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App-Fotograf Carsten Fischer: Brandenburger Wildnis

Wasser ist in der »Brandenburger Wildnis« nie weit. | Foto: Carsten Fischer
Brandenburg ist das artenreichste deutsche Bundesland. Unser App-Fotograf Carsten Fischer zeigt die schönsten Seiten und bietet gleich noch die passenden Fototouren durch die »Brandenburger Wildnis« an.

Lieber Carsten, herzlichen Dank für die tollen Naturaufnahmen! Doch nun die Überraschung, du wohnst nicht mitten in einem Nationalpark, sondern in der größten deutschen Stadt – Berlin. Ist das kein Wiederspruch?

Da hat der Wecker doch zu recht geklingelt: Morgendliche Wiese im Briesetal. | Foto: Carsten Fischer
Da kann ich nur »Frech Berliner Schnauze« antworten: Nöö, warum? Berlin ist eine sehr abwechslungsreiche Stadt, nur mit der Natur hapert es an manchen Stellen! Aber dafür gibt es das Umland, den so genannten Speckgürtel. Da ist man zwar in Brandenburg, aber bei der guten Nahverkehrsanbindung vergisst man das schnell. Im Umkreis von unter 100 Kilometern warten unterschiedlichste Lebensräumen, wie Bruchwälder, Heide, Moore und  Feuchtwiesen. Brandenburg ist das artenreichste deutsche Bundesland! Das wissen viele nicht. Ich bin schon immer sehr naturverliebt gewesen, was sich hoffentlich auch in meinen Bildern widerspiegelt.

Da treibt es dich also als Berliner ins Brandenburger Umland?

Nicht immer, auch in Berlin gibt es einige naturnahe Ecken, aber die muss man kennen! Das ist Stadtnatur pur, mitunter wie ausgestorben und menschenleer, trotz einer Stadt mit mehr als vier Millionen Einwohnern drumherum. Vergessen darf man auch nicht, dass Berlin ja komplett umschlossen ist von Brandenburg. Es ist also nie weit in die »Brandenburger Wildnis«. Zum Beispiel die  Schönower Heide, mit der S2 nur eine Stunde vom Alexanderplatz entfernt. Da blüht die Heide im August einfach herrlich.

Gibt es etwas Besonderes, was diese »Landschaftsperlen« im Speckgürtel auszeichnet und eint?

Es handelt sich meist um Trockengraswiesen auf sandigem Untergrund, durchzogen von Endmoränen. Das Wasser ist oft nicht weit und so vereinen sich Auwäler, alte Buchenwälder und Seen, Flüsse und Moore zu einer einmaligen Kombination. Zum Beispiel das Briesetal, nördlich von Berlin gelegen und auch nur knapp 30 Kilometer vom Alex entfernt, bietet so einiges: Trockengraswiesen, Auwald, Mischwald und einen Bohlenweg, der mitten durch den Bruchwald führt. 

 

Bildergalerie: Carsten Fischer: Brandenburger Wildnis

 

Auch die Schorfheide ist nur 60 Minuten entfernt, aber vielleicht scheuen deswegen die Leute die Anreise. Hier kann man die Natur noch weitgehend ungestört genießen. Die Möglichkeiten, sich als Naturfotograf auszutoben, lassen sich kaum zählen. Mir persönlich gefällt hier die Landschaft am Besten, denn ich liebe die Lichtstimmungen, die ich hier mit der Kamera »einfangen« kann. Sei es der Sonnenaufgang, das Farbenmeer im Herbst oder der Nebel, der der Landschaft einen mystischen Touch verleiht! Das alles liebe ich an der Schorfheide.

Hört sich nach einem Eldorado an und das nur 60 Minuten von der Großstadt entfernt. Wie schützt man es vor dem Massentourismus?

Nicht im Naturschutzgebiet, sondern auf bewirtschafteter Fläche setzt sich hier die Mohnblume ins Bild. | Foto: Carsten Fischer
Das Briesetal ist für Jedermann zugänglich und dient als Naherholungsgebiet – Tourismus ist gewollt. Es gibt auch einige Feuchtwiesen, die unter Naturschutz stehen und hier ist das Betreten verboten. Insgesamt hält sich der Tagestourismus aber in Grenzen. In der Schorfheide gibt es den »Grumsiner Forst« – seit 2011 Teil der UNESCO-Weltnaturerbestätte »Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland« und einige weitere »Totalreservate«. Dort wird kein Tourismus geduldet und es gilt ein totales Betretungsverbot. Aber die Schorfheide ist groß und zahlreiche Wanderwege laden ein, die Natur zu erkunden. Insgesamt könnten ruhig mehr Berliner den Weg nach draußen finden.

Vielleicht tragen deine Bilder ja dazu bei, das Umland bekannter zu machen. Außerdem veranstaltest du Fototouren. Wie lässt sich dies mit dem Naturschutz vereinbaren?

Die Totalreservate in der Schorfheide und Briesetal sind tabu, sowohl für mich, als auch mit einer Tour. Ansonsten bewegen wir uns frei im Feld und als Fotograf bist du eh leise unterwegs.

So sitzt ihr dann da und wartet auf den richtigen Augenblick. Wie lange muss man ausharren? 

Diese Frage lässt sich schwer beantworten. In der Naturfotografie bist du total den »Launen« von Mutter Erde unterworfen! Da kann es sein, dass du einen wunderschönen Sonnenaufgang ergatterst, oder du kommst an den Ort deiner Wahl und es ist Totentanz. Das kannst du nicht wirklich beeinflussen! Meine liebste Jahreszeit ist der Herbst. Da gibt es Farben in den unterschiedlichsten Variationen, von den Lichtstimmungen ganz zu schweigen! Ich sage nur Nebel – meine Lieblingsstimmung neben Sonnenaufgängen!

... und wie vertreibt man sich die Zeit dann so im Nebel? 

Mit Warten und Geduld! Mehr gibt‘s da eigentlich nicht zu sagen. Als Fotograf, der in die Natur geht, sollte man »Hart im Nehmen sein«. Sei es Wetter oder der Tageszeit. Wie heißt es doch so schön: Mein Motiv bestimmt, wann es fotografiert werden will und nicht meine Zeit! Das ist in der Naturfotografie oberste Priorität.

Das hört sich fast schon spirituell an. Doch du bietest die Touren auch kommerziell an. Bei den Kunden wirst du nicht immer auf ein offenes Ohr mit dieser Einstellung stoßen. Was, wenn dann doch nicht der Biber aus dem Gras hüpft, sondern nur eine Mückenplage euch heimsucht? Geld-Zurück? 

Typisches Landschaftsbild in der Mark Brandenburg: wabernde Nebelschwaben über eine Reihe Birken. | Foto: Carsten Fischer
Eine gute Frage! Ich biete keine Touren auf Tiere an. Erstens bin ich kein Tierfotograf, sondern einer, der die Landschaft ablichtet. Und zweitens möchte ich nicht kundtun, wo sich die Tiere aufhalten. Wir Menschen drängen die Tiere immer mehr zurück, da halte ich es nicht für sinnvoll, ihre Rückzugsgebiete der Öffentlichkeit zugänglich zu machen! Das Widerstrebt meiner Natur. Da bitte ich um Nachsicht!

Eine Geld-Zurück-Garantie gibt es bei mir nicht. Naturverbundene Menschen und das sollten alle meine Teilnehmer sein, schreckt eine Mückenplage nicht zurück. Außerdem rate ich allen, sich entsprechend zu kleiden. Das heißt: insektendicht und wettergerecht! Also lange Hosen und keine Shorts, festes Schuhwerk und keine Sandalen. Eine Regenjacke sollte auch immer die Ausrüstung zieren, auch hier in Brandenburg, wo es so wenig regnet. Man weiß ja nie was kommen kann!

Einige Sachen wirst du schon wissen und vorhersagen können. Was bekommen deine Teilnehmer sicher vor die Linse?

Was auf jeden Fall immer geht, ist die Landschaft an sich. Die kann ja nicht weglaufen und ist »nur« dem Wetter ausgesetzt. Aber egal, ob Regen, Schnee oder große Trockenheit, hier lässt sich immer etwas gewinnen. Nach dem Regenschauer etwa, bieten sich jede Menge Kontraste zum Beispiel im Wald an. Die hast du bei Trockenheit nicht und dann noch im Herbst! Das ist ein wunderbares Motiv.

Fehlt nur noch die Technik, um das Motiv auch festzuhalten. Deine Teilnehmer bringen ihre Technik selbst mit. Was benutzt du oder empfiehlst du deiner Kundschaft? 

Nicht grau und trist, sondern weiß und interessant, so zeigen sich Brandenburgs Wälder im Winter. | Foto: Carsten Fischer
Grundsätzlich entsteht ein Bild immer erst im Kopf! In welchem Werk meine Kamera zusammengebaut wurde und ob Canon, Nikon oder eine andere Marke darauf steht, ist dann relativ egal. Entscheidend ist der Mensch hinter der Kamera. Und nicht die Ausrüstung im fünfstelligen Euro-Bereich. Ich persönlich arbeite seit meinem zehnten Lebensjahr mit Canon und habe das bisher nie bereut. Als »Immerdrauf«-Objektiv benutze ich ein Canon 70-200 f4 USM, das ist ein mittleres Tele mit einer sehr guten Abbildungsleistung für meine Ansprüche. Ansonsten kommt noch eine Makrolinse mit fester Brennweite – ein Sigma 150 2,8 – und ein Weitwinkel zum Einsatz.

Zuverlässig muss auch dein Wecker sein, denn Morgenstund hat für den Fotografen noch mehr Gold im Mund, als für den Rest der Bevölkerung. Wann starten deine Touren? 

Das kommt auf die Jahreszeit an. Im Sommer geht‘s sehr früh los, da ja mitunter schon um halb drei die Dämmerungsphase beginnt, also die sogenannte »Blaue Stunde« – das ist die Tageszeit mit dem besten Licht. Da ist es noch sehr weich und ideal für tolle Aufnahmen. Jedoch von der Wetterlage abhängig. Im Herbst beginnen die Touren entsprechend später, so zwischen fünf und sieben Uhr in der Früh. Im Winter kann man dann länger schlafen.

Und wenn die Sonne hinter dem Horizont versunken ist, geht die Arbeit am heimischen PC weiter. Siehst du die Nachbearbeitung mit Photoshop und Co. als Segen oder Ende der Fotografie als Kunst?

Da scheiden sich die Geister. Ich selber bearbeite alle meine Bilder am PC. Und sei es auch nur Minimal! Ich sehe es so, die Kunst liegt im Auge des Betrachters. Also reine Geschmacksache. Persönlich verzichte ich auf Bildmanipulationen.

Zum Schluss noch eine letzte Frage, was möchtest du allen mitgeben, die nun raus in die Natur stürmen und genauso tolle Aufnahmen wie du mitbringen wollen? 

Als allererstes sollte sich jeder fragen, ob er bereit ist, die Widrigkeiten, die die Natur so mit sich bringt, auf sich zu nehmen. Das ist ganz entscheidend. Und vor allem: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Ohne die geht in der Naturfotografie gar nichts, beziehungsweise nicht viel. Darüber sollte man sich von Anfang an im Klaren sein. Das ist sehr wichtig. Und zu guter Letzt: Niemals »Auslernen«, das ist das A und O in allen kreativen Bereichen!

 

4-Seasons App-Fotograf

Carsten Fischer...
ist Jahrgang 1974 und seit seiner Kindheit naturverbunden. Schon sehr früh trieb es ihn in die Natur und er nahm das tägliche Neuentdecken mit großer Begeisterung wahr! Mit zehn Jahren hielt er das erste mal eine Kamera in der Hand und seit dem ist er als »Lichtjäger« unterwegs! Vor einigen Jahren machte er es sich zur Aufgabe, seine Mitmenschen für die einheimische Natur zu sensibilisieren und bietet unter fotowandertouren.de geführte Fotowandertouren in Brandenburg an. Hier können naturverliebte Menschen zusammen mit Carsten die verschiedensten Habitate in der Natur aufsuchen und fotografisch festhalten.

 
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