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2010: 50 Jahre Fjällräven

Foto: Archiv Fjällräven
Als der schwedische Tüftler Åke Nordin 1960 nach einem passenden Namen für seine neue Firma suchte, kam er auf den Polarfuchs – ein schlaues Tier, perfekt angepasst an das raue Klima des Nordens. 50 Jahre später ist Fjällräven der größte Outdoor-Hersteller Schwedens und begeistert eine weltweite Fan-Gemeinde.

Wenn jugendliche Abenteuerlust auf Erfindergeist trifft, kann das eine fruchtbare Kombination ergeben. Im Fall von Fjällräven war sie sogar so fruchtbar, dass daraus ein halbes Jahrhundert später ein weltweit florierendes Unternehmen gewachsen ist. Die Geschichte von Fjällräven nimmt ihren Anfang im Jahr 1950, als der 14-jährige Åke Nordin aus dem nordschwedischen Örnsköldsvik auf einer Gebirgstour mit seinem sackartigen Rucksack nicht zurechtkommt. Kurz entschlossen baut er im Keller seines Elternhauses einen Rahmen aus Holz, um das Gewicht gleichmäßiger über den ganzen Rücken zu verteilen. Das Ergebnis der Bastelarbeit erweist sich als »tragbar«, zudem kann der kleine Åke nun größere Lasten schultern. Später optimiert Nordin die pfiffige Konstruktion mit einem stabilen Aluminium-Gestell. Das spricht sich herum – und führt 1960 zur Gründung der Firma Fjällräven. Åke Nordins Credo: Er will mit seinen Ideen das Outdoor-Leben einfacher und angenehmer gestalten, damit mehr Menschen die Schönheiten der Natur erleben können. Diese Philosophie gilt bis heute: Ob Bekleidung oder Hardware, Equipment von Fjällräven ist robust, markant und frei von Schnickschnack.

Die Quadratur des Kreises

Meilenstein Doppelwandzelt. | Foto: Archiv Fjällräven

Auch Åkes nächste Idee ist bahnbrechend – bei der Konstruktion von Zelten gelingt ihm quasi die Quadratur des Kreises. Die Zelte der 1960er-Jahre bestehen meist aus schwerer Baumwolle. Bei nachlassender Imprägnierung saugen sie sich mit Feuchtigkeit voll – und werden noch schwerer. Daneben gibt es zwar Zelte aus beschichtetem Synthetikstoff, doch auf deren Innenseite kondensiert die vom Bewohner produzierte Feuchtigkeit und tropft zurück in den »Wohnraum«. Ist es denn unmöglich, ein trockenes und gleichzeitig leichtes Zelt zu erfinden?

Nicht für Åke Nordin: Nach diversen Tests entwickelt er das Prinzip des Doppelwand-Zelts: Ein wasserfestes Außenzelt schützt vor Regen, ein atmungsaktives Innenzelt lässt die Feuchtigkeit entweichen, die sich erst am Außenzelt niederschlägt und dort ablaufen oder trocknen kann. Im Innenzelt bleibt es hübsch trocken, und das Gesamtgewicht von Innen- und Außenzelt ist dank superleichter Stoffe sensationell niedrig. Bis heute sind Doppelwand-Zelte Standard – eine bessere Idee als Åke hat bis heute niemand gehabt.

Auch bei der Bekleidung sieht Åke Nordin enormen Verbesserungsbedarf. Die einfachen Jeans saugen sich mit Feuchtigkeit voll und fransen aus. Ein Mischgewebe, das die Vorteile von Polyester (schnell trocknend, gutes Feuchtigkeitsmanagement) und dem Tragegefühl von Baumwolle kombiniert, erscheint ihm wesentlich geeigneter. Åke macht sich auf die Suche nach dem Material seiner Träume, nimmt eine Rolle Stoff und zeichnet darauf die Umrisse seiner alten Jacke und Hose nach. Aus diesem Schnittmuster näht er die erste Fjällräven Outdoor-Bekleidung.

Bildergalerie: Fjällräven: seit 50 Jahren auf Wanderschaft

Während seiner Fjäll-Touren bewährt sich das Gewebe. Es trägt sich gut, trocknet schnell, ist extrem robust, und es schützt vor UV-Strahlen und lästigen Mücken. Åke experimentiert weiter mit einer Imprägnierung aus Ski- und Bienenwachs, die er auf den Stoff aufbügelt und ihn dadurch noch wasserabweisender und winddichter macht. Das Konzept des jungen Nordin ist so überzeugend, dass auch die schwedische Grönlandexpedition von 1966 darauf vertraut. Diese Expedition in die Arktis liefert nicht nur weitere Verbesserungsvorschläge für das Termo-Zelt, sondern auch den Namen für das Polyester-Baumwoll-Mischgewebe: G-1000 (G steht für Grönland). Auch die Grönland-Jacke gibt es heute noch zu kaufen.

G-1000 ist bis heute der Standard bei Hosen, aber es steht nicht allein. Mit Materialien wie Recycling-Polyester oder Trekking-Hemden aus Bambusviskose beschreitet Fjällräven neue, umweltfreundliche Wege. »Für uns bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, ein langlebiges und ökologisch unbedenkliches Produkt herzustellen, das über viele Jahre im Einsatz ist«, sagt Åke Nordin.
Das Unternehmen ist sich seiner Verantwortung für Umwelt- und Naturschutz bewusst, setzt, wann immer es geht, auf bio-logisch unbedenkliche Materialien und Imprägnierungen. So gibt es bei Fjällräven keinerlei Ausrüstungen auf Fluor-Carbon-Basis.

Fjällräven wird Hoflieferant

Dauerbrenner-Varianten: der Kånken. | Foto: Archiv Fjällräven

In 50 Jahren entwickelt sich aus der kleinen Kellerfirma aus Örnsköldsvik der größte schwedische Outdoor-Hersteller. Fjällräven befindet sich heute im Besitz des börsennotierten Mutterkonzerns Fenix Outdoor, dessen Aktienmehrheit die Familie Nordin hält. Zu Fenix gehören auch die schwedische Outdoor-Ladenkette Naturkompaniet, der Kocher- und Lampenspezialist Primus, der bayerische Berg- und Trekkingschuhhersteller Hanwag sowie die Marken Tierra und seit Kurzem auch Brunton. Åke Nordin hat das operative Geschäft mittlerweile seinem Sohn Martin übergeben. Nach über einem halben Jahrhundert darf man sich als alter Outdoor-Fuchs auch langsam zur Ruhe setzen. 2007 wurde Åke für sein Lebenswerk bei der Fachmesse OutDoor mit dem Titel »Outdoor Celebrity of the Year« geehrt. Sogar den Titel »Hoflieferant des schwedischen Königshauses« darf Fjällräven stolz tragen.
Dabei gibt es ein Produkt von Fjällräven, das nicht nur Prinzessin Victoria, sondern wohl fast jedes Kind in Schweden einmal besessen hat: den Kånken. Der Kånken ist mehr als ein simpler Rucksack. Er ist ein Symbol für Fjällräven, die Mutter aller Daypacks. Ursprünglich wurde er 1978 als einfacher und preiswerter Ranzen für schwedische Schulkinder eingeführt. Bereits im zweiten Jahr verkaufe Fjällräven 30.000 Stück. Bis heute sind es über drei Millionen, und der niedliche Daypack genießt längst Kultstatus. In knallbunten Farben sieht man ihn in den Modemetropolen weltweit, gerade ist in New York ein wahrer Kånken-Boom ausgebrochen. Den Erfolg kann sich noch nicht einmal Fjällräven recht erklären. Aber ein Kult hat ja immer auch etwas Mystisches. Zum 50-jährigen Jubiläum gibt es jedenfalls eine limitierte Sonderedition. Der Mythos lebt!
Wie der Kånken haben inzwischen viele Outdoor-Produkte von Fjällräven den Sprung in die City gemacht. Eigentlich ungewollt, wie Alex Koska, Geschäftsführer von Fjällräven Deutschland, erklärt: »Es ist nicht nur das Produkt, es sind auch die Markenwerte. Fjällräven steht für ein Lebensgefühl, mit dem sich gerade heute viele Leute identifizieren.«

Fjällräven ist nie von seinem klaren, schwedischen Design und der soliden Funktionalität abgekommen. Von kurzlebigen Modetrends lassen sich die Schweden nicht beeindrucken. Manche nennen das konservativ. Aber in der heutigen, sich immer schneller drehenden Welt, sind gerade solche Werte wieder angesagt: bodenständig, naturverbunden, kernig, haltbar und authentisch. Viele Leute fühlen sich davon angesprochen – und wohl auch von diesem verklärt-romantischen schwedischen Lebensgefühl, das bei Fjällräven mitschwingt. Beim Marketing-Zirkus des Höher-Schneller-Weiter machen die Schweden bewusst nicht mit. Fjällräven verfolgt eine andere Philosophie: Für die Natur muss man sich Zeit lassen. Zeit, um in Ruhe zu entdecken. Zeit, um Pflanzen und Tiere zu beobachten oder um einfach nur dem Wind in den Bäumen zuzuhören. Zeit zum Erleben und Erfahren – Zeit zum Nachdenken. »Quality Time« nennen sie das bei Fjällräven. Und auch wenn der Begriff zunächst etwas sonderbar klingt, trifft er den grundlegenden Gedanken sehr gut – denn aus bewusst erlebter Zeit in der Natur lässt sich echte Lebensqualität schöpfen.

Fjällräven bietet »Quality Time« für Outdoor-Freunde

»Quality Time«: bewusst in der Natur erlebte Zeit = Lebensqualität. | Foto: Archiv Fjällräven

Der schöne Gedanke der »Quality Time« steckte natürlich bereits in Åke Nordins Grundidee, mit seiner Ausrüstung den Menschen einen einfachen Zugang zur Natur zu ermöglichen. Ein weiterer Beitrag dazu ist auch das Trekking-Event »Fjällräven Classic« in Nordschweden. Im August werden sich wieder 2000 glückliche Trekker durch die grandiose Berglandschaft von Schwedisch-Lappland aufmachen. Auf dem Weitwanderweg Kungsleden (= Königsweg) geht es 110 Kilometer durch die skandinavische Wildnis. Damit man sich unterwegs nicht auf die Füße tritt und jeder genug Platz für sein persönliches Outdoor-Erlebnis hat, wird über mehrere Tage hinweg gestartet. Die komplette Trekking-Ausrüstung mit Zelt, Kocher und Schlafsack trägt jeder Teilnehmer selbst. Im Jubiläumsjahr 2010 ist der Ansturm größer denn je. Bereits Ende November 2009 waren die 2000 Startplätze komplett ausgebucht – ein Dreivierteljahr vorher!

Dort, in der kargen, rauen Landschaft, entdecken viele Mitteleuropäer ihr Trekkingglück – trotz Blasen an den Füßen und 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Sie treffen Menschen aus aller Welt, um gemeinsam die gleiche Faszination zu erleben wie Åke Nordin.
Auch einige Produktentwickler von Fjällräven werden beim »Classic« wieder dabei sein. Schließlich findet man Inspirationen für noch bessere Outdoor-Ausrüstung am besten direkt in der Natur. Die Schweden haben noch viel vor in den nächsten 50 Jahren. Das sieht auch Åke Nordin so: »Wir sind nun seit 50 Jahren auf Wanderschaft. Ich hoffe, dass wir niemals ankommen werden.«

 

4-Seasons Info

Innovationen & Revolutionen

  • 1950 Erstes Holzrahmen-Gestell für Rucksäcke
  • 1960 Gründung von Fjällräven; erster Rucksack mit Aluminium-Tragegestell
  • 1963 Termo, das erste Doppelwandzelt
  • 1968 G-1000 und die Grönland-Jacke
  • 1975 Gyro-Tragesystem zur besseren Gewichtsverteilung
  • 1978 Der Kånken-Rucksack erobert die Welt
  • 1989 Silhuett Schlafsäcke für mehr Bewegungsfreiheit im Schlaf
  • 2002 Foxfoot und Easy Glide erleichtern den Zeltaufbau
  • 2004 DePendler, der erste Rucksack zum Sitzen
  • 2006 Hydratic IQ, die intelligente Membran passt sich der Temperatur an
  • 2008 Thermo 2 Down Jacket, eine einzigartige Daunenjacke ohne Kältebrücken
  • 2010 Fjällräven feiert »50 Years Quality Time« – auch bei Globetrotter in Köln.

 

Weitere Infos: www.fjallraven.de

 

 
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