präsentiert von:

150 Jahre Ajungilak – alles andere als verschlafen

Foto: Rainer Eder
2005 feiert der Schlafsack-Spezialist Ajungilak 150-jähriges Jubiläum. Für eine Outdoor-Marke ein beinahe biblisches Alter. Schlug doch die Geburtsstunde des modernen Abenteuersports selbst erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Alpengipfel gestürmt und die Pole erobert wurden. Ajungilak war von Anfang an dabei.

Der Mensch verschläft bekanntermaßen rund ein Drittel seines Lebens. Zu Recht legen wir Wert auf bequeme Betten, weiche Kissen und kuschelige Decken. Unterwegs in der Natur kommt dem Schlaf-Equipment sogar noch höhere Bedeutung zu: Nicht nur der Komfort hängt davon ab, sondern auch die Gesundheit, im Extremfall sogar das Überleben.

Ajungilak anno 1889: Baumwollhüllen mit Kapok-Füllung. | Foto: Archiv Ajungilak

Nicht von ungefähr machten sich die ersten Alpinisten Gedanken über mobile Betten. Bewirtschaftete Hütten gab es vor 150 Jahren keine, nicht einmal Notunterkünfte. Die ersten Gipfelstürmer hatten keine Schlafsäcke, sondern »sackschwere« Konstruktionen aus zusammengenähten Tierhäuten. Dazu kamen Hanfseile, Eisenpickel, genagelte Schuhe … Die Tour wurde schnell zur Tortur.

So war man dem Bergsteiger Francis Fox Tuckett dankbar, der um 1861 rechteckige Schlafsäcke mit Kapuze und geknöpftem Verschluss entwickelte. Die Ur-Schlafsäcke bestanden aus Wolldecken und einer eingenähten Unterlegplane.

 

Fridtjof Nansen und die »Wunderfüllung aus den Tropen«

Ajungilak anno 2005: High-End-Schlafsäcke für jeden Einsatzbereich

1855 war im norwegischen Oslo die Firma »Mechanisk Wattfabrikk« gegründet worden und stellte Füllmaterial für Federbetten, Kissen, Polster und Bekleidung her. Zum Kämmen des Materials nutzte man neuartige Kardierungsmaschinen. Als die Familie Fuglesang 1861 die Firma übernahm, ahnte wohl niemand, dass sie in den nächsten 129 Jahren – über vier Fuglesang-Generationen hinweg – Schlafsack-Geschichte schreiben sollte. Der Name »Ajungilak« wurde zwar erst ab 1931 verwendet, aber innovative Schlafsäcke fertigte man in Oslo schon viele Jahre vorher.

Die Inspiration für ein mobiles Bettzeug kam vom norwegischen Nationalhelden Fridtjof Nansen. Der Forscher und Abenteurer tüftelte mit verschiedenen Herstellern an Expeditionsausrüstung – unter anderem entwickelte er mit Primus Kocher und mit Burberry wasserfeste Kleidung. Nansen nahm an, dass die Wärmeleistung eines Schlafsacks vor allem mit dem Füllmaterial zu tun haben musste – und dass Baumwolle vermutlich nicht geeignet war. Nansen favorisierte Hohlfasern wie Rentier- und Kamelhaare sowie die damals neuartige »Wunderfüllung aus den Tropen«: Kapok. Bis heute wird diese Pflanzenfaser etwa für Allergiker-Bettwäsche verwendet.

Nansen und Georg Fuglesang von der Wattierungsfabrik entwickelten gemeinsam die ersten Schlafsäcke für Nansens Arktis-Expeditionen. Diese Modelle – Baumwollstoff mit Kapok gefüllt – waren die ersten kommerziell hergestellten Outdoor-Schlafsäcke überhaupt. So kann sich Ajungilak – damals noch Fuglesang’s Mechanisk Wattfabrikk – auf die Fahnen schreiben, der weltweit erste Hersteller von wattierten Schlafsäcken zu sein.

Nach Fridtjof Nansen war der große Roald Amundsen Käufer von Fuglesang-Schlafsäcken. 1892 benutzte der später am Nanga Parbat verschollene Albert Frederick Mummery einen ersten Daunenschlafsack auf seinem Trip zum Kangchenjunga.

 

Revolution bei Ajungilak: Der Reißverschluss kommt

Wundertüte zum Jubiläum: der Igloo Air Comfort mit eingebautem Kissen. Geschenk zum Jubiläum: Zu vielen Ajungilak-Säcken gibt's das Air Pillow gratis. | Foto: Archiv Ajungilak

Die neuartigen Schlafsäcke kamen langsam auch beim gemeinen Outdoor-Volk in Mode. Fuglesang bot ab 1920 Daunenschlafsäcke an und verbesserte die Qualität ständig durch Investitionen in den Maschinenpark. Ein technischer Durchbruch, der auch aus heutiger Sicht die »alten Säcke« etwas neuzeitlicher erscheinen ließ, kam 1928: der Reißverschluss. Was bislang geknöpft werden musste, konnte man nun elegant zippen.
Zeitgleich boomte in weiten Teilen Europas der Natursport. Wandern und Zelten wurden Anfang der 30er Jahre populär, in Deutschland etwa erhielt die Wandervogel-Bewegung regen Zulauf.  

1931 entstand auch der Name Ajungilak. Die Grönland-Durchquerer Martin Mehren und Arne Hoygaard benutzten während ihrer Tour Schlafsäcke von Fuglesang. Sie hatten unterwegs auch Kontakt mit der grönländischen Urbevölkerung und stießen beim Vokabellernen auf das Inuit-Wort »Ajungilak«. Es bedeutet sowohl »herzliche Grüße« als auch »warm« und »alles in Ordnung«. Das wäre doch ein guter Name für eine Schlafsackmarke, fanden die Expeditionisten. Das fand auch der neue Verkaufsleiter Georg Fuglesang (der dritte Georg auf diesem Posten) und kam alsbald mit einer großen Palette unterschiedlicher Ajungilak-Schlafsäcke auf den Markt, darunter Mumienformen, Deckenschlafsäcke, ein Ganzkörperschlafsack mit Armen und ein Zweierschlafsack.

 
Schlafsack-Know how
 

Auf die inneren Werte kommt es an

 

Außen- und Futterstoff dürfen sich nicht berühren, sonst entstehen Kältebrücken. Für Abstand sorgen Füllung und Kammern. Bei Daunensäcken bilden meist Stegwände aus Netzgewebe die Kammern. Diese können senkrecht, schräg oder V-förmig stehen, wichtiger ist das richtige Verhältnis von Kammervolumen zu Füllmenge und Loft (Fillpower der Daunen).Bei Kunstfasersäcken liegt die Füllung oft einfach in Lagen übereinander, oder es kommt (bei teureren Modellen) eine Schindelkonstruktion zum Einsatz.

Meist werden die Füllfaservliese auf einem dünnen Trägermaterial fixiert und dann mit Schlafsackfutter und -oberstoff verbunden. Basismaterial ist fast immer Polyester, wobei Herstellungsprozess und Veredelung der Fasern großen Einfluss auf die Bauschfähigkeit (Loft) und Haltbarkeit der Füllung haben. Ajungilak stellt alle Füllmaterialien selbst her.

 

Gubbe – oder: der erste Teletubbie bei Ajungilak

1936 zündete Fuglesang III die nächste Stufe seines Innovationsfeuerwerks und lancierte »Gubbe«, einen baumwollgefüllten Schlafsack mit Armen und Beinen. Aus heutiger Sicht betrachtet, hat er eine gewisse Ähnlichkeit mit der rundlichen Optik der »Teletubbies«. Aber der Gubbe-Sack nutzte geschickt die Möglichkeiten des damals noch als Sensation geltenden Reißverschlusses. Man konnte dank der aufzippbaren Beine damit sogar laufen.

1936 durchaus ernst gemeint: Gubbe, ein Wunderschlafsack für Erwachsene. | Foto: Archiv Ajungilak

Ende der 30er bis Mitte der 40er Jahre hatten die Europäer mit Outdoor-Vergnügen nicht viel im Sinn: Der zweite Weltkrieg verlangte nach Material für die Truppen. Ajungilak versorgte die norwegischen und finnischen Truppen mit Schlafsäcken. Doch bald nach dem Krieg stieg man wieder in den erstarkenden Freizeitmarkt ein – mit größerer Kapazität und neuen Ideen.

Inzwischen hatten sich synthetische Materialien rasant entwickelt. Der erste Nylon-Stoff, 1939 von DuPont auf den Markt gebracht, würde uns Neuzeit-Menschen in Sekundenschnelle zu Schweißausbrüchen treiben. Damals aber war Nylon der Durchbruch für günstigere Bekleidung und Textilprodukte – und sorgte für eine Demokratisierung der Mode. Auch im Schlafsack-Business brachten Kunstfasern große Fortschritte: 1956 lancierte Ajungilak den »Igloo«, den ersten Kunstfaserschlafsack mit einem »verfaulsicheren« Nylon-Außengewebe und einer wasserfesten Füllung aus Polyesterfasern. Zu den Fans der synthetischen Ajungilak-Schlafsäcke gehörten die Grönland-Expeditionisten Staib und Reese ebenso wie der Anthropologe Thor Heyerdahl, der auf »Ra«, »Ra 2« und der »Tigris« in Ajungilak schlief.

 

Technik, Material, Händler – vom Feinsten bei Ajungilak

Geben & nehmen: Ajungilak sponsert Expeditionen, die Erfahrungen der Sportler fließen in die Produkte ein. Stefan Siegrist am Thalay Sagar (6.904 m), Indien. | Foto: Rob Frost

Seit vielen Jahrzehnten gehört der Aufenthalt im Freien zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen. Unzählige Menschen, vom berühmten Forscher über den weltbekannten Bergsteiger bis zum ganz normalen Camper, haben ungezählte Nächte in Ajungilak-Schlafsäcken verbracht. Die Marke hat sich vom früheren Image eines Spezialisten für Kunstfaserschlafsäcke zu einem Hersteller gemausert, der sowohl im Bereich Kunstfaser wie auch bei Daunenschlafsäcken für höchste Qualität und Innovation steht. Seit 2001 gehört Ajungilak zur schweizerischen Mammut Sports Group – ein Name, der in fast allen Produktbereichen rund um den Outdoor-Sport für höchste Qualitätsansprüche und ein hervorragendes Preis/Leistungs-Verhältnis steht. Bis heute stattet Ajungilak viele Expeditionen aus und lässt die Erfahrungen der Sportler in die Optimierung der Schlafsäcke einfließen.  

Die immense Erfahrung hat auch einen technologischen Vorsprung geschaffen. So kann sich Ajungilak damit rühmen, Füllungen herzustellen, die weder mit Leim noch mit Bindungsfasern verbunden werden. Allein die Konstruktion und der Herstellungsprozess garantieren die Haltbarkeit der Füllvliese. In der Praxis bringt das viele Vorteile: eine verbesserte Resistenz gegen Hitze, weil die Fasern einen höheren Schmelzpunkt aufweisen; eine höhere Komprimierbarkeit und damit ein kleineres Packmaß – und außerdem mehr Wärmeleistung. »Unser großes Know-how bei Füllungen und Fasern ermöglicht es uns, Fasermischungen für sehr spezifische Bedürfnisse herzustellen«, erklärt Produktmanager Bernhard Ackermann, selbst erfahrener Höhenbergsteiger und Schlafsacktester.

Anspruchsvoll ist Ajungilak auch bei der Auswahl der Händler, die die Schlafsäcke anbieten: Ajungilak beliefert ausschließlich qualifizierte Outdoor- und Sportgeschäfte, denn bei der Vielfalt des Schlafsack-Programms ist Beratung das A und O. Neben der Grundsatzentscheidung zwischen Daune und Kunststoff sind bei der Wahl des richtigen Sacks Kriterien wie Materialien, Innenleben (siehe Infokasten), Schnitt und Wärmeleistung entscheidend. Da braucht man Händler, die nicht unbedingt um jeden Preis verkaufen, sondern vor allem gut ausgeschlafene Kunden wollen.

 

Ajungilak: Extra-bequem im Geburtstagsjahr

Zum 150-jährigen Jubiläum haben sich Ajungilak und Globetrotter natürlich auch ein paar Überraschungen einfallen lassen: Den Dauerbrenner »Igloo« – natürlich nicht den von 1956, sondern die aktuelle Version von 2005 – gibt es zum Geburtstag als »Air Comfort«-Version mit integriertem Kissen zum Aufblasen. Und wer einen Ajungilak-Schlafsack aus den Serien Tyin, Kompact oder Vision ordert, bekommt das nagelneue Aufblaskissen »Air Pillow« im Wert von 14,95 € kostenlos dazu.

Wir wünschen den 4-Seasons-Lesern damit Gute Nacht und angenehme Träume – und Ajungilak weitere 150 erfolgreiche Jahre.

 
Tipps vom Schlafsack-Profi
 

So lebt Ihr Schlafsack länger

 
  • Schlafsack beim Packen nicht rollen. Stattdessen vom Fußende her geschlossen in den Packsack stopfen.
  • Kompressionssack nur bei Bedarf komprimieren.
  • Schlafsack jeden Morgen vor dem Packen gewendet auslüften. Billige Kunstfaserschlafsäcke nie großer Hitze aussetzen (Auto, Kofferraum, Trockner). Ajungilak-Schlafsäcke sind weniger empfindlich.
  • Aufbewahrung von Daunenschlafsäcken zu Hause am besten ausgepackt oder hängend, allenfalls in einem großen, luftdurchlässigen Aufbewahrungssack.
  • Nur waschen, wenn der Schlafsack richtig schmutzig ist, stinkt oder der Loft nachlässt. Spezialwaschmittel benutzen. Nicht schleudern – das kann die Innenkonstruktion zerstören!
  • Trocknen im Trockner: Weniger hochwertige Füllungen vertragen das Trocknen im Tumbler nicht. Ajungilak-Schlafsäcke können Sie ohne Bedenken trocknen.
  • Ein Inlet oder Schlafanzug verlängert den notwendigen »Waschzyklus« erheblich.
  • Neben dem Schlafsack ist auch eine gute Isomatte Voraussetzung für warme, erholsame Nächte.