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30 Jahre Globetrotter: »Spaß an den Extras«

Foto: Globetrotter
2009 feiert Globetrotter Ausrüstung 30. Geburtstag. 4-Seasons hat gratuliert und die Geschäftsführer Thomas Lipke und Andreas Bartmann zum Interview geladen. Themen: Clint Eastwood, gelebte Kundennähe – und die Gerüchte um eine neue Filiale in einer süddeutschen Landeshauptstadt mit M.

4-Seasons: Globetrotter wird 30 und ihr beide seid soeben auf der weltweit wichtigsten Fachmesse zu den »Outdoor Celebrities of the Year« gekürt worden – ein Preis für »verdiente Persönlichkeiten«, den auch schon der legendäre Patagonia-Gründer Yvon Chouinard bekommen hat. Herzlichen Glückwunsch!

Andreas Bartmann (lächelt): Danke.  
Thomas Lipke (lächelt leicht gequält): Naja, solche Preise bekommt man ja für sein »Lebenswerk«. Aber wir sind noch nicht in Rente.

 

Clint Eastwood hat zehn Jahre nach seinem Lebenswerk-Oscar noch mal einen bekommen, sogar für den »besten Film« …

Thomas: Das beruhigt ein wenig.

 

2004 hat 4-Seasons zum 25. Geburtstag ein großes Interview* mit der Globetrotter-Gründerriege geführt. Thomas sagte damals: »Unsere schwierigste Aufgabe wird es sein, trotz zunehmender Größe die Distanz zu den Kunden so klein wie möglich zu halten.« Seither hat Globetrotter die riesige Filiale in Köln eröffnet und Projekte wie 4-Seasons.tv gestartet. Die Mitarbeiterzahl und der Umsatz haben sich mehr als verdoppelt. Ist die Nähe zu den Kunden noch da?

»Immer dranbleiben«: Andreas Bartmann und Thomas Lipke

Andreas: Ich glaube schon. Es geht ja nicht nur ums Verkaufen, sondern um Nähe in allen Bereichen. Wir haben viele Kanäle: das Globetrotter-Handbuch, die Website www.globetrotter.de, das 4-Seasons-Kunden-magazin und 4-Seasons.tv, diese Medien ergänzen sich immer besser und erreichen sehr viele Kunden. Genauso wichtig sind die ganzen Veranstaltungen für unsere Kunden: Die Filialen haben ja jetzt richtige Event-Beauftragte, die permanent ein Riesenprogramm organisieren – Hunderte von Aktionen, Vorträgen, Lehrgängen, auch außerhalb der Geschäftszeiten. Das alles wird mit Konsequenz und hoher Qualität umgesetzt und von den Kunden honoriert. Globetrotter wird immer mehr zu einer Plattform für die Outdoor-Szene.

 

Aber die Brötchen verdient Globetrotter doch immer noch mit dem Verkauf von Ausrüstung?

Andreas: Natürlich. Aber früher hieß es: »Ich brauche einen Schlafsack.« Gekauft und Tschüss. Heute bekommt der Kunde während der Beratung mit, dass da ja auch ein GPS-Workshop angeboten wird oder dass er sich ein paar Meter weiter über Impfungen informieren kann. So bekommt der simple Kauf eines Schlafsacks eine ganz neue Qualität.
Thomas: Mit der Zahl der zufriedenen oder sogar begeisterten Kunden wächst der Umsatz, was es uns wiederum ermöglicht, auch außerhalb des klassischen Verkaufs zu investieren. Dadurch können wir uns Nonprofit-Projekte wie 4-Seasons.tv oder die kostenlose Versendung des 4-Seasons-Magazins an 300.000 Kartenkunden leisten. Das Gleiche gilt auch für Kältekammern und Kanubecken – die bringen im kaufmännischen Sinn überhaupt kein Geld, aber Nähe zu unseren Kunden. Und alle haben Spaß an diesen Extras – wir natürlich auch.

 

Haben sich die Globetrotter-Kunden verändert?

Andreas: Manche sagen, die Leute machen nur noch softe Touren, aber das stimmt nicht. Wir bedienen nach wie vor sehr anspruchsvolle Kunden, die gezielt elitäre Marken wie Hilleberg oder Gregory kaufen. Daneben gibt es immer mehr Menschen, die einfach gerne draußen sind, aber halt nicht auf 4000er steigen oder den Sarek durchqueren wollen. Das Thema Familie hat enorm an Bedeutung gewonnen. Darauf haben wir reagiert und eben in Berlin ein eigenes Kinderland neben der Filiale eröffnet, das sehr gut ankommt. Wichtig ist, dass sich alle wohlfühlen. Wenn ein Mann mit leuchtenden Augen in der GPS-Abteilung herumspielt, aber seine Frau mit den Kindern genervt am Ausgang wartet, dann haben wir etwas falsch gemacht.

 

Spiegelt sich diese Verbreiterung der Kundschaft denn auch im Sortiment wider?

Andreas: Wie gesagt: wir lieben und pflegen Hilleberg, Gregory und Co., und wir dürfen sicher behaupten, dass Globetrotter insgesamt das schönste und hochwertigste Sortiment der Branche bietet, inklusive erstklassiger Hartware – also Zelten, Rucksäcken, Schlafsäcke etc.. Gleichzeitig ist aber etwa das Angebot an Schuhen für alle Einsatzbereiche enorm gewachsen. Oder GPS-Geräte – die sind vom teuren Expeditions-Artikel zum bezahlbaren Standardtool geworden, mit dem der Papa und seine Kinder auch mal Geocaching machen.

 

Mitten in der Finanzkrise brummt die Outdoor-Branche. Wird der Boom dazu führen, dass bald jeder Supermarkt einen auf Abenteuer-Laden macht?

Andreas: Das passiert ja bereits. Outdoor ist inzwischen das wichtigste Segment im Sportartikelmarkt, das haben die Discounter längst bemerkt. Der Kunde hat die Möglichkeit, sich zwischen Discount oder Qualität zu entscheiden, diese beiden Schienen müssen sich nicht widersprechen. Globetrotter wird auch künftig die Qualitätsführerschaft besitzen und nicht um jeden Preis »Masse machen«.

 
Vom Einkaufsladen zur Erlebnisfiliale: Globetrotter wird immer mehr zu einer Plattform für die Outdoor-Szene. | Foto: Globetrotter

Was bedeutet denn »Qualitätsführerschaft« konkret?

Andreas: Immer dranbleiben. Zum Beispiel bei den Filialen. Die Ansprüche der Kunden und des Marktes unterliegen immer Wandlungen. Eine Filiale ist im Prinzip nie fertig. Wer glaubt, er habe da ein tolles Geschäft und das laufe jetzt von alleine, liegt schon falsch. Ein Fehler wäre es auch, immer neue Läden zu eröffnen und dabei die alten zu vernachlässigen. In Hamburg, Dresden und Frankfurt müssen und werden wir die Filialen weiterentwickeln, vor allem Frankfurt ist ja platzmäßig am Limit.
Thomas: Qualitätsführerschaft entsteht oft auch hinter den Kulissen. Wir stellen derzeit in Hamburg die komplette IT um, intern eine Riesensache, an der 100 Leute arbeiten. Faktisch können wir dann mehr Daten in kürzerer Zeit verarbeiten, Bestellvorgänge optimieren, die Verfügbarkeit von Produkten noch aktueller darstellen. IT ist von außen betrachtet natürlich nicht so sexy, aber letztlich die Voraussetzung dafür, dass wir die wachsenden Ansprüche unserer Kunden auch künftig zufriedenstellen können.

 

Wenn es gut läuft, lassen sich die Weichen für die Zukunft leichter stellen, sagt man. Worauf sollte sich denn die Outdoor-Branche in den kommenden Jahren konzentrieren?

Andreas: Ganz klar auf das Thema Umwelt. Viele Marken waren in den letzten Jahren sehr mit sich selbst beschäftigt, aber jetzt müssen wir alle diese hohe Verantwortung übernehmen. Die Kunden haben da eine sehr hohe Erwartungshaltung, die noch weiter wachsen wird, sie zwingen uns praktisch zum Handeln. Es gibt bereits viele gute Ansätze, aber das Ziel müssen markenübergreifende Standards im Umwelt- und Sozialbereich sein. Da sind wir als Händler natürlich genauso gefragt und gehen das an.

 

Nochmal zum Thema Filiale: Wie man hört, plant Globetrotter eine neue Niederlassung in Süddeutschland …

Thomas: Das wird mit Sicherheit ein Superladen. Mehr dürfen wir im Moment noch nicht verraten.

 

Ach kommt … denkt doch mal an die armen Versandkunden südlich des Weißwurst-Äquators, die im Online-Gästebuch fast schon rituell um eine bayerische oder schwäbische Filiale betteln.

Thomas: Wir quälen Schwaben und Bayern nicht mit Absicht. In der Tat suchen wir seit Jahren nach passenden Immobilien in Stuttgart und München – aber dabei wollen wir eben keine Kompromisse machen. In München sind wir jetzt fündig geworden: Globetrotter baut am Isartorplatz das Rieger-Gebäude zur Filiale um. Ein Jahr entkernen, ein halbes Jahr Innenausbau. Angepeilt sind 120 Mitarbeiter und 6500 Quadratmeter Fläche. Da ist also genug Platz für ein paar neue Extras … 

 
Feldforschung mit Boot und Bärenspray am Big Salmon River. | Foto: Globetrotter

Wird eine Globetrotter-Niederlassung in der Bergsteigerstadt München denn anderes bieten als die bisherigen Filialen?

Andreas: Dem Bergsport wird in München natürlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als in Hamburg, das wird sich auch in unserem Sortiment widerspiegeln. Aber Globetrotter wird sich nicht verbiegen und alles umkrempeln. Bei den Extras darf man sicher ein paar gute Ideen erwarten – wie bei jeder neuen Filiale bisher.
Thomas: Im Grunde geht es darum, Bewährtes zu erhalten, aber auch ein paar neue Sachen reinzubringen. In München einen Abklatsch von Köln zu präsentieren, wäre zu langweilig – auch für uns selbst. 

 

Und wann wird die Münchner Filiale eröffnet?

Thomas: Am 5. März 2011.
Andreas: Um 10.00 Uhr.