Tasse Kaffee die Szenerie bewundern durften: Direkt vor uns waren unzählige Basstölpel in ihrer einzigartigen Weise auf Fischjagd. Hierzu stürzen die Vögel aus 10 bis 15 Meter Höhe senkrecht ins Wasser, um dort gezielt Fische zu fangen. Durch das wundervoll klare Wasser konnten wir die wunderschönen Vögel und ihre Blasenspuren auch noch unter Wasser beobachten. Dazu kam der unverstellt Blick auf den Atlantik und das Wissen, dass es nichts mehr zwischen uns und Nordamerika gab, während wir auf einer einsamen Insel völlig mit der Natur verschmelzen durften.

Du hast auch ein Bild von einem kleinen Schiff in der Auswahl, was ist die Geschichte dazu?

Die »New Adance« transportiert ganze 27 Passagiere im Jahr. | Foto: Jan Tschorsnig

Die »New Advance« ist das Fährschiff, das Foula versorgt. Foula interessiert nur wenige Touristen. Passagiere sind für die Fährleute jedes Mal eine Besonderheit. Als wir fragten, wie viele Leute sie im Jahr transportieren, antwortete der Kapitän des Schiffs ganz trocken: »Naja, 2008 hat die Fährgesellschaft einige Statistiken veröffentlicht. Alle Fähren zusammen transportierten damals eine Million Passagiere – und wir genau 27 davon.« Das hat sich auf der Rückfahrt deutlich gezeigt, als wir den Preis für die Überfahrt zahlen wollten und der Chef nicht anzutreffen war. Nach einigem Hin und Her fiel den Besatzungsmitgliedern jedoch ein, dass es irgendwo im Schiff noch Wechselgeld geben müsste. Ein Matrose stieg ins Schiff und kam mit einer rostigen Schatulle wieder, die augenscheinlich seit Jahren nicht mehr verwendet worden war. Der Name des Schiffs ließ auch wenig Gutes verheißen: Die etwa 30 Kilometer lange Überfahrt ist nicht ohne Gefahren und 1962 verschwand dort ein Postschiff – wir haben deswegen lieber gar nicht erst gefragt, was denn mit der »Old Advance« geschehen ist.

Wie lang hat die Anreise auf die Shetlandinseln gedauert?

Wir waren etwa zwei Tage unterwegs. Zuerst mit dem Flugzeug von Hamburg nach Amsterdam und dann weiter nach Aberdeen, um von dort aus mit der Fähre auf die Inseln überzusetzen. Die Überfahrt dauert knappe 13 Stunden, man fährt über Nacht wodurch man auf See den Sonnenunter- und Aufgang bewundern kann. Schneller geht es mit dem Flugzeug ab Aberdeen, aber mir würde dann etwas fehlen. Gerade auf der Rückfahrt, als zufällig eine Musikgruppe an Bord war und mitten im Speisesaal spontan traditionelle Musik zum Besten gab, war mir die Fährreise tausendmal lieber.

Dein Tipp für die Inseln?

Wer etwas Zeit hat, sollte unbedingt den Weg nach Foula auf sich nehmen – die Insel fasziniert durch ihre Extreme und lässt einen in Welten eintauchen, die man in Europa kaum zu finden glaubt. 
Ansonsten ist auch ein Abstecher nach North Mavine, eine Halbinsel im Norden von Mainland unvergesslich. Hier trifft die ungebremste Kraft des Atlantiks auf die Reste eines vor Jahrmillionen erloschenen Vulkans, was eine einzigartige, wilde Szenerie erzeugt.

 

4-Seasons Info

App-Fotograf Jan Tschorsnig ...

... ist 23 Jahre alt und aus Hamburg. Er fotografiert seit rund zehn Jahren, seit ihm seine Eltern eine Digitalkamera in die Hand drückten. Fotografieren hat für Jan neben dem dokumentierenden und künstlerischen auch einen sehr kommunikativen Aspekt, denn so kommt er oft und sehr einfach ins Gespräch. Im »richtigen« Leben studiert Jan »Rescue Engineering«, ein Studiengang, der sich mit den modernen Herausforderungen für Rettungsdienste und Gefahrenabwehr auseinandersetzt.

Sein Portfolio findet man unter: nahdran.wordpress.com

 

Wanted: Fotos für die Globetrotter-App

Der News-Feed der iPhone- und iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigt im (meist) vierwöchigen Wechsel Aufnahmen begeisterter Fotografen und Traveller.

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